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  1. Schoener Reisen » Forum » Sehen, erleben und berichten
  2. Heiko705

Beiträge von Heiko705

  • Im Land der Pharaonen

    • Heiko705
    • 3. Februar 2026 um 17:12

    Hallo, Jürgen. Solche Sicherheitskontrollen, wie Du sie erlebt hast, gab es nicht. Das ist ja auch schon 10 Jahre her. So wie ich es in Erinnerung habe, war es nur eine einzige Kontrolle. Ganz normal.

    Wenn man die Sache mit dem Trinkgeld weiß, dann kann man sich darauf einstellen. Ein Einheimischer wird in der Regel nichts umsonst machen. Bietet er Hilfe an oder stellt er sich in Pose für ein Foto, braucht man sich nicht darauf einzulassen. Will er einem etwas in die Hand geben, braucht man es nicht zu nehmen. Verlangt er nach Erbringen seiner Leistung mehr Geld als vereinbart war, braucht man es ihm nicht zu geben. Auf einem Kreuzfahrtschiff stelle ich es mir nicht ganz so leicht vor, wenn man das Personal jeden Tag wiedersieht oder alle etwas geben und man als Einziger heraussticht. Aber auch so einem Busfahrer kann man 50 Cent geben, obwohl er 1 € will.

    Ich war spendabler als ich hätte sein müssen. Letztendlich hat man vieles selbst in der Hand.

  • Im Land der Pharaonen

    • Heiko705
    • 2. Februar 2026 um 16:57

    Hallo Jürgen, solche übertriebenen Sicherheitskontrollen, wie Du sie erwähnst, gab es nicht. Sie waren wie bei jedem anderen Flug auch. Hat man sicher irgendwann wieder abgeschafft!

    Von daher wünsche ich Dir, dass Ihr die Reise vielleicht doch noch mal antreten könnt.

    Zu den Kosten: Der Urlaub kostete mich in etwa so viel wie der ein Jahr zuvor nach Thailand. Mein Mexiko-Urlaub war teurer.

  • Im Land der Pharaonen

    • Heiko705
    • 2. Februar 2026 um 10:26

    Hallo liebe Helga, die Reise meines Lebens war es nicht unbedingt, aber eine der Besten auf jeden Fall. 6-8 Monate habe ich mich sicher darauf vorbereitet. Bei einem fremden Land auf einem anderen Kontinent, worüber man noch nicht viele Informationen hat, dauert das eine Weile, da hast Du völlig recht. Ich danke Dir für Deine netten Zeilen und freue mich, wenn ich Dich etwas mitnehmen konnte.

  • Im Land der Pharaonen

    • Heiko705
    • 1. Februar 2026 um 16:21

    Tag 16 – Zurück ans Rote Meer (26.10.2024)

    Jetzt war es soweit. Heute musste ich wieder zurück nach Hurghada, um meinen Mietwagen wieder abzugeben und gen Heimat zu fliegen. Ich hatte aber beschlossen, ganz früh zu starten, und wenn ich dann mit noch viel Restzeit früh in Hurghada ankommen würde, dann könne ich noch mal baden gehen, so die Überlegung, die mir ein paar Tage zuvor gekommen war. So war also der Plan. Mein Hab und Gut war ja bereits gepackt. Ich startete also ganz früh gegen 5 Uhr, deponierte den Schlüssel des Apartments an der vereinbarten Stelle, damit ihn keiner fand und verließ Luxor.

    Nun lag wieder die 4-stündige Fahrt durch die Wüste nach Hurghada vor mir, doch zur Sicherheit rechnet man natürlich etwas mehr Zeit ein. Es kann ja immer mal was passieren. Der Rückflug war ja erst am Nachmittag. Die Rückfahrt verlief dann problemlos. Zunächst war sehr wenig Verkehr auf der berüchtigten Strecke durch das Nichts, später nahm er immer mehr zu. So langsam wurde es hell. Ab und zu hielt ich einfach mal kurz an, um ein Foto zu machen. Als ich um 8:45 Uhr bereits in Hurghada eintraf, war ich nicht wenig überrascht. Ich tanke den Wagen voll und holte mir einen Snack, da ich noch nicht gefrühstückt hatte.

    Auf der Rückfahrt an die Küste

    Zurück in Hurghada

    Da mir keine unbegrenzte Zeit zur Verfügung stand, um einen speziellen Strand anzufahren, hatte ich mir eine Bademöglichkeit am Rand der Stadt ausgesucht, parkte in einer Seitenstraße und lief dann zu Fuß. Der Einfachheit halber hatte ich mir gleich im ersten Viertel Hurghadas – ich war südlich der Marina – eine Ecke ausgesucht. Mein Ziel war, einfach noch einmal im Roten Meer zu baden. Ich war da jetzt nicht so wählerisch. Aber hier ist an der Küste alles dermaßen zugebaut, dass es gar nicht so einfach ist, das Meer zu erreichen. Die Strände scheinen fast alle Privatbesitz zu sein. So ziemlich jeder Durchgang zum Wasser war verschlossen. Ich schlug den Weg zu dem von mir ausgesuchten Strand ein, denn dieser sollte öffentlich sein. Zwischen den Gebäuden führte ein geteerter Weg auf die Küste zu. Das sah gut aus. Bald rief man mir etwas zu. Ich dürfe hier nicht entlang gehen. Dieser Weg sei privat. Ich drehte wieder um.

    Auf dem Weg zum Strand

    Dann sah ich ein Schild mit der Aufschrift „Family Beach Seagull“. Na, hier sollte ich doch wirklich etwas Öffentliches gefunden haben. Ich folgte dem Wegweiser und kam zu einem Ticket-Office. Man muss natürlich auch bedenken, dass wir noch recht früh am Morgen hatten. Viele der Strandanlagen – seien sie nun öffentlich oder privat – waren wahrscheinlich auch noch geschlossen. Ich zahlte keinen besonders hohen Preis. Dann kam ich zu einem nicht großen, aber feinsandigen Strandabschnitt mit Liegen und Sonnenschirmen. Außer mir waren ca. 5 weibliche Gäste dort, die in den Morgenstunden bereits den Strand genießen wollten. Ich nahm auf einer Liege unweit des Wassers Platz, und nach einer Weile badete ich im Wasser des Roten Meeres. Dann ruhte ich ein wenig und erfreute mich am Blick auf das Meer und die der Stadt Hurghada vorgelagerten Giftun Inseln.

    Durch diesen kleinen Vergnügungspark ging es hinunter zum Strand

    Am Family Beach Seagull

    Ankunft am Strand

    Unterm Sonnenschirm

    Blick aufs Rote Meer

    In der Morgensonne

    Einfach mal entspannen

    Einheimische beim Ziehen ihrer Wassersportgeräte

    Um 10:30 Uhr war ich wieder im Mietwagen und fuhr in Richtung des Flughafens. Eine halbe Stunde später hatte ich den Wagen abgegeben, der mich 1.515 km durch Ägypten gebracht hatte – von Hurghada durch die Wüste bis hin zum Nil nach Luxor, über Esna und Edfu hinunter nach Assuan und auf der anderen Nilseite über Kom Ombo wieder zurück nach Luxor, hinauf nach Qena bzw. Dendera und bis in die Nähe von Sohag nach Abydos und letzten Endes wieder zurück nach Hurghada. Er war zuverlässig, aber der Wagen hatte ja auch erst 70.000 Kilometer gelaufen. Im Normalfall sollte dann ja auch noch nichts passieren. Nun hatte ich noch dreieinhalb Stunden Zeit.

    Vor der Mietwagenabgabe

    Am Flughafen

    Was mich ärgerte, waren die merkwürdigen Regularien hier am Flughafen. Ich hätte gern eine Kleinigkeit zu mir genommen, durfte aber partout nicht in das Flughafenhauptgebäude, wo es zumindest einen Automaten mit Snacks und Getränken gab. Auch meine Erklärungen, dass ich mir doch lediglich eine Kleinigkeit zu essen kaufen wolle, halfen nicht weiter, obwohl ich nur ca. 20 Meter in das Gebäude hätte gehen müssen und sofort wieder zurück gekommen wäre. Ich musste außerhalb des Gebäudes warten, bis die Schalter in der Abflughalle öffneten, denn nur diese darf man als Abreisender betreten. Sowas habe ich noch nie erlebt.

    Ich warte, bis die Abflughalle öffnet

    Gegen 11:50 Uhr, also drei Stunden vor Abflug, war es endlich soweit, ich durfte hinein, konnte mein Gepäck aufgeben und konnte mir ein Sandwich und einen Kaffee kaufen. Dann hatte ich noch viel Zeit. Am Gate sah ich zwei deutsche Damen, ein paar Jahre älter als ich, mit denen ich ein paar belanglose Worte wechselte. Gegen 14:15 Uhr begann das Boarding, und um 15:01 Uhr, elf Minuten zu spät, hob der Flug MS8231 der Fluggesellschaft Egypt Air ab. Die beiden zuvor gesehenen Damen saßen eine Reihe vor mir im Flieger. Wir flogen über die sandige Landschaft, und nach ein paar Minuten hatten wir Berge erreicht. Nach insgesamt 3 Stunden und 55 Minuten landeten wir sanft auf der Rollbahn in Frankfurt. Es war kalt und nass. Wo war ich denn hier gelandet? Ich will wieder zurück!

    Sandwich und Kaffee

    Warten auf das Boarding

    Das Boarding hat begonnen

    Rein geht's

    Ich bin drin

    Der Start ist geglückt

    Ägypten hat auch Wüstenberge

    Über den Wolken

    Anflug auf Frankfurt

    Sicher gelandet

    Um 20:00 Uhr hatte ich endlich meinen Koffer erhalten. Der Eigene ist ja immer der Letzte. Auch die beiden Damen sah ich wieder. Ich rauchte noch eine Zigarette und stieg in den Regionalzug nach Kassel, denn ich wollte ja, wie auf der Hinreise, mit meinem Deutschlandticket nach Hause fahren, was auf der Strecke von Frankfurt nach Kassel nur eine halbe Stunde an Mehrzeit ausmacht. Als ich mich um kurz vor 23:00 Uhr fertig machte und mich schon mal langsam an eine Tür stellte, kamen doch wirklich 2 Damen den Gang entlang und stellten sich an die gleiche Tür. „Ach nee, ne?“ sagte die Eine der Beiden und musste lachen. Das war schon ungewöhnlich. Man trifft sich zum ersten Mal vor dem Abflug in Hurghada und steigt dann gemeinsam in Kassel aus dem Zug aus. Ich hatte ja keine Ahnung, dass die Beiden ebenfalls aus Kassel kommen. Sie waren um die 55 Jahre alt und recht lustig. Doch damit nicht genug. Die Eine der Beiden, mit braunen, gelockten Haaren, mit der ich bereits vorher schon mehr gesprochen hatte, wollte sich ein Taxi nehmen, ihre Freundin musste in eine andere Richtung und verschwand. Ich erwähnte, dass ich ebenfalls ein Taxi nehmen würde. „Ja, wohin musst Du denn?“ Und sie sagte eine Adresse, die vielleicht 400 Meter Luftlinie von meinem Zuhause entfernt ist. Ja, konnte das war sein? Allerdings wohne dort ihre Mutter, und zu ihr wollte sie zuerst, wäre aber hin und wieder bei ihr. Sie selbst wohnt dann doch in einem anderen Stadtteil, dennoch unglaublich. Wir teilten uns das Taxi und fuhren gemeinsam.

    Zigarettenpause am Frankfurter Flughafen

    S-Bahn zum Frankfurter Hauptbahnhof

    Im Zug nach Kassel

    Schließlich verabschiedeten wir uns, und sie stieg zuerst aus dem Taxi aus. So habe ich auch auf dem Rückweg noch eine kleine kuriose Geschichte erlebt. Regelmäßig ist es ja ein etwas merkwürdiges Gefühl, nach einem längeren Urlaub dann wieder vor seinem Wohnhaus zu stehen. Man hat so viel erlebt, und plötzlich ist alles vorbei, und man ist wieder daheim, wo man immer ist. Und so ließ der Taxifahrer letzten Endes auch mich aussteigen, und um kurz nach 23:00 Uhr war ich wieder zuhause. Natürlich macht man dann nicht mehr viel und fällt bald in sein Bett. Zum Glück hatten wir noch Samstag, und so hat man dann vor der Arbeit zumindest noch den Sonntag, um ein wenig auszuruhen.

    Was soll man fühlen nach einem solchen Urlaub? Natürlich ist man noch viele Tage danach gedanklich in Ägypten und denkt an Sand, Kamele und Pyramiden. Lange habe ich auch noch an Sayed gedacht, mein Fahrer vom vierten und sechsten Tag, mein Freund, mit dem ich in Saqqara an der Stufenpyramide, in Dahschur an der Knickpyramide und in Memphis war, mit dem ich viel Spaß hatte und dessen Gesicht strahlte, wenn er mich ansah. An Sayed, der mich wahrscheinlich auch zum Abendessen mit zu seiner Familie genommen hätte, wenn es sich ergeben hätte. Unfassbar, wie viel Spaß wir bei unseren Unterhaltungen mittels Google-Übersetzer hatten. Aber wahrscheinlich eben aus diesem Grund haben wir unsere Nummern nicht ausgetauscht, denn eine Unterhaltung ohne diesen Google-Übersetzer wäre mühsam gewesen, wenn der Eine fast nur arabisch spricht und der Andere nicht. Hat man wirklich Lust, sich alles immer und immer wieder übersetzen zu lassen, was der Andere schreibt? Außerdem ist es mehr als unwahrscheinlich, dass man sich noch einmal wiedersieht.

    Ich bin in 8 verschiedene Pyramiden hinabgestiegen, habe weitere Nekropolen und unzählige Tempel besucht, bin über 1.500 Kilometer auf Ägyptens Straßen gefahren, habe die Altstadt Kairos besucht, den chaotischen Verkehr in der Metropole miterlebt und eine Vielzahl von Mumien gesehen, habe mich zu ägyptischen Fahrern ins Auto gesetzt, eine Tanzveranstaltung miterlebt, kam in Kontakt zu den Einheimischen und saß mit ihnen beim Tee, habe diverse Museen besucht und Bootsfahrten auf dem Nil unternommen, gutes Essen genossen, orientalische Märkte besucht, bin am Ende sogar noch mal im Roten Meer geschwommen, was will man sich mehr wünschen? Das Schöne ist, wenn man sich nun Dokumentationen über Ägypten im Fernsehen ansieht, kann man meistens sagen „da war ich“, denn alle halbwegs wichtigen Orte habe ich besucht. Von dieser Reise werde ich noch lange zehren, und die ägyptische Geschichte lässt mich nach wie vor nicht los.

  • Im Land der Pharaonen

    • Heiko705
    • 31. Januar 2026 um 01:30

    Theoretisch können Terroristen überall ihrem "Handwerk" nachgehen. Das kann sowohl im Karnak-Tempel passieren als auch an jedem anderen Ort. Doch die Zeit des Arabischen Frühlings ist mittlerweile lange vorbei. Heute ist es doch verhältnismäßig ruhig im Land. Ich habe mich nirgendwo in Gefahr gefühlt, was das angeht. Es gibt Gegenden wie z.B. die Sinai-Halbinsel oder das Grenzgebiet nach Libyen, vor denen das Auswärtige Amt warnt, aber dort muss man ja auch nicht unbedingt hin. Selbst bei uns soll man ja schon große Menschenansammlungen meiden.

    Zum Glück ist man sich in Ägypten durchaus bewusst, dass man auf die Touristen angewiesen ist. Noch vor 15 Jahren sind diese weitestgehend ausgeblieben, und da hat die Wirtschaft stark drunter gelitten. Vielleicht ist auch dies mit ein Grund, warum man sich im Israel-Konflikt weitestgehend rausgehalten hat, aber es besteht auch ein Bündnis zu beiden Konfliktparteien. Ich wage zu behaupten, dass es für einen Alleinreisenden im Land heutzutage relativ sicher ist, jedenfalls nicht unsicherer als in einer ganzen Reihe anderer Staaten.

    Hinzu kommt aber eben, dass ich in einer Zeit dort war, in der es - wie bereits angesprochen - im angrenzenden Gaza-Streifen hoch her ging, doch da Ägypten sich aus der Sache rausgehalten hat, ist es ruhig geblieben. Zur Sicherheit habe ich aber vom Auswärtigen Amt aktuelle Nachrichten, die Sicherheitslage Ägyptens betreffend, abonniert, so dass ich jederzeit informiert worden wäre, wenn sich im Land etwas ändert.

    Im Karnak-Tempel kann es schon mal passieren, dass man den Durchblick verliert, wer was erbaut hat. Das ist schon sehr verwirrend.

    Wenn man alle Eintrittsgelder überall einzeln zahlt, wird man arm, aber da ich sowohl den Cairo- als auch den Luxor-Pass hatte, blieb es zumindest überschaubar. Ein paar Hundert Euro gehen für alles natürlich drauf, und es wird durchaus so sein, dass ich auch an Trinkgeldern eine dreistellige Summe gezahlt habe, aber das Gute ist hierbei, dass man wirklich günstig essen kann und das Benzin für unsere Verhältnisse ja geradezu verschenkt wird. Das macht das Ganze wieder etwas wett.

    Der Erwerb der Online-Tickets war recht einfach und auch per Kreditkarte abzuwickeln.

  • Im Land der Pharaonen

    • Heiko705
    • 29. Januar 2026 um 23:12

    Tag 15 – Der Karnak-Tempel (25.10.2025)

    Am heutigen Tag hatte mein Bruder Olli Geburtstag. Am Abend würde ich ihm Bilder des Karnak-Tempels schicken. Ich mein‘, wer bekommt schon an seinem Geburtstag Bilder des Karnak-Tempels geschickt von jemandem, der gerade vor Ort ist? Und es würde mein letzter Tag dieses wunderbaren Urlaubs sein. Am Vorabend hatte ich mein Gepäck bereits etwas vorgepackt. Für den Rückflug am nächsten Tag war ich bereits online eingecheckt. Ich hatte beschlossen, das Auto heute stehen zu lassen. Alles, was ich mir anschauen wollte, würde in Reichweite sein. Ich band mir meinen Schal um den Kopf und marschierte um 7:00 Uhr los. Um diese Uhrzeit waren die Straßen noch leer. Nur hin und wieder bekam ich mal einen anderen Fußgänger zu Gesicht, und auch der Verkehr war überschaubar.

    In der Corniche

    Als ich an der Corniche am Nil entlang lief und über das Wasser schaute, sah ich unzählige Ballons am Himmel, die über dem Westufer in der Luft hingen, mit Aussicht auf das Tal der Könige, den Tempel der Hatschepsut und die Täler der Arbeiter und Noblen, die ich mir vor einer Woche ebenfalls angesehen hatte. Ich hatte von solchen Ballonfahrten gelesen, die jedoch nicht unbedingt günstig sind. Wahrscheinlich fand so etwas jeden Morgen statt, genau wie die Flüge der Tragkopter über den Pyramiden in Gizeh. Mein Weg war 5 Kilometer lang und führte mich zunächst am Luxor-Tempel vorbei, aber der war erst später an der Reihe. Also weiter immer geradeaus am Ufer entlang, kam ich nach einer knappen Stunde auf den großen Besucherparkplatz am Karnak-Tempel. Der Eintritt kostet umgerechnet 9 €, doch ich hatte das Ticket schon vorher online gebucht.

    Ballons über Theben-West

    Sonnenaufgang über dem Luxor-Tempel

    Der Eingang des Luxor-Tempels von der Corniche aus gesehen - das sah schon mal beeindruckend aus

    Vorbei an einem Minarett

    Am Ziel angekommen

    Ich kam an den Eingang. Der Tempel ist eine ganze Anlage und besteht aus vielen kleineren Tempeln, insgesamt handelt es sich jedoch um die größte Tempelanlage Ägyptens. Für mich etwas ganz Besonderes, was ich mir für den letzten Tag aufgehoben hatte. Die heute ältesten Teile wurden unter Sesostris I. ca. 1.950 v. Chr. erbaut, doch die Anlage wurde bis in die Römerzeit immer wieder erweitert. Jeder Pharao hat hier eigentlich etwas dazugestellt. Die Tempelanlage besteht aus drei von Mauern umgebenen Bereichen, dem Bezirk des Amun (Wind-und Fruchtbarkeitsgott), dem Bezirk des Month (Gott von Theben und des Krieges) und dem Bezirk der Mut, der Gemahlin Amuns. Der Eingang wird von auf beiden Seiten liegenden Sphingen mit Widerköpfen gesäumt. Die meisten von ihnen sind noch komplett. Im Alten Ägypten reichte bis hierhin das Wasser, denn man erkennt vor dem Eingang eine Hafenanlage. Heute ist der Fluss 500 Meter entfernt.

    Eingang des Karnak-Tempels

    Die Widder-Sphingen vor dem Eingang

    Dann betrat ich den Tempel durch die erste große Toranlage (1. Pylon) und befand mich automatisch im Bezirk des Amun. Nun kam ich auf einen Platz. Hier gibt es die Kapelle von Sethos II., die ich als Erstes betrat. Auf der anderen Seite befinden sich wieder eine Reihe mit Widder-Sphingen und daneben ein Tempel von Ramses III., dessen Eingangstor von zwei Statuen bewacht wird. Im Innern geht man über einen gemauerten Weg zwischen weiteren Statuen, die vermutlich alle Ramses III. zeigen, hindurch und kommt zu einigen sehenswerten Wänden und Säulen. Dann war ich zurück auf dem Platz und ging weiter geradeaus. Ich bewegte mich auf den großen Säulensaal zu. Der Eingang (2. Pylon) wird von Kolossalstatuen Ramses' II. flankiert; eine davon zeigt ebenfalls seine Tochter Meritamun, die vor ihrem Vater steht. Ich schritt hinein und wurde von den Säulen geradezu erschlagen – ein Wald aus Säulen. Auf einer Fläche von 103 Metern Länge und 53 Metern Breite stehen 134 Säulen, die einst das hölzerne Dach trugen. Hier kommt man sich relativ klein vor. Die mittleren Säulen sind über 22 Meter hoch. Der Bau wurde von Pharao Haremhab begonnen und später unter Sethos I. und Ramses II. vollendet. Die Reliefs sind zum Teil noch gut zu erkennen, und die meisten der reich verzierten Kapitelle (Abschlussstücke) sind noch erhalten. Die Säulen sind mit steinernen Deckenstreben verbunden. An ihnen sind die Farben und Details besonders gut sichtbar. Die Halle endet mit dem 3. Pylon.

    Der große Platz hinter dem Eingang mit Blick auf den Eingang zum Säulensaal

    Widder-Sphingen neben dem Tempel von Ramses III.

    Eingang zum Tempel von Ramses III.

    Statue von Ramses II. neben einer verhüllten Statue

    Vor der großen Säulenhalle

    Die Deckenstreben sind noch schön, wie ich finde

    In der Säulenhalle

    Die Säulen sind reich mit Reliefs verziert

    Unter der Krone des Säulenwalds

    Die Wände der Säulenhalle

    Nun steht man auf einem kleinen Hof. Ich bog kurz rechts ab und kam auf den Cachette Court. Ich durchschritt noch das nächste Tor (7. Pylon) – in diesem Bereich sieht man viele Reliefs, die in den Krieg fahrende Streitwagen zeigen – kam dann aber wieder zurück auf den kleinen Hof hinter der Säulenhalle. Von hier aus kann man nach Norden hin den Tempel seitwärts verlassen und gelangt dann zum Tempel des Ptah, den ich nicht ausfindig machen konnte. Zwischen dem 4. und 5. Pylon stehen die großen Obelisken von Thutmosis I. und Hatschepsut. Gerade der zweite Obelisk ist mit einer Höhe von 30 Metern der größte Obelisk Ägyptens. Folgt man weiterhin dem Weg nach Westen, gelangt man zum inneren Heiligtum. Hier ist ein heute noch überdachter Raum mit einem Sockel, auf dem man wohl während einer Prozession die tragbare Kultbarke abstellte. Vom Hof des Mittleren Königreichs gelangt man zum Festtempel von Thutmosis III. (Ach-menu). Der höhere Mittelraum besteht aus zwei Säulenreihen mit je zehn Säulen und ist von niedrigeren Seitenschiffen mit insgesamt 32 Säulen umgeben. Wo der 6. Pylon ist? Ich hab‘ keine Ahnung.

    Der 7. Pylon

    Die Reliefs mit den Streitwagen

    Na, wo gehört dieses Teil denn hin?

    Die Obelisken von Thutmosis I. (vorn) und Hatschepsut (hinten)

    Blick zurück durch die große Säulenhalle

    Obelisk der Hatschepsut

    Inneres Heiligtum mit Sockel

    In der Nähe des Hofs des Mittleren Königreichs

    Der Hof des Mittleren Königreichs

    Festtempel von Thutmosis III.

    Vorm Tempel von Ramses III. am Ende des Geländes            

    Ganz im Westen kommt man zum Ende des ummauerten Geländes. Hier steht noch ein Tempel von Ramses III., der auch heute noch fast vollständig erhalten und in sehr gutem Zustand ist. Ich drehte mich nach Süden und kam zum Heiligen See. Er wird lediglich durch das Grundwasser gespeist. Die Götterfiguren wurden ausschließlich mit dem Wasser des Sees gewaschen. Neben dem See kam ich an einen Steinsockel, auf dem ein Skarabäus ruht. Er ist eine große Granitstatue, die Pharao Amenophis III. gewidmet ist. Der Skarabäus galt im alten Ägypten als Symbol für Auferstehung und Wiedergeburt, und der Käfer wurde für Rituale am Heiligen See genutzt. Heute ist es ein beliebter Brauch, den Skarabäus sieben Mal im Uhrzeigersinn zu umrunden, um Glück zu haben oder Wünsche erfüllt zu bekommen. Natürlich konnte ich mir das nicht entgehen lassen, und so umrundete auch ich ihn sieben Mal. Alle machten das.

    Tempel von Ramses III. am Ende des Geländes

    Der Heilige See

    Alle umrunden den Skarabäus

    Am See entlang gelangte ich nach Süden zum 9. Pylon und wand mich wieder um, um durch den 8., an dessen Wand zwei Kolossalstatuen von Amenophis I. und Amenophis II. sitzen, zurück in den Norden zu kommen, wollte ich doch den Tempel des Ptah finden, was mir leider verwehrt blieb. Aber so bekam ich die Rote Kapelle von Königin Hatschepsut und die Weiße Kapelle von Sesostris I. zu Gesicht. Sie ist das älteste erhaltene Bauwerk der Tempelanlage.

    Der 9. Pylon

    Kolossalstatuen von Amenophis I. und Amenophis II.

    Irgendwann entschied man sich, den zunächst von Westen nach Osten verlaufenden Prozessionsweg, nach Süden abbiegen zu lassen, weshalb die 7. – 10. Toranlage im Süden liegt. Ich besuchte nun den Chons-Tempel und folgte dem Weg wieder nach Süden. Der Tempel macht einen prächtigen und mächtigen Eindruck. Der Bau wurde von Ramses III. begonnen und von späteren Pharaonen vollendet. Hinter der großen Toranlage befindet sich ein großer Säulensaal mit 28 Säulen, in dem Chons, der ägyptische Mondgott, als Pavian auf dem Boden sitzt. Schließlich verließ ich den Bezirk des Amun durch ein hohes Tor.

    Der Chons-Tempel

    Chons, der Mondgott

    Ein Blick zurück

    Durch eine Allee mit Widder-Sphingen lief ich hinüber zum Bezirk der Mut. Die Meisten der Sphingen sind verfallen. Ich zeigte mein Ticket, welches ich ebenfalls schon vorher hatte und ging durch ein hölzernes Tor. Der gesamte Tempel, der sich in einen Tempel A (gewidmet dem Chons-pa-chered, einem Kind des Gottes Chons), einen Tempel C (Tempel von Ramses III.) und den Haupttempel der Göttin Mut unterteilt, ist jedoch nicht in einem vergleichbaren Erhaltungszustand wie der Karnak-Tempel. Vielfach sind hier nur die Grundmauern übrig, was mich ein wenig enttäuschte. 1840 wurden die Tempel zum großen Teil abgerissen und als Baumaterial für eine Fabrik verwendet. Ich schaute mir alles in Ruhe an. Im Hof hinter dem Eingang zum Hauttempel war ein Säulengang. Dahinter gelangt man in den Festhof, in dem einst Sitzstatuen der Göttin Sachmet standen. Und noch immer gibt es eine recht gut erhaltene Statue der Göttin Sachmet, der ägyptischen Löwengöttin. Dahinter kam eine große Säulenhalle. Ein paar vereinzelte Säulen stehen noch. Und dann kam das Heiligtum, wieder mit einem Sockel zum Abstellen der Barke während der Prozession. Das war’s. So muss ich sagen, dass jemand, der sich nicht für jedes kleine Detail interessiert, den Mut-Tempel auch auslassen kann.

    Im Mut-Bezirk

    Reliefs im Bezirk der Mut

    Sachmet

    Zwischen dem Karnak-Tempel und dem Luxor-Tempel erstreckt sich die lange Sphinx-Allee. Die mit Sandsteinblöcken gepflasterte 3 Kilometer lange Straße ist auf beiden Seiten von mehr als 1.050 Sphinx- und Widderstatuen gesäumt, oder besser gesagt, war, denn auch hier sind die meisten der Sphingen nicht mehr intakt. Doch es war für mich ein Genuss, ganz allein dieser langen Allee entlang zu schreiten. Die Sonne brannte auf meine Schultern hernieder, aber egal, mein Kopf war ja durch meinen Schal geschützt. Nähert man sich allerdings dem Luxor-Tempel, sind die meisten der Sphingen gut erhalten. Mittlerweile hatten wir fast 13:00 Uhr, und bevor ich mir den Luxor-Tempel anschaute, nahm ich an einem Kiosk Platz, trank etwas und aß einen Snack.

    Beginn der Sphinx-Alle - hier hinten sind noch fast alle Sphingen verfallen

    Die Sphingen der Sphinx-Allee

    Kommt man dem Luxor-Tempel näher, sind die Sphingen alle gut erhalten

    Vor dem Luxor-Tempel

    Kommen wir zum zweiten großen Tempel des Tages, dem Luxor-Tempel. Allein hier vor dem Eingang auf die Hauptfront zu schauen, ist schon…wow. Er wurde zwischen1550 und 1070 v. Chr. errichtet und dem Gott Amun, seiner Gemahlin Mut und ihrem gemeinsamen Sohn, dem Mondgott Chons, geweiht. Aber bereits um 1800 v. Chr. stand hier ein Heiligtum. Ein tolles Gefühl, hier stehen zu dürfen. Im Laufe der Zeit haben leider die Muslime die nebenan stehende Abu el-Haggag-Moschee immer weiter in den Tempel hinein gebaut. Und so kommt es nicht von ungefähr, dass, während ich hinein schritt, mein Unterfangen von muslimischen Gesängen untermalt wurde. Ich mag sowas ja. Da merkt man immerhin, wo man sich befindet, denn schließlich ist Ägypten heutzutage ein vorwiegend muslimisches Land, aber ob man das nun zum Besichtigen des Tempels braucht, sei mal dahin gestellt.

    Die Front des Luxor-Tempels

    Es war Amenophis III., der den Bau des heutigen Tempels begann. Echnaton, der Vater Tutanchamuns, ließ den Tempel schließen, denn unter ihm gab es ja nur den einen Gott Aton. Tutanchamun baute wieder daran. Haremhab, Ramses II., Nektanebos I. und sogar noch Alexander der Große bauten ihn weiter. Die Römer integrierten dann im Tempel eine Festung. In den ersten nachchristlichen Jahrhunderten wurden vier Kirchen auf dem Gelände errichtet. So ist es natürlich ein Sammelsurium verschiedener Epochen und deren Bauwerke.

    Vor dem Eingang sieht man zwei Sitzfiguren, vier stehende Statuen von – ich glaube, die sind alle von Ramses II. – und einen großen Obelisken. Das sieht wahnsinnig aus. Auf der Außenseite der beiden Türme sind Szenen aus der Schlacht Ramses II. mit den Hethitern dargestellt. Also ging ich hinein und betrat den Hof Ramses II.. Der Hof ist von hohen Säulen und dazwischen stehenden Statuen umgeben. Alles recht gewaltig, muss ich sagen. Der östliche Teil des Hofes ist – wie schon angedeutet – mit der Moschee Abu el-Haggag überbaut. Sie ragt da einfach etwas hinein. Die Gesänge schallten von oben herab. Hinter dem Hof folgt eine riesiger Säulengang mit darauf sitzendem, waagerechten Überbau. Alles recht groß und hoch. Die Reliefs auf den dazwischen liegenden Wänden sind teilweise gut erhalten und ebenso beeindruckend. Sie zeigen Szenen aus dem Opet-Fest, ein mehrtägiges Fest und eines der wichtigsten Feste im Alten Ägypten.

    Statuen von Ramses II. vor der Front

    Ich schreite hinein

    Relief an einer Wand hinter dem Eingang

    Hinter dem Eingang

    Die Moschee Abu el-Haggag ragt in den Hof Ramses II. hinein

    Statuen an einem seitlichen Eingang zum Hof Ramses II.

    Säulen und Statuen begrenzen den Hof

    Er konnte wohl nicht genug Statuen hier von sich aufstellen

    Relief im Hof von Ramses II.

    Sitzstatue vor dem Säulengang

    Überreste einer Statuengruppe

    Durch den Säulengang

    Am Ende des Säulenganges kam ich in den Hof Amenophis III., der recht voluminös daherkommt. Er ist an drei Seiten mit einer doppelten Reihe Papyrusbündelsäulen umgeben. Diese Säulen sind weit verbreitet und stellen Abbilder von Papyruspflanzen dar, die als Sinnbild für Grünen und Gedeihen galten und in Verbindung mit der Wappenpflanze Unterägyptens standen. Ich kam in den Kaiserkultraum. Im heutigen Erscheinungsbild ist er aus römischer Zeit. Hier befindet sich eine Apsis, ein christlicher, halbkreisförmiger Anbau mit Halbkuppel, wie man ihn oft in Kirchen findet. Ein kleiner Durchgang führt in eine weitere Säulenhalle. Dahinter befindet sich das Heiligtum, das für die Barke Amuns bestimmt war. Die Abbildungen zeigen Alexander den Großen vor verschiedenen Göttern. Die Wände sind hier von oben bis unten mit Zeichnungen und Reliefs verziert.

    Der Hof Amenophis III.

    Blick zurück in Richtung Eingang

    Christliches Fresko im Kaiserkultraum

    Apsis mit korinthischen Säulen

    Neben dem Luxor-Tempel

    Der Luxor-Tempel ist einfach nur umwerfend. Kann er mit der Größe eines Karnak-Tempels selbstverständlich nicht mithalten, so ist er dennoch ein überaus wichtiges „Must See“ hier in Luxor. Zwar plante ich auch die nähere Besichtigung der Abu el-Haggag-Moschee, doch weiß ich gar nicht, ob man mir überhaupt Einlass gewährt hätte, und man kann ja auch nicht alles machen. Ich musste erst einmal etwas Essbares zu mir nehmen. An der Uferstraße, direkt am Nil, fand ich ein Restaurant, welches bereits geöffnet hatte. Ich genoss ein überaus schmackhaftes Mahl, bestehend aus einer Vorsuppe, Gemüse, Brot, Tahini-Creme, gefolgt von Hühnchenfleisch, Reis und Pommes. Dazu ein Fruchtsaft. Mein letztes Mahl in Ägypten. Ich hatte dieses Essen auch deshalb vorgezogen, weil das Luxor-Museum erst wieder um 17:00 Uhr seine Pforten öffnen würde.

    Das unweit gelegene Luxor-Museum war mein letztes Urlaubsziel. Er steht etwa mittig zwischen Karnak – und Luxor-Tempel. Und auch jetzt war ich mir bereits überaus sicher, dass dieser Tag ein mehr als würdiger Abschluss für meine Reise war. Das Museum enthält Fundstücke altägyptischer Kunst aus der königlichen Metropole Theben (die Westseite von Luxor) und der näheren Umgebung von Luxor. Ich war bereits vor dem Essen hier, doch nun war ich froh, endlich eingelassen zu werden. Neben Büsten von Pharaonen wie Amenophis III., Echnaton, Sesostris I., Sesostris III., Statuen von Thutmosis III., Ramses III., Ramses VI. und des Gottes Amun, Stelen, einer Statue Sachmets mit Sonnenscheibe und einer Sphinx aus dem Karnak-Tempel, Stücken von Wandmalereien und Kartuschen aus Deir el-Bahari, einem Sarkophag der Pharaonin Tausert aus dem Tal der Könige, Keramiken aus dem Alten Ägypten, sah ich tatsächlich auch die Mumie des Pharaos Ahmose I. und eine Statue von Haremhab und seiner Frau aus Saqqara, auch unbekannte Pharaonen-Mumien, sogar Statuen, die auf der Sinai-Halbinsel gefunden wurden, eine Statue von Mentuhoteb III., bemalte Särge, Totenmasken, koptische Felsgravuren, kurzum, man kann gar nicht alles aufzählen, was es zu sehen gibt. Unglaublich. Also eine absolute Empfehlung meinerseits, sich dieses Museum nicht entgehen zu lassen.

    Statue von Thutmosis III.

    Kartuschen der Könige Thutmosis I. und Thutmosis III.

    Sphinx aus dem Karnak-Tempel

    Mumie des Pharaos Ahmose I.

    Büste der Göttin Sachmet

    Von einer Tempelwand des Echnaton

    Nun war ich auf dem Rückweg. Das Gleiche wie immer. Laufend kommen Einheimische, die einem unbedingt etwas anbieten wollen. Wie gesagt – man braucht ein dickes Fell. In diesem Moment hatte ich es nicht mehr. Da kam schon wieder so Einer genau auf mich zu. So, jetzt reichte es mir. Bevor er den Mund aufmachen konnte, sagte ich: „I don’t need a taxi, I don’t need a boat, I don’t need your help and I don’t want to buy something“! Man glaubt kaum, wie er jetzt schaute. Doch es wirkte. Er sagte nichts und verschwand. Yes. So muss man also mit denen umgehen. Nein, es ist kein großes Problem, doch in diesem Moment war ich mit meiner Geduld am Ende.

    Ein wunderbarer, mein letzter Tag hier in Luxor endete, und ich kann es kaum beschreiben, wie ich mich fühlte, als ich auf meinem Balkon ein letztes Bier trank. Am nächsten Morgen müsse ich sehr früh aufstehen, denn ich musste noch zurück nach Hurghada, um meinen Flug zu erreichen und vor dem Abflug meinen Mietwagen abzugeben.

  • Im Land der Pharaonen

    • Heiko705
    • 29. Januar 2026 um 06:35

    Zunächst einmal freut es mich sehr, wenn der Bericht Gefallen findet. Wenn er das Wissen über Ägypten erweitert, habe ich mein Ziel erreicht.

    Jürgen, als ich im Dorf Gharb Aswan bei Assuan untergebracht war, hätte ich mir schon gewünscht, einen Jeep zu haben, da manche Seitenstraßen ganz schön rutschig waren, es ist aber alles auch mit einem herkömmlichen PKW machbar. Das reicht definitiv aus. Ich habe keine schaufelnden Einheimischen gesehen, hahaha, aber Du hast recht; vieles wird im Laufe der Zeit vom Sand wieder überlagert. Da wird es nicht ausbleiben, Straßen hin und wieder vom Sand zu befreien. Die ungeteerten Sandwege sind meiner Meinung nach nicht geteert, weil schlichtweg das Geld dafür nicht da ist.

    Hallo Jofina, die eine oder andere Unternehmung kann durchaus mal ein bissel anstrengend werden, aber die Erlebnisse entschädigen dafür. Offenbar brauche ich großartig keine körperliche Erholung, das Erleben und Sehen ist mir mehr wert. Ich bin auch nicht unbedingt der Typ dafür, tagelang untätig zu bleiben.

  • Im Land der Pharaonen

    • Heiko705
    • 27. Januar 2026 um 22:39

    Tag 14 – Abydos und Dendera (24.10.2024)

    Früh am Morgen bin ich gestartet. Mit dem Wagen ging es nach Norden. Direkt im Norden Luxors führt eine Brücke auf die andere Seite des Nils. Ich nahm sie. Nun gerade nach Norden, bis ich gegenüber des 60 Kilometer nördlich von Luxor liegenden Qena ankam. Doch nun drang ich in neue, mir unbekannte Gefilde vor. Ich blieb auf der westlichen Nilseite und fuhr weitere 115 Kilometer bis nach Abydos. Nach insgesamt 2 ¾ Stunden kam ich an. Der Ort liegt in der Nähe von Sohag am westlichen Nilufer, 160 Kilometer nördlich von Luxor und etwa 15 Kilometer südwestlich der heutigen Stadt el-Balyana. Eine Kleinigkeit zum Frühstücken hatte ich mir unterwegs geholt.

    Abydos war eines der wichtigsten religiösen Zentren Ägyptens, weil dort der Kult des Gottes Osiris angesiedelt war. In der Frühzeit des Alten Reiches dienten die Königsgräber in Abydos als letzte Ruhestätte für die ersten Pharaonen. Später errichteten auch andere Pharaonen dort sogenannte symbolische oder Scheingräber (Kenotaphe), um an der Wiedergeburt des Osiris teilzuhaben. Auch viele einfache Bürger pilgerten hierher, in der Hoffnung, wiedergeboren zu werden. Unter Pharao Djoser (3. Dynastie) wurde Abydos jedoch als Grabstätte der Pharaonen aufgegeben, und sie wurden stattdessen in Unterägypten bestattet (z. B. in Sakkara und Gizeh). Abydos blieb jedoch ein wichtiger, religiöser Ort, so dass auch Tempel hier errichtet wurden.

    Ich fuhr durch die sandigen Straßen in Abydos und fand schließlich einen großen Parkplatz. Man winkte mich herein. Dies ist der Besucherparkplatz der archäologischen Stätte. Mit ein Grund, warum ich mir diesen Tag ausgesucht hatte, war, dass heute Markttag in Abydos war. Jedenfalls ging ich davon aus, da ich gelesen hatte, dass dies donnerstags immer der Fall sei. Doch ich habe leider nichts dergleichen gesehen. Ich parkte also, zahlte für den Parkplatz, zeigte meine Papiere und zahlte den Eintritt.

    Totentempel von Sethos I. in Abydos

    Dann lag er vor mir, der Totentempel von Sethos I., und ich durchschritt den Metallzaun. Während der Totentempel in Luxor eher dafür da war, dass man dem Toten gedenkt und ihn verehrt, sollte dieser Tempel in Abydos auch für seinen Vater Ramses I. sein, der wegen seiner kurzen Regierungszeit keinen eigenen Tempel errichten konnte. Sethos begann mit dem Bau des Tempels bereits als königlicher Beamter. Es besteht der Verdacht, dass Sethos I. entweder im Auftrag Haremhabs oder seines Vaters Ramses I. den Totentempel für den damals regierenden König begann und ihn dann selbst übernahm. Aus der Ferne wirkt der Tempel nicht besonders spektakulär. Er hat eine einfache Form, aber man darf nicht vergessen, dass die Front wiedererrichtet wurde. Das sah damals sicher nicht genauso aus. Zuerst durchschritt ich den ersten und zweiten Hof vor dem Tempelgebäude. Durch eine Rampentreppe erreicht man die Vorhalle mit 12 Pfeilern. An allen Säulen befinden sich teils noch farbige Reliefs, die Sethos I. mit verschiedenen Göttern zeigen.

    Eine erste Treppe hinauf

    Der König auf dem Streitwagen

    Alte Sitzstatue

    Dann liegt er vor mir

    Ich schreite voran

    Hinter den Säulen

    Reliefs an der Außenwand

    Der Pharao steht Osiris gegenüber

    Ich schritt durch das Eingangstor des Hauptgebäudes. Nun geht es durch zwei Säulensäle. Die Abbildungen an der Decke sind teilweise schon schwarz, die Wände sind allerdings toll und von oben bis unten mit Reliefs und Bildern bedeckt. Im Tempel des Sethos I. gibt es sieben Kapellen, die den Göttern Osiris, Isis, Horus, Amun-Re, Re-Harachte, Ptah und Sethos I. als Osiris geweiht sind. Das Heiligtum des Osiris ist das einzige mit einer richtigen Tür statt einer Scheintür. Die Wanddarstellungen in dem angeschlossenen Säulensaal sind in einem sehr schlechten Zustand. Aber man kann ihnen entnehmen, dass die Auferstehung des Gottes durch Gebete und Zaubersprüche die zentrale Handlung darstellt. Von diesem Saal aus gelangt man in die anderen Kapellen. Und in diesen – muss ich sagen – sind auch teilweise noch sehr gut erhaltene und wunderschöne Reliefs erhalten, die man nicht verpassen sollte.

    Es geht hinein

    Die Säulen unter der schwarze Decke

    Durchaus beeindruckend

    Es geht tiefer hinein

    Hieroglyphen

    Wahrscheinlich Sethos I. und seine Frau Tuja, Mutter von Ramses II.

    Reliefs im Innern

    Auch heute noch unglaublich schön, wie ich finde

    Eine der Scheintüren

    Auch die Farben wissen noch zu überzeugen

    Sethos I. sitzt als Kind auf dem Schoß der Göttin Isis

    Beeindruckende Wände im Innern

    Neben dem Kapellenbereich befindet sich ein Durchgang, der sich zu einem schmalen Gang öffnet. Der Raum ist heute unter dem Namen Königsgalerie bekannt und enthält ein bedeutendes Relief der ägyptischen Geschichte, die „Königsliste von Abydos“. Die Kartuschen umfassen alle Pharaonen Ägyptens, die bis zur Regierungszeit Sethos I. über das Land herrschten mit Ausnahme der 1. und 2. Zwischenzeit sowie von fünf Pharaonen der 18. Dynastie, die absichtlich ausgelassen wurden. Dies sind Hatschepsut, die sich selbst zur Pharaonin erklärte, was später als unrechtmäßig galt, Echnaton, der den Ägyptern verbot, an ihre alten Göttern zu glauben, weil er alle alten Göttern durch Aton ersetzte, und Semenchkare, Tutanchamun und Eje, die noch immer mit diesem Atonkult zu kämpfen hatten. Sie sollten aus der Geschichte getilgt werden und in Vergessenheit geraten.

    Das ist der Gang mit der Königsliste

    Die Königsliste

    Alle sind hier aufgelistet, na ja, fast alle

    Auf der Rückseite des Tempels kam ich am Osireion vorbei. Dies ist ebenfalls ein Tempelkomplex zu Ehren von Osiris. Der Tempel lag früher unterirdisch unter einem Hügelgrab, und so führen auch heute Treppen in das Heiligtum hinunter. Am Boden des Tempels steht Wasser. Er wirkt sehr interessant und irgendwie ganz anders als andere Tempel. Allein schon die Lage ist besonders. Man kann sich aber nicht alles anschauen, also entschied ich mich dafür, ihn auszulassen.

    Das Osireion

    Für einige Hundert Meter folgte ich einem Pfad am Ortsrand entlang. 300 Meter nordwestlich befindet sich nämlich der Tempel von Ramses II., dem Sohn von Sethos I., und den wollte ich mir näher anschauen. Die Ruinen des Tempels befinden sich am Südwestrand des heutigen Siedlungsgebietes von Araba el-Madfuna. Der Ort ist hier in ärmlichem Zustand. Einheimische Frauen laufen mit Säcken auf den Schultern durch die sandigen Straßen. Man fühlt sich in alte Zeiten versetzt. Der Tempel Ramses’ II. war den Göttern Osiris, Isis und Horus gewidmet. Der um 1250 v. Chr. errichtete Tempel war kleiner als der seines Vaters und ist heute in einem schlechteren Erhaltungszustand.

    Am Rande von Araba el-Madfuna

    In den Straßen

    Der Tempel von Ramses II.

    Über Treppenstufen gelangte ich in den ersten Hof, der kaum noch zu erkennen ist. Einige der Grundmauern sind noch erkennbar. Dächer fehlen dem Gebäude vollständig. Es sind größtenteils nur noch die Mauern übrig. Wie auch bei vielen anderen Tempeln oder Pyramiden wurden auch hier viele Steine zum Bau neuer Gebäude geholt und der Tempel als Steinbruch benutzt. Vor dem zweiten Hof befindet sich ein Metalltor. Überbleibsel der es flankierenden Statuen sind noch erkennbar. Die Mauern daneben besitzen im unteren Teil noch Reste von Reliefs. An den Umrandungsmauern des zweiten Hofs sind die Reliefs noch besser erkennbar. Hier sind Opferprozessionen dargestellt, die von Priestern angeführt werden. Als Opfergaben für den Tempel erscheinen Rinder, Antilopen, Vögel und verschiedene Speisen. An den zweiten Hof schlossen sich einst zwei erhöht stehende Säulenhallen hinter einem mit Säulen bestandenen Eingangstor an.

    Stufen zum Tempel von Ramses II.

    Tor zum zweiten Hof

    Überreste von Statuen

    Umrandungsmauern des zweiten Hofs

    Portal zur ehemaligen Säulenhalle

    Am Tor zu den Säulenhallen stehen die noch vorhandenen senkrechten Teile des alten Portals. In die Portalpfosten aus Rosengranit sind Reliefs eingearbeitet, die Figuren und Hieroglyphen zeigen. Man erkennt Ramses II. und den ibisköpfigen Gott Thot. Den hinteren Teil bildete das Heiligtum. Von den Pfeilern ist immer nur noch der untere Teil vorhanden. Die Farben der erhaltenen Reliefs an den Seitenwänden der Halle und im hinteren Heiligtum sind noch sehr gut erhalten. An einer Wand steht eine Sitzstatuengruppe mit fünf Figuren aus grauem Granit, die in diesem Raum in Trümmern aufgefunden wurde. Sie zeigt Ramses II., Horus, Osiris, Isis und Sethos I..

    Ramses II. auf einer Barke

    Im Inneren Heiligtum

    Wände im Inneren Heiligtum

    Überreste der Sitzstatuengruppe

    Hier sind die Farben noch gut

    Viele Krieger

    Auch mit Streitwagen zieht man in den Krieg, den die Ägypter erst ca. 1.700 v. Chr. von den Hyksos übernahmen

    So, jetzt ging es weiter, oder besser gesagt wieder zurück, denn den weitesten Punkt meines Tagesausflugs hatte ich zuerst angefahren. Nun fuhr ich wieder den Weg zurück, aber nur bis in die Nähe von Qena. Denn unweit liegt der Hathor-Tempel von Dendera. Der Nachmittag hatte begonnen. Als ich ankam, kam ich mit dem Mietwagen an ein Tor mit einem netten Polizisten. Er schmunzelte ob meiner Verfahrensweise des alleinigen Herumfahrens mit dem Mietwagen. Das ist ja nicht gerade die Regel in Ägypten. Auch ich musste schmunzeln. Er schien nett und kontrollierte meine Papiere, ließ mich dann durch. Ich parkte und kaufte ein Ticket.

    Der Tempel von Dendera liegt im Bezirk der antiken Provinzhauptstadt Tentyris, die während einiger Epochen der ägyptischen Geschichte als wichtiges religiöses Zentrum galt. Der heutige Tempelkomplex gehört zu den am besten erhaltenen ägyptischen Tempeln dieser Zeit. Er stammt aus griechisch-römischer Zeit, aber auch im Alten Ägypten stand hier bereits ein Tempel. Es erfolgte ein Wiederaufbau unter Thutmosis III., Amenophis III., Ramses II. und Ramses III.. In der Zeit der ptolemäischen Herrscher kam es zur Abtragung der alten Vorgängerbauten und zu einem kompletten Neubau des Haupttempels. Da er bis ins 19. Jahrhundert verschüttet war, blieb er recht gut erhalten. Nur die Bemalung, die noch bis ins neunzehnte Jahrhundert teilweise sichtbar war, ist fast verschwunden.

    In der Anlage des Tempels von Dendera

    Da liegt der Tempel von Dendera

    Durch eine parkähnliche Anlage mit einigen Mauerresten spazierte ich zum eigentlichen Tempelbau. Am Ende der Straße stand ich dann vor den Resten eines großen Eingangstors. Es wurde von zwei kleinen Sphingen flankiert. Eine Mauer aus Lehmziegeln, die 280 Meter breit, 280 Meter lang und 10 Meter dick ist, umfasst das Gelände. Hinter dem Portal befinden sich zwei Geburtshäuser. Sie schaute ich mir zuerst an. Die Reliefs sind wunderbar. Auf dem Gelände befinden sich noch einige Grundmauern. Zwischen den Geburtshäusern befinden sich die Überreste eines in ägyptischen Tempeln einzigartigen Sanatoriums, das aus Lehmziegeln gebaut wurde. Besucher konnten in den heiligen Wassern baden oder in dem Gebäude nächtigen, um einen Heiltraum der Göttin zu empfangen. Nun nahm ich mir den Haupttempel vor. Er ist beeindruckend und erinnert ein wenig an den Tempel in Edfu. Die große Säulenhalle hinter dem Eingang wurde von Tiberius erbaut. Die 24 Säulen wurden mit dem Gesicht der Göttin Hathor verziert. Die Hathorsäulen sind das Wahrzeichen des Tempels und wurden von frühen Christen schwer beschädigt, um die Bildnisse der heidnischen Göttin unkenntlich zu machen. Die Hallendecke, bei der vor allem die blaue Farbe noch erkennbar ist, trägt eine komplexe und fein gearbeitete Himmelskarte mit Tierkreiszeichen und Abbildungen der Himmelsgöttin Nut, die abends die Sonnenscheibe verschlingt und am Morgen wieder zur Welt bringt. Die Halle ist unfassbar schön.

    Vor dem Eingangstor

    Eines der Geburtshäuser

    Darstellung im Geburtshaus

    Weitere Darstellung in den Geburtshäusern

    Der Schutzgott Bes, ursprünglich aus dem Sudan

    Der Tempel von Dendera

    Die Säulen tragen das Gesicht der Göttin Hathor

    Vor dem Eingang

    Ich betrete den mächtigen Tempel

    Decke der Säulenhalle

    Ein Teil der Decke etwas näher rangeholt

    Weiterer Teil der Decke

    Dahinter beginnt der innere Tempel, der von mehreren späten Ptolemäer-Königen erbaut wurde und ebenfalls atemberaubende Reliefs enthält. Verschiedene Pharaonen erhalten auf ihnen den Segen der Götter. Ich hatte auch das Ticket für die Krypta und das Tempeldach gekauft. Unglaublich. In welchem Tempel darf man sonst schon auf das Dach? Hier in Dendera ist das möglich. Über verschiedene Treppen stieg ich hinauf. Die Besucher, die mich von unten sahen, schauten erstaunt. Von hier oben hatte man einen besseren Überblick über das Gelände, das auch noch einen Geburtstempel der Isis und einen heute trockenen Heiligen See sein Eigen nennt. Dann stieg ich hinab in die Krypta, welches durchaus ein besonderes Erlebnis war. Dieses Kryptensystem ist in der ägyptischen Architektur einmalig. Es diente der Aufbewahrung von Tempelschätzen. Der Zugang erfolgt über kleine, durch Platten abgedeckte Einstiege im Boden oder in den Mauern. Unten in den engen Gängen beschleicht einen schon ein wenig ein mulmiges Gefühl.

    Prächtige Reliefs im Inneren

    Sachmet und Maat bekommen Opfergabe

    Kiosk auf dem Tempeldach

    Auf dem Tempeldach

    Blick vom Dach zu römischem Geburtshaus, christlicher Kirche und ägyptischem Geburtshaus

    Blick zum Heiligen See

    Hinab zur Krypta

    In den Gängen der Krypta

    Der Seelenaspekt Ba

    Dieses Relief soll den ägytischen Schöpfungsmythos zeigen

    Auch die Reliefs in der Krypta können sich sehen lassen

    An der Außenwand des Haupttempels befinden sich Darstellungen von Kleopatra VII. – das ist die bekannte Kleopatra – und ihrem Sohn Cäsarion. Das einzige Mal, dass ich Darstellungen dieser Kleopatra wissentlich gesehen habe. Um kurz vor 16 Uhr machte ich mich auf den Rückweg, und gegen 18:00 Uhr traf ich wieder in meiner Unterkunft ein. Die Rückfahrt verlief problemlos. Der Besuch der Tempel hatte sich gelohnt.

    Links sieht man Kleoptara VII. mit ihrem Sohn Cäsarion

    Für das Abendessen hatte ich mir das Loqma Restaurant ausgesucht. Es befindet sich ganz in der Nähe des Restaurants vom Abend zuvor, so dass ich wieder zu Fuß hinüberlief. Ich hatte mir neben einem Smoothie gefüllte Weinblätter, Brot und eine Art Kebab mit Pommes ausgesucht. Es schmeckte gut. Vor der Shisha-Bar schräg gegenüber meiner Unterkunft hatten sie einen Fernseher aufgebaut. Viele Einheimische saßen auf den in Reihen aufgestellten Stühlen und verfolgten eine Liveübertragung eines Fußballspiels. Ich verfolgte das Ganze von meinem Balkon aus und ließ den Tag hier gemütlich ausklingen.

    Heutiges Abendessen

    Besucher der Shisha-Bar neben meiner Unterkunft verfolgen ein Fußballspiel

  • Im Land der Pharaonen

    • Heiko705
    • 24. Januar 2026 um 21:39

    Tag 13 – Von Assuan nach Luxor (23.10.2024, 2. Tageshälfte)

    Schließlich fuhr ich weiter. Nun wollte ich 85 Kilometer weiter nördlich die Felsengräber von El-Kab besuchen. Nach fast zweieinhalb Stunden – wir hatten mittlerweile 14:45 Uhr – erreichte ich rechts der Straße ein Grundstück mit Parkplatz, hinter dem sich ein felsiger Hügel befindet. Dieses Ziel ist nicht besonders bekannt, und die beiden Bediensteten wirkten auch nicht so, als würden sie hier viele Touristen empfangen. Die Gräber stammen aus der Zeit des Neuen Reichs. Hier befand sich der altägyptische Ort Necheb. Der Ort war mächtig und besitzt wohl auch ein oder zwei Tempel am Nilufer, die ich jedoch nicht ausmachen konnte. Als ich danach fragte, sagte man mir, dass sich dort nichts befände. Die wichtigsten Gräber sind über eine Treppe am Felsmassiv erreichbar. Gemeinsam mit einem der beiden Führer ging ich nun auf sie zu.

    50514823bo.jpg Mein Führer schreitet voran zu den Gräbern

    50514824ue.jpg Wir steigen diese Teppen hinauf

    50514827og.jpg Ankunft an den Gräbern

    Zuerst betrat ich das Grab des Paheri. Dieses Grab ist das größte in El-Kab und am reichsten ausgestattet. Paheri war in der Herrschaftszeit von Pharao Thutmosis III. Gaufürst (Provinzverwalter bzw. Bürgermeister) von Necheb und Junyt sowie oberster Priester des Kults zu Ehren der Göttin Nechbet. Als Schreiber war er auch für die Getreideversorgung in einem weiten Bereich im Süden Oberägyptens verantwortlich. Die Reliefs und Zeichnungen im Grab sind nicht mehr ganz so gut erhalten und doch erkennbar, farbenfroh und schön. An der Hinterwand fiel mir sofort eine Nische mit 3 Statuen auf. Die Statuen sind stark beschädigt und stellen Paheri, rechts von ihm dessen Ehefrau Henut-er-neheh und links seine Mutter Kem dar.

    50514831ba.jpg Eingang in das Grab des Paheri

    50514833ci.jpg Hierogplyphen-Texte am Eingang

    50514837ww.jpg Blick in das Grab - im Hintergrund ist die Nische mit den 3 Statuen erkennbar

    50514851bu.jpg Hinter dem Eingang

    50514856gj.jpg Die Wände sind mit Zeichnungen und Texten überzogen

    50514864ry.jpg Personen in hohen Ämtern lassen sich von Dienern verschiedene Gaben bringen - sind das Paheri und seine Frau?

    Die Darstellungen an den Wänden zeigen Paheri in seiner Funktion als Schreiber und Bürgermeister und Aktivitäten aus dem privaten Bereich. Links neben dem Eingang sieht man das landwirtschaftliche Leben im Alten Ägypten über das ganze Jahr von der Saat bis zur Ernte. Man sieht Paheri sich um den Königssohn Wajdmose kümmern und verschiedene Viehherden.

    50514882ia.jpg Die Nische mit den 3 Statuen

    50514887bh.jpg Oben sieht man Paheri mit dem Königssohn Wajdmose auf dem Schoß

    50514889kd.jpg Vielerlei Tätigkeiten

    50514893iz.jpg Rinder werden getrieben

    50514896ui.jpg Bei der Getreideernte

    Das Grab des Setau war das Nächste. Setau war Hohepriester der Nechbet unter Ramses III. und Ramses IV., aber viele der Zeichnungen sind stark beschädigt. Man sieht ihn gemeinsam mit seiner Gemahlin bei der Götteranbetung. Die noch erkennbaren Reliefs sind aber recht schön. Man erkennt einige Schiffe. Einige kleine Nischen zweigen vom Hauptraum ab. Wahrscheinlich dienten sie zur Aufbewahrung der Mumien. Die Decke ist unbearbeitet.

    50514903zv.jpg In das Grab des Setau

    50514905ep.jpg Blick in das Grab des Setau

    50514909ag.jpg Hier erkennt man Schiffe

    50514911yr.jpg Reste der Hierogplyphen

    50514915zw.jpg Nischen, wahrscheinlich zur Aufbewahrung der Mumien

    50514918ey.jpg Die Zeichungen und Texte an dieser Wand sind noch am Besten erhalten

    50514919ni.jpg Setau und seine Frau

    Das Grab des Ahmose ist das Nächste in der Reihe. Ahmose, Sohn der Ibana, war ein Marineoffizier zur Zeit der Pharaonen Ahmose I., Amenophis I. und Thutmosis I., der zum höchsten Befehlshaber der ägyptischen Kriegsflotte aufstieg, vergleichbar einem Admiral. Er war im Kampf gegen die Hyksos beteiligt. Sie waren ausländische Könige aus Südwestasien, die Ägypten später sogar über 100 Jahre regierten. An Feldzügen gegen die Nubier war er ebenfalls beteiligt. Auch hier zeigen sich leider starke Beschädigungen. Im Hauptraum zweigt hinten rechts ein Gang in einen Nebenraum ab. Das Grab wurde nie fertiggestellt. Wahrscheinlich starb er zu früh. An der rechten Seite der Rückwand sind Ahmose und seine Ehefrau Iput in sitzender Position zu sehen. Große Textflächen zieren einen Teil der Wände. Paheri war ihr Enkel. Man findet eine Liste der Geschenke, die Ahmose im Laufe seiner Dienste erhielt, darunter auch einige Sklaven.

    50514933yk.jpg Eingang in das Grab des Ahmose

    50514934vq.jpg Im Grab des Ahmose

    50514937uv.jpg Ahmose unde seine Frau Iput

    50514939ed.jpg Eine der Wände im Grab des Ahmose

    50514940ez.jpg Lange Textpassagen

    Das letzte Grab ist das Grab des Renni. Renni war unter Amenophis I. Gaufürst von Necheb und Vorsteher der Priester der Göttin Nechbet. Auch hier zeigen sich starke Beschädigungen, doch der verbliebene Rest ist sehenswert. An der rechten hinteren Seite befand sich eine jetzt zugemauerte Öffnung als Zugang zu einem kleineren Raum, der wohl eine Kammer für Grabbeigaben war. In der Mitte der Rückwand befindet sich eine Nische. Hier war Renni als Statue dargestellt, aber heute ist davon nichts mehr übrig. An der Decke erkennt man einen Sternenhimmel, der dem Toten wie immer den Zugang in den Himmel erleichtern sollte. Man sieht die Eltern des Renni und vielfach Beerdigungsszenen mit Einbalsamierung und Mundöffnungsritual. Seine Mutter, seine Frau und auch die Schwestern des Renni sind zu sehen. Mein Führer zeigte mir einige dunkle Felsnischen mit Knochen. Die Felsgräber von El-Kab muss man nicht unbedingt gesehen haben, doch ich habe mich sehr daran erfreut.

    50514942rk.jpg Mein Führer schließt das Grab des Renni auf

    50514943mc.jpg Blick in das Grab des Renni

    50514968ho.jpg Reliefs im Grab des Renni

    50514971kg.jpg Alltagsszenen

    50514974mg.jpg Einbalsamierung und Mundöffnungsritual

    50514985gc.jpg Renni mit Frau

    50514993sl.jpg Blick zur Decke

    50514996yp.jpg Übliche Aktivitäten

    50515016kw.jpg Auch hier werden dem sitzenden Herrn Gaben dargebracht

    50515020mu.jpg Diese Löcher wurden zur Aufbewahrung der Verstorbenen genutzt

    50515022sd.jpg Abschließender Blick zum Hügel - man erkennt eine Vielzahl von Gräbern

    Schließlich verabschiedete ich mich. Ich fuhr die verblieben 80 Kilometer bis hinauf zur Ostseite von Luxor. Ich versuchte meine Unterkunft zu finden. Sie gehörte zu Oscar Apartments und war recht günstig, obwohl sie einen Balkon und eine gute Lage hatte. Auf Google Maps hatte ich es gefunden und parkte in der Nähe. Dann stand ich vor dem mutmaßlichen Haus, doch da war nichts. Hhm, was nun? Ich rief meinen Vermieter an. Er sagte, er würde nach draußen kommen. Etwas später sah ich ganz hinten – ein paar Hundert Meter von mir entfernt – einen Herrn winken. Mist! Da hinten war es also? Und dabei hatte ich hier vorn so einen schönen Parkplatz gefunden. Egal. Ich stieg wieder ein und fuhr hinüber. Wir begrüßten uns, und er winkte mir, ihm zu folgen. Also ließ ich meine Koffer erst einmal im Auto und folgte ihm in das Haus.

    Meine Ferienwohnung war überhaupt nicht das, was ich mir vorgestellt hatte. Sie lag im Innern eines großen, breiten Gebäudes und hatte, soweit ich das überblicken konnte, noch nicht einmal ein Fenster nach draußen. Was war das denn? Das hatte auf den Bildern aber anders ausgesehen. Außerdem stand in meiner Beschreibung etwas von einem Balkon. Ja, da sei wohl ein Fehler unterlaufen. Sie habe keinen Balkon. Man hätte das fälschlicherweise mit hineingeschrieben. Aha. Ich war damit nicht zufrieden. Dann sagte der Herr, wenn ich damit nicht zufrieden sei, hätte er auch noch etwas Anderes. Die Wohnung läge näher am Nil und habe einen Balkon, ich müsse jedoch etwas mehr dafür zahlen. Er nannte 35 € pro Nacht, was ja immer noch ein recht guter Preis ist. Ich sagte, er solle sie mir zeigen.

    Gemeinsam fuhren wir einige Straßen weiter nach Süden, ungefähr 800 Meter. Wir hielten vor einem sehr hohen Haus in der Nähe des Steigenberger Resort Achti. Als wir das Treppenhaus hinaufgestiegen waren und er die Wohnungstür öffnete, staunte ich nicht schlecht. Das Apartment war modern. Fußboden im Marmor-Look. Was sofort ins Auge stach, war ein halbrunder Bogen zwischen Küche und Wohnzimmer. Sah sehr gut aus. In der Küche standen Barhocker. Die Unterkunft war groß. Das Bett war wunderbar und weich. Ich trat auf den Balkon und blickte zum Nil. Meine Entscheidung stand fest. Die wollte ich haben. So eine tolle und große Unterkunft für mich allein hatte ich noch nie. Da hatte ich wirklich Glück gehabt, dass mein Vermieter auch noch im Besitz dieses Apartments war, sonst hätte ich mir noch etwas suchen müssen, denn im zuerst besuchten Apartment hätte ich mich nicht wohl gefühlt.

    50515038ji.jpg Blick in den Küchenbereich meiner Unterkunft

    50515040tr.jpg Bogen zwischen Küche und Wohnbereich

    50515041mw.jpg Blick zur Küche

    50515043ai.jpg Im Wohnzimmerbereich

    50515048ml.jpg Im Schlafzimmer

    50515057dl.jpg Auf dem Balkon

    50515063lt.jpg Blick vom Balkon zum Nil

    Mein Vermieter verabschiedete sich erst einmal, und ich machte mich daran, mein Gepäck die Treppen hinaufzutragen. Einige Jungs auf dem Hof warfen mir fremde Blicke zu und sagten auch was, was ich natürlich nicht verstand. Ich kam beim Hinauftragen des Gepäcks ordentlich ins Schwitzen, obwohl die Sonne nun bereits unterging. Wieder am Auto traf ich auf einen recht zwielichtigen Einheimischen dunkler Hautfarbe. Er schaute mürrisch drein und schaukelte vor mir zwei Weihrauchschwenker, woraufhin der Rauch austrat und in meine Richtung zog. Was sollte das? Ach ja, nun verstand ich. Das sollte mir wahrscheinlich gefallen, woraufhin ich ihm sicher etwas Geld geben würde. Mir gefiel es aber nicht. Ich schüttelte mit dem Kopf. Er machte einfach weiter. Genervt stieg ich in das Auto und fuhr los.

    In der Nähe der Luxor Railway Station gibt es einen Drinkies-Laden, genau wie in der Nähe meiner Unterkunft in Gizeh, wo man Bier und Wein kaufen konnte. Ich parkte einfach schnell und verschwand im Geschäft. Das hatte super funktioniert. Als ich alles hatte, was ich wollte, ging’s zurück zur Unterkunft. Mit den Tüten in den Händen verließ ich das Auto. Plötzlich stand der farbige Weihrauchschwenker wieder vor mir. Er hüllte mich mit Weihrauch ein und maulte mich an. Was für ein finsterer Geselle. Just in diesem Augenblick kam mein Vermieter von hinten, sah, dass ich Schwierigkeiten hatte, und machte dem einheimischen Jungen verständlich, dass er mich in Ruhe lassen sollte. Und er verschwand daraufhin wirklich. Vielen Dank! Vorher hatte ich auf einem privaten Parkplatz gestanden und mir nun einen besseren gesucht, etwas abseits, doch da dieser Kerl wusste, wo mein Auto stand, machte ich mir etwas Sorgen.

    50515088ai.jpg Luxor Railway Station

    50515101lw.jpg In der Nähe des Bahnhofs

    50515110qm.jpg Ich stieg wieder in meinen Wagen

    Meine Einkäufe waren nun verstaut, und nun machte ich mich zu Fuß auf, um noch ein Abendessen einzunehmen. Und so lief ich durch das mittlerweile dunkle Luxor nach Norden. Ich hatte mir das Aisha Restaurant ausgesucht, welches in einer Seitengasse der am Nil entlang führenden Hauptstraße liegt. Nach einem Fruchtsaft hatte ich ein kleines Fleischtöpfchen mit Kartoffelpüree, etwas Brot und ein Glas Rotwein bestellt. Das Essen hier war keine Offenbarung, aber ich war zufrieden und machte mich wieder auf den ca. 1 km langen Heimweg. Der farbige Weihrauchschwenker ist zum Glück nicht mehr aufgetaucht.

    50515112ua.jpg Heutiges Abendessen

    Schräg gegenüber meiner Unterkunft befand sich eine Art Shisha-Bar. Unzählige Einheimische saßen hier am Straßenrand, nahmen Getränke zu sich und rauchten hier ihre Shisha-Pfeife. Währenddessen lief im Innern des Etablissements der Fernseher. Es war recht interessant, dem Treiben von meinem Balkon aus zuzuschauen. Hin und wieder schaute ich über den nun finsteren Nil und genoss dabei etwas Wein und Bier. Ich war richtig froh, nun diese Unterkunft mein Eigen nennen zu dürfen. Da hätte ich es wirklich auch viel schlechter treffen können. Nun war ich also wieder in Luxor angekommen, doch entgegen meinem ersten Aufenthalt im Westen des Nils, was im Alten Ägypten die Seite für die Toten darstellte, war ich nun im Osten, dem Reich der Lebenden. Zufrieden ging ich in mein weiches, hohes Bett und schlief auf Anhieb darin hervorragend.

  • Im Land der Pharaonen

    • Heiko705
    • 22. Januar 2026 um 21:06

    Tag 13 – Von Assuan nach Luxor (23.10.2024, 1. Tageshälfte)

    Das war der letzte Morgen im Habibi Nubian Guest House. Heute sollte es wieder hinauf nach Luxor gehen. Nach dem Duschen stieß ich mir den Zeh am Bett an und schrie. Meine Zimmertür war offen. Plötzlich hörte ich von unten: „Ist alles in Ordnung?“ Nanu, wer sprach denn da auf Deutsch? Ich ging hinunter. Vor mir stand eine nicht unattraktive Dame mit schwarzem, langem Haar. Sie stellte sich als Kathrin vor und bot mir einen Kaffee an. Wir setzten uns an einen Tisch. Kathrin kam ursprünglich aus Thüringen. In einem Ägypten-Urlaub hatte sie sich in Habib, meinen Vermieter, verliebt und war in Ägypten geblieben. Ich konnte es gar nicht glauben. Da hatte sich Habib, dieser Kerl, der eher streng und wortkarg wirkt, doch tatsächlich in eine deutsche Touristin verliebt und war mit ihr etliche Jahre zusammen. Unfassbar.

    Kathrin war toll. Ihr imponierte, dass ich als Tourist hier allein mit einem Mietwagen unterwegs war, denn das ist ja eher ungewöhnlich. Genau wie ich, fährt nämlich auch sie allein mit dem Auto durchs Land. Wir unterhielten uns angeregt über Land und Leute. Das Gespräch hätte ewig weitergehen können. Wir verstanden uns gut. Mittlerweile war sie nicht mehr mit Habib zusammen. Sie bemängelte, dass sich Habib für nichts interessieren würde. Er kenne nichts Anderes außer Assuan und würde, obwohl sie etliche Jahre zusammen waren, nicht ein Wort auf Deutsch können. Sie hatte sich eingeengt gefühlt, denn er behandelte sie, wie eben ein Ägypter seine Frau behandelt. Sie solle daheim am Herd stehen und ansonsten eben nichts tun. Auch nach der Trennung war sie im Land verblieben, da sie sich auch in Ägypten verliebt hatte. Mittlerweile hatte sie sich selbständig gemacht und bot Touren in die Wüste an. Touren zu fernen Oasen wie Siwa ganz im Westen Ägyptens an der libyschen Grenze. Man muss vom Nil 9 Stunden durch die Wüste fahren, um dorthin zu gelangen. Es gebe nämlich Touristen, die sich gerade für so etwas interessieren.

    Wenn man Kathrin zuhörte, wie sie von der Wüste schwärmte, von verschiedenen Arten von Sand und Fels, begann man automatisch die Schönheit dieser kargen Landschaft zu verstehen. Sie verstand es, Begeisterung in einem zu wecken. Ich bewunderte ihre Selbständigkeit und ihren Mut, doch ostdeutsche Frauen seien eben so, wie sie betonte. Sie besaß noch immer ein Haus in Eisenach, und hin und wieder würde sie auch dorthin zurückkommen. Mit Habib schien sie nun ein freundschaftliches Verhältnis zu unterhalten, denn schließlich besuchte sie ihn und hatte ihr eigenes Zimmer unten im Haus. Wir hätten die Unterhaltung nicht so bald beenden müssen, doch musste ich ja auch an mein Vorhaben denken, alsbald nach Norden zu fahren. Habib war aus meiner Sicht dumm, eine solche Frau durch eigene Schuld verloren zu haben. Schließlich verabschiedeten wir uns.

    Mein letztes Frühstück bei Habib

    Sie hatte mein Frühstück zubereitet

    Ein letztes Frühstück, bestehend aus Brot, Spiegelei, Auberginen, Marmelade, Joghurt, Gurkenscheiben, Pommes, Kofta (Hackfleischbratlinge) und Tee. Kamele liefen vorm Haus entlang. Ich hatte mein Hab und Gut schon gepackt und startete. Mein Ziel war zunächst der Kamelmarkt in Daraw. Ein tollkühnes Unterfangen. Daraw liegt abseits jeglicher Touristenströme; Ausländer sind dort eher unbekannt. Ich fuhr eine Stunde lang am Nil entlang nach Norden. Dann traf ich ein. Daraw hat immerhin 60.000 Einwohner und ist unter Einheimischen für seinen Kamelmarkt bekannt. Selbstverständlich hatte ich recherchiert, wann er stattfindet. Ich parkte also in der Nähe, nachdem ich einige Sandstraßen hinter mich gebracht hatte, unweit einiger Palmen und wollte den Rest laufen. Doch wo war es genau? Google Maps zeigte es mir doch an, aber da war nichts. Ich kam nicht weiter.

    Einheimischer mit seinem Kamel vor Habibs Haus in Gharb Aswan

    Da kommt noch einer

    Da war ein Einheimischer, ca. 40 Jahre alt. Den könnte ich doch sicher fragen. Er stand vor einem alten Haus. Ich ging auf ihn zu und fragte. Er verstand kein Wort. Gar nichts. Gut, man kann nicht von jedem verlangen, dass er Englisch kann, denn selbstverständlich bin ja ich hier der Fremde. Sein Sohn stand unweit von uns. Gut, da kann man nichts machen. Ich drehte mich um. Dann muss ich es eben selbst weiter versuchen. Just in diesem Moment hörte ich eine Stimme. „Hello?“ Sie kam von einer Frau in einer Seitengasse. Ah, da schien jemand eventuell weiterhelfen zu können. Ich ging in ihre Richtung. Plötzlich drehte sich der Junge des soeben Angesprochenen um, sprang einen Schritt auf mich zu, griff auf der Straße nach etwas Sand und ging in Kampfstellung. Was war denn hier los? Ich verstand. Ich sollte wohl nicht mit ihr reden. Ich hob beschwichtigend die Hände und versuchte meine Friedfertigkeit auszudrücken. Sein Vater brüllte etwas zu mir im Hintergrund. Das Gesicht des Jungen war zu einer kampflustigen Fratze verzerrt. Er schien zu allem bereit. Weiterhin mit erhobenen Händen zog ich mich zurück. Der Junge schien mich nicht verfolgen zu wollen. Also schaute ich, dass ich verschwand. Auf so etwas hatte ich verständlicherweise keine Lust.

    Später glaubte ich zu verstehen. Denn es gibt doch Muslime, die es nicht mögen, wenn man mit ihrer Frau spricht. Einfach die Frau anzusprechen, hätte wohl ein Tabu gebrochen. Wahrscheinlich war es die Frau des Einheimischen und die Mutter des Jungen. Gut, mit so etwas hatte ich natürlich nicht gerechnet. Wenn da jemand ruft, gehe ich als Europäer natürlich offen auf ihn zu. Nun gut, es war ja nichts passiert. Glück gehabt. Ich versuchte nun, auf einem anderen Weg den Kamelmarkt zu erreichen. Und schließlich fand ich den Platz. Doch er war leer. Heute fand hier wohl nichts statt. Nun ja, ich war um ein Erlebnis reicher.

    Ankunft in Kom Ombo

    Ich stieg in meinen Wagen und fuhr. Mein nächstes Ziel war der Doppeltempel von Kom Ombo, 8 km nördlich von Daraw am Nil. Es ist deshalb ein Doppeltempel, weil die eine Seite des Tempels dem Krokodilgott Sobek gewidmet ist und die andere Seite Haroeris gilt, eine Erscheinungsform des altägyptischen Gottes Horus. Der Tempel von Kom Ombo gilt als wichtige Sehenswürdigkeit, die ich selbstverständlich sehen wollte. Er entstand in der ptolemäischen Epoche Ägyptens 304 bis 31 v. Chr., wurde jedoch nie gänzlich fertig gestellt. Der Tempel ist auch Teil und Anlaufpunkt vieler Nilkreuzfahrten. Durch Naturgewalten wie Hochwasser und Erosion des Mauerwerkes wurde der Tempel schon stark in Mitleidenschaft gezogen. Wie bei vielen anderen monumentalen Bauwerken in Ägypten waren auch große Teile von ihm lange Zeit vom Sand verschüttet. Jacques de Morgan legte sie schließlich im Jahr 1893 frei und restaurierte alles.

    Der Doppeltempel von Kom Ombo

    Teil der ehemaligen Toranlage

    Seitlicher Blick auf den Tempel

    Kapelle der Hathor

    Ich ging durch den Eingang in der Umfassungsmauer. Dahinter befand sich einst ein Hof mit 16 Säulen zu beiden Seiten. Heute sind nur noch die unteren Säulen-Abschnitte zu sehen. Auf den Säulen kann man Darstellungen von Tiberius erkennen, wie er den Göttern Gaben darbringt. Nun stand ich vor dem eigentlichen Tempelgebäude und blickte auf die erste Säulenhalle. Der Anblick machte mächtig Eindruck auf mich. In der südlichen Ecke des Hofs befindet sich eine Hathor-Kapelle. Eine französische Ägyptologin kam gerade heraus und schloss das Tor ab, so dass ich leider nicht mehr hinein konnte. Westlich des Hofs finden sich die Überreste des Geburtshauses (Mammisi), das leider durch Hochwasser zerstört wurde.

    Die Säulenabschnitte auf dem Hof

    Tempel mit Umfassungsmauer

    Also schritt ich in die erste Säulenhalle. Die Reliefs der Wände, die hier größtenteils Reinigungszeremonien zeigen, sind in wunderbarem Zustand. Manchmal finde ich, bei solchen sauberen, tiefen und klaren Reliefs könnte man meinen, sie seien vor ein paar Monaten entstanden und nicht vor ein paar Tausend Jahren. Die Reliefs auf den Säulen zeigen Ehrerbietungsszenen ptolemäischer Pharaonen gegenüber den Göttern. Der weitere Weg ins Innere führte mich zur zweiten Säulenhalle, dem „Saal der Opfergaben“, der ähnliche Reliefs aufweist wie die Halle zuvor. Die Säulen hier sind fast nur noch halb so hoch wie die in der ersten Säulenhalle. Dahinter kommen 3 Vorsäle und schließlich die beiden Heiligtümer der Götter Sobek und Haroeris, von denen jedoch nicht mehr viel übrig ist.

    Blick von der anderen Seite

    Relief links des Eingangs

    Ich gehe hinein

    Wunderbares Relief in der ersten Säulenhalle

    Säule mit Relief des Königs

    Säule mit Relief von Sobek

    Die Götter segnen den Pharao

    Alle in recht gutem Zustand

    Unter den Säulen

    Reinigung und Übertragung der Macht durch Horus und Thot

    Im hinteren Tempelbereich

    Andere Besucher

    Hinter dem Tempel

    Nilometer neben dem Tempel

    Die Erfrischungsgetränke gaben neue Kraft

    Etwa 25 Meter nordwestlich des Tempelkomplexes fand ich ein Nilometer. Dabei handelt es sich in Kom Ombo um einen begehbaren runden Brunnenschacht, in dem man den Pegel des nahen Nils ablesen konnte. Neben dem Tempel befindet sich das Krokodil-Museum. Wegen des Kults um den krokodilköpfigen Gott Sobek waren die Tiere heilig und Mumifizierungen von ihnen nicht selten. Die Ägypter glaubten, dass die Tiere eine Manifestation des Gottes sind, dass er sich also in ihnen zeigt. Sie fürchteten und respektierten die Kraft der Tiere gleichermaßen. Hier konnte ich also etliche von ihnen in Glasvitrinen betrachten und Einiges darüber lesen. Die Krokodile bekamen oftmals sogar Särge mit Grabbeigaben.

    Eingang zum Krokodilmuseum

    Krokodilmumien

    Sobek

    Mumie mit Beigaben

    Einbandagierte Krokodilsmumien

    Stele im Krokodilsmuseum

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