​Ein Oktobertag 2019 bei den Kranichen in Linum

Es gibt 9 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von vadda.

  • Eigentlich müsste ich schreiben: Ein Abend und ein Morgen in Linum, denn ich kam erst am Nachmittag in dem kleinen Dorf in Brandenburg an , übernachtete dort und fuhr am nächsten Vormittag weiter.


    Nur abends und morgens ist in Linum etwas los.


    Linum ist ein kleines Straßendorf mit ca 750 Einwohnern zwischen Fehrbellin und Kremmen, ca. 45 km nordwestlich von Berlin und ungefähr 19 km südlich von Neuruppin.

    Es liegt im im Rhinluch, einem Feuchtgebiet mit einer großen Anzahl an ( ehemaligen ) Fischteichen , die in DDR Zeiten große Bedeutung hatten .




    Bildquelle und Lizenz

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Teichland_Linum.JPG

    https://upload.wikimedia.org/w…024px-Teichland_Linum.JPG

    Von Wolkenkratzer - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=20205385


    Heute ist das ganze Gebiet Naturschutzgebiet.

    Jedes Jahr brüten und rasten hier zahlreiche Vögel.

    Die Anzahl der Störche und Storchennester ist geringer geworden, während nach wie vor jedes Jahr Tausende Kraniche und Graugänse im Rhinluch rasten.


    Ich unterbrach dieses Jahr meine Fahrt zur Insel Rügen und buchte im Dorfgasthaus "Storchenklause" in Linum eine Unterkunft.


    Ein Spaziergang durchs Dorf am Spätnachmittag.


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    In Dorf gibt es ein Gasthaus , eine Bäckereifiliale , einen Bioladen, eine Mosterei und Bauern, die ihre Produkte ( Kartoffeln, Nüsse) vor dem Haus verkaufen.

    Der Hofladen mit Gemüse und Obst der Saison steht gegenüber der Storchenklause


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    In Linum gibt es eine Zweigstelle des NABU.

    Die Mitarbeiter sind sehr aktiv, es werden Vorträge, Diashows, eine Ausstellung und zur Kranichzeit auch fachkundige Führungen ins Rhinluch angeboten,

    Vor 2 Jahren habe ich an einer Führung teilgenommen und sehr viel über die Kraniche erfahren.


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    Das sind keine Kraniche, die um den Kirchturm von Linum kreisen .

    Es sind Krähen, geschickte Flugkünstler.


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    Gegen !7 Uhr machte ich mich auf den Weg hinunter ins Rhinluch.

    Man darf das Naturschutzgebiet nicht betreten, der Weg ist ab einer bestimmten Stelle gesperrt.

    Kraniche sind sehr wachsam und scheu. Weniger als 300m kann man sich ohne Deckung nicht nähern.

    Fliegt einer hoch, erheben sich sofort alle.


    Eine große Zahl stand schon in der Wiese , zu weit für ein ordentliches Bild mit meiner kleinen Lumix.


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    2017 sind mir abends ein wenig bessere Bilder gelungen, da war es noch etwas heller


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    Die Kraniche sind unüberhörbar.

    Ihr typisches, lautes Trompeten ist schon in weiter Entfernung zu hören.


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    Linum liegt eine knappe Autostunde von Berlin entfernt. Zur Kranichzeit werden an den Wochenenden Busreisen organisiert und die Besucher treffen dann bei Dämmerung in Linum ein.

    Alle reckten die Hälse, aber die Tiere landeten an diesem Abend in einer kleinen Senke hinten am Waldrand.


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    Aber am Himmel war was los!!!

    In größeren oder kleineren Formationen steuerten die Vögel die Rastplätze an.


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    Gegen 20 Uhr wurde es ruhiger und ich machte mich auf den Rückweg.


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    In der Storchenklause war im Restaurant noch Hochbetrieb. Alle Tische waren belegt.

    Ich hatte Hunger und setzte mich an den Tisch zu einem Herrn aus Berlin , der mit seinen beiden Enkelkindern die Kraniche beobachtet hatte und zu einem jungen Mann , der auf Pilgereise war.

    Ich wusste nicht, dass es einen Pilgerweg gibt, ähnlich wie den Jakobsweg, der durch Linum führt.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Pilgerweg_Berlin–Wilsnack


    Bei guter Hausmannskost und sehr angenehmer Unterhaltung am Tisch wurde es recht spät.

    Ich war an diesem Tag schon 600km gefahren und nach einem Glas brandenburgischem Bier zum Essen ging ich todmüde ins Bett.


    Am nächsten Morgen summte der Wecker um 6 Uhr.

    Es war noch stockfinster.


    Um halb 7 Uhr machte ich mich auf den Weg ins Rhinluch,

    Das Dorf war noch wie ausgestorben , die Berliner waren alle am Abend zuvor abgereist.


    Am Horizont wurde es schon hell,. aber alles war noch ruhig.


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    Die ersten Kraniche brachen auf und flogen zu ihren Tagesfutterplätzen, DIese können bis zu 30, 40 km entfernt sein.


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    Die Rufe der Kraniche schienen auch die Tiere auf den Weiden zu wecken.


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    Am Himmel wurde es immer lauter


    Graugänse


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    Kraniche


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    Es dauerte bis etwa 9 Uhr, dann wurde es ruhiger.


    Das Spektakel am Morgen war noch eindrucksvoller gewesen als am Abend zuvor !!


    Im Gasthaus wartete das Frühstück auf mich - ländlich üppig, eine gute Grundlage für die 400 km , die ich an dem Tag vor mir hatte,

    Ich wollte nicht wieder auf die Autobahn fahren , sondern quer übers Land Richtung Greifswald.


    Kurz vor Kremmen musste ich ganz schnell an den Straßenrand fahren.

    Kraniche auf den Futterplätzen !


    So nahe war ich den Tieren bisher noch nie gekommen.

    Vom meinem Auto ließen sie sich offensichtlich nicht stören.


    Aus dem Auto heraus gelangen mir diese Bilder .


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    Ein beringter Kranich !


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    Die nächsten Kraniche habe ich erst ein paar Tage später auf der Insel Rügen gesehen.

    Davon in einem anderen Bericht.


    Gruß,

    Elke

  • Toller Bericht mit tollen Fotos! Das muss ein großartiges Spektakel gewesen sein mit der Vogelschar! Sehr schöne Flugformationen! Da lohnt es, zeitig aufzustehen. Konntest du den beringten Kranich identifizieren lassen? Mit der Codierung sollte das eigentlich möglich sein.


    LG


    Johannes

  • Wie schön Elke,


    beeindruckend, ich beneide dich schon ein wenig, so herrliche Aufnahmen dieser schönen Vögel.

    Deine Entscheidung, nicht die Autobahn zu nutzen hat sich mehr als ausgezahlt.


    Liebe Grüße

    Sylvi

    :blume17: Grüssle von tosca


    Nicht woher der Wind weht, sondern wie man die Segel setzt, darauf kommt es an!

  • Ein sehr schöner Fotobericht von Deiner Herbstreise, Elke. :thumbup:

    Kurz vor Kremmen musste ich ganz schnell an den Straßenrand fahren.

    Kraniche auf den Futterplätzen !


    So nahe war ich den Tieren bisher noch nie gekommen.

    Vom meinem Auto ließen sie sich offensichtlich nicht stören.

    Das freut mich, dass Du dieses Glück hattest. :)

    Tolle Aufnahmen von den Kranichen und so schön nah. 8)

    El mundo es un libro, y quienes no viajan leen sólo una página. (Aurelio Agustín)
    Gruß Jofina

  • Konntest du den beringten Kranich identifizieren lassen? Mit der Codierung sollte das eigentlich möglich sein.

    Ja, das geht.


    Es gibt länderübergreifende Codes.


    https://www.kraniche.de/de/beringung.html

    Zitat

    "Am linken Bein wird die Landeskennung angebracht. Dies sind für Deutschland blau bzw. leicht veränderte Kombinationen. Rechts wird mit einem Drei-Farben-Code die Individualkennung angezeigt, wobei dieselbe Farbe nicht zweimal übereinander angebracht werden darf."



    Der Kranich auf dem Bild oben:



    Linkes Bein weiß -blau- blau

    weist auf Deutschland hin


    rechts rot-blau- gelb

    ist die Individualkennung dieses einen Kranichs.


    Es lohnt sich auch , die Köpfe genauer zu betrachen ( wenn man nah genug dran ist )



    Jungvögel haben noch hellbraune Federn im Kopf-/Halsbereich.

    Nur Altvögel haben diesen "roten Punkt" auf dem Kopf.

    Das sind aber keine roten Federn, sondern das ist eine Stelle ohne Federn, quasi eine kleine "Glatze" .

    Warum , weiß ich nicht. Ob das vielleicht bei der Balz eine Rolle spielt , oder ?


    Hier ein interessanter Link zu verschiedenen Fragen


    https://www.kraniche.de/de/faqs-haeufige-fragen.html


    Zitat

    "Die rote federlose Kopfplatte kann man nur bei Altvögeln beobachten; bei Jungvögeln ist sie ebenso wenig vorhanden wie die schwarz-weiße Kontrastierung im Kopf-Hals-Bereich. Spätestens ab dem zweiten Lebensjahr ist der rote Schwellkörper dann deutlich ausgeprägt."


    Gruß,

    ELke

  • Danke für die interessanten Erläuterungen und die Codierung, das ist ja wirklich spannend! Ist irgendwie aufregend, wenn man so einem bereits identifizierten Vogel begegnet. Alter Bekannter, sozusagen.


    Noch spannender wird es, wenn du ihm nächstes Jahr nochmals begegnest....


    Ich hatte bei meinen Eidechsenforschungen in Rovinj einige Individuen mit besonderen körperlichen Merkmalen, die ich gut kannte. Einigen davon bin ich jedes Jahr wieder begegnet, oft am selben Ort beim selben Stein sonnend, das war dann immer wieder eine Freude, zu sehen, ah, du lebst noch, schön, dich wiederzusehen......


    Bitter war es, wenn die Stelle im nächsten Jahr zubetoniert war, heute sind dort alle Spalten ausbetoniert und es gibt nur noch wenige Eidechsen.


    LG


    Johannes

  • Hallo Elke.


    Da kann ich mich meinen Vorrednern und -innen voll und ganz anschliessen, toller Bericht und tolle Bilder. Das sind einmalige Aufnahmen, und so nah, wie Du an den Tieren warst, um sie zu fotografieren, top. Dankeschön.:)


    Auf diesem Bild sieht es ein wenig so aus, als sei die Zeit dort stehen geblieben. Sogar auch dort gibt es noch die typischen Kopfsteinpflasterstrassen, wie Du sie auch auf Rügen gesehen und befahren hast.



    Liebe Grüsse, Daniel.

  • Zitat

    Auf diesem Bild sieht es ein wenig so aus, als sei die Zeit dort stehen geblieben.

    Ja, Daniel, den Eindruck hatte ich auch. Aber nicht nur hier, sondern in vielen kleinen Dörfern in Brandenburg und MP, in der Uckermark, durch die ich fuhr.

    Sauber, hübsch gepflegte Gärten, manchmal auch schön renovierte Fassaden.... aber irgendwie leblos.

    Als ob jeder nur hinter seiner Mauer in seinem kleinen persönlichen Rückzugsort lebt.

    Kaum Hinweise auf Aktivitäten von Vereinen oder Sportguppen, Veranstaltungen im Ort.

    Vielleicht täusche ich mich .

    In den touristischen Hotspots z.B an den Müritzer Seen oder auch in Greifswald war das anders.


    In Linum kam ich am Morgen, als ich auf den Sonnenaufgang wartete, in ein interessantes Gespräch mit einem älteren Einheimischen, der in Linum gewohnt hatte ,für den das Beobachten der Kraniche schon seit Jahrzehnten wichtig ist und er deshalb hier einen Wohnwagen stehen hat.

    Er erzählte mir von den Arbeitsplätzen, die es durch Fischzucht und die Fischteiche gab, die aber jetzt wegfielen.

    Was es in Linum jetzt neben der Landwirtschaft gibt , ist das Wenige an Tourismus während der Kranichrast und der Storchenbrut.

    Aber wer bleibt länger als 1, 2 Tage?

    Die Besitzer der Storchklause waren unglaublich bemüht , de Service sehr freundlich ( wobei das Reigungspersonal aus Polen stammte)

    Das Rhinluch mit seinen Teichen ist interessant, aber für welche junge Einheimischen reicht das?

    Berlin ist weniger als 50km entfernt.


    In Dörfern im Inneren der Insel Rügen, vor allem abseits der Küste im Westen der Insel, war das ähnlich.


    Liebe Grüße,

    Elke

  • "Da muss doch noch mehr kommen", habe ich mich vor kurzem gefragt, als du einige wenige Bilder aus Linum eingestellt hattest. Du hast mich nicht enttäuscht, bei Betrachtung deiner Bildern konnte ich das Trompeten der Kraniche wieder "hören".


    Da lohnt es, zeitig aufzustehen.

    Auch beim Sonnenuntergang ergeben sich schöne Momente, Johannes. Dieses Bild habe ich bei klirrender Kälte auf einem Beobachtungsturm zwischen den Linumer Fischteichen machen können.




    Dank dafür, dass du mich wieder auf Reise geschickt hast, liebe Elke.


    Gruß,

    Klaus

    Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das Leben will.
    (Albert Schweitzer)

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