Südafrika, Teil 7 , Finale

Es gibt 12 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von wallbergler.

  • Nun führte uns die Reise also nach Johannisburg. Auch die Stadt des Goldes genannt.
    Für uns der Endbahnhof und Heimreisemöglichkeit vom dortigen Flughafen International.
    Johannisburg ist Südafrikas größte Stadt, entstand innerhalb weniger Jahre, kurz nachdem man 1886 die Goldfelder des Witwatersrand entdeckt hatte.
    Heute ist die Stadt internationaler Verkehrsknotenpunkt, Zentrum des Handels, der Finanzwelt und des südafrikanischen Bergbaues.
    Das Hauptaugenmerk der Reiseleitung galt aber weniger dieser umtriebigen Stadt, die zudem hochgradig gefährlich war, sondern man legte mehr Wert auf das geschichtlich beeinträchtigten Soweto, dem Besuch von Pretoria und dem nahe gelegenen geschichtlich herausragenden Voortrekkerdenkmal.
    Bevor wir direkt Soweto ( South Western Township ) besuchten,



    zeigte man uns auf einer Anhöhe vor der erschreckenden Siedlung das damalige Privathaus von Winni Mandela.





    All zu viel gab es nicht zu sehen. Aber ein Komfort war unübersehbar.
    Und dies war der Privatbesitz von Nelson Mandela



    Es gab ja auch hier eine Trennung von arm und reich.
    In den Vierteln der Wohlhabenderen – von Soweto Bewohnern süffisant als „Beverly Hills“ bezeichnet, sind die Häuser geräumiger, solider und moderner ausgestattet.






    Und dahinter verbarg sich die Villa vom damaligen Erzbischof Desmod Tutu.




    Im krassen Gegensatz dazu dann die Besichtigung von Soweto. Es ist ohnehin die einzige Möglichkeit im Rahmen einer kontrollierten Besichtigungsfahrt dieses Elend zu sehen. Zugfahrten nach Soweto sollten tunlichst unterlassen werden. Dazu hat es zu viele , auch in jüngerer Vergangenheit Überfälle und Morde gegeben. Auch Mietwagenfahrten sollten unterlassen werden.
    Wir wurden ja wenigstens nur mit Steinchen beworfen.
    Kein Wunder, wenn man dies sieht, was ja auch auf die Auswirkungen der Apartheid zurückzuführen ist.











    Soweto ist längst kein Provisorium mehr, sondern eine reguläre Stadt , verteilt auf 95 Quadratkilometern, mit 2 Mill. Einwohnern. Heute wird Soweto offiziell als Johannisburg genannt.


    Einige der bedrückensten Slumgebiete hat man inzwischen im Rahmen von Stadtentwicklungsplänen saniert, aber immer noch existieren Gegenden, wo grundlegende infrastrukturelle und sanitäre Maßnahmen umgehend fällig wären.
    Am Ende der Besichtigung zeigte man uns einen geschichtlich, unheilvollen Platz.






    Hier steht das Denkmal vom 16. Juni 1976, als Schüler- und Studentenproteste gegen die Regierung rd. 500 Opfer forderten. Sie wurden gnadenlos niedergemäht.
    Man verstand das aber später immer als Symbol gegen die verheerende Apartheidpolitik.
    Nach ein paar Fahrten durch Straßenzüge von Johannisburg





    vorbei an der ehemaligen Formel 1 Rennstr. Kyalami näherten wir uns Pretoria, Afrikas Verwaltungshauptstadt mit 632 Quadratkilometern und rd. 1 Mill. Einwohner .



    Sechs Kilometer vor der Stadt Pretoria besichtigten wir Südafrikas bekannteste Gedenkstätte, das monumentale Voortrekker Denkmal, in den Augen vieler Afrikaander einer Art nationales Heiligtum.



    Es erinnert an die Pioniere, die vom Kapland aus das Innere Südafrikas erschlossen haben. Der Grundstein für den massiven 40 m hohen Granitbau wurde 1938 gelegt.
    In der Heldenhalle wird der Große Trek auf 27 Marmorreliefs wieder lebendig.
    Auf der Autobahn nach Pretoria



    Das Union Buildings, Sitz der Regierung.( 1913 errichtet)
    Hier wurde auch im Mai 1994 der erste schwarze Präsident, Nelson Mandela, vereidigt.
    Mit Ausblick von der Terrasse auf die Innenstadt und ein Motiv von einer Hochzeit.





    Die City Hall



    In der Stadt



    Im Anschluss daran fuhren wir zum Wohnort unseres Busfahrers.(Gebürtiger Hannoveraner).
    Höchst interessant ist dabei, wie mehrfach geschützt man dort wohnen muss.
    Die Einfahrt in die Siedlung ist mit einer hohen Mauer umgeben und nur nach eintippen eines Codes möglich. Das Haus selbst (wie jedes andere auch) ist wiederum durch eine Mauer geschützt.
    Ein Kommentar dazu würde zu weitreichenden Gedanken eines sozialen Friedens führen.







    Abschließend befuhren wir den Autobahnring um und durch Johannisburg und kamen gegen Abend zu unserem abgestellten Zug am Ende unserer sehenswerten und erlebnisreichen Reise an.







    Vielleicht hat sich der riesige Aufwand gelohnt und einige können sich ein kleines Bild von diesem grandiosen und geschichtsträchtigen Land, mit zum Teil noch vielen offenen Wunden, machen.
    Wer es bis hierher geschafft hat,
    ein großes Dankeschön , auf Afrikaans: dankie, auf Zulu: Ngiyabong.


    auf Wiedersehen , Afrikaans: Tot siens, Zulu: Salakahle


    Mit diesen Zungenbrechern beschließe ich die Reise
    euer wallbergler

    Wer nichts weiß, muss alles glauben.
    Marie von Ebner-Eschenbach

  • Zitat

    auf Wiedersehen , Afrikaans: Tot siens, Zulu: Salakahle


    Es hört sich so an, als würdet Ihr gerne nochmal nach Südafrika fahren??


    Das glaube ich allerdings sofort.


    Auch wenn Euch am Ende der Reise ein Aspekt des riesigen Landes besonders nachdenklich gemacht hat ( und ich nehme an, dass dies jetzt, 2010, auch noch in vielen Bereichen ähnlich ist), so habt Ihr doch eine wunderbare Reise erlebt. Sie bleibt sicher auch zeitlebens in Eurem Gedächtnis und hat vermutlich auch Euer Bild von Südafrika sehr verändert .
    Ein klein wenig hat dies Dein ausführlicher Bericht auch bei mir bewirkt.


    Danke Helmut für die Arbeit, die Du Dir mit diesem wunderbaren Bericht gemacht hast!!
    Ich habe auf meiner Reiseseite den Afrikaforscher Heinrich Barth zitiert:
    https://www.elkehei.de/#0


    Das gilt auch für Deine Afrikareise!


    Gruß,
    ELMA

    Nicht Tatsachen, sondern Meinungen über Tatsachen bestimmen das Zusammenleben.


    Epiktet
    * um 50, † um 138



  • Ich finde es wunderbar wie du dich mit der Reise auseinandergesetzt hast. Natürlich kann man das , was Heinrich Barth gesagt hat, nur noch unterstreichen. Ich sagte es vielleicht ganz schlicht, und sehe es auch so nach allen Erfahrungen: der Kulanzbogen des Einzelnen wird ungeheuer erweitert.
    Und genau das merkt man auch bei der Mehrzahl dieser Weltreisenden. Bist ja auch eine davon. Respekt.
    Generell gesehen, wollte ich schon nach meiner großen Amerikareise 1980 , von New York (damals stand ich noch auf einen der Twin Towers) hinunter nach Florida , hinüber nach New Orleans und weiter über den Grand Canyon nach San Franzisko und Los Angeles diese Arte Reisen fortführen. Leider kam ich aber sehr schnell an meine gesundheitlichen Grenzen, den ich vertrug ganz und gar nicht dieses extreme Tropenklima mit den bedenklichen Erscheinungen mit Mosquitos, wie es z.b. schon in den Everglades vorherrschte . Eine Mitreisende musste in Miami sogar entgiftet werden.
    Ich wollte ja auch nach Nepal. Na ja, alles kann man nicht haben.
    Dies auch aus dem Grund, da damals eine 70 jährige rüstige Dame dabei war, die meinte, Junge ordne alles in jungen Jahren diesen Reisen unter, denn in ihrem Alter sei es letztlich doch so beschwerlich, dass die reine Freude in den Hintergrund geriet.
    Musste ja schon auf meiner Skandinavien Reise erkennen, welchen Einschränkungen man mit den lieben Erzfeinden Mosquitos (haben natürlich überall einen anderen Namen) unterliegt.
    Deshalb hab ich auch deine Reisen so geliebt, weil ich ursprünglich da hin wollte.
    So fand ich halt den Ausgleich mit Sportbootführerschein und Flugschein.
    Liebe Grüße
    Helmut

    Wer nichts weiß, muss alles glauben.
    Marie von Ebner-Eschenbach

  • t.
    Musste ja schon auf meiner Skandinavien Reise erkennen, welchen Einschränkungen man mit den lieben Erzfeinden Mosquitos (haben natürlich überall einen anderen Namen) unterliegt.


    Everglades... oh ja ( 2x war ich dort), im Terai, dem Tiefland von Nepal, Ceylon, Indien, im Tiefland von Pakistan... dort können die Streckmücken besonders lästig sein. Aber am meisten hat mich gesundheitlich immer die Malariaprophylaxe geschlaucht (und nach meiner Pakistanreise auch noch der Verdacht einer Malariainfektion und starke Medikamente) Man sollte solche Reisen ( wie auch Eure Afrikareise) in jungen Jahren machen.


    Aber weißt Du, wo es die schlimmsten ( allerdings ungefährlichsten, aber lästigsten) Stechmücken gab? In Island am Myvatnsee ( = Mückensee) und in Südgrönland!! Da galt es möglichst weite Kleidung zu tragen- alles abzudecken und beim Wandern, beim Essen... ein spezielles Moskitonetz ( ähnlich wie Imker sie haben) als Kopfbedeckung zu tragen.
    Nach 100 Stichen allerdings hat man die nächsten 100 gar nicht mehr gespürt. Autan war sinnlos....


    Ich möche deshalb all diese Reisen nicht missen und nach Island würde ich trotz dieser Plagegeister sofort nochmals fahren.


    Gruß,
    Elke

    Nicht Tatsachen, sondern Meinungen über Tatsachen bestimmen das Zusammenleben.


    Epiktet
    * um 50, † um 138

  • Ich möche deshalb all diese Reisen nicht missen und nach Island würde ich trotz dieser Plagegeister sofort nochmals fahren.



    Danke für deine ehrliche Bestätigung. Aber , ganz ehrlich , ich bin eigentlich nur noch bedingt Leidens fähig.6t656t65


    Lieben Gruß
    Helmut

    Wer nichts weiß, muss alles glauben.
    Marie von Ebner-Eschenbach

  • Helmut,


    Zitat

    Wer es bis hierher geschafft hat,


    :2:
    Ich habe es nicht nur bis hierhin "geschafft", sondern habe einen Teil nach dem anderen verschlungen.:lol:
    Deine Berichte waren äußerst informativ, teilweise amüsant und - wo nötig - auch nachdenklich geschrieben, so dass man sich gut in das Wechselbad der Gefühle hineindenken konnte, das Ihr sicherlich erlebt habt.


    Nochmal vielen Dank für die viele Arbeit, die Du Dir gemacht hast.
    Es hat Spaß gemacht mitzulesen.


    Liebe Grüße
    Helga

  • Nochmal vielen Dank für die viele Arbeit, die Du Dir gemacht hast. Es hat Spaß gemacht mitzulesen.


    Danke Helga,
    solche detaillierten Dankeschön`s freuen einen natürlich und animieren zum Weitermachen.
    Ganz lieb
    Helmut

    Wer nichts weiß, muss alles glauben.
    Marie von Ebner-Eschenbach

  • Habe heute bis Finale durch gelesen.
    In den Teilen sind die Widersprüche, einerseits die Natur mit all ihren Schönheiten getroffen, anderseits das erbärmliche Leben in den Slums.
    Deine Fotos aus der Natur, den Pflanzen und Tieren (im großen unberührten Zoo unseres Planeten) sind sicherlich einmalig.


    Danke Helmut, dass du uns so eine Traumreise mit genommen hast.


    Deine Arbeit hat sich gelohnt diese vielen Fotos für uns zu bearbeiten.


    burki

  • Deine Arbeit hat sich gelohnt diese vielen Fotos für uns zu bearbeiten.



    Auch wieder eine schöne Bestätigung dieser zeitintensiven Einstellung.
    Herzlichen Dank dir
    und euch allen


    Helmut

    Wer nichts weiß, muss alles glauben.
    Marie von Ebner-Eschenbach

  • Lieber Helmut,


    nun habe ich alle Teile heute gelesen. Es ist unglaublich, wie viel Arbeit Du Dir mit dem scannen und der Berichterstattung, besonders auch mit geschichtlichen Hintergründen gemacht hast. Dafür möchte ich Danke sagen, die Reise war wunderbar :-)


    Mir hat, wie einigen anderen auch, der 6. Teil besonders zugesagt. Die Naturaufnahmen, die Tiere, diese wundervolle Landschaft haben es mir besonders angetan.
    Nach einer Kenia-Safari in der Masai Mara vor fast 20 Jahren, kann ich Deine Eindrücke soooo gut nachvollziehen - gibt es ein schöneres Licht als dies, wenn in Afrika die Sonne untergeht???
    Das Herz geht einem auf wenn man vor der Safari Lodge den Sonnenuntergang betrachtet - diese Stimmung, die Geräusche, der Geruch - keine, auch noch so guten Bilder, können wiedergeben was da in einem vorgeht! Ich habe trotz vieler Reisen mit wundervollen Landschaften, dies nie mehr so empfunden wie in Afrika. Es war etwas ganz Besonderes, und das Gefühl habe ich trotz der vielen vergangen Jahre immer noch präsent.


    Beeindruckend auch die Menschen die Du in Deinem Bericht beschreibst, die stolzen Zulu und die Buschmänner, mit ihrer eigenartigen Schnalzsprache - ich kann mir gut vorstellen, daß Du ein unangenehmes Gefühl hattest beim Besuch des Dorfes dieser Menschen, mir ging es in einem Massai-Dorf ähnlich - obwohl auch die Menschen des Dorfes Touristen gewohnt waren und ihren Schmuck an sie verkauften, es ging ihnen verhältnismässig gut.


    Ich hatte damals nach der Lekture des Buches "Out of Africa" von Karen Blixen den Traum gehabt, mal nach Kenia zu reisen - und ich kann verstehen, warum diese bewundernswerte Frau dieses Land so geliebt hat (ich saß auf Ihrer Terrasse in Nairobi ;-) )


    Afrika ist ein faszinierender Kontinent (hat aber auch schon viel Leid gesehen....)

    :blume17: Grüssle von tosca


    Nicht woher der Wind weht, sondern wie man die Segel setzt, darauf kommt es an!

  • Danke Sylvi,
    für die ausführliche Stellungnahme. Ja, das war schon was. Sogar Cilli , die ja auf einer echten großen Safari in Kenia war, fand es sehr bemerkenswert.
    Wie wir hörten und ich auch schon ansprach, eine Privatsafari im Krüger Nationalpark dürfte ziemlich an die Safari in Kenia hinkommen.
    Aber das kostet.
    Nun, ich war ohnehin äußerst zufrieden. Die Facetten, die dieses Land bietet, sind unglaublich.
    Und jetzt komme ich zu meinem eigenen Bedauern, es gibt soooo viele schöne Länder, nur die politischen Umstände lassen es nicht zu, sich mit einer Reise dorthin zu befassen. Der Mensch, das Raubtier! (wenn er die Macht hat).
    Aber lassen wir das.
    Danke nochmal
    Helmut

    Wer nichts weiß, muss alles glauben.
    Marie von Ebner-Eschenbach

  • Endlich habe ich auch mal die Zeit gefunden den mühevollen Einsatz von Helmut lobend anzuerkennen.


    Rechtzeitig und als Einstimmung auf das Land der Fußball-WM 2010 hat er uns das Land in vielfältiger Weise als Mehrteiler dargeboten. Ich habe die einzelnen Beiträge genossen und konnte ein mir unbekanntes Land näher kennen lernen.


    Du hast es geschafft Deinen Urlaub in Südafrika von allen Seiten zu beleuchten, sei es die Fauna und Flora, seine Zentren, dessen Bodenschätze sowie die Apartheit, den Reichtum der Mächtigen und immer wieder die Armut eines Großteils der Bevölkerung.
    Die Kombination der Gegensätze macht sie zu Zeitzeugen der Gegenwart.


    Auch im Jahre der WM 2010 hat sich die Situation in Südafrika nicht groß verändert. Ob wir während der nächsten Wochen überhaupt mit den Schattenseiten des Landes konfrontiert werden? Sicherlich werden wir in den zahlreichen TV-Stunden nur die Schönheiten gezeigt bekommen. Umso mehr sind die 7 Beiträge eine gelungene Dokumentation.


    Der Aufwand hat sich gelohnt und solltest Du noch mehr solche Schätze im Archiv haben, sage ich Dir, dass sich das Engagement lohnt.
    Auch wenn sich zu einigen Beiträgen die Anzahl der Postings in Grenzen hält.

    [COLOR="#0000CD"]Entdecke die Welt, wie einst Captain Cook, Baedeker oder Marco Polo[/COLOR]


    Carpe Diem Annette und Hartmut


    [COLOR="#008080"]Wissen schafft Wissen - jeden Tag entsteht neues Wissen![/COLOR]

  • Vielen Dank auch dir Hartmut,
    für deine ausführliche Einschätzung. Die radllose Zeit Anfang des Jahres hat schon sehr geholfen, dass ich die Zeit hatte, lach.
    Das Problem war ja, dass die Reise erinnerlich so weit weg war. Und Gott sei Dank hatte ich für diese große Reise einen ausführlichen Reiseführer.
    Den ich aber nur für die "richtigen Angaben" also die Bestätigung meiner Eindrücke benötigte. Damit ich nichts Falsches behaupte.
    Aber ich hab mich sehr über deine, über eure Anmerkungen gefreut.
    Helmut

    Wer nichts weiß, muss alles glauben.
    Marie von Ebner-Eschenbach

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