Die Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn

Es gibt 17 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Daniel_567.

  • Die Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn - Teil 1


    Im westlichen Sachsen-Anhalt im Landkreis Börde befindet sich bei Marienborn direkt an der A2 die Gedenkstätte Deutsche Teilung. Bis 1989 war hier eine Grenzübergangsstelle zwischen der damaligen DDR und der BRD.

    Insgesamt 1000 Bedienstete des MfS, des Zolls und Zivilangestellte waren hier tätig. Die Anlage hatte eine Grösse von 35 Hektar und einen Stromverbrauch, der dem einer Kleinstadt mit ca. 20 000 Einwohnern in nichts nachstand.


    Es gibt im Forum bereits einen Bericht über das Grenzdenkmal Hötensleben, dieses gehört zur Gedenkstätte Marienborn.

    https://www.schoener-reisen.at/thread/8729-das-grenzdenkmal-hötensleben/


    Man erreicht die Gedenkstätte, die sich auf einer Fläche von 7,5 Hektar erstreckt, einerseits von der A2 Fahrtrichtung Berlin von der Raststätte Marienbon-Süd aus. Ist man in Fahrtrichtung Hannover unterwegs, kann man an der Abfahrt 63 Helmstedt/Marienborn abfahren, ein Stück westwärts auf der B1 fahren und dann wieder auf die A2 Richtung Berlin auffahren, um dorthin zu gelangen.

    Andererseits gibt es eine Zufahrt an der Strasse zwischen Marienborn und Harbke OT Autobahn, welchen ich als Hauptzugang bezeichnen würde.

    Da meine Frau die Anlage und die teils recht schmalen Zufahrtsstrassen in dieser Gegend noch nicht kannte, fuhren wir also, von Marienborn kommend, zur Gedenkstätte.


    Nach dem Passieren einer ersten Schrankenanlage gelangt man auf das Gelände. Der Parkplatz hier war so gut wie leer, und so machten wir uns auf den Weg zur Erkundung.


    Die Schrankenanlage.




    Gleich links steht diese Skulptur.




    Ein kleiner Rundumblick zur Orientierung. Auf die Gebäude, die auf den folgenden Bildern zu sehen sind, gehe ich später in meinem Bericht noch genauer ein.





    Dann passiert man eine zweite Schrankenanlage, um in den eigentlichen Kontrollbereich zu kommen.



    Ich zitiere aus dem PdF-Flyer "gedenkstaette-marienborn.sachsen-anhalt.de", der am Ende des Berichtes verlinkt wird (*) :

    "24 Wachhaus

    Das Wachhaus diente der zweiten Einlasskontrolle für alle Mitarbeiter der Grenzübergangsstelle (GÜSt) Marienborn. Mitarbeiter des Staatssicherheits- dienstes prüften, wer das Kontrollgelände betreten durfte. Ein ähnliches Wachhaus stand direkt am Eingangstor an der Straße. Dort kontrollierten Angehörige der Grenztruppen der DDR die Zugangsberechtigung für die GÜSt."

    Zitat Ende.



    Die ersten Informationstafeln.




    Ein Lageplan der Anlage. So ein Plan befindet sich auch auf jeder der Informationstafel, die an den einzelnen Bereichen stehen.



    Nun stelle ich Euch die einzelnen Bereiche vor. Auf jedes Bild einer Informationstafel folgen 1 oder mehrere Bilder, die diesen Bereich zeigen.


    Die Passkontrolle Einreise PKW








    Die Passannahme war der Passkontrolle um schätzungsweise 30m vorgelagert.




    Hier wurden die Pässe von den Mitarbeitern auf ein Förderband gelegt und gelangten über dieses in den Gebäudetrakt der Passkontrolle.





    Von diesen begehbaren Lichtmasten gibt es etliche auf dem Gelände.





    Die Pass- und Zollkontrolle LKW/Bus Einreise.










    Sonderkontrolle Pflanzenschutz unmittelbar neben der LKW-Kontrollanlage.




    Hiermit endet Teil 1. Fortsetzung folgt.


    (*) Zum Flyer "gedenkstaette-marienborn.sachsen-anhalt.de":

    https://gedenkstaette-marienbo…er_stiftungsdesignEVP.pdf



    Viele Grüsse, Daniel.

    Einmal editiert, zuletzt von Daniel_567 ()

  • Auch heute noch ein Alptraum, diese Grenze!

    Ich habe sie 3 Mal als Autofahrerin erlebt.

    Deine Dokumentation zeigt mehr als das, was man als Reisende sah.

    Man war allem komplett ausgeliefert. Eine Atmosphäre der Angst und des Ausgeliefertsein, so empfand ich es.

    Schon jetzt: Danke, Daniel, für diesen Bericht.

    Gruss,

    Elke

  • Ich kann mich auch noch gut an diesen Grenzübergang Marienborn erinnern, den wir für den Besuch der Verwandtschaft überqueren mussten. Es war jeweils eine Familienreise (3 Generationen), um Tante und Onkel und viele Cousins und Cousinen meines Mannes zu besuchen. Einmal hatten wir sogar einen Bulli gemietet, um alle zusammen fahren zu können. Es war immer herrlich dieses Familientreffen auf dem Dorf. Die Cousins und Cousinen hatten auch schon Kinder, so dass unser Sohnemann reichlich Spielkameraden hatte.


    Aber der Grenzübergang war schon einschüchternd. Wir waren immer froh, wenn wir da durch waren.


    Und wie es manchmal so kommt, nach der Wende kam der Gegenbesuch und danach hat man sich aus den Augen verloren.

    El mundo es un libro, y quienes no viajan leen sólo una página. (Aurelio Agustín)
    Gruß Jofina

  • hallo Daniel,


    wenn ich nur grob schätze was diese ganzen Grenzsicherungen im Laufe der Jahrzehnte gekostet haben, sei es für Bau, Unterhalt und das viele Personal, dann wird mir klar, warum die DDR pleite ging.


    Vergleiche hinken immer. Aber ist nicht Nordkorea die Perfektionierung der ehemaligen DDR?


    Danke für den Bericht. Leider gerät diese jüngste Vergangenheit unseres Landes wohl langsam in Vergessen. Sonst wären sicherlich mehr Besucher hier anzutreffen. In Mödlareuth habe ich es im Übrigen auch nicht anders erlebt.


    Mödlareuth - Klein Berlin mitten in Deutschland


    grüsse


    jürgen

  • Ich kann mich noch daran erinnern, dass immer, wenn unsere Verwandschaft im kleinen Grenzverkehr zu einem Tagesbesuch bei uns war, die Gespräche mehr oder weniger verstummten, wenn ich als kleiner Bub ins Zimmer kam. Damals fand ich das irritierend, aber im Nachhinein weiss ich, worum es in den Gesprächen ging und dass es nur zu meinem Schutz war, damit ich nicht irgendwas aufschnappe und mich dann in meiner kindlichen Unbedarftheit in der Schule oder wo auch immer eventuell verplappere.


    Aus dieser Zeit damals gibt es noch so einige Begebenheiten, von denen ich auch erst nach der Wende erfuhr.


    Viele Grüsse, Daniel.

  • Die Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn - Teil 2


    Nun die Zollkontrolle PKW Einreise. Diese war, anders als bei der LKW-Kontrolle, in einem separaten Gebäude untergebracht.






    Eine Informationstafel zum Zoll der DDR.



    In diesem ehemaligen Zolltrakt ist sehr vieles zum Thema ausgestellt, auch kann man sich auf zahlreichen Tafeln informieren.

    Hier ein Waffenschrank mit Kalaschnikows.




    Hier sind eine Winterbekleidung einer Kontrolleurin und im Hintergrund eine Gruppenführer-Uniform zu sehen.



    Die Dienstwaffe, eine Pistole vom Typ "Makarow PM 9,2mm".

    Laut der Beschreibung an der Vitrine trugen ausschliesslich männliche Zöllner eine Dienstwaffe.



    Eine Waschgelegenheit.



    Eine Schreibmaschine vom Typ "Optima".



    Nun ein paar Informationen zum Thema Beschlagnahme von Waren und Devisen.





    Beschlagnahmte Waren.



    Die Kofferkontrolle.



    Bilder, die mittels einem Röntgengerät erstellt wurden. Diese Geräte waren in den Räumen 5 und 7 in den kleinen innenliegenden Zimmern untergebracht, zu sehen auf dem Bild mit der Raumaufteilung.




    Ein paar Informationen zur Ausbildung von Zöllnern,



    zur Kontrolle der Kontolleure,



    und zur Überwachung im Privatleben.



    Die Nummer 7 beschreibt den demontierten Ausreisebereich.

    Also geht es weiter mit Nummer 8, der Kontrollgarage PKW Ausreise.



    Auf diesem Bild ist noch ein kleiner Teilbereich der Ausreise-Seite zu sehen, nördlich des Zollgebäudes.



    Die Kontrollgarage.







    Eine Kassierertasche mit Stempel, Formularen und Stabtaschenlampen.

    Desweiteren Taschenlampen, Rouladennadeln und Tanksonden.



    Eine Fahrbare Kontrolleinheit mit Endoskop, um selbst schwer zugängliche Bereiche kontrollieren zu können.



    Die Leichenhalle.




    In dem Gebäude links befand sich die Kantine. In der vorderen Hälfte war die Wechselstube untergebracht.





    Damit endet Teil 2. Fortsetzung folgt.


    Viele Grüsse, Daniel.

  • Wenn ich all das lese, bekomme ich im Nachhiniein wieder dieses beklemmende Gefühl, das ich damals bei der Grenzüberquerung auch hatte.

    Zum Glück müsste ich nie in eine der "Garagen" fahren.

    Aber an die Gruben mit den Spiegeln und Scheinwerfern, auf die man fahren musste, erinnere ich mich noch gut.

    Im Auto war es immer totenstill, keiner von uns wagte auch nur ein Wort zu sprechen.

    Psychologisch geschult, wussten die schon, wie man eine Atmosphäre der Angst und Verunsicherung erzeugt.

    Ja, man war ausgeliefert.


    Gruß,

    Elke

  • Elke, ja, diese Machtdemonstration und Schikane, furchtbar.

    Und durch diese gelbe Dachkonstruktion, die das Tageslicht darunter so eigenartig gelb erschienen liess, wie es auf einigen Bildern zu sehen ist, verstärkte das beklemmende Gefühl noch.

    Selbst bei meiner Besichtigung fast 30 Jahre, nachdem dieser Grenzübergang ausgedient hat,

    verspürte ich ein verstärktes beklemmendes Gefühl, als ich unter diesen Dächern entlang ging.


    Im Jahr 1990, wir kamen von unserer Verwandschaft in Niedersachsen mit unserem ersten Auto, einem marsroten Golf 1, mussten wir über diesen Übergang in die noch bestehende DDR einreisen, mit Pass- bzw. Visumkontrolle und dann Verzollung des Autos. Obwohl die schlimme Zeit da schon vorbei war, hatten mein Vater und ich dieses komische Angstgefühl, allein schon die Uniformen und das trotzdem noch strenge Auftreten der Kontolleure dort.


    Viele Grüsse, Daniel.

  • Die Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn - Teil 3


    Nun kommen wir zum Stabsgebäude. Hier befindet sich rechts im EG eine Information, man kann sich dort Prospekte holen und es werden auch Sachbücher zum Kauf angeboten. Auf der linken Seite kann man sich eine Ausstellung anschauen, die sich dann im 1.OG fortsetzt.





    Die nun folgenden Bilder habe ich in der Ausstellung aufgenommen.

    Die meisten Bilder erklären sich von selbst, und ich habe auch wieder etliche Beschreibungen fotografiert.


    Diese Ausstellungsstücke stammen aus dem ehemaligen Tagebau Wulfersdorf/Harbke (jetzt Lappwaldsee, in Flutung), zumindest lässt es das schwarze Schild vermuten.



    Ein Dienst-Motorrad des Herstellers MZ (Motorradwerk Zschopau).



    Ein Kontrollspiegel.



    Ein selbstgebauter Trichter.




    Die Passkontrolleinheit.



    Mit diesem Equipment gelang 3 DDR-Bürgern die Flucht über die Grenze.






    Fluchtversuche und deren Erfassung.





    Strafverfolgung und Vollzug.




    Die Selbstschussanlage SM-70.





    Und weitere unmenschliche Waffen, um DDR-Bürger an der Flucht zu hindern.




    Funkgeräte und andere Kommunikationstechnik.



    Ein Schulungsmodell der Grenzübergangsstelle.





    Ein rekonstruiertes GÜSt-Büro.




    Ein Blick auf die Anlage aus den Fenstern im 1. OG.





    Schweigend verliessen wir die Ausstellung.



    Die Veterinärstation war leider verschlossen, aber ich konnte einige Aufnahmen durch die doch recht breiten Torspalte machen.









    Hier ist vermutlich die Gatteranlage oder Teile davon zu sehen, die zur Veterinärstation gehörten. Heute wird sie als Abstellraum für Relikte der GÜSt genutzt.







    Diese beiden Garagen stehen in der äussersten Ecke der Anlage, unmittelbar an der ehemaligen Ausfahrt von der Kontrollstelle zurück auf die A2.

    Es wird vermutet, dass hier "2 Westfahrzeuge" mit "Westkennzeichen" für "besondere Einsätze" vorgehalten wurden.



    Ende Teil 3.

    Ein 4. und letzter Teil ist noch in Arbeit, er wird dann auch einige Links zum Thema enthalten.


    Viele Grüsse, Daniel.

    Einmal editiert, zuletzt von Daniel_567 ()

  • Unfassbare Details....

    Was kranke Köpfe und Phantasien alles in Realität umsetzten....

    Ich frage mich, wie Menschen, die damals aktiv und freiwillig mitgewirkt haben (es waren ja nicht wenige, wenn man die Kontrolleure,Spitzel und IMs mitrechnet) heute mit ihrer Vergangenheit fertig werden.


    Hier habe ich jetzt auch eine Bestätigung dafür gelesen, was wir bei unsren Fahrten zu wissen glaubten:

    Akustische Fernüberwachung durch DDR Grenzer. Schon ein paar Kilometer vor der Grenze durfte im Auto nichts mehr gesprochen werden aus Angst, dass jemand vielleicht etwas sagte, was verdächtig machte.


    Elke

  • Ich denke, einige arbeiten ihre Vergangenheit auf, indem sie z.B. bei Führungen erzählen und erklären, wie es damals war. In meinem letzten Teil stelle ich hierzu auch ein paar Links mit ein.

    Einige wiederum, die nach der Wende von der Bildfläche verschwunden waren, jetzt meist schon Rentner, sind verbittert und haben eine Grenze im Kopf, die, wenn es nach ihnen ging, noch mindestens 5 Meter höher sein muss als sie war. Und sie spielen sich manchmal immer noch als Sheriff auf........Das habe ich sogar mal selbst erlebt, als wir dienstlich in einem Mehrfamilienhaus zu tun hatten.


    Gruss, Daniel.

  • Hallo Daniel,


    für mich immer noch unverfassbar und unvorstellbar mal wieder, wenn ich deinen Bericht lese und die dazu gehörigen Fotos.


    Für mich war es bis 1990 so, das Deutschland nach dem 2. Weltkrieg durch eine Mauer getrennt wurd. Auch im Geschichtsunterricht wurde so genau nie über die Grenze gesprochen.


    Meine Großeltern sprachen halt auch nur von der Zeit vor dieser schlimmen Grenze.


    Wir hatten in der ehemaligen DDR keinen Verwandten und auch keine Bekannten usw.

    Daher habe ich mich damit auch nie wirklich befasst.


    Mittlerweile wissen wir ein bisschen mehr darüber, von Bekannten, die dort geboren sind und bis zur Wende dort gelebt haben bzw. noch leben.


    Auch die Oma von unserer Schwiegertochter (gebürtig aus Sachsen-Anhalt) hat uns immer wieder mal was erzählt.


    Ich bin froh, das diese Grenze nicht mehr gibt. Denn wir haben mittlerweile eine eingeheiratete Familie, gute Freunde und Bekannte von dort.


    Selber waren wir bis jetzt nur in Dresden und Umgebung.


    Auch dich Daniel und deine Birgit durften mein GG und ich letztes Jahr kennenlernen.

    An diese schöne Stunden auf der Burg in Meersurg erinnern wir uns immer wieder gerne.


    Vielen Dank nochmals Daniel, das du von vor der Wende immer berichtest und recherchieren tust.


    Liebe Grüße

    Steffi

  • Hallo Steffi.


    Ja, es ist schon so, dass, wenn man nicht unbedingt Verwandtschaft hüben wie drüben hatte, man kaum etwas davon wusste, wie es an den Übergängen zuging.

    Ich weiss z.B. von unserer Verwandtschaft in Sachsen, sie hatten keine nähere Verwandtschaft in der damaligen BRD, dass auch sie kaum wussten, was gerade hier im ehemaligen grenznahen Gebiet so abging.

    Meine Grosseltern und Urgrosseltern, die ihre Wurzeln teilweise in Niedersachsen und NRW haben und Anfang der 1930er Jahre hierher zogen war es auch sehr schwer, da sie Deutschland ohne Grenze kannten, und auf einmal gab es hier nur noch 3 Himmelsrichtungen, in die man fahren konnte.


    Ohne die Grenzöffnung hätten wir uns nie kennen gelernt, da hast Du recht.

    Wir erinnern uns auch gern an unser Treffen auf der Meersburg zurück. :)


    Liebe Grüsse, Daniel.

    Einmal editiert, zuletzt von Daniel_567 ()

  • Die Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn - Teil 4 und Ende


    Nördlich des Stabsgebäudes (links im Bild) befindet sich ein kleineres separates Areal. Man gelangt dorthin durch ein Tor und überquert dann die Abfahrtstrasse des heutigen Autobahnparkplatzes.



    Die Beschaubrücke.





    Die Nummer 20, der Kommandoturm.

    Die Infotafel hierzu habe ich wahrscheinlich übersehen.

    Soweit ich weiss, kann er im Rahmen einer Führung besichtigt werden.

    Hier noch ein Zitat aus dem PdF-Flyer "gedenkstaette-marienborn.sachsen-anhalt.de" (*):

    "20 Kommandantenturm

    Befehlszentrale des diensthabenden Offiziers der Grenztruppen der DDR. Hier liefen sämtliche Informationen zusammen. Alle Leit- und Sperrsysteme wie Ampeln, Schlagbäume und Kfz-Rollsperren konnten ausgelöst werden und bei einem Fluchtversuch den gesamten Verkehr auf der GÜSt stoppen."

    Zitat Ende.



    Ein Blick vom Fusse des Turms aus.



    Sowjetische Alliiertenkontrolle.




    Eine Rollschranke.





    Wieder zurück auf dem Hauptgelände sahen wir neben dem Stabsgebäude die Gamma-Kanone oder zumindest Teile davon. Die eigentliche Röntgentechnik ist bis heute spurlos verschwunden.


    Laut dem darauffolgenden Foto mit dem Schild ist dies der "Korpus der Strahlenquelle".


    An anderer Stelle auf der Anlage sah ich vorher schon diese beiden Teile liegen.






    Soweit zur eigentlichen Kontrollstelle. Ich hatte ja auf dem äusseren Gelände die Anfangs erwähnten und schon kurz gezeigten Gebäude entdeckt. Und diese möchte ich Euch nun auch zeigen.


    Hier ein Blick auf die Gebäude, die ich als nächstes erkundete.



    Als Erstes die Trafostation.




    Hinter der Trafostation sind die oberirdischen Teile der Dieseltanks für die auf dem vorletzten Bild beschriebenen Notstromaggregate zu sehen.



    Und hinter der Trafostation das Heizhaus.




    Und nun noch zu den anderen Gebäuden, die teilweise einen recht verfallenen Eindruck machen.


    Anhand der offenen Beifahrertür meines Autos könnt Ihr erkennen, dass meine Frau mittlerweile die Besichtigungstour ihrerseits beendet hatte und sich setzen musste. Wir waren zu diesem Zeitpunkt auch schon über 2 Stunden auf der Anlage unterwegs und auch bei mir machten sich die ersten Erschöpfungserscheinungen bemerkbar. Aber egal.




    An dieser Stelle befand sich vermutlich die auf dem Übersichtsplan mit der Nummer 16 beschrifteten Gasübergabestation, zumindest ist das die Stelle, an der die Nummer vermerkt ist.



    Der Garagenkomplex.





    Das Mehrzweckgebäude, die Nummer 18.

    Zitat: (*)

    18 Mehrzweckgebäude

    Hier befand sich eine Telefonabhöranlage für die Überwachung von Gesprächen innerhalb der GÜSt sowie der in dieser Region geführten Telefongespräche zwischen DDR- und Bundesbürgern. Gleichzeitig diente es als Kantine bzw. als Versammlungsraum für Bedienstete, z. B. für Politschulungen.

    Zitat Ende.



    Ich ging zwischen dem Garagenkomplex und dem Mehrzweckgebäude weiter und dort steht rechtsseitig dieser Mehretagige Plattenbau. Ich vermute, dass es die Kaserne war.




    Weiter hinten steht diese Rampe. Hier wurden die Fahrzeuge gewartet.



    Und rechts davon befindet sich noch dieses Gebäude. Vielleicht war es der Hundezwinger, aber genau weiss ich es nicht.


    Ein Hochsitz auf einer Art Kufen.



    Vorn Richtung Strasse steht noch dieses Gebäude.




    Nach einem Blick durch die Fenster könnte es auch möglich sein, dass dieses die Gasübergabestation war, der Standort würde in etwa auch dafür sprechen.


    Ein kleiner Gaskessel.



    Weiter hinten steht noch dieses zugewucherte Gebäude.



    Und davor dieses Loch mit einer Brüstung herum. Auch hier kann ich nur vermuten, was es damit aufsich hat, vielleicht ein Regenwasser-Sammelbecken oder ein Eingang zu den unterirdischen Verbindungsgängen?



    Damit ist nun unser Besuch der Gedenkstätte Marienborn zu Ende. Erschöpft, bedrückt und auch nachdenklich, aber mehr als froh, dass diese Anlage nun schon fast 30 Jahre ausgedient hat und nur noch ein Relikt des Kalten Krieges ist, verliessen wir das Gelände.



    Wir fuhren dann noch zum Autobahn-Parkplatz Waldkater. Dieser befindet sich an der A2 westlich von Marienborn in Niedersachsen und man gelangt auf ihn, ohne direkt auf die Autobahn auffahren zu müssen. Hier befand sich laut meiner Kenntnis die Grenzstation und der Zoll der damaligen BRD.


    Auf diesem Parkplatz wurde 1995 zum 5. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung das Denkmal

    "La voûte des mains - Die Wölbung der Hände" des französischen Künstlers Josep Castell errichtet.




    Ich habe diesen Bericht so geschrieben, wie die Gedenkstätte sich mir bei meinem Besuch erschloss. Auch meine Kenntnisse um die Grenze sind mit eingeflossen. Zitate habe ich deutlich kenntlich gemacht.



    Hier nun wieder ein paar informative Links.


    Zu Google Maps mit der Karte, wo die Gedenkstätte sich befindet::

    https://www.google.com/maps/place/Gedenkstätte+Deutsche+Teilung+Marienborn/@52.2130272,11.0681317,13z/data=!4m5!3m4!1s0x0:0x2483869640ff423d!8m2!3d52.2148136!4d11.0828089


    Zur Homepage der Gedenkstätte:

    https://gedenkstaette-marienbo…sen-anhalt.de/startseite/


    Zu Wikipedia:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Grenzübergang_Helmstedt/Marienborn


    (*) Zum Flyer "gedenkstaette-marienborn.sachsen-anhalt.de":

    https://gedenkstaette-marienborn.sachsen-anhalt.de/fileadmin/Bibliothek/STGS/Marienborn/Bilder_neue_Homepage/flyer_stiftungsdesignEVP.pdf


    Zu Wikipedia - Denkmal "Die gewölbten Hände":

    https://de.wikipedia.org/wiki/La_voûte_des_mains


    Zu einem Beitrag des MDR über die Tunnelanlage der ehemaligen GÜSt:

    https://www.mdr.de/damals/archiv/artikel90732.html

    Und passend dazu ein Video auf Youtube:

    https://www.youtube.com/watch?v=awF-78o6cCM


    Ein weiteres Youtube-Video mit Zeitzeugenberichten:

    https://www.youtube.com/watch?v=8rDlg9iGeg4


    Ein Bericht auf Spiegel-Online aus dem Jahr 1994 zur Thematik Gamma-Kanone:

    https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13687249.html


    Zu Google-Bilder:

    https://www.google.com/search?q=grenzübergang+helmstedt/marienborn+bilder&tbm=isch&source=univ&sa=X&ved=2ahUKEwjtzM2R2ZriAhWlM-wKHXVrCFoQsAR6BAgIEAE&biw=1366&bih=625


    Zu MDR-Radio mit einem kurzen Interview eines Zeitzeugen:

    https://www.mdr.de/mdr-sachsen-anhalt/audio392428.html


    Für die Campingfreunde hier ein paar Links:

    https://www.stadt-helmstedt.de…tur/wohnmobilplaetze.html


    https://www.campingplatz-mariental.de/


    http://www.campingplatz-raebke.de/


    Zum Bericht über das Grenzdenkmal Hötensleben, dieses gehört zur Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn:

    Das Grenzdenkmal Hötensleben



    Viele Grüsse, Daniel.

    Einmal editiert, zuletzt von Daniel_567 ()

  • hallo Daniel,


    nochmal vielen Dank für das Erstellen dieses umfangreichen Berichts. Auch die vielen links am Ende sind hilfreich zu verstehen, was sich dieses Regime alles ausgedacht hat, um Menschen voneinander zu trennen und in diesem riesengroßen Gefängnis namens DDR einzusperren.


    Sind wir froh, daß die Wiedervereinigung so reibungslos ohne Blutvergießen geklappt hat. Ich sehe das immer noch als einen glücklichen Zufall der deutschen Geschichte an. Beim derzeitigen Regime in Russland wäre aus meiner Sicht eine Wiedervereinigung undenkbar. Der neue Zar träumt nur von einer Wiedervereinigung: derjenigen aller ehemaliger Staaten der Sowjetunion. Dabei hat er vergessen, daß er nur einer von ganz wenigen ist, die dieser Zeit nachtrauern.


    grüsse


    jürgen

  • Hallo Jürgen.


    Mit den Links ging es mir bei meine Recherche so, dass ich mich von einem zum nächsten geklickt habe, hier und dort gelesen und dabei die Zeit um mich herum total vergessen habe.

    Dabei stiess ich zum Teil auf Informationen, die mir auch noch nicht bekannt waren bzw. wieder in mein Gedächtnis zurückgerufen wurden, die im Laufe der Jahre schon etwas verblasst waren.


    Ja, zum Glück ist es 1989 so gekommen und vor Allem, es ist friedlich abgelaufen.


    Viele Grüsse, Daniel.

  • Daniel , Dein Vierteiler ist ein Meisterwerk der Dokumentation !!

    Danke , dass Du auch so viele Detailinformationen fotografiert hast,

    Ich glaube, das gibt es so nirgendwo !


    Wer in der "BRD" aufgewachsen ist und nie in die "DDR " gefahren ist, weiß in der Regel wenig davon.

    Das Interesse von uns damaligen "Jugendlichen" galt nicht dem Osten. Und in der Schule war das kein Thema.

    An den Tag des Mauerbaus erinnere ich mich gut, Am 13. August 1961 war ich in einem Zeltlager auf der Insel Amrum und genoss Ferien an der Nordsee - aber die Bedeutung dieser Radiomeldung haben wir damals nicht erfasst.

    Man wusste auch später nicht viel über die Grenze.


    Mit welch teuflischen, unmenschlichen "Erfindungen " und Bauten diese Grenze nach und nach unüberwindbarer wurde, sehen wir erst jetzt.


    Das gilt vermutlich auch für die damaligen DDR Bürger. Wer nicht in Grenznähe wohnte, wusste in der DDR sicher auch wenig darüber.


    Es ist so wichtig, dass solche Gedenkstätten wie diese bei Marienborn aufrecht erhalten werden und zeigen, wohin Abschottung führen kann !!


    Ich werde mir jetzt nach nach und nach alle Deine Links anschauen .

    DANKE !!


    Liebe Grüße,

    Elke

  • Hallo Elke.


    Es freut mich wirklich sehr, dass mein Bericht so gut angekommen ist.

    Es ist ja auch keine unbedingt einfache Thematik, aber es ist schön, wenn ich damit etwas zur Informativität des Forums beitragen konnte.


    Über die Grenze selbst, also deren Aufbau, wussten wir hier in Grenznähe auch nicht unbedingt mehr als andere. Es war halt ein erhöhtes Militäraufkommen hier, auch hauptsächlich die Sowjets. Und mit einigen von denen hatte ich in soweit Kontakt, als dass sie mehrere Tage und Nächte auf der Strassenkreuzung als Posten abgesetzt wurden, um den endlosen Kolonnen den Weg zu weisen. Das waren grösstenteils ganz arme Schlucker, die nicht einmal wussten, warum sie hier sind, geschweige denn mit ihrem System konform waren. Sie wurden, zumindest hier, von einigen Leuten, auch von uns, die mit dem System hier auch nichts am Hut hatten, immer mal mit Kaffee und was zu essen versorgt, Also von Mensch zu Mensch! Die haben sich da gefreut wie verrückt und waren dankbar ohne Ende, das durften natürlich deren Vorgesetzte nicht mitbekommen, sonst hätten sie riesen Ärger bekommen.

    Ich bin zwar ein wenig abgeschweift, aber beschreibt es doch den krassen Gegensatz zu dem, was hier damals immer gepredigt wurde.


    Die Karte der damaligen BRD hatte hier sehr viele weisse Flecken, selbst einige neuralgische Ortschaften im Sperrgebiet waren nicht oder absichtlich falsch eingezeichnet, auch teilweise die Strassenverläufe, um möglichen Flüchtlingen kein detailliertes Kartenmaterial zur Verfügung zu stellen.


    Liebe Grüsse, Daniel.

    Einmal editiert, zuletzt von Daniel_567 ()

    • Gäste Informationen

    Einmal editiert, zuletzt von Daniel_567 ()

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