Lost Places - Vergessene Orte

Es gibt 61 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von ELMA.

  • In der Weimarer Republik entwickelten sich private Organisationen, die sich zum Ziel gesetzt hatten, Straßen zu planen und zu bauen die nur dem neuen Verkehrsmittel Automobil zur Verfügung stehen sollten. Das Vorhaben der Vereine und Studiengesellschaften scheiterte letztendlich während der Weimarer Republik an der fehlenden Finanzierung bei der Umsetzung dieser Vorhaben.
    Nach Hitlers Machtergreifung konnten diese Vereinigungen denselben für diese Pläne begeistern. Der neue Machthaber überführte Teile der Vereine in eine staatlich geführte Gesellschaft, der GEZUVOR (Gesellschaft zu Vorbereitung der Reichsautobahnen). Diese hatte die Aufgabe, dem neu geschaffenen "Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen", Dr. Ing. Fritz Todt, den Verlauf der zu bauenden Autobahnen vorzuschlagen.
    Hitler griff auf die Baupläne der Vereine und Studiengesellschaften zurück und benutzte sein totalitäres Regime um sie zu realisieren und ließ die ersten Autobahnen durch Bauingenieure der Deutschen Reichsbahn bauen.
    Im Frühjahr 1934 begann der eigentliche Autobahnbau an 22 Baustellen gleichzeitig im ganzen Deutschen Reich. Das Ziel war die Schaffung eines Grundnetzes von insgesamt 7.000 km. Dieses sollte bis 1942 verwirklicht werden.
    Reichsminister Joseph Goebbels setzte dies propagandistisch optimal in Szene.
    Die weiteren Pläne waren noch höher gegriffen. Man wollte ein erweitertes Netz von 20.770 km schaffen.
    Die ersten Autobahnen lagen mit ihren langen Geraden sehr steif in der Landschaft und waren von klobigen Bauwerken gesäumt. Dies entsprach nicht den gestalterischen Zielen, die Generalinspektor Todt verwirklichen wollte. Die Autobahn sollte sich in die Landschaft einbinden, sie gleichsam gestalten. Dies schlug sich auch in der Planung der "Strecke 46" nieder.


    Bei der "Strecke 46" handelt es sich um einen 70 Kilometer langen historischen Vorläufer der heutigen A7, die heute von Flensburg nach Füssen führt. Der Bau des 1937 begonnenen Abschnitts zwischen Bad Hersfeld und Würzburg wurde 1940 völlig eingestellt. Dies war bedingt durch den Abzug eines großen Teils der etwa 4500 Arbeiter zur Errichtung des Westwalls, den Beschluss zur nachträglichen Verbreiterung der Fahrbahn um 4 Meter im Jahre 1938, und nur langsames Vorankommen wegen schlechten Wetters. Deshalb wurde aus dem etwa 30 Kilometer langen Teilstück der "Strecke 46" das von Bad Brückenau nach Gemünden am Main führen sollte, die "vergessene Autobahn".
    Wollte Todt vor dem WK II dem Autoreisenden noch die schöne Landschaft zeigen und führte deshalb die Trasse an Sehenswürdigkeiten wie z.B. der Burgruine Homburg, vorbei, so standen beim Weiterbau der A7 in den Jahren 1960/61 Punkte wie Wirtschaftlichkeit und höhere Sicherheit im Vordergrund und man verlegte die Trasse ca. 20 Kilometer nach Osten. Lediglich zwischen dem Hattenbacher Dreieck und Fulda griff man teilweise auf Bauwerke der "Strecke 46" zurück.


    Obwohl diese Streckenführung nach dem Krieg aufgegeben wurde, präsentieren sich heute noch 47 ausgeführte Bauwerke, sowie deutlich erkennbare Trassenbereiche.
    Diese Bauwerke bilden heute Deutschlands längste, historische Autobahnruine und sind wegen ihres einmaligen Zustandes ein Technikdenkmal aus der Anfangszeit des Autobahnbaus. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege hat die "Strecke 46" deshalb 2003 unter Denkmalschutz gestellt. Somit ist die Strecke 46 Bayerns längstes Denkmal.


    An einem dieser geschützten Bauwerke kam ich vor einigen Tagen vorbei. Das "Bw 144" ist einer der Brückenpfeiler einer geplanten Autobahnbrücke über die fränkische Saale bei Gräfendorf, OT Schonderfeld. Direkt an der St2302 von Hammelburg nach Gemünden steht dieses Technikdenkmal.
    (Die schlechte Bildqualität ist nicht nur dem schlechten Wetter geschuldet. Ich hatte nur mein Smartphone dabei!) :roll:



    So sollte die Brücke über die Fränkische Saale bei Schonderfeld einmal aussehen.



    Quelle: http://www.strecke46.de/docs/info_6_a4_4mb.pdf


    Dieser Brückenpfeiler steht nun seit fast 80 Jahren sinnlos in der Landschaft.



    Als Mitglied des Deutschen Alpenvereines e.V. darf man diesen Brückenpfeiler auch besteigen.



    Eine Tafel informiert über die "Strecke 46".



    Zur besseren Lesbarkeit habe ich Ausschnitte gemacht.






    Weitere Informationen findet Ihr in diesem Video...



    ...oder in diesem Buch:
    http://www.strecke46.de/buch/inhalt.html


    Es werden auch Wanderführungen angeboten:
    http://www.spessart-erleben.de…reichsautobahn-strecke-46
    http://www.strecke46.de/fuehrungen/fuehrungen.html



    Liebe Grüße von waldi :174:

    Und immer neugierig bleiben!

  • ich werde beobachten, wie es weitergeht!

    Ein positives Beispiel , wie Fördergelder ausgegeben werden können!
    s.#42


    Erinnert Ihr Euch ?
    Das Mesnerhaus in Högling ( Landkreis Rosenheim)


    Februar 2015


    März 2015



    Mai 2015



    Februar 2016


    Januar 2018
    Das Haus ist wieder bewohnt! Aus Tenne und Stall wurden Wohnungen.
    Das Fresko wurde saniert.
    Selbst der Balkon über der Haustüre wurde stilgerecht restauriert.




    Im Sommer wird sicher überall Blumenschmuck sein.


    Wenn sich einmal die Gelegenheit ergibt , werde ich drum bitten, ob ich das Haus mal von innen sehen kann.


    Gruß,
    Elke