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Im Land der Pharaonen

  • Heiko705
  • 8. Dezember 2025 um 20:50
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    • 24. Januar 2026 um 21:39
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    • #51

    Tag 13 – Von Assuan nach Luxor (23.10.2024, 2. Tageshälfte)

    Schließlich fuhr ich weiter. Nun wollte ich 85 Kilometer weiter nördlich die Felsengräber von El-Kab besuchen. Nach fast zweieinhalb Stunden – wir hatten mittlerweile 14:45 Uhr – erreichte ich rechts der Straße ein Grundstück mit Parkplatz, hinter dem sich ein felsiger Hügel befindet. Dieses Ziel ist nicht besonders bekannt, und die beiden Bediensteten wirkten auch nicht so, als würden sie hier viele Touristen empfangen. Die Gräber stammen aus der Zeit des Neuen Reichs. Hier befand sich der altägyptische Ort Necheb. Der Ort war mächtig und besitzt wohl auch ein oder zwei Tempel am Nilufer, die ich jedoch nicht ausmachen konnte. Als ich danach fragte, sagte man mir, dass sich dort nichts befände. Die wichtigsten Gräber sind über eine Treppe am Felsmassiv erreichbar. Gemeinsam mit einem der beiden Führer ging ich nun auf sie zu.

    50514823bo.jpg Mein Führer schreitet voran zu den Gräbern

    50514824ue.jpg Wir steigen diese Teppen hinauf

    50514827og.jpg Ankunft an den Gräbern

    Zuerst betrat ich das Grab des Paheri. Dieses Grab ist das größte in El-Kab und am reichsten ausgestattet. Paheri war in der Herrschaftszeit von Pharao Thutmosis III. Gaufürst (Provinzverwalter bzw. Bürgermeister) von Necheb und Junyt sowie oberster Priester des Kults zu Ehren der Göttin Nechbet. Als Schreiber war er auch für die Getreideversorgung in einem weiten Bereich im Süden Oberägyptens verantwortlich. Die Reliefs und Zeichnungen im Grab sind nicht mehr ganz so gut erhalten und doch erkennbar, farbenfroh und schön. An der Hinterwand fiel mir sofort eine Nische mit 3 Statuen auf. Die Statuen sind stark beschädigt und stellen Paheri, rechts von ihm dessen Ehefrau Henut-er-neheh und links seine Mutter Kem dar.

    50514831ba.jpg Eingang in das Grab des Paheri

    50514833ci.jpg Hierogplyphen-Texte am Eingang

    50514837ww.jpg Blick in das Grab - im Hintergrund ist die Nische mit den 3 Statuen erkennbar

    50514851bu.jpg Hinter dem Eingang

    50514856gj.jpg Die Wände sind mit Zeichnungen und Texten überzogen

    50514864ry.jpg Personen in hohen Ämtern lassen sich von Dienern verschiedene Gaben bringen - sind das Paheri und seine Frau?

    Die Darstellungen an den Wänden zeigen Paheri in seiner Funktion als Schreiber und Bürgermeister und Aktivitäten aus dem privaten Bereich. Links neben dem Eingang sieht man das landwirtschaftliche Leben im Alten Ägypten über das ganze Jahr von der Saat bis zur Ernte. Man sieht Paheri sich um den Königssohn Wajdmose kümmern und verschiedene Viehherden.

    50514882ia.jpg Die Nische mit den 3 Statuen

    50514887bh.jpg Oben sieht man Paheri mit dem Königssohn Wajdmose auf dem Schoß

    50514889kd.jpg Vielerlei Tätigkeiten

    50514893iz.jpg Rinder werden getrieben

    50514896ui.jpg Bei der Getreideernte

    Das Grab des Setau war das Nächste. Setau war Hohepriester der Nechbet unter Ramses III. und Ramses IV., aber viele der Zeichnungen sind stark beschädigt. Man sieht ihn gemeinsam mit seiner Gemahlin bei der Götteranbetung. Die noch erkennbaren Reliefs sind aber recht schön. Man erkennt einige Schiffe. Einige kleine Nischen zweigen vom Hauptraum ab. Wahrscheinlich dienten sie zur Aufbewahrung der Mumien. Die Decke ist unbearbeitet.

    50514903zv.jpg In das Grab des Setau

    50514905ep.jpg Blick in das Grab des Setau

    50514909ag.jpg Hier erkennt man Schiffe

    50514911yr.jpg Reste der Hierogplyphen

    50514915zw.jpg Nischen, wahrscheinlich zur Aufbewahrung der Mumien

    50514918ey.jpg Die Zeichungen und Texte an dieser Wand sind noch am Besten erhalten

    50514919ni.jpg Setau und seine Frau

    Das Grab des Ahmose ist das Nächste in der Reihe. Ahmose, Sohn der Ibana, war ein Marineoffizier zur Zeit der Pharaonen Ahmose I., Amenophis I. und Thutmosis I., der zum höchsten Befehlshaber der ägyptischen Kriegsflotte aufstieg, vergleichbar einem Admiral. Er war im Kampf gegen die Hyksos beteiligt. Sie waren ausländische Könige aus Südwestasien, die Ägypten später sogar über 100 Jahre regierten. An Feldzügen gegen die Nubier war er ebenfalls beteiligt. Auch hier zeigen sich leider starke Beschädigungen. Im Hauptraum zweigt hinten rechts ein Gang in einen Nebenraum ab. Das Grab wurde nie fertiggestellt. Wahrscheinlich starb er zu früh. An der rechten Seite der Rückwand sind Ahmose und seine Ehefrau Iput in sitzender Position zu sehen. Große Textflächen zieren einen Teil der Wände. Paheri war ihr Enkel. Man findet eine Liste der Geschenke, die Ahmose im Laufe seiner Dienste erhielt, darunter auch einige Sklaven.

    50514933yk.jpg Eingang in das Grab des Ahmose

    50514934vq.jpg Im Grab des Ahmose

    50514937uv.jpg Ahmose unde seine Frau Iput

    50514939ed.jpg Eine der Wände im Grab des Ahmose

    50514940ez.jpg Lange Textpassagen

    Das letzte Grab ist das Grab des Renni. Renni war unter Amenophis I. Gaufürst von Necheb und Vorsteher der Priester der Göttin Nechbet. Auch hier zeigen sich starke Beschädigungen, doch der verbliebene Rest ist sehenswert. An der rechten hinteren Seite befand sich eine jetzt zugemauerte Öffnung als Zugang zu einem kleineren Raum, der wohl eine Kammer für Grabbeigaben war. In der Mitte der Rückwand befindet sich eine Nische. Hier war Renni als Statue dargestellt, aber heute ist davon nichts mehr übrig. An der Decke erkennt man einen Sternenhimmel, der dem Toten wie immer den Zugang in den Himmel erleichtern sollte. Man sieht die Eltern des Renni und vielfach Beerdigungsszenen mit Einbalsamierung und Mundöffnungsritual. Seine Mutter, seine Frau und auch die Schwestern des Renni sind zu sehen. Mein Führer zeigte mir einige dunkle Felsnischen mit Knochen. Die Felsgräber von El-Kab muss man nicht unbedingt gesehen haben, doch ich habe mich sehr daran erfreut.

    50514942rk.jpg Mein Führer schließt das Grab des Renni auf

    50514943mc.jpg Blick in das Grab des Renni

    50514968ho.jpg Reliefs im Grab des Renni

    50514971kg.jpg Alltagsszenen

    50514974mg.jpg Einbalsamierung und Mundöffnungsritual

    50514985gc.jpg Renni mit Frau

    50514993sl.jpg Blick zur Decke

    50514996yp.jpg Übliche Aktivitäten

    50515016kw.jpg Auch hier werden dem sitzenden Herrn Gaben dargebracht

    50515020mu.jpg Diese Löcher wurden zur Aufbewahrung der Verstorbenen genutzt

    50515022sd.jpg Abschließender Blick zum Hügel - man erkennt eine Vielzahl von Gräbern

    Schließlich verabschiedete ich mich. Ich fuhr die verblieben 80 Kilometer bis hinauf zur Ostseite von Luxor. Ich versuchte meine Unterkunft zu finden. Sie gehörte zu Oscar Apartments und war recht günstig, obwohl sie einen Balkon und eine gute Lage hatte. Auf Google Maps hatte ich es gefunden und parkte in der Nähe. Dann stand ich vor dem mutmaßlichen Haus, doch da war nichts. Hhm, was nun? Ich rief meinen Vermieter an. Er sagte, er würde nach draußen kommen. Etwas später sah ich ganz hinten – ein paar Hundert Meter von mir entfernt – einen Herrn winken. Mist! Da hinten war es also? Und dabei hatte ich hier vorn so einen schönen Parkplatz gefunden. Egal. Ich stieg wieder ein und fuhr hinüber. Wir begrüßten uns, und er winkte mir, ihm zu folgen. Also ließ ich meine Koffer erst einmal im Auto und folgte ihm in das Haus.

    Meine Ferienwohnung war überhaupt nicht das, was ich mir vorgestellt hatte. Sie lag im Innern eines großen, breiten Gebäudes und hatte, soweit ich das überblicken konnte, noch nicht einmal ein Fenster nach draußen. Was war das denn? Das hatte auf den Bildern aber anders ausgesehen. Außerdem stand in meiner Beschreibung etwas von einem Balkon. Ja, da sei wohl ein Fehler unterlaufen. Sie habe keinen Balkon. Man hätte das fälschlicherweise mit hineingeschrieben. Aha. Ich war damit nicht zufrieden. Dann sagte der Herr, wenn ich damit nicht zufrieden sei, hätte er auch noch etwas Anderes. Die Wohnung läge näher am Nil und habe einen Balkon, ich müsse jedoch etwas mehr dafür zahlen. Er nannte 35 € pro Nacht, was ja immer noch ein recht guter Preis ist. Ich sagte, er solle sie mir zeigen.

    Gemeinsam fuhren wir einige Straßen weiter nach Süden, ungefähr 800 Meter. Wir hielten vor einem sehr hohen Haus in der Nähe des Steigenberger Resort Achti. Als wir das Treppenhaus hinaufgestiegen waren und er die Wohnungstür öffnete, staunte ich nicht schlecht. Das Apartment war modern. Fußboden im Marmor-Look. Was sofort ins Auge stach, war ein halbrunder Bogen zwischen Küche und Wohnzimmer. Sah sehr gut aus. In der Küche standen Barhocker. Die Unterkunft war groß. Das Bett war wunderbar und weich. Ich trat auf den Balkon und blickte zum Nil. Meine Entscheidung stand fest. Die wollte ich haben. So eine tolle und große Unterkunft für mich allein hatte ich noch nie. Da hatte ich wirklich Glück gehabt, dass mein Vermieter auch noch im Besitz dieses Apartments war, sonst hätte ich mir noch etwas suchen müssen, denn im zuerst besuchten Apartment hätte ich mich nicht wohl gefühlt.

    50515038ji.jpg Blick in den Küchenbereich meiner Unterkunft

    50515040tr.jpg Bogen zwischen Küche und Wohnbereich

    50515041mw.jpg Blick zur Küche

    50515043ai.jpg Im Wohnzimmerbereich

    50515048ml.jpg Im Schlafzimmer

    50515057dl.jpg Auf dem Balkon

    50515063lt.jpg Blick vom Balkon zum Nil

    Mein Vermieter verabschiedete sich erst einmal, und ich machte mich daran, mein Gepäck die Treppen hinaufzutragen. Einige Jungs auf dem Hof warfen mir fremde Blicke zu und sagten auch was, was ich natürlich nicht verstand. Ich kam beim Hinauftragen des Gepäcks ordentlich ins Schwitzen, obwohl die Sonne nun bereits unterging. Wieder am Auto traf ich auf einen recht zwielichtigen Einheimischen dunkler Hautfarbe. Er schaute mürrisch drein und schaukelte vor mir zwei Weihrauchschwenker, woraufhin der Rauch austrat und in meine Richtung zog. Was sollte das? Ach ja, nun verstand ich. Das sollte mir wahrscheinlich gefallen, woraufhin ich ihm sicher etwas Geld geben würde. Mir gefiel es aber nicht. Ich schüttelte mit dem Kopf. Er machte einfach weiter. Genervt stieg ich in das Auto und fuhr los.

    In der Nähe der Luxor Railway Station gibt es einen Drinkies-Laden, genau wie in der Nähe meiner Unterkunft in Gizeh, wo man Bier und Wein kaufen konnte. Ich parkte einfach schnell und verschwand im Geschäft. Das hatte super funktioniert. Als ich alles hatte, was ich wollte, ging’s zurück zur Unterkunft. Mit den Tüten in den Händen verließ ich das Auto. Plötzlich stand der farbige Weihrauchschwenker wieder vor mir. Er hüllte mich mit Weihrauch ein und maulte mich an. Was für ein finsterer Geselle. Just in diesem Augenblick kam mein Vermieter von hinten, sah, dass ich Schwierigkeiten hatte, und machte dem einheimischen Jungen verständlich, dass er mich in Ruhe lassen sollte. Und er verschwand daraufhin wirklich. Vielen Dank! Vorher hatte ich auf einem privaten Parkplatz gestanden und mir nun einen besseren gesucht, etwas abseits, doch da dieser Kerl wusste, wo mein Auto stand, machte ich mir etwas Sorgen.

    50515088ai.jpg Luxor Railway Station

    50515101lw.jpg In der Nähe des Bahnhofs

    50515110qm.jpg Ich stieg wieder in meinen Wagen

    Meine Einkäufe waren nun verstaut, und nun machte ich mich zu Fuß auf, um noch ein Abendessen einzunehmen. Und so lief ich durch das mittlerweile dunkle Luxor nach Norden. Ich hatte mir das Aisha Restaurant ausgesucht, welches in einer Seitengasse der am Nil entlang führenden Hauptstraße liegt. Nach einem Fruchtsaft hatte ich ein kleines Fleischtöpfchen mit Kartoffelpüree, etwas Brot und ein Glas Rotwein bestellt. Das Essen hier war keine Offenbarung, aber ich war zufrieden und machte mich wieder auf den ca. 1 km langen Heimweg. Der farbige Weihrauchschwenker ist zum Glück nicht mehr aufgetaucht.

    50515112ua.jpg Heutiges Abendessen

    Schräg gegenüber meiner Unterkunft befand sich eine Art Shisha-Bar. Unzählige Einheimische saßen hier am Straßenrand, nahmen Getränke zu sich und rauchten hier ihre Shisha-Pfeife. Währenddessen lief im Innern des Etablissements der Fernseher. Es war recht interessant, dem Treiben von meinem Balkon aus zuzuschauen. Hin und wieder schaute ich über den nun finsteren Nil und genoss dabei etwas Wein und Bier. Ich war richtig froh, nun diese Unterkunft mein Eigen nennen zu dürfen. Da hätte ich es wirklich auch viel schlechter treffen können. Nun war ich also wieder in Luxor angekommen, doch entgegen meinem ersten Aufenthalt im Westen des Nils, was im Alten Ägypten die Seite für die Toten darstellte, war ich nun im Osten, dem Reich der Lebenden. Zufrieden ging ich in mein weiches, hohes Bett und schlief auf Anhieb darin hervorragend.

    Liebe Grüße

    Heiko

    Heute sind die guten, alten Zeiten, nach denen Du Dich in 10 Jahren sehnst. Genieße sie!!!

    Einmal editiert, zuletzt von Heiko705 (24. Januar 2026 um 21:41)

  • claus-juergen
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    • 24. Januar 2026 um 22:59
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    • #52

    Hallo Heiko,

    Erneut zeigst du uns Bauten aus dem alten Ägypten die anscheinend kaum ein Tourist besucht. Woher hast du blos das Wissen davon? Unglaublich diese Detailkenntnisse!

    Es freut mich, daß du in Luxor eine Wohnung gefunden hast die nach anfänglichen Schwierigkeiten deine Erwartungen übertroffen hat. Ob derjenige, der dir diese Wohnung und auch die erste gezeigt hat wirklich dein Vermieter oder eine Art Makler war weis ich nicht. Seltsam, wenn jemand zwei völlig unterschiedliche Wohungen so weit auseinander besitzt um die an Touristen zu vermieten.

    Was dein Abendessen anbelangt ist es anscheinend so, daß es in Ägypten keine Lizenz zum Alkoholausschank wie in anderen arabischen Staaten gibt. Mancher Gastwirt bietet vermutlich nur aus religiösen Gründen seinen Gästen keinen Alkohol an. Gerade am Abend nach einem heißen Tag ist ein Glas Wein oder ein Bier allemal besser als das tagsüber in großen Mengen genossene Wasser bzw. Saft.

    grüsse

    jürgen

  • Heiko705
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    • 27. Januar 2026 um 22:39
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    • #53

    Tag 14 – Abydos und Dendera (24.10.2024)

    Früh am Morgen bin ich gestartet. Mit dem Wagen ging es nach Norden. Direkt im Norden Luxors führt eine Brücke auf die andere Seite des Nils. Ich nahm sie. Nun gerade nach Norden, bis ich gegenüber des 60 Kilometer nördlich von Luxor liegenden Qena ankam. Doch nun drang ich in neue, mir unbekannte Gefilde vor. Ich blieb auf der westlichen Nilseite und fuhr weitere 115 Kilometer bis nach Abydos. Nach insgesamt 2 ¾ Stunden kam ich an. Der Ort liegt in der Nähe von Sohag am westlichen Nilufer, 160 Kilometer nördlich von Luxor und etwa 15 Kilometer südwestlich der heutigen Stadt el-Balyana. Eine Kleinigkeit zum Frühstücken hatte ich mir unterwegs geholt.

    Abydos war eines der wichtigsten religiösen Zentren Ägyptens, weil dort der Kult des Gottes Osiris angesiedelt war. In der Frühzeit des Alten Reiches dienten die Königsgräber in Abydos als letzte Ruhestätte für die ersten Pharaonen. Später errichteten auch andere Pharaonen dort sogenannte symbolische oder Scheingräber (Kenotaphe), um an der Wiedergeburt des Osiris teilzuhaben. Auch viele einfache Bürger pilgerten hierher, in der Hoffnung, wiedergeboren zu werden. Unter Pharao Djoser (3. Dynastie) wurde Abydos jedoch als Grabstätte der Pharaonen aufgegeben, und sie wurden stattdessen in Unterägypten bestattet (z. B. in Sakkara und Gizeh). Abydos blieb jedoch ein wichtiger, religiöser Ort, so dass auch Tempel hier errichtet wurden.

    Ich fuhr durch die sandigen Straßen in Abydos und fand schließlich einen großen Parkplatz. Man winkte mich herein. Dies ist der Besucherparkplatz der archäologischen Stätte. Mit ein Grund, warum ich mir diesen Tag ausgesucht hatte, war, dass heute Markttag in Abydos war. Jedenfalls ging ich davon aus, da ich gelesen hatte, dass dies donnerstags immer der Fall sei. Doch ich habe leider nichts dergleichen gesehen. Ich parkte also, zahlte für den Parkplatz, zeigte meine Papiere und zahlte den Eintritt.

    Totentempel von Sethos I. in Abydos

    Dann lag er vor mir, der Totentempel von Sethos I., und ich durchschritt den Metallzaun. Während der Totentempel in Luxor eher dafür da war, dass man dem Toten gedenkt und ihn verehrt, sollte dieser Tempel in Abydos auch für seinen Vater Ramses I. sein, der wegen seiner kurzen Regierungszeit keinen eigenen Tempel errichten konnte. Sethos begann mit dem Bau des Tempels bereits als königlicher Beamter. Es besteht der Verdacht, dass Sethos I. entweder im Auftrag Haremhabs oder seines Vaters Ramses I. den Totentempel für den damals regierenden König begann und ihn dann selbst übernahm. Aus der Ferne wirkt der Tempel nicht besonders spektakulär. Er hat eine einfache Form, aber man darf nicht vergessen, dass die Front wiedererrichtet wurde. Das sah damals sicher nicht genauso aus. Zuerst durchschritt ich den ersten und zweiten Hof vor dem Tempelgebäude. Durch eine Rampentreppe erreicht man die Vorhalle mit 12 Pfeilern. An allen Säulen befinden sich teils noch farbige Reliefs, die Sethos I. mit verschiedenen Göttern zeigen.

    Eine erste Treppe hinauf

    Der König auf dem Streitwagen

    Alte Sitzstatue

    Dann liegt er vor mir

    Ich schreite voran

    Hinter den Säulen

    Reliefs an der Außenwand

    Der Pharao steht Osiris gegenüber

    Ich schritt durch das Eingangstor des Hauptgebäudes. Nun geht es durch zwei Säulensäle. Die Abbildungen an der Decke sind teilweise schon schwarz, die Wände sind allerdings toll und von oben bis unten mit Reliefs und Bildern bedeckt. Im Tempel des Sethos I. gibt es sieben Kapellen, die den Göttern Osiris, Isis, Horus, Amun-Re, Re-Harachte, Ptah und Sethos I. als Osiris geweiht sind. Das Heiligtum des Osiris ist das einzige mit einer richtigen Tür statt einer Scheintür. Die Wanddarstellungen in dem angeschlossenen Säulensaal sind in einem sehr schlechten Zustand. Aber man kann ihnen entnehmen, dass die Auferstehung des Gottes durch Gebete und Zaubersprüche die zentrale Handlung darstellt. Von diesem Saal aus gelangt man in die anderen Kapellen. Und in diesen – muss ich sagen – sind auch teilweise noch sehr gut erhaltene und wunderschöne Reliefs erhalten, die man nicht verpassen sollte.

    Es geht hinein

    Die Säulen unter der schwarze Decke

    Durchaus beeindruckend

    Es geht tiefer hinein

    Hieroglyphen

    Wahrscheinlich Sethos I. und seine Frau Tuja, Mutter von Ramses II.

    Reliefs im Innern

    Auch heute noch unglaublich schön, wie ich finde

    Eine der Scheintüren

    Auch die Farben wissen noch zu überzeugen

    Sethos I. sitzt als Kind auf dem Schoß der Göttin Isis

    Beeindruckende Wände im Innern

    Neben dem Kapellenbereich befindet sich ein Durchgang, der sich zu einem schmalen Gang öffnet. Der Raum ist heute unter dem Namen Königsgalerie bekannt und enthält ein bedeutendes Relief der ägyptischen Geschichte, die „Königsliste von Abydos“. Die Kartuschen umfassen alle Pharaonen Ägyptens, die bis zur Regierungszeit Sethos I. über das Land herrschten mit Ausnahme der 1. und 2. Zwischenzeit sowie von fünf Pharaonen der 18. Dynastie, die absichtlich ausgelassen wurden. Dies sind Hatschepsut, die sich selbst zur Pharaonin erklärte, was später als unrechtmäßig galt, Echnaton, der den Ägyptern verbot, an ihre alten Göttern zu glauben, weil er alle alten Göttern durch Aton ersetzte, und Semenchkare, Tutanchamun und Eje, die noch immer mit diesem Atonkult zu kämpfen hatten. Sie sollten aus der Geschichte getilgt werden und in Vergessenheit geraten.

    Das ist der Gang mit der Königsliste

    Die Königsliste

    Alle sind hier aufgelistet, na ja, fast alle

    Auf der Rückseite des Tempels kam ich am Osireion vorbei. Dies ist ebenfalls ein Tempelkomplex zu Ehren von Osiris. Der Tempel lag früher unterirdisch unter einem Hügelgrab, und so führen auch heute Treppen in das Heiligtum hinunter. Am Boden des Tempels steht Wasser. Er wirkt sehr interessant und irgendwie ganz anders als andere Tempel. Allein schon die Lage ist besonders. Man kann sich aber nicht alles anschauen, also entschied ich mich dafür, ihn auszulassen.

    Das Osireion

    Für einige Hundert Meter folgte ich einem Pfad am Ortsrand entlang. 300 Meter nordwestlich befindet sich nämlich der Tempel von Ramses II., dem Sohn von Sethos I., und den wollte ich mir näher anschauen. Die Ruinen des Tempels befinden sich am Südwestrand des heutigen Siedlungsgebietes von Araba el-Madfuna. Der Ort ist hier in ärmlichem Zustand. Einheimische Frauen laufen mit Säcken auf den Schultern durch die sandigen Straßen. Man fühlt sich in alte Zeiten versetzt. Der Tempel Ramses’ II. war den Göttern Osiris, Isis und Horus gewidmet. Der um 1250 v. Chr. errichtete Tempel war kleiner als der seines Vaters und ist heute in einem schlechteren Erhaltungszustand.

    Am Rande von Araba el-Madfuna

    In den Straßen

    Der Tempel von Ramses II.

    Über Treppenstufen gelangte ich in den ersten Hof, der kaum noch zu erkennen ist. Einige der Grundmauern sind noch erkennbar. Dächer fehlen dem Gebäude vollständig. Es sind größtenteils nur noch die Mauern übrig. Wie auch bei vielen anderen Tempeln oder Pyramiden wurden auch hier viele Steine zum Bau neuer Gebäude geholt und der Tempel als Steinbruch benutzt. Vor dem zweiten Hof befindet sich ein Metalltor. Überbleibsel der es flankierenden Statuen sind noch erkennbar. Die Mauern daneben besitzen im unteren Teil noch Reste von Reliefs. An den Umrandungsmauern des zweiten Hofs sind die Reliefs noch besser erkennbar. Hier sind Opferprozessionen dargestellt, die von Priestern angeführt werden. Als Opfergaben für den Tempel erscheinen Rinder, Antilopen, Vögel und verschiedene Speisen. An den zweiten Hof schlossen sich einst zwei erhöht stehende Säulenhallen hinter einem mit Säulen bestandenen Eingangstor an.

    Stufen zum Tempel von Ramses II.

    Tor zum zweiten Hof

    Überreste von Statuen

    Umrandungsmauern des zweiten Hofs

    Portal zur ehemaligen Säulenhalle

    Am Tor zu den Säulenhallen stehen die noch vorhandenen senkrechten Teile des alten Portals. In die Portalpfosten aus Rosengranit sind Reliefs eingearbeitet, die Figuren und Hieroglyphen zeigen. Man erkennt Ramses II. und den ibisköpfigen Gott Thot. Den hinteren Teil bildete das Heiligtum. Von den Pfeilern ist immer nur noch der untere Teil vorhanden. Die Farben der erhaltenen Reliefs an den Seitenwänden der Halle und im hinteren Heiligtum sind noch sehr gut erhalten. An einer Wand steht eine Sitzstatuengruppe mit fünf Figuren aus grauem Granit, die in diesem Raum in Trümmern aufgefunden wurde. Sie zeigt Ramses II., Horus, Osiris, Isis und Sethos I..

    Ramses II. auf einer Barke

    Im Inneren Heiligtum

    Wände im Inneren Heiligtum

    Überreste der Sitzstatuengruppe

    Hier sind die Farben noch gut

    Viele Krieger

    Auch mit Streitwagen zieht man in den Krieg, den die Ägypter erst ca. 1.700 v. Chr. von den Hyksos übernahmen

    So, jetzt ging es weiter, oder besser gesagt wieder zurück, denn den weitesten Punkt meines Tagesausflugs hatte ich zuerst angefahren. Nun fuhr ich wieder den Weg zurück, aber nur bis in die Nähe von Qena. Denn unweit liegt der Hathor-Tempel von Dendera. Der Nachmittag hatte begonnen. Als ich ankam, kam ich mit dem Mietwagen an ein Tor mit einem netten Polizisten. Er schmunzelte ob meiner Verfahrensweise des alleinigen Herumfahrens mit dem Mietwagen. Das ist ja nicht gerade die Regel in Ägypten. Auch ich musste schmunzeln. Er schien nett und kontrollierte meine Papiere, ließ mich dann durch. Ich parkte und kaufte ein Ticket.

    Der Tempel von Dendera liegt im Bezirk der antiken Provinzhauptstadt Tentyris, die während einiger Epochen der ägyptischen Geschichte als wichtiges religiöses Zentrum galt. Der heutige Tempelkomplex gehört zu den am besten erhaltenen ägyptischen Tempeln dieser Zeit. Er stammt aus griechisch-römischer Zeit, aber auch im Alten Ägypten stand hier bereits ein Tempel. Es erfolgte ein Wiederaufbau unter Thutmosis III., Amenophis III., Ramses II. und Ramses III.. In der Zeit der ptolemäischen Herrscher kam es zur Abtragung der alten Vorgängerbauten und zu einem kompletten Neubau des Haupttempels. Da er bis ins 19. Jahrhundert verschüttet war, blieb er recht gut erhalten. Nur die Bemalung, die noch bis ins neunzehnte Jahrhundert teilweise sichtbar war, ist fast verschwunden.

    In der Anlage des Tempels von Dendera

    Da liegt der Tempel von Dendera

    Durch eine parkähnliche Anlage mit einigen Mauerresten spazierte ich zum eigentlichen Tempelbau. Am Ende der Straße stand ich dann vor den Resten eines großen Eingangstors. Es wurde von zwei kleinen Sphingen flankiert. Eine Mauer aus Lehmziegeln, die 280 Meter breit, 280 Meter lang und 10 Meter dick ist, umfasst das Gelände. Hinter dem Portal befinden sich zwei Geburtshäuser. Sie schaute ich mir zuerst an. Die Reliefs sind wunderbar. Auf dem Gelände befinden sich noch einige Grundmauern. Zwischen den Geburtshäusern befinden sich die Überreste eines in ägyptischen Tempeln einzigartigen Sanatoriums, das aus Lehmziegeln gebaut wurde. Besucher konnten in den heiligen Wassern baden oder in dem Gebäude nächtigen, um einen Heiltraum der Göttin zu empfangen. Nun nahm ich mir den Haupttempel vor. Er ist beeindruckend und erinnert ein wenig an den Tempel in Edfu. Die große Säulenhalle hinter dem Eingang wurde von Tiberius erbaut. Die 24 Säulen wurden mit dem Gesicht der Göttin Hathor verziert. Die Hathorsäulen sind das Wahrzeichen des Tempels und wurden von frühen Christen schwer beschädigt, um die Bildnisse der heidnischen Göttin unkenntlich zu machen. Die Hallendecke, bei der vor allem die blaue Farbe noch erkennbar ist, trägt eine komplexe und fein gearbeitete Himmelskarte mit Tierkreiszeichen und Abbildungen der Himmelsgöttin Nut, die abends die Sonnenscheibe verschlingt und am Morgen wieder zur Welt bringt. Die Halle ist unfassbar schön.

    Vor dem Eingangstor

    Eines der Geburtshäuser

    Darstellung im Geburtshaus

    Weitere Darstellung in den Geburtshäusern

    Der Schutzgott Bes, ursprünglich aus dem Sudan

    Der Tempel von Dendera

    Die Säulen tragen das Gesicht der Göttin Hathor

    Vor dem Eingang

    Ich betrete den mächtigen Tempel

    Decke der Säulenhalle

    Ein Teil der Decke etwas näher rangeholt

    Weiterer Teil der Decke

    Dahinter beginnt der innere Tempel, der von mehreren späten Ptolemäer-Königen erbaut wurde und ebenfalls atemberaubende Reliefs enthält. Verschiedene Pharaonen erhalten auf ihnen den Segen der Götter. Ich hatte auch das Ticket für die Krypta und das Tempeldach gekauft. Unglaublich. In welchem Tempel darf man sonst schon auf das Dach? Hier in Dendera ist das möglich. Über verschiedene Treppen stieg ich hinauf. Die Besucher, die mich von unten sahen, schauten erstaunt. Von hier oben hatte man einen besseren Überblick über das Gelände, das auch noch einen Geburtstempel der Isis und einen heute trockenen Heiligen See sein Eigen nennt. Dann stieg ich hinab in die Krypta, welches durchaus ein besonderes Erlebnis war. Dieses Kryptensystem ist in der ägyptischen Architektur einmalig. Es diente der Aufbewahrung von Tempelschätzen. Der Zugang erfolgt über kleine, durch Platten abgedeckte Einstiege im Boden oder in den Mauern. Unten in den engen Gängen beschleicht einen schon ein wenig ein mulmiges Gefühl.

    Prächtige Reliefs im Inneren

    Sachmet und Maat bekommen Opfergabe

    Kiosk auf dem Tempeldach

    Auf dem Tempeldach

    Blick vom Dach zu römischem Geburtshaus, christlicher Kirche und ägyptischem Geburtshaus

    Blick zum Heiligen See

    Hinab zur Krypta

    In den Gängen der Krypta

    Der Seelenaspekt Ba

    Dieses Relief soll den ägytischen Schöpfungsmythos zeigen

    Auch die Reliefs in der Krypta können sich sehen lassen

    An der Außenwand des Haupttempels befinden sich Darstellungen von Kleopatra VII. – das ist die bekannte Kleopatra – und ihrem Sohn Cäsarion. Das einzige Mal, dass ich Darstellungen dieser Kleopatra wissentlich gesehen habe. Um kurz vor 16 Uhr machte ich mich auf den Rückweg, und gegen 18:00 Uhr traf ich wieder in meiner Unterkunft ein. Die Rückfahrt verlief problemlos. Der Besuch der Tempel hatte sich gelohnt.

    Links sieht man Kleoptara VII. mit ihrem Sohn Cäsarion

    Für das Abendessen hatte ich mir das Loqma Restaurant ausgesucht. Es befindet sich ganz in der Nähe des Restaurants vom Abend zuvor, so dass ich wieder zu Fuß hinüberlief. Ich hatte mir neben einem Smoothie gefüllte Weinblätter, Brot und eine Art Kebab mit Pommes ausgesucht. Es schmeckte gut. Vor der Shisha-Bar schräg gegenüber meiner Unterkunft hatten sie einen Fernseher aufgebaut. Viele Einheimische saßen auf den in Reihen aufgestellten Stühlen und verfolgten eine Liveübertragung eines Fußballspiels. Ich verfolgte das Ganze von meinem Balkon aus und ließ den Tag hier gemütlich ausklingen.

    Heutiges Abendessen

    Besucher der Shisha-Bar neben meiner Unterkunft verfolgen ein Fußballspiel

    Liebe Grüße

    Heiko

    Heute sind die guten, alten Zeiten, nach denen Du Dich in 10 Jahren sehnst. Genieße sie!!!

  • claus-juergen
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    • 28. Januar 2026 um 11:27
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    • #54

    hallo Heiko,

    und wieder besuchst du Tempelanlagen die dem klassischen Ägypten-Kulturtouristen der die einwöchige Nilkreuzfahrt bucht wohl verborgen bleiben. Dabei gibt es da so viel in aus meiner Sicht ganz tollem Erhaltungszustand zu sehen. Vor allem die Deckengemälde sind sagenhaft.

    Du sprichst wiederholt die Sandpisten in den Orten an. Ist der Sand dort festgefahren, so daß man mit einem normalen Pkw vorankommt? Sind diese Straßen bewußt nicht asphaltiert worden weil sie eh immer wieder vom Sand verschüttet würden? Ich denke daran, daß ja ganze Tempelanlagen vom Sand im Laufe der Zeit begraben wurden. Denkbar, daß das auch mit den heute bewohnten Orten geschehen kann. Sind die Ägypter ständig am schaufeln?

    grüsse

    jürgen

  • Jofina
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    • 28. Januar 2026 um 15:14
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    • #55
    Zitat von claus-juergen

    ... und wieder besuchst du Tempelanlagen die dem klassischen Ägypten-Kulturtouristen der die einwöchige Nilkreuzfahrt bucht wohl verborgen bleiben. Dabei gibt es da so viel in aus meiner Sicht ganz tollem Erhaltungszustand zu sehen.

    Ich bin auch ganz begeistert von diesem Fotobericht. :thumbup: Bin nun selbst noch im Nach-Urlaubs-Modus, da wir erst vor 2 Tagen aus unserem Urlaub zurück gekommen sind. Ich werde mir bald viel Zeit nehmen, um den kompletten Thread nochmals durchzulesen. Danach ist man schon etwas besser bewandert in der interessanten Geschichte Ägyptens.

    Es sind wohl nur wenige Touristen, die solch eine Reise wie Heiko es macht, überhaupt in Erwägung ziehen bzw. sich zutrauen. Es ist ja absolut nicht erholsam sondern sehr anstrengend. Ich würde mich schon über eine einwöchige Nilkreuzfahrt mit Zusatzprogramm freuen .:).. aber mit meinem Mann nicht zu machen. OK, dann lerne ich durch diesen tollen Bericht einiges über die Alt-Ägyptische Kultur. :thumbup:

    Danke Heiko, daß Du Dir diese umfangreiche Arbeit machst und uns von dieser interessanten Reise mit viel Hintergrund-Infos erzählst. :)

    El mundo es un libro, y quienes no viajan leen sólo una página. (Aurelio Agustín)
    Gruß Jofina

  • Heiko705
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    • 29. Januar 2026 um 06:35
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    • #56

    Zunächst einmal freut es mich sehr, wenn der Bericht Gefallen findet. Wenn er das Wissen über Ägypten erweitert, habe ich mein Ziel erreicht.

    Jürgen, als ich im Dorf Gharb Aswan bei Assuan untergebracht war, hätte ich mir schon gewünscht, einen Jeep zu haben, da manche Seitenstraßen ganz schön rutschig waren, es ist aber alles auch mit einem herkömmlichen PKW machbar. Das reicht definitiv aus. Ich habe keine schaufelnden Einheimischen gesehen, hahaha, aber Du hast recht; vieles wird im Laufe der Zeit vom Sand wieder überlagert. Da wird es nicht ausbleiben, Straßen hin und wieder vom Sand zu befreien. Die ungeteerten Sandwege sind meiner Meinung nach nicht geteert, weil schlichtweg das Geld dafür nicht da ist.

    Hallo Jofina, die eine oder andere Unternehmung kann durchaus mal ein bissel anstrengend werden, aber die Erlebnisse entschädigen dafür. Offenbar brauche ich großartig keine körperliche Erholung, das Erleben und Sehen ist mir mehr wert. Ich bin auch nicht unbedingt der Typ dafür, tagelang untätig zu bleiben.

    Liebe Grüße

    Heiko

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  • burki
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    • 29. Januar 2026 um 14:34
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    • #57

    Hallo Heiko, es war ein Top Erlebnis mit dir ein Stück der alten Kultur Ägyptens kennenzulernen.

    Spektakulär sind nicht nur deine Bilder, auch deine tief recherchierten Berichte sind wieder mal ein Erlebnis.

    Danke für,s Mitnehmen

    burki

  • Heiko705
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    • 29. Januar 2026 um 23:12
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    • #58

    Tag 15 – Der Karnak-Tempel (25.10.2025)

    Am heutigen Tag hatte mein Bruder Olli Geburtstag. Am Abend würde ich ihm Bilder des Karnak-Tempels schicken. Ich mein‘, wer bekommt schon an seinem Geburtstag Bilder des Karnak-Tempels geschickt von jemandem, der gerade vor Ort ist? Und es würde mein letzter Tag dieses wunderbaren Urlaubs sein. Am Vorabend hatte ich mein Gepäck bereits etwas vorgepackt. Für den Rückflug am nächsten Tag war ich bereits online eingecheckt. Ich hatte beschlossen, das Auto heute stehen zu lassen. Alles, was ich mir anschauen wollte, würde in Reichweite sein. Ich band mir meinen Schal um den Kopf und marschierte um 7:00 Uhr los. Um diese Uhrzeit waren die Straßen noch leer. Nur hin und wieder bekam ich mal einen anderen Fußgänger zu Gesicht, und auch der Verkehr war überschaubar.

    In der Corniche

    Als ich an der Corniche am Nil entlang lief und über das Wasser schaute, sah ich unzählige Ballons am Himmel, die über dem Westufer in der Luft hingen, mit Aussicht auf das Tal der Könige, den Tempel der Hatschepsut und die Täler der Arbeiter und Noblen, die ich mir vor einer Woche ebenfalls angesehen hatte. Ich hatte von solchen Ballonfahrten gelesen, die jedoch nicht unbedingt günstig sind. Wahrscheinlich fand so etwas jeden Morgen statt, genau wie die Flüge der Tragkopter über den Pyramiden in Gizeh. Mein Weg war 5 Kilometer lang und führte mich zunächst am Luxor-Tempel vorbei, aber der war erst später an der Reihe. Also weiter immer geradeaus am Ufer entlang, kam ich nach einer knappen Stunde auf den großen Besucherparkplatz am Karnak-Tempel. Der Eintritt kostet umgerechnet 9 €, doch ich hatte das Ticket schon vorher online gebucht.

    Ballons über Theben-West

    Sonnenaufgang über dem Luxor-Tempel

    Der Eingang des Luxor-Tempels von der Corniche aus gesehen - das sah schon mal beeindruckend aus

    Vorbei an einem Minarett

    Am Ziel angekommen

    Ich kam an den Eingang. Der Tempel ist eine ganze Anlage und besteht aus vielen kleineren Tempeln, insgesamt handelt es sich jedoch um die größte Tempelanlage Ägyptens. Für mich etwas ganz Besonderes, was ich mir für den letzten Tag aufgehoben hatte. Die heute ältesten Teile wurden unter Sesostris I. ca. 1.950 v. Chr. erbaut, doch die Anlage wurde bis in die Römerzeit immer wieder erweitert. Jeder Pharao hat hier eigentlich etwas dazugestellt. Die Tempelanlage besteht aus drei von Mauern umgebenen Bereichen, dem Bezirk des Amun (Wind-und Fruchtbarkeitsgott), dem Bezirk des Month (Gott von Theben und des Krieges) und dem Bezirk der Mut, der Gemahlin Amuns. Der Eingang wird von auf beiden Seiten liegenden Sphingen mit Widerköpfen gesäumt. Die meisten von ihnen sind noch komplett. Im Alten Ägypten reichte bis hierhin das Wasser, denn man erkennt vor dem Eingang eine Hafenanlage. Heute ist der Fluss 500 Meter entfernt.

    Eingang des Karnak-Tempels

    Die Widder-Sphingen vor dem Eingang

    Dann betrat ich den Tempel durch die erste große Toranlage (1. Pylon) und befand mich automatisch im Bezirk des Amun. Nun kam ich auf einen Platz. Hier gibt es die Kapelle von Sethos II., die ich als Erstes betrat. Auf der anderen Seite befinden sich wieder eine Reihe mit Widder-Sphingen und daneben ein Tempel von Ramses III., dessen Eingangstor von zwei Statuen bewacht wird. Im Innern geht man über einen gemauerten Weg zwischen weiteren Statuen, die vermutlich alle Ramses III. zeigen, hindurch und kommt zu einigen sehenswerten Wänden und Säulen. Dann war ich zurück auf dem Platz und ging weiter geradeaus. Ich bewegte mich auf den großen Säulensaal zu. Der Eingang (2. Pylon) wird von Kolossalstatuen Ramses' II. flankiert; eine davon zeigt ebenfalls seine Tochter Meritamun, die vor ihrem Vater steht. Ich schritt hinein und wurde von den Säulen geradezu erschlagen – ein Wald aus Säulen. Auf einer Fläche von 103 Metern Länge und 53 Metern Breite stehen 134 Säulen, die einst das hölzerne Dach trugen. Hier kommt man sich relativ klein vor. Die mittleren Säulen sind über 22 Meter hoch. Der Bau wurde von Pharao Haremhab begonnen und später unter Sethos I. und Ramses II. vollendet. Die Reliefs sind zum Teil noch gut zu erkennen, und die meisten der reich verzierten Kapitelle (Abschlussstücke) sind noch erhalten. Die Säulen sind mit steinernen Deckenstreben verbunden. An ihnen sind die Farben und Details besonders gut sichtbar. Die Halle endet mit dem 3. Pylon.

    Der große Platz hinter dem Eingang mit Blick auf den Eingang zum Säulensaal

    Widder-Sphingen neben dem Tempel von Ramses III.

    Eingang zum Tempel von Ramses III.

    Statue von Ramses II. neben einer verhüllten Statue

    Vor der großen Säulenhalle

    Die Deckenstreben sind noch schön, wie ich finde

    In der Säulenhalle

    Die Säulen sind reich mit Reliefs verziert

    Unter der Krone des Säulenwalds

    Die Wände der Säulenhalle

    Nun steht man auf einem kleinen Hof. Ich bog kurz rechts ab und kam auf den Cachette Court. Ich durchschritt noch das nächste Tor (7. Pylon) – in diesem Bereich sieht man viele Reliefs, die in den Krieg fahrende Streitwagen zeigen – kam dann aber wieder zurück auf den kleinen Hof hinter der Säulenhalle. Von hier aus kann man nach Norden hin den Tempel seitwärts verlassen und gelangt dann zum Tempel des Ptah, den ich nicht ausfindig machen konnte. Zwischen dem 4. und 5. Pylon stehen die großen Obelisken von Thutmosis I. und Hatschepsut. Gerade der zweite Obelisk ist mit einer Höhe von 30 Metern der größte Obelisk Ägyptens. Folgt man weiterhin dem Weg nach Westen, gelangt man zum inneren Heiligtum. Hier ist ein heute noch überdachter Raum mit einem Sockel, auf dem man wohl während einer Prozession die tragbare Kultbarke abstellte. Vom Hof des Mittleren Königreichs gelangt man zum Festtempel von Thutmosis III. (Ach-menu). Der höhere Mittelraum besteht aus zwei Säulenreihen mit je zehn Säulen und ist von niedrigeren Seitenschiffen mit insgesamt 32 Säulen umgeben. Wo der 6. Pylon ist? Ich hab‘ keine Ahnung.

    Der 7. Pylon

    Die Reliefs mit den Streitwagen

    Na, wo gehört dieses Teil denn hin?

    Die Obelisken von Thutmosis I. (vorn) und Hatschepsut (hinten)

    Blick zurück durch die große Säulenhalle

    Obelisk der Hatschepsut

    Inneres Heiligtum mit Sockel

    In der Nähe des Hofs des Mittleren Königreichs

    Der Hof des Mittleren Königreichs

    Festtempel von Thutmosis III.

    Vorm Tempel von Ramses III. am Ende des Geländes            

    Ganz im Westen kommt man zum Ende des ummauerten Geländes. Hier steht noch ein Tempel von Ramses III., der auch heute noch fast vollständig erhalten und in sehr gutem Zustand ist. Ich drehte mich nach Süden und kam zum Heiligen See. Er wird lediglich durch das Grundwasser gespeist. Die Götterfiguren wurden ausschließlich mit dem Wasser des Sees gewaschen. Neben dem See kam ich an einen Steinsockel, auf dem ein Skarabäus ruht. Er ist eine große Granitstatue, die Pharao Amenophis III. gewidmet ist. Der Skarabäus galt im alten Ägypten als Symbol für Auferstehung und Wiedergeburt, und der Käfer wurde für Rituale am Heiligen See genutzt. Heute ist es ein beliebter Brauch, den Skarabäus sieben Mal im Uhrzeigersinn zu umrunden, um Glück zu haben oder Wünsche erfüllt zu bekommen. Natürlich konnte ich mir das nicht entgehen lassen, und so umrundete auch ich ihn sieben Mal. Alle machten das.

    Tempel von Ramses III. am Ende des Geländes

    Der Heilige See

    Alle umrunden den Skarabäus

    Am See entlang gelangte ich nach Süden zum 9. Pylon und wand mich wieder um, um durch den 8., an dessen Wand zwei Kolossalstatuen von Amenophis I. und Amenophis II. sitzen, zurück in den Norden zu kommen, wollte ich doch den Tempel des Ptah finden, was mir leider verwehrt blieb. Aber so bekam ich die Rote Kapelle von Königin Hatschepsut und die Weiße Kapelle von Sesostris I. zu Gesicht. Sie ist das älteste erhaltene Bauwerk der Tempelanlage.

    Der 9. Pylon

    Kolossalstatuen von Amenophis I. und Amenophis II.

    Irgendwann entschied man sich, den zunächst von Westen nach Osten verlaufenden Prozessionsweg, nach Süden abbiegen zu lassen, weshalb die 7. – 10. Toranlage im Süden liegt. Ich besuchte nun den Chons-Tempel und folgte dem Weg wieder nach Süden. Der Tempel macht einen prächtigen und mächtigen Eindruck. Der Bau wurde von Ramses III. begonnen und von späteren Pharaonen vollendet. Hinter der großen Toranlage befindet sich ein großer Säulensaal mit 28 Säulen, in dem Chons, der ägyptische Mondgott, als Pavian auf dem Boden sitzt. Schließlich verließ ich den Bezirk des Amun durch ein hohes Tor.

    Der Chons-Tempel

    Chons, der Mondgott

    Ein Blick zurück

    Durch eine Allee mit Widder-Sphingen lief ich hinüber zum Bezirk der Mut. Die Meisten der Sphingen sind verfallen. Ich zeigte mein Ticket, welches ich ebenfalls schon vorher hatte und ging durch ein hölzernes Tor. Der gesamte Tempel, der sich in einen Tempel A (gewidmet dem Chons-pa-chered, einem Kind des Gottes Chons), einen Tempel C (Tempel von Ramses III.) und den Haupttempel der Göttin Mut unterteilt, ist jedoch nicht in einem vergleichbaren Erhaltungszustand wie der Karnak-Tempel. Vielfach sind hier nur die Grundmauern übrig, was mich ein wenig enttäuschte. 1840 wurden die Tempel zum großen Teil abgerissen und als Baumaterial für eine Fabrik verwendet. Ich schaute mir alles in Ruhe an. Im Hof hinter dem Eingang zum Hauttempel war ein Säulengang. Dahinter gelangt man in den Festhof, in dem einst Sitzstatuen der Göttin Sachmet standen. Und noch immer gibt es eine recht gut erhaltene Statue der Göttin Sachmet, der ägyptischen Löwengöttin. Dahinter kam eine große Säulenhalle. Ein paar vereinzelte Säulen stehen noch. Und dann kam das Heiligtum, wieder mit einem Sockel zum Abstellen der Barke während der Prozession. Das war’s. So muss ich sagen, dass jemand, der sich nicht für jedes kleine Detail interessiert, den Mut-Tempel auch auslassen kann.

    Im Mut-Bezirk

    Reliefs im Bezirk der Mut

    Sachmet

    Zwischen dem Karnak-Tempel und dem Luxor-Tempel erstreckt sich die lange Sphinx-Allee. Die mit Sandsteinblöcken gepflasterte 3 Kilometer lange Straße ist auf beiden Seiten von mehr als 1.050 Sphinx- und Widderstatuen gesäumt, oder besser gesagt, war, denn auch hier sind die meisten der Sphingen nicht mehr intakt. Doch es war für mich ein Genuss, ganz allein dieser langen Allee entlang zu schreiten. Die Sonne brannte auf meine Schultern hernieder, aber egal, mein Kopf war ja durch meinen Schal geschützt. Nähert man sich allerdings dem Luxor-Tempel, sind die meisten der Sphingen gut erhalten. Mittlerweile hatten wir fast 13:00 Uhr, und bevor ich mir den Luxor-Tempel anschaute, nahm ich an einem Kiosk Platz, trank etwas und aß einen Snack.

    Beginn der Sphinx-Alle - hier hinten sind noch fast alle Sphingen verfallen

    Die Sphingen der Sphinx-Allee

    Kommt man dem Luxor-Tempel näher, sind die Sphingen alle gut erhalten

    Vor dem Luxor-Tempel

    Kommen wir zum zweiten großen Tempel des Tages, dem Luxor-Tempel. Allein hier vor dem Eingang auf die Hauptfront zu schauen, ist schon…wow. Er wurde zwischen1550 und 1070 v. Chr. errichtet und dem Gott Amun, seiner Gemahlin Mut und ihrem gemeinsamen Sohn, dem Mondgott Chons, geweiht. Aber bereits um 1800 v. Chr. stand hier ein Heiligtum. Ein tolles Gefühl, hier stehen zu dürfen. Im Laufe der Zeit haben leider die Muslime die nebenan stehende Abu el-Haggag-Moschee immer weiter in den Tempel hinein gebaut. Und so kommt es nicht von ungefähr, dass, während ich hinein schritt, mein Unterfangen von muslimischen Gesängen untermalt wurde. Ich mag sowas ja. Da merkt man immerhin, wo man sich befindet, denn schließlich ist Ägypten heutzutage ein vorwiegend muslimisches Land, aber ob man das nun zum Besichtigen des Tempels braucht, sei mal dahin gestellt.

    Die Front des Luxor-Tempels

    Es war Amenophis III., der den Bau des heutigen Tempels begann. Echnaton, der Vater Tutanchamuns, ließ den Tempel schließen, denn unter ihm gab es ja nur den einen Gott Aton. Tutanchamun baute wieder daran. Haremhab, Ramses II., Nektanebos I. und sogar noch Alexander der Große bauten ihn weiter. Die Römer integrierten dann im Tempel eine Festung. In den ersten nachchristlichen Jahrhunderten wurden vier Kirchen auf dem Gelände errichtet. So ist es natürlich ein Sammelsurium verschiedener Epochen und deren Bauwerke.

    Vor dem Eingang sieht man zwei Sitzfiguren, vier stehende Statuen von – ich glaube, die sind alle von Ramses II. – und einen großen Obelisken. Das sieht wahnsinnig aus. Auf der Außenseite der beiden Türme sind Szenen aus der Schlacht Ramses II. mit den Hethitern dargestellt. Also ging ich hinein und betrat den Hof Ramses II.. Der Hof ist von hohen Säulen und dazwischen stehenden Statuen umgeben. Alles recht gewaltig, muss ich sagen. Der östliche Teil des Hofes ist – wie schon angedeutet – mit der Moschee Abu el-Haggag überbaut. Sie ragt da einfach etwas hinein. Die Gesänge schallten von oben herab. Hinter dem Hof folgt eine riesiger Säulengang mit darauf sitzendem, waagerechten Überbau. Alles recht groß und hoch. Die Reliefs auf den dazwischen liegenden Wänden sind teilweise gut erhalten und ebenso beeindruckend. Sie zeigen Szenen aus dem Opet-Fest, ein mehrtägiges Fest und eines der wichtigsten Feste im Alten Ägypten.

    Statuen von Ramses II. vor der Front

    Ich schreite hinein

    Relief an einer Wand hinter dem Eingang

    Hinter dem Eingang

    Die Moschee Abu el-Haggag ragt in den Hof Ramses II. hinein

    Statuen an einem seitlichen Eingang zum Hof Ramses II.

    Säulen und Statuen begrenzen den Hof

    Er konnte wohl nicht genug Statuen hier von sich aufstellen

    Relief im Hof von Ramses II.

    Sitzstatue vor dem Säulengang

    Überreste einer Statuengruppe

    Durch den Säulengang

    Am Ende des Säulenganges kam ich in den Hof Amenophis III., der recht voluminös daherkommt. Er ist an drei Seiten mit einer doppelten Reihe Papyrusbündelsäulen umgeben. Diese Säulen sind weit verbreitet und stellen Abbilder von Papyruspflanzen dar, die als Sinnbild für Grünen und Gedeihen galten und in Verbindung mit der Wappenpflanze Unterägyptens standen. Ich kam in den Kaiserkultraum. Im heutigen Erscheinungsbild ist er aus römischer Zeit. Hier befindet sich eine Apsis, ein christlicher, halbkreisförmiger Anbau mit Halbkuppel, wie man ihn oft in Kirchen findet. Ein kleiner Durchgang führt in eine weitere Säulenhalle. Dahinter befindet sich das Heiligtum, das für die Barke Amuns bestimmt war. Die Abbildungen zeigen Alexander den Großen vor verschiedenen Göttern. Die Wände sind hier von oben bis unten mit Zeichnungen und Reliefs verziert.

    Der Hof Amenophis III.

    Blick zurück in Richtung Eingang

    Christliches Fresko im Kaiserkultraum

    Apsis mit korinthischen Säulen

    Neben dem Luxor-Tempel

    Der Luxor-Tempel ist einfach nur umwerfend. Kann er mit der Größe eines Karnak-Tempels selbstverständlich nicht mithalten, so ist er dennoch ein überaus wichtiges „Must See“ hier in Luxor. Zwar plante ich auch die nähere Besichtigung der Abu el-Haggag-Moschee, doch weiß ich gar nicht, ob man mir überhaupt Einlass gewährt hätte, und man kann ja auch nicht alles machen. Ich musste erst einmal etwas Essbares zu mir nehmen. An der Uferstraße, direkt am Nil, fand ich ein Restaurant, welches bereits geöffnet hatte. Ich genoss ein überaus schmackhaftes Mahl, bestehend aus einer Vorsuppe, Gemüse, Brot, Tahini-Creme, gefolgt von Hühnchenfleisch, Reis und Pommes. Dazu ein Fruchtsaft. Mein letztes Mahl in Ägypten. Ich hatte dieses Essen auch deshalb vorgezogen, weil das Luxor-Museum erst wieder um 17:00 Uhr seine Pforten öffnen würde.

    Das unweit gelegene Luxor-Museum war mein letztes Urlaubsziel. Er steht etwa mittig zwischen Karnak – und Luxor-Tempel. Und auch jetzt war ich mir bereits überaus sicher, dass dieser Tag ein mehr als würdiger Abschluss für meine Reise war. Das Museum enthält Fundstücke altägyptischer Kunst aus der königlichen Metropole Theben (die Westseite von Luxor) und der näheren Umgebung von Luxor. Ich war bereits vor dem Essen hier, doch nun war ich froh, endlich eingelassen zu werden. Neben Büsten von Pharaonen wie Amenophis III., Echnaton, Sesostris I., Sesostris III., Statuen von Thutmosis III., Ramses III., Ramses VI. und des Gottes Amun, Stelen, einer Statue Sachmets mit Sonnenscheibe und einer Sphinx aus dem Karnak-Tempel, Stücken von Wandmalereien und Kartuschen aus Deir el-Bahari, einem Sarkophag der Pharaonin Tausert aus dem Tal der Könige, Keramiken aus dem Alten Ägypten, sah ich tatsächlich auch die Mumie des Pharaos Ahmose I. und eine Statue von Haremhab und seiner Frau aus Saqqara, auch unbekannte Pharaonen-Mumien, sogar Statuen, die auf der Sinai-Halbinsel gefunden wurden, eine Statue von Mentuhoteb III., bemalte Särge, Totenmasken, koptische Felsgravuren, kurzum, man kann gar nicht alles aufzählen, was es zu sehen gibt. Unglaublich. Also eine absolute Empfehlung meinerseits, sich dieses Museum nicht entgehen zu lassen.

    Statue von Thutmosis III.

    Kartuschen der Könige Thutmosis I. und Thutmosis III.

    Sphinx aus dem Karnak-Tempel

    Mumie des Pharaos Ahmose I.

    Büste der Göttin Sachmet

    Von einer Tempelwand des Echnaton

    Nun war ich auf dem Rückweg. Das Gleiche wie immer. Laufend kommen Einheimische, die einem unbedingt etwas anbieten wollen. Wie gesagt – man braucht ein dickes Fell. In diesem Moment hatte ich es nicht mehr. Da kam schon wieder so Einer genau auf mich zu. So, jetzt reichte es mir. Bevor er den Mund aufmachen konnte, sagte ich: „I don’t need a taxi, I don’t need a boat, I don’t need your help and I don’t want to buy something“! Man glaubt kaum, wie er jetzt schaute. Doch es wirkte. Er sagte nichts und verschwand. Yes. So muss man also mit denen umgehen. Nein, es ist kein großes Problem, doch in diesem Moment war ich mit meiner Geduld am Ende.

    Ein wunderbarer, mein letzter Tag hier in Luxor endete, und ich kann es kaum beschreiben, wie ich mich fühlte, als ich auf meinem Balkon ein letztes Bier trank. Am nächsten Morgen müsse ich sehr früh aufstehen, denn ich musste noch zurück nach Hurghada, um meinen Flug zu erreichen und vor dem Abflug meinen Mietwagen abzugeben.

    Liebe Grüße

    Heiko

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  • Trogir
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    • 30. Januar 2026 um 12:17
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    • #59

    Vielen Dank für die Einblicke in eine faszinierende Geschichte, mich beeindruckt es sehr was Menschen schon vor so langer Zeit, mit doch eher eingeschränkten technischen Hilfsmitteln geschaffen haben.


    Guten Heimflug.

  • claus-juergen
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    • 30. Januar 2026 um 22:08
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    • #60

    Hallo Heiko,

    Das ist doch die Tempelanlage, in welcher vor etwa 25 Jahren der islamistische Anschlag auf die Touristengruppen war der damals viele Tote gefordert hat. Ich weiß noch wie es damals hieß, dass sich einzelne Touristen um den Attentätern zu entgehen zwischen den riesigen Säulen versteckt haben. Wie ist denn die Sicherheitslage heute in dieser ausgedehnten Anlage? Ist es nicht theoretisch denkbar, dass erneut Terroristen Zugang finden?

    Ansonsten ist diese von dir geschilderte Anlage in Luxor anscheinend wirklich extrem groß. Die drei Kilometer lange Allee mit den Sphingen liegt anscheinend auch außerhalb des umschlossenen Bereichs der Tempelanlage. Direkt hinter den Figuren befinden sich ja offensichtlich normale Wohnhäuser soweit ich auf den Bildern gesehen habe.

    Ich kann gut nachvollziehen, dass du dir das gesamte Ensemble dort plus das Museum angeschaut hast. Ich glaube, dass auch ich dort aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen wäre. Allerdings hätte ich irgendwann den Überblick verloren welcher Pharao was gebaut hat und welche Skulptur welchen Pharao oder welche historische Person darstellen soll. Aber du Heiko bist in dieser Hinsicht ja fast ein Wissenschaftler.

    Was die geschäftstüchtigen Einheimischen anbelangt wundert es mich, dass dir erst jetzt gegen Ende deines Urlaubs der Gaul durchgegangen ist. Ich hätte sicherlich nicht diese Nerven behalten und bereits früher aggressiv reagiert. Darf ich in diesem Zusammenhang mal fragen wieviel du überhaupt an sogenannten Trinkgeldern, aber auch an Eintrittsgeldern ausgegeben hast? Wissens wird derzeit bei den einwöchigen Nilkreuzfahrten eine pauschale Summe von circa 220 € für die Eintrittsgelder der angebotenen Besichtigungen und für den Transport dorthin pro Person verlangt. Natürlich sieht man dabei nur ein Bruchteil dessen, was du in dieser Gegend angeschaut hast. In den allermeisten Fällen kommt dazu, dass du ja vorab die entsprechenden Tickets für die Besichtigungen online erworben hast. War das einfach und war die Bezahlung mittels Kreditkarte möglich?

    Nun warte ich was du uns an interessanten Begebenheiten und Begegnungen für den letzten Tag deines Urlaubs in Ägypten noch schildern wirst. Ich gehe davon aus, dass auch hier Überraschungen auf uns neugierige Leser warten.

    Grüße

    Jürgen

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