der Kosaken Friedhof in Lienz Peggetz

Es gibt 6 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Josef.

  • Elke hat im Jahr 2014 hier ein Thema eingestellt, welches vermutlich nicht nur für mich sondern für die meisten Menschen völlig unbekannt war. Es geht um das Thema Kosaken in Friaul und Osttirol am Ende des Zweiten Weltkriegs. Hier noch mal der link zum Strang


    Spuren der Geschichte: Kosaken in Friaul


    Nachdem ich häufiger über Lienz und den Plöckenpaß nach Istrien fahre, habe ich in den letzten Jahren immer neue Spuren der Kosaken in der Gegend entdeckt. Sei es die überdimensionale Kirche in Timau oder die Gedenktafel an die Kosakentragödie in Oberdrauburg. Da lag es nahe, auch mal den Kosakenfriedhof in Lienz zu besuchen.


    Wikipedia hat sich ausführlich mit der Lienzer Kosakentragödie befaßt. Besser kann ich es nicht erklären.


    https://de.wikipedia.org/wiki/Lienzer_Kosakentrag%C3%B6die


    Hingegen kann ich euch den Friedhof und die erst vor wenigen Jahren gebaute Kapelle im Stadtteil Peggetz zeigen.





    Direkt neben diesen auch heute noch bewohnten Baracken befindet sich der kleine Friedhof.





    Immer Sonntags ist die Kapelle geöffnet. Der Friedhof wird von Erika Pätzold gepflegt. Die ist dann auch da und öffnet die Kapelle.





    Das ist Frau Pätzold. Sie hat als Kind die Tragödie im oberen Drautal miterlebt.
















    Es gab auch Überlebende. Vor allem junge Kosaken flohen in die Berge und dienten sich Bergbauern als Knechte gegen Kost und Logis an. Arbeit gab es genug. Die meisten arbeitsfähigen Männer waren gefallen oder in Kriegsgefangenschaft. Wieviele der Auslieferung durch die Engländer an die Russen und damit dem sicheren Tod entgangen sind, ist nur zu schätzen. Die Engländer hatten, nachdem der Güterzug mit sämtlichen Kosaken einschließlich deren Familien in Judenburg den Russen übergeben war wohl anderes zu tun, als nach einzelnen geflohenen Kosaken in den Bergen zu suchen.














    Der Friedhof wurde bereits im Jahr 1945 angelegt. Die Kapelle wurde erst 2015 gebaut.







    In 28 Gräbern liegen etwa 300 Kosaken.











    Die Drau fließt direkt am Friedhof vorbei. Die Kosaken lagerten meist relativ nahe an der Drau, weil es dort natürlich im Frühjahr 1945 ausreichend Wasser gab. Die meisten Familien, wir sprechen hier von insgesamt etwa 25.000 Menschen, führten den gesamten Hausrat auf Pferdefuhrwerken mit. Etwa 35.000 Menschen, davon ca. 23.000 Soldaten wurden ja bereits im Sommer 1945 in der Gegend von Tolmezzo angesiedelt. All die zogen im April 1945 in riesigen Trecks über den Plöckenpaß bis ins Drautal.


    In diesem Jahr führte die Drau Anfang Juni Hochwasser. Als die Deportation unter Waffengewalt begann, sprangen hunderte Kosaken, meist ganze Familien mit den Kindern in den Armen oder auf den Händen ins Wasser, weil ihnen der sofortige schnelle Tod wohl lieber war als das was in der UdSSR auf sie wartete. Frau Pätzold hat mir manches geschildert, was ich hier nicht widergeben möchte.







    Der Friedhof liegt heute am Drau Radweg. Die meisten Radler, die ich sah fuhren vorbei. Vielleicht kennen die, weil sie aus der Region stammen diesen Friedhof. Vielleicht findet er aber auch gar kein Interesse bei der Mehrzahl, weil man sich am Sonntag halt in der freien Natur erholen möchte und die traurige Geschichte der Kosaken fast vergessen ist.




    grüsse


    jürgen

  • Ein trauriges Kapitel der Geschichte über die Kosaken, das Du hier in Erinnerung bringst.

    Danke für diesen Bericht, die Fotos und den Wikipedia-Link.

    El mundo es un libro, y quienes no viajan leen sólo una página.(Aurelio Agustín)
    Gruß Jofina

  • Immer wieder bekomme ich Gänsehaut, wenn ich mir die Ereignisse vom Juni 1945 vorstelle.

    Und immer wenn wir über den Plöckenpass fahren, habe ich Bilder im Kopf wie das vermutlich war, als im April 1945 ein endloser Treck über die sicher noch schneebedecke Passstraße zog, voll Hoffnung.

    Die Wirklichkeit kann grausamer sein als jegliche Phantasie.....


    Elke

  • Ja, die Kosaken haben ein trauriges Schicksal erlitten.

    Sicher ahnten sie was sie bei der Rückkehr in die Sowjetunion

    erwartet . Wenn sie Glück hatten Sibirien.


    Die Engländer haben bei Kriegsende leider auch in Kärnten die

    die geflüchteten Deutschen und Österreicher aus der Bukowina

    und all die anderen die über Jugoslawien nach Kärnten gekommen sind

    in Züge verfrachtet und den Menschen versprochen sie würden nach

    Italien gebracht. Leider fuhren die Züge in die andere Richtung zurück nach

    Jugoslawien und wurden den Partisanen übergeben.


    Haben in Graz bekannte. Die Frau ist leider schon verstorben, die ist mit 2 kleinen Kindern

    aus der Bukowina geflüchtet ist, wo Ihre Vorfahren schon seit Jahrhunderten gelebt haben.

    Das kleinere Kind hat überlebt, da sie von der Mutter gestillt wurde. Das größere ein Mädchen

    ist während der Flucht verhungert. Die Frau hat, da war sie schon über 90 Jahre alt bei jedem

    Treffen noch immer davon und der Flucht erzählt. Sie konnte das Ihr ganzes Leben nicht überwinden.

    Mir kamen jedesmal die Tränen, wenn sie immer wieder von der Flucht und den Tod des Kindes erzählte.


    Habe mich wahrscheinlich dadurch mehr mit diesen Thema befasst und viele

    Dokumationen, auch über das Schicksal der Kosaken gelesen.

    Liebe Grüße

    Josef

    Einmal editiert, zuletzt von Josef ()

  • Immer wieder bekomme ich Gänsehaut, wenn ich mir die Ereignisse vom Juni 1945 vorstelle.

    Und immer wenn wir über den Plöckenpass fahren, habe ich Bilder im Kopf wie das vermutlich war, als im April 1945 ein endloser Treck über die sicher noch schneebedecke Passstraße zog, voll Hoffnung.

    Die Wirklichkeit kann grausamer sein als jegliche Phantasie.....

    ...

    hallo Elke,


    mir gehts seit Jahren genauso. Die ganze Gegend betrachte ich beim Durchfahren immer nur unter diesem Aspekt und stelle mir dabei vor, wie zigtausende Menschen im Frühjahr mit ihren Pferdegespannen den Plöckenpaß rauf und runter und dann über den Gailbergsattel in endlosen Kolonnen bei jeder Witterung fuhren. Das waren ja nicht nur felderprobte Soldaten, sondern auch deren Familien vom Baby bis zum Greis. Unvorstellbar sind diese Strapazen aus heutiger Sicht. Was mag in den Köpfen dieser Menschen vorgegangen sein die wohl ahnten, daß es keine Zukunft für sie gibt.



    hallo Josef,


    das was du hier ansprichst ist als das Massaker von Bleiburg in die Geschichte eingegangen.


    https://de.wikipedia.org/wiki/Massaker_von_Bleiburg


    Vereinfacht gesagt wurden gleich nach Kriegsende von den Briten nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands und seiner Verbündeten in der Region Kärnten und Burgenland nicht nur Angehörige der deutschen Wehrmacht und anderer deutscher Kampfverbände oder der Polizei an Jugoslawien ausgeliefert, sondern auch alle Militärs und geflüchteten Staatsangestellten des faschistischen Kroatiens und die sogenannten Heimwehren wie alle paramilitärischen Einheiten, die zwar aus Angehörigen der jugoslawischen Völker bestanden, aber auf Seiten des Deutschen Reichs gegen Titos Partisanen gekämpft haben.


    In der Regel gab es keine Gerichtsurteile und falls doch, nur sogenannte Schnellgerichte. Fakt ist, daß vermutlich in den Sommermonaten 1945 mehrere hunderttausend dieser Personen entweder hingerichtet wurden oder in Todesmärschen quer durchs Land starben.


    Tito ließ dann in einem Zug gleich die noch im Land verbliebenen Donauschwaben, also "Volksdeutsche" internieren und ermorden. Im Jahr 1940 gab es in Jugoslawien noch etwa 550.000 dieser Personen. Durch Zwangsrekrutierungen zu deutschen Verbänden, Umsiedlungen und den Partisanenkrieg blieben bis 1946 noch etwa 110.000 Menschen deutscher Sprache in Jugoslawien. Titos Antrag auf Abschiebung nach Westdeutschland wurde von den Westalliierten abgelehnt. Alle wurden enteignet und in Lager verbracht. Diese Enteignungen waren für den Staat sehr lukrativ, weil die meisten Bauern mit Grundbesitz waren. Die Lager wurden 1948 aufgelöst. Tatsächlich gelang es einigen Menschen, gleich darauf in den Westen zu flüchten. Sie fanden Aufnahme in der neu gegründeten Bundesrepublik Deutschland oder in das zu dieser Zeit noch von den Alliierten besetzte Österreich. Die anderen wurden vor allem beim Wiederaufbau Jugoslawiens, dort meist in Bergwerken eingesetzt.


    1980 gab es noch etwa 50.000 Deutsche in Jugoslawien. Seitdem hat deren Anzahl weiter abgenommen.


    Diese Geschehnisse nach dem 8.5.1945 zeigen wieder einmal, daß das Ende eines Krieges nicht das Ende des Mordens ist. Es werden alte Rechnungen beglichen und der mit dem Gewehr in der Hand holt sich vom Nachbarn was er brauchen kann. Der kann sich ja nicht mehr wehren.


    Eines sollte im Zusammenhang mit der Kosakentragödie jedoch nicht unerwähnt bleiben. Die Kosakenverbände waren in den Jahren zuvor bei der Partisanenbekämpfung in Jugoslawien nicht zimperlich. Es sind zahlreiche Kriegsverbrechen begangen worden. Letztendlich wurden sie selbst zusammen mit ihren Familien Opfer.


    grüsse


    jürgen

  • Jürgen, danke für den Beitrag-

    Den "Gefällt mir" Button kann ich nicht drücken.


    Gruß,

    Elke

  • Danke Jürgen,


    für Deinen überaus guten Bericht.


    Habe mir dieses Buch vor Jahren gekauft.

    Die Bücher wurden herausgegeben vom ehemaligen Bundesministerium

    für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte.


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    Besitze die gleichen Bücher vom selben Herausgeber auch von,


    Rumänien,

    Ungarn

    und 2 Bücher von der Teschechoslowakei.

    Hier war die Vertreibung besonders umfangreich.

    Liebe Grüße

    Josef

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