Abruzzen: Mit dem Wohnmobil zum Campo Imperatore und rund um den Gran Sasso

Es gibt 6 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Angi51.

  • Teil 1: Die Anreise


    2017 war unser Wunschziel das "Wilde Herz" Italiens, der Nationalpark Gran Sasso und Monti della Laga im Mittelitalien.
    https://de.wikipedia.org/wiki/…asso_und_Monti_della_Laga


    Im September 2016 hatten wir von der Küste aus schon einmal einen kurzen Ausflug in diese atemberaubende Berglandschaft gemacht und hatten uns dann vorgenommen, einmal mit dem Wohnmobil ein paar Tage dort zu verbringen.


    Wir starteten Anfang Juni und ließen uns für die Anreise Zeit mit Pausen am Idrosee , einem Bergsee in Oberitalien
    http://www.campingvenus.it/de/



    und am Trasimenischen See in Umbrien.
    http://www.campinglaspiaggia.it/




    Blick von der Rocca Richtung Camping La Spiaggia bei Passignano



    s.Kurzbericht hier
    (auch mit gesamter Übersichskarte s. dort # 26 )


    Bis kurz nach Assisi benützten wir die Autobahn und ab dort musste das Navi beweisen, was es kann, denn wir fuhren nur noch auf Nebenstraßen.



    Ich hatte zwar neben dem Navi eine gute und aktuelle Straßenkarte im Maßstab 1: 200 000 und doch klappte es nicht immer. Das Navigieren war oft eine Herausforderung ( zum Leidwesen des Fahrers :sad:)


    Nach den Erbeben 2016 und Anfang 2017 waren Straßen gesperrt, Umleitungen nicht erkennbar und so landeten wir ab und zu auf immer schmaler werdenden Schotterstraßen. Manchmal waren sie richtig, aber manchmal mussten wir auch umkehren und uns neu orientieren.


    Die Region ist eine geologisch äußerst unruhige Gegend. Im Jahr 2016 und auch Anfang 2017 hatten etliche starke Erdbeben die Region erschüttert und große Schäden angerichtet .


    Am Rande des Nationalparks Sibillinische Berge (Parco Nazionale dei Monti Sibillini), mitten im Erdbebengebiet, fanden wir diesen schönen Campingplatz.
    http://www.ilcollaccio.com/


    Il Collaccio




    Wer gut zu Fuß oder gern mit dem Pferd unterwegs ist, kann von hier aus zahlreiche lange Wanderungen oder auch Ausritte im Nationalpark machen. Mit dem Auto ist es derzeit nicht möglich , in die gesperrte "Zona rossa" zu fahren.
    Wie lange noch, das wusste niemand. Die Erde ist immer noch nicht zur Ruhe gekommen.


    Alles war auf Il Collaccio in bester Ordnung, schöne Stellplätze, modernste Sanitäranlagen und ein ausgezeichnetes Restaurant. Für Bewohner aus der Umgebung bietet dieses Agriturismo Camp ganz sicher begehrte Arbeitsplätze.


    Es gefiel uns dort und wir blieben dort ein paar Tage.


    Blick vom Campingplatz auf den 270 Einwohnerort Preci am Rand des NP Sibillinischen Berge - auf den ersten Blick unversehrt, aber zur Zeit teilweise nicht bewohnbar.




    So wie andere kleine Bergdörfer an den Berghängen in der Nähe von Preci



    Aus der Ferne gesehen, idyliisch gelegen : Collescille


    Erst mit dem Zoom erkennt man, was geschehen ist.



    Wir wussten es und waren vorbereitet. Ich hatte zu Hause lange im Internet zu "Erdbeben, Terremoto, Abruzzen" recherchiert und habe auch vor Ort noch nach der aktuellen Situation gefragt.
    Orte,die von Erdbeben zerstört waren, umfuhren wir möglichst großräumig ( z.B. Norcia, Amatrice)


    Auf diese Weise lernten wir andere hübsche kleine Städtchen kennen, wie z.B. den Wallfahrtsort Cascia, in dem die Heilige Rita verehrt wird, ( die Schutzheilige der Hausfrauen - ich hatte zuvor noch nie von ihr gehört)



    Unterwegs



    Das Städtchen Leonessa in Lazio



    Dorthin wären wir vermutlich nie gefahren , wenn die Hauptstraße SS 685 von Norcia nach Arquata del Tronto und Accumoli nicht gesperrt gewesen wäre.


    Die Piazza VII Aprile im Zentrum von Leonessa



    Eine Straße im 2400 Einnwohner- Städtchen




    Das Franziskanerkloster



    Unser erstes Ziel im NationalparkGran Sasso war der Lago di Campotosto in 1400m Höhe.
    Das Navi zeigte uns den (schnellsten) Weg über Capitignano, aber wir durften ihn nicht fahren.




    Und so mussten wir wieder einen größeren Umweg machen.
    Das war jedoch nicht schlimm, im Gegenteil, und wir hatten ja Zeit.


    ,


    Die Fahrt am Stausee entlang war ein Genuss für Augen und Nase.
    Weite Hänge waren bedeckt mit duftendem, goldgelbem Ginster.



    Am See hatte ich den Campingplatz Cardito am Passo di Lupo ausfindig gemacht-


    http://www.agricampingcardito.com/
    Dort oben befindet sich der Agricamping.




    Es ist in kleiner Platz mit 25 Stellplätzen, hoch über dem See mit weitem Ausblick.



    Es gefiel uns dort wieder so gut, dass wir gleich drei Tage dort blieben.



    Der kleine Ort Mascioni am Westufer des Sees ( vor allem ein Ort mit Ferienwohnungen)



    Blick zum Gran Sasso



    Wären wir Radlfahrer gewesen, so hätten wir den See umrunden können (ca 30 km), was unsere Campingnachbarn ( die einzigen, die außer uns auf dem Platz waren) mit Begeisterung gemacht haben.
    Im Sommer kann man im See Kajak fahren, surfen, kiten, Boot fahren und auch baden. Im Juni war das Wasser allerdings noch recht "frisch".


    Wir machten Spaziergänge , genossen den Ausblick auf das Gebirgsmassiv des Gran Sasso und ließen uns von der ausgezeichneten, regionalen Küche im kleinen Restaurant am Platz verwöhnen.




    Jeden Abend gegen 18 Uhr entzündete der Wirt ein Buchenholzfeuer, über dem dann Lammfleischspießchen und anderes Fleisch gegrillt wurde.


    Als Vorspeise gab es Kleinigkeiten aus der Region ( Mortadella di Campotosto , speziellen Pecorino, luftgetrocknetes Prosciutto ua., danach hausgemachte Pasta, dann Fleisch, ein paar Kartöffelchen und schließlich einen hausgemachten Nachtisch.


    Wir wollten dazu nur "aqua e un bicchiere di vino bianco",aber der Wirt war schlau und ahnte, dass das nicht reichen würde. Er stellte die Flasche Trebbiano einfach auf den Tisch. Sie war dann nach einiger Zeit auch leer.


    ( Der Trebbiano d'Abruzzo hat uns geschmeckt und der Wirt schenkte uns zum Abschied eine Flasche - zum Genießen unter dem Sternenhimmel des Campo Imperatore, wie er meinte. :grin: )


    Es war ungewöhnlich warm trotz der fast 1500m Höhe und das Wetter war nicht stabil.


    Wir wollen doch weiterfahren.


    Immer wieder zogen Wolken auf und der Gran Sasso versteckte sich.
    An Abend des 3. Tages ein Schauspiel über dem See :


    Nebel zog innerhalb kurzer Zeit über den See bis zu uns hinauf auf den Campingplatz.



    Ein versöhnlicher Sonnenuntergang- der Gran Sasso im Abendlicht.



    Aber am nächsten Morgen war alles klar- wir brachen auf.
    Blick zurück zum Camp Cardito oben auf dem Passo di Lupo.




    Wieder eine Umleitung.



    Unser Reiseführer (aus dem Müller Verlag) schwärmte von der Straße SP86 mit der alten Kirche San Pietro, aber die direkte Verbindung nach Fonte Cerreto war gesperrt und wir mussten einen großen Umweg mitten durch den dichten Stadtverkehr von L'Aquila machen.


    Einen Vorteil hatte der Umweg. Seit fast einer Woche waren wir an keinem Supermarkt mehr vorbeigekommen . Wir hatten zwar einige Vorräte dabei, aber nichts Frisches mehr.


    Ich wusste, dass es in den nächsten Tagen rund um den Campo Imperatore auch keine Einkaufsmöglichkeiten geben würde.


    So nutzten wir den Zwangsumweg zum Tanken und zum Einkauf, vor allem von Obst, Tomaten, Milch, Joghurt, Brot und Wasser.


    Und dann begann an der Talstation der Bergbahn in Fonte Cerreto die Auffahrt auf das Bergmassiv des Gran Sasso.



    Die Straße ist breit und gut ausgebaut und führt in weitem Bogen von der Seilbahnstation in Fonte Cerreto (1130m) hinauf zum Hotel in 2100m Höhe.




    Für Motorradfahrer und auch für nicht wenige Radfahrer sind diese mehr als 20 km eine beliebte Herausforderung.


    1000 Höhenmeter mit dem Fahrrad… Respekt…( Wobei es in Wirklichkeit mehr sind, da es unterwegs nach einem kleinen Pass bergab geht, bevor der Anstieg zur Bergstation beginnt.)


    Im Winter ist die Kabinenbahn in Betrieb, ist das Gebiet am Gran Sasso doch ein beliebtes kleines, schneesicheres Skigebiet mit ein paar Liftanlagen und von Rom aus über die Autobahn schnell erreichbar.


    An Wochenenden ist auch im Sommer einiges los, viele Tagesausflügler aus Rom und von der Küste genießen die grandiose Landschaft und unternehmen Bergtouren vom großen Parkplatz an der Bergstation aus.




    Oberhalb der Baumgrenze Almwiesen mit duftendem Klee und vielen Blumen.


    Auf den ersten Blick fallen die Blumen nicht sehr auf - man muss hingehen und genau betrachten.




    Das Gras stand noch recht hoch. Wenige Wochen zuvor, im Mai, lag da noch Schnee und Pferde und Kühe waren noch nicht hier heraufgetrieben worden. Das war letztes Jahr im September anders.



    Dort oben am Sattel stehen das Hotel und das Observatorium der Universität Rom und dort sind die (kostenlosen) Parkplätze.




    Wir wählten einen Parkplatz mit Aussicht an der vorderen Kante .




    Es war ein Samstag und bis gegen 16 Uhr war ziemlich viel los.


    Danach leerte sich der Platz. Es wurde sehr ruhig und nur wenige Fahrzeuge blieben ( so wie wir) über Nacht dort oben.



    Zum Nachtessen gab es endlich mal wieder frische Tomaten - und das auf 2100 m Höhe.




    Von den beiden Tagen auf dem Campo Imperatore und der Weiterfahrt in einem weiteren Teil :


    Teil 2 :
    Abruzzen: Zwei Tage auf dem Campo Imperatore



    Siehe auch Zusammenfassung der Reise hier

    Die Zugvögel grüßen aus Umbrien, den Abruzzen und der Toskana


    Elke

  • Hallo Elke,


    vielen Dank für diesen tollen Reisebericht mit atemberaubenden Fotos.


    Da habe ihr euch wirklich eine wunderschöne Reiseroute ausgesucht.


    Für mich sehr beeindruckend die kleinen Städtchen und Dörfer abseits des großen Tourismus.


    In deinem Reisebericht kommt es sehr informativ und bildlich mal rüber, das Italien nicht nur aus
    Strand, Sonne und Meer besteht, sondern aus vielen anderen schönen Fleckchen.


    Freue mich auf die Fortsetzung, egal wann.


    Liebe Grüße
    Steffi

  • Ich schreibe jetzt erstmal ,, Bin beeindruckt von dieser wirklich Atemberaubenden Landschaft und warte auf den zweitem Teil.


    Tolle Bilder die du uns da zeigst.

    Liebe Grüße :auto3:


    Es geht nicht darum , dem Leben mehr Tage zu geben ,

    sondern den Tagen mehr Leben.

    Cicely Saunders

  • Eine wundervolle Landschaft, die Du uns zeigst, Elke. Ich bin richtig beeindruckt. Tolle Fotos! :thumbsup:
    Ich kann mir vorstellen, dass man lange an so einen schönen Urlaub zurückdenkt. :)


    Ich freue mich schon auf die Fortsetzung. :wink:

    El mundo es un libro, y quienes no viajan leen sólo una página. (Aurelio Agustín)
    Gruß Jofina

  • Ich bekomme Herzschmerzen, wenn ich deine Bilder betrachte, liebe Elke. Was gibt es nicht alles zu sehen auf der Welt. Die Abruzzen ziehen uns nun ebenso an wie der Durmitor, den du uns ja auch schon vorgestellt hast.


    Herzlichen Dank für deinen Bericht,
    Irmgard und Klaus

    Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das Leben will.
    (Albert Schweitzer)

  • Wunderschön eingefangen, ja und es muss nicht immer Speck sein wenn man in den Bergen unterwegs ist. ^^
    Da bekommt man Reiselust, packt einem das Fernweh!
    Danke und liebe Grüße
    aus dem Zirbenland
    Richard Bruce

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