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Gastfreundschaft in Bosnien

  • Gast001
  • 10. September 2009 um 20:24
  • Gast001
    Gast
    • 10. September 2009 um 20:24
    • #1

    Gastfreundschaft in Bosnien

    Wir waren dieses Jahr nun schon zum wiederholten Mal bei Radomir auf dem Campingplatz Ivan Do auf 1400m Höhe in Zabljak in Montenegro.

    Radomir, der Campingplatzbesitzer, war schon immer sehr freundlich und hilfsbereit gewesen.

    Schon letztes Jahr waren wir einem Mann aus Bosnien begegnet, der allerhand Arbeiten auf dem Campingplatz machte, zu dem wir aber wenig Kontakt hatten.

    Es war Beli, an dessen Erfindungsgeist wir uns letztes Jahr erfreut hatten.
    https://www.schoener-reisen.at/forum/showthread.php?t=1140

    Mit großer Herzlichkeit wurden wir auf dem Campingplatz empfangen.

    Außer Radomir waren noch seine Schwester da, von allen Beba genannt, sowie Belis Familie, Vesna und Sohn Miro, ein aufgeweckter 10jähriger Schlingel, der den ganzen Tag in Bewegung war.

    Obwohl wir nicht Montenegrinisch sprechen und verstehen, Beli und Vesna kein Deutsch und kein Englisch und Radomir nur wenige Wort Deutsch, so hatten wir Tag für Tag zunehmend Spaß miteinander und es gab viel zu lachen.

    An einem Nachmittag kam Vesna und machte mir klar, dass ich nichts zum Nachtessen vorbereiten solle – wir waren zum Essen eingeladen.

    Was tun??
    Die Einladung anzunehmen war die einzige Möglichkeit, wenn wir sie nicht beleidigen wollten.

    Und so fanden wir am Abend einen weiß gedeckten Küchentisch vor – in einer Art Peka war ein riesiges Huhn, gut gewürzt ,knusprig gebraten samt Kartoffeln. Dazu gab es Tomatensalat , Brot und Getränke( Wein, Bier, Wasser…)

    Beim Essen versuchten wir uns wieder – wie schon zuvor – unter großem Gelächter mit Händen und Füßen zu verständigen. Mir gelang es, Beli und Vesna zu erklären, dass wir weiterfahren wollen nach Visegrad in Bosnien, um dort die berühmte Brücke über die Drina zu sehen, ein UNESCO Weltkulturerbe.

    Nun kam die Überraschung: Beli und Vesna kommen aus Visegrad!

    Und nun ging es schnell: wir wurden gefragt, wann wir in Visegrad sein würden und dass wir dort herzlich willkommen seien.

    Wir nannten einen Tag, den Mittwoch, ohne sicher zu sein, dass wir diesen Zeitplan würden einhalten können.

    Die bosnische Familie, auch Beli, fuhr am nächsten Tag ab, wir zwei Tage später.
    Wir hatten uns eine zweitägige Fahrt vorgenommen, wussten aber nicht, was uns auf dieser Strecke erwarten würde.
    Siehe Berichte:
    https://www.schoener-reisen.at/forum/showthread.php?t=1697
    https://www.schoener-reisen.at/forum/showthread.php?t=1699

    Nachdem wir am Dienstag Abend in Foca übernachtet hatten ( was so gar nicht geplant gewesen war) fuhren wir an der Drina entlang in Richtung Visegrad.

    Die Mobilnummer von Vesna hatte ich.

    Gleich am Ortseingang befindet sich die berühmte Brücke. Ein Parkplatz war schnell gefunden. Ich war begeistert und fing an zu fotografieren.

    Ich traute meinen Augen nicht: Vesna und Sohn Miro standen auf der Brücke und winkten uns zu. Sie hatten schon den ganzen Morgen auf uns gewartet und uns kommen sehen.

    Die Freude war echt – und riesig.

    Ich weiß nicht, was sie so sicher gemacht hat, dass wir wirklich kommen würden. Wir hätten unterwegs auch leicht steckenbleiben können. (Vielleicht hatten sie auch ihre „Späher“ unterwegs- wir waren ja nicht zu übersehen: außer unserem Wohnmobil gab es auf der ganzen Strecke kein zweites)

    In Belis neuem Lada fuhren wir zum Wohnhaus oben am Hang in schöner Aussichtslage.
    Die Familie hat im Krieg einiges erleiden müssen, mehrmals flüchten und neu anfangen müssen und vor 10 Jahren hat Beli in Visegrad den Rohbau, fast eine Ruine, eines Hauses gekauft und alles in eigener Arbeit gerichtet.
    (Er arbeitet im Sommer als „Gastarbeiter“ in Montenegro , weil es in Visegrad keine Arbeit gibt. – 14 bis 16 Stunden für wenig Geld)

    Ein schmuckes Anwesen: innen und außen!!!

    Ein herrlicher Blick hinunter in das Drinatal.

    Vesna liebt Blumen

    So etwas hatten wir nicht erwartet.

    Dann eine Überraschung:
    Ein Schaf war am Abend zuvor geschlachtet worden und drehte sich schon seit den frühen Morgenstunden am Spieß. – Für uns!!!

    Die Vorrichtung genial: eine Fahrradkurbel, ein Scheibenwischermotor und eine Autobatterie ….und
    der Spieß drehte sich zuverlässig.


    Es duftete schon verführerisch, aber das Fleisch war noch nicht gar.

    So machten wir eine Besichtigungsrunde:

    Selbstversorger in vielerlei Hinsicht!
    Zwetschgen ( für eigenen Slivo), Trauben an der Hauswand, Kartoffeln, Bohnen, Möhren, Kürbisse, Kraut und Tomaten, von denen eine fast ein Kilo wiegen mochte.

    Blick in den Garten und in den Hof


    Neben Schafen, Hühnern auch noch diese hier ( einschließlich 3 Ferkel, 3 Wochen alt):

    Im Garten weidete unter Zwetschgenbäumen eine kleine Schafherde.


    Der Großvater und ein Bruder waren gekommen und auch jetzt war es wieder wie auf Ivan Do: mit Händen und Füßen wurde erzählt und viel gelacht.

    Das Mittagessen: Eine gut gewürzte Bohnensuppe und danach köstliches gebratenes Schaf und eigene Kartoffeln.

    Die Gastgeber und der reich gedeckte Tisch

    Unser Wohnmobil stand noch unten in der Stadt auf einem Parkplatz.

    Nach dem Essen lud man uns zu einem Ausflug zu einem Kloster ein.

    5 Erwachsene und der kleine Miro wurden in den Lada gepackt und es ging los in Richtung der serbischen Grenze, die nur wenige Kilometer von Visegrad entfernt ist.

    Dobrun ist ein alter Standort für ein serbisch-orthodoxes Kloster.

    Diese Region war im letzten Krieg sehr umkämpft. Die Schäden sind heute noch in vielen der kleinen Dörfer zu sehen.
    Auch das Kloster musste nach dem Krieg neu aufgebaut werden. Heute ist es eines der wichtigsten und größten Klöster in Bosnien und Hezegowina.

    Früher führte die Schmalspurbahn an Dobrun vorbei, eine Bahnlinie von Belgrad nach Sarajevo , die im 19. Jahrhundert von den Österreichern gebaut wurde.

    Die Kirche ist innen restauriert und recht einfach gestaltet.

    Glücklicherweise konnten an der Rückwand die 500 Jahre alte Fresken erhalten und restauriert werden.


    Ikone in einem alten Baumstamm ( Olive? )

    Spontan wollten unsere Gastgeber uns noch eine Sehenswürdigkeit 4 km jenseits der bosnisch – serbischen Grenze zeigen.

    Straße kurz vor dem Grenzübergang nach Serbien

    Ich hatte nur die Personalausweise in meine Fototasche eingesteckt – aber es gab für uns Deutsche keine Chance, ohne Reisepässe nach Serbien einzureisen. Und die Reisepässe waren in meiner Tasche in Visegrad. Schade.

    Es war auch schon gegen Abend und so wir machten noch einen Spaziergang durch die Stadt.
    ( siehe https://www.schoener-reisen.at/forum/showthread.php?t=1709.)

    Im Haus hatte Vesna schon die Betten für uns gerichtet.
    Wir wollten aber im Wohnmobil schlafen.
    Vor dem Haus am Berg war aber nicht genügend ebener Platz für unser Fahrzeug, auch war die Zufahrtsstraße etwas schmal.

    Beli besorgte uns einen ruhigen Platz unten in der Stadt und informierte die Anwohner (seine Freunde) darüber, wer wir sind.

    So fühlten wir uns sicher und hatten eine ungestörte Nachtruhe.

    Zum Frühstück wurden wir wieder abgeholt und nach herzlichem Abschied verließen wir am frühen Vormittag Visegrad, von der Familie mit dem Auto bis zum Stadtrand geleitet.

    Ich wusste nicht, wie wir wenigstens ein klein wenig zeigen konnten, dass wir diese ungewöhnliche Gastfreundschaft in hohen Maße genossen haben.

    Ich hoffe, Vesna hat den Umschlag gefunden, den ich auf einen Tisch gelegt habe - am 1. September war Schulbeginn in Visegrad und bestimmt braucht Miro einiges an Büchern und Schulmaterial.

    Eines ist uns klar: Bezahlen kann man eine solche Gastfreundschaft nicht.

    Man kann sie nur genießen und dies auch zeigen.

    Manchmal muss man halt einfach dankbar akzeptieren, dass man mehr bekommt als man zurückgeben kann.

    ELMA

  • Hartmut
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    Unser Planet
    • 10. September 2009 um 21:22
    • #2

    Elma das ist ein ganz ganz toller Beitrag.

    Solche Freundschaften kann man nicht kaufen, aber erleben. Solche Erlebnisse bleiben ein Leben lang im Herzen.
    Warum klappt solch ein Miteinander nur zwischen einzelnen?
    Toll, dass Euch das widerfahren ist. In dem Gebiet ist es mit dem Vertrauen immer noch ein Problem. Es benötigt Zeit, aber es wird wenige so herzliche Bekanntschaften geben, wie ihr es angetroffen habt.

    [COLOR="#0000CD"]Entdecke die Welt, wie einst Captain Cook, Baedeker oder Marco Polo[/COLOR]

    Carpe Diem Annette und Hartmut

    [COLOR="#008080"]Wissen schafft Wissen - jeden Tag entsteht neues Wissen![/COLOR]

  • Maria
    Gast
    • 10. September 2009 um 21:45
    • #3

    Hallo ELMA, ein toller Bericht, ich bin echt gerührt, was ihr erlebt habt, diese Gastfreundlichkeit. Die Landschaft und die einzelnen Gebäude sind auch sehr beeindruckend!!

    LG Maria

  • wallbergler
    Gast
    • 10. September 2009 um 22:34
    • #4
    Zitat von Hartmut

    Warum klappt solch ein Miteinander nur zwischen einzelnen?

    Entschuldigt, ich muss hier gleich eingangs mal Hartmut zitieren.
    Seine Kernfrage ist die Richtige.
    Aber, wir werden es wohl nie genau wissen.

    Wie unendlich grausam ist es doch, dass einige Wenige , ganze Völker vernichten können.
    Die, die sich von Anfang dagegen stemmen könnten , so lehrt die Geschichte, können es nicht, weil sie im Sumpf der Korruption und wirtschaftlicher Interessen von vorne herein schon gehandicapt sind. Und später, ev. doch noch eingreifen müssen, aber dann um zu den Kriegsgewinnlern zu gehören.
    Oh mei, wie wohltuend und voller Hoffnung schöpfend ist doch diese Geschichte hier mit Elkes
    Freundschaften.
    Menschen, vor denen man niederknien müsste, angesichts ihrer ungebrochenen innerlichen Stärke und Widerstandskraft. Menschen, die sich mit einfachsten Mitteln und genialen Erfindergeist zu helfen wissen.
    Leute wie deine geschilderten Freunde Radomir , Beli usw. die ihren Lebensmut nie verloren haben und immer noch das Gute im Menschen entdecken.
    Die mit nie gezeigter Herzlichkeit und Gastfreundschaft ihr letztes Hemd verteilen würden.
    Das trifft tief.
    Und sollte vor allen Dingen jene aufrütteln, die mit steten, mehr als banalen Alltagsproblemen anderen auf den Geist gehen.
    Mit ätzender Peinlichkeit andere nerven. Die wegen kleinster Probleme Klagen einreichen.
    Eine wahrhaft verkehrte Welt.
    Liebe Elke,
    ich beneide dich ganz ehrlich um diese wertvollsten Menschen, die du, die ihr , zu euren Freunden zählen dürft.
    Vor diesem Hintergrund, verzeih, verblasst fast dein aufwändiger Bericht mit wunderschönen
    Bildern aus dem Leben einer fast autarken Familie.
    Es zeigt, dass in diesem gebeutelten Land die Hoffnung weiterlebt.
    Vielen , vielen Dank
    Helmut

  • Maria
    Gast
    • 10. September 2009 um 23:03
    • #5

    Und es zeigt, dass die, die wenig haben meist mehr glücklich sind und eben so was erleben dürfen, als die, die viel haben und nix abgeben wollen, die können das auch, aber auch gut möglich, dass es nie auf diese herzliche Art und Weise geschieht.

    LG Maria

  • Josef
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    • 11. September 2009 um 00:29
    • #6

    Hallo Elma!

    Ein wirklich ergreifender Bericht.

    Habe diesen Bericht 2 Mal gelesen so ergreifend und Interessant ist er.

    Liebe Grüße

    Josef

    Liebe Grüße

    Josef

  • Ini und Micha
    VIP Mitglied
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    • 11. September 2009 um 08:37
    • #7

    hallo Elma,

    bei solchen Berichten weiß man zuerst nicht, was man sagen soll.

    dass eure Freunde erst ein Huhn und dann noch ein schaf geschlachtet haben ist sehr rührend - denn einfach war es sicher nicht für sie, da sie ja Selbstversorger sind.

    ansonsten hast du uns richtig tolle Bilder gezeigt. Auch was alles neu erbaut werden musste.

    vielen vielen Dank!

    liebe Grüße

    Ini

    [CENTER][SIGPIC][/SIGPIC][/CENTER]

  • tosca
    VIP Mitglied
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    • 11. September 2009 um 11:27
    • #8

    Liebe Elke,

    Dein Bericht hat mich sehr berührt, solche Erfahrungen prägen einen - Danke, daß Du uns teilnehmen hast lassen!

    :blume17: Grüssle von Sylvi

    Nicht woher der Wind weht, sondern wie man die Segel setzt, darauf kommt es an!

  • vadda
    Gast
    • 13. September 2009 um 13:02
    • #9

    Hallo Elke,

    es ist alles schon geschrieben, da bleibt uns nur noch ein herzliches Dankeschön!!!

    Liebe Grüße,

    Irmgard & Klaus

  • Tom
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    • 13. September 2009 um 13:59
    • #10

    Hab ich erst jetzt gelesen.
    Bilder sowieso sehr schön, mehr oder weniger unbekanntes Gebiet.

    Aber die ganze Geschichte, mit der Gastfreundschaft dieser Familie, finde ich so wunderbar und rührend das mir fast die Tränen kamen.
    Ich konnte das einmal erleben, auf der Insel Korcula, als wir bei einer privaten älteren. Familie wohnten
    In diesen Ländern, wo man denkt jeder hasst jeden seit dem Krieg, gerade do is es ganz anders als wir denken.
    Eine Herzlichkeit die es wirklich nur sehr selten gibt, zumindest in unseren Gefilden.

    Danke für diese Geschichte (Bericht will net sagen)

    Schöne Grüße

    Tom

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