1070 Wien, Neubau, Stiftgasse 10
Ein Zufall, eine Fügung, hat mich zu diesem Nepomuk gebracht, der sich bislang vor mir versteckte. Eine Freundin von mir wohnte 1978 im Haus Stiftgasse 10. An eine Nepomukstatue konnte sie sich nicht erinnern, der war ja damals für sie kein Thema. Aber als sie vor ein paar Tagen in Willhaben eine Wohnungsannonce fand, bei der auch dieses Bild vom Innenhof gezeigt wurde, verständigte sie mich, wohl wissend, dass es sich um das Haus Stiftgasse 10 handelt:
Kennst du diesen Nepomuk, fragte sie mich. Ich kannte ihn nicht. Er ist auch nicht in der recht umfangreichen Wiki Liste der Nepomukdarstellungen in Wien vertreten. Also fuhr ich zum Spittelberg, wie dieses Viertel genannt wird, wo noch viele alte Häuser stehen.
Das barocke Haus "Zum heil. Vincenz No 102" hat heute die Adresse Stiftgasse 10, bzw. auf der Rückseite Schrankgasse 3. So sieht es von der rückwärtigen Seite aus:
Das Haus wurde in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gebaut, als in Wien der Nepomukkult einsetzte.
An der Vorderfront befinden sich rechts oben der hl. Vinzenz Ferrér mit flammendem Schwert und Flügel (Engel der Apokalypse, nicht zu verwechseln mit Vinzenz von Paul!). Links begleitet ihn Maria. Als Dominikaner war er stark mit der schmerzhaften Muttergottes verbunden.
Darunter sind allegorische Putten von Herkules (rechts) und Minerva (links) zu sehen. An Symbolik mangelte es zu dieser Zeit nicht.
Im nahegelegenen Bezirksmuseum im Amerlinghaus gibt es auch noch eine alte Fotografie aus der Zeit um etwa 1900, es muss nach 1904 sein, da auf dem Schild beim rechten Laden das Glockenbrot beworben wird. Die Bäckerei wurde 1904 in Offenbach am Main gegründet.
Quelle: https://sammlung.wienmuseum.at/objekt/562560-…zum-hl-vinzenz/
Betreten wir nun dieses alte Haus, steht man in einem quadratischen atriumähnlichen Pawlatschenhof. Im ersten Stock fallen sogleich die beiden Schutzpatrone des Hauses, Florian gegen Brandgefahr und Nepomuk gegen Wassergefahren, auf. Dieser Hof ist so typisch für das barocke Wien!
Im ersten Stock betrachten wir den Hof und die Figuren.
Dem Nepomuk hat man Besen und Schaufel beigestellt sowie ein langes Schilfgras in die Hände gesteckt. Diese Deko stellte ich für die weiteren Fotos beiseite.
Nun schauen wir uns die Figuren genauer an, sie sind vor Wetter geschützt und gut erhalten.
Nepomuk ist nahe am Wasser neben der Bassena positioniert.
Vor dem Strahlenkranz sind auch seine fünf Sterne angebracht.
Dieses barocke Haus mit den Heilgen Florian und Nepomuk am Originalstandort ist ein schönes Beispiel dafür, wie der hl. Nepomuk im frühen 18. Jahrhundert in den privaten Bereich eines Innenhofs eingezogen ist. Wien ist immer für Überraschungen gut.
Johannes