Wanderung auf den Felsen von Gibraltar

Es gibt 10 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Daniel_567.

  • Gibraltar ist die letzte Kolonie in Europa. Der Felsen ganz im Süden der Iberischen Halbinsel gehört seit Jahrhunderten zu Großbritannien. Ich habe einen Zwischenstopp unseres Kreuzfahrtschiffs, der Costa Magica im April dazu genutzt, mal zu Fuß auf den Felsen zu laufen. Das macht kaum jemand, weil zum einen es meist sehr warm ist, zum anderen mehr als 400 Höhenmeter zu überwinden sind und dazu meist vermeintlich gar keine Zeit dafür verbleibt.



    Wer die Augen offen hält, findet auch den Weg nach oben. Etwas nördlich der Seilbahn ist dieser für Fußgänger angeschrieben



    Es sind einige Treppen zu überwinden bis man an einen Fahrweg gelangt.



    Am Weg sieht man die Enge, in welcher die Häuser am steilen Hang errichtet wurden.



    Trotzdem schafft sich mancher ein kleines grünes Reich.




    In der Bucht zwischen Algeciras in Spanien und Gibraltar warten einige Schiffe darauf, abgefertigt zu werden.



    6 € Eintritt in den Naturpark ist nicht viel wenn man zum Vergleich die Seilbahn mit gut 25 € oder den Kleinbus in der selben Preislage nimmt. Insbesondere wenn wie in meinem Fall Kreuzfahrtschiffe anlegen, kommt es schnell an der Talstation zu Wartezeiten von über einer Stunde. Das alles blieb mir erspart. Dafür habe ich viel mehr gesehen als die anderen, die oben am Felsen nur die Affen fotografiert haben.



    Seit Jahrhunderten ist der englische Felsen als Militäranlage ausgebaut worden. Zuerst gegen die Spanier und Franzosen, zuletzt im Zweiten Weltkrieg gegen unsere Landsleute. Keiner hat Gibraltar bis heute bezwungen.



    Die erste Festung am Weg ist Moorish Castle.



    MItten im Bild die Landebahn des Flughafens. Rechts davon der spanische Grenzort La Linea.



    Die Tunnels aus dem letzten Krieg haben mich nicht sonderlich interessiert. Es war scheinbar auch niemand drin. Bei so einem Traumwetter mit zugegeben ziemlicher Hitze wollte ich nicht ins kalte dunkle Loch.







    Sehr anschaulich wird in einer anderen Festung der Alltag der Soldaten dargestellt. Dazu tönt aus den Lautsprechern Geballer, Musik oder Stöhnen oder Singen.




    Der Dienst konnte manchmal ganz schön langweilig sein. Wie gut, daß man mit dem Bajonett dann die Wände beschriften durfte.







    Der letzte Ofen zum Brennen von Kalk auf der Halbinsel. Dieser war nicht nur nötig um Zisternen zu kalken und somit wasserdicht zu machen, sondern diente auch als Wandfarbe und zum Verteilen auf die vielen Toten um Seuchen zu vermeiden. Tote gab es ständig. Gibraltar war oft in Kriege verwickelt.



    Wer mit so einem Kleinbus nach oben fahren möchte muß genauso warten wie der Seilbahn-Tourist weil die Fahrer erst starten, wenn das Auto gefüllt ist.



    Die Kanone zielt auf die Costa Magica, die am neuen Kreuzfahrtterminal vor Anker liegt.



    Quer über die Rollbahn führt die einzige Zufahrt nach Gibraltar. Startet oder landet ein Flugzeug, wird der Grenzübergang kurzfristig geschlossen.





    Gelegentlich gibt es solche Rastplätze. Zum Glück habe ich ausreichend Getränke mitgenommen. Lediglich an der Bergstation der Bahn und ganz im Süden des Felsens gibt es eine Verpflegungsstation.







    Vereinzelt sind auch in die steilen Hänge Häuser gebaut. Die Gärten sind individuell mit mediterranen, teils die Trockenheit liebenden Pflanzen bewachsen. Süßwasser war bin in die Neuzeit immer knapp auf der Halbinsel. Trotzdem gelang es den Belagerern nie Gibraltar auszuhungern oder verdursten zu lassen.



    Fortsetzung folgt...


    jürgen

  • Deine Entscheidung, zu Fuß dort hinaufzusteigen war absolut richtig ( Solang Du so etwas machen kannst , tu es!!)

    Du hast entschieden mehr gesehen als andere Touristen.( Und wir hier im Forum somit auch)

    Dein neuer Bericht ist eine schöne Ergänzung zu dem , was Du vor ein paar Jahren über Gibraltar berichtet hast,

    Ein Tagesausflug nach Gibraltar in Südspanien

    Danke dafür!


    Aber Bilder von den frechen Affen hast Du nicht gemacht , oder?( Da hätte es doch sicher keine Probleme mit dem Datenschutz gegeben... ;)


    Aber ich lese gerade

    Fortsetzung folgt...

    :thumbsup:


    Viele Grüße,

    Elke

  • In Posting #13 von dem Thread "Ein Tagesausflug nach Gibraltar in Südspanien"

    hatte ich einige alte Fotos hinzugefügt, u.a. auch Bild von einem der "berühmten" Affen. ;)


    Aber ich denke, Jürgen, Du wirst wohl auch einige Nachkommen fotografiert haben.


    Wir waren 1997 auf unserer Andalusien-Reise dort oben auf dem Aussichtspunkt, jedoch sind wir mit dem Bus hinauf gefahren worden. ;)

    El mundo es un libro, y quienes no viajan leen sólo una página.(Aurelio Agustín)
    Gruß Jofina

  • Hallo zusammen


    Klar gibts eine Menge Affenbilder. Außerdem bin ich ja im Bericht noch nicht oben angekommen. Das konditionelle Highlight folgt erst noch auf dem Weg zum Gipfel. Dazu bin ich auch einen anderen Weg wieder runter in die Stadt gegangen. Auch da gab es einiges zu sehen. Lasst euch also überraschen.


    Jetzt muss ich aber im Meer schwimmen. Es ist heiß hier in liznjan.


    Grüße


    Jürgen

  • Jürgen´, danke für den herrlichen Bericht von Gibraltar.

    Sind schon neugierig auf die Fortsetzung.

    LG Josef

  • ...und weiter gehts mit meiner Wanderung in der Hitze auf den Felsen von Gibraltar.



    Kennt jemand diesen Vogel?



    Das erste Schild auf welchem auf die Affen hingewiesen wird.



    Die Treppe hatte es in sich. Eigentlich kommt man da schnell nach oben wenn es nicht in der prallen Sonne so affenheiß wäre. Sie ist Teil einer Festungsmauer aus dem Jahr 1556, die vor einigen Jahren restauriert und schließlich ab 2008 begehbar gemacht wurde.



    Weit unter mir mit dem Tele herangezoomt ein Hotelpool. Wie gerne wäre ich jetzt da drin.



    Lagerhallen




    Die Costa Magica wird gerade betankt. Dazu geht ein Tankschiff längsseits.




    Trotz vieler Schweißperlen auf der Stirn bin ich froh, nicht mit einer genauso schwitzenden Menschenmenge in der Kabine nach oben zu fahren.



    In diesem Wassserbecken befindet sich Trinkwasser für die Affen.



    Endlich - der erste Berberaffe auf einem Baum direkt neben der Treppe.



    Oben angekommen stelle ich fest, daß die Touristen wohl die Affen mit allen möglichen mitgeführten Lebensmitteln füttern. Orangen und Nüsse jedoch stammen von einem Militärangehörigen der für das leibliche Wohl der Tiere abkommandiert ist.




    Unterhalb des steilen Osthangs befindet sich eine Wohnanlage mit künstlichem Strand, der durch einen Steinwall vor den Wellen geschützt ist.





    Kaum zu erkennen ist mitten im Bild über einem Abgrund ein sogenannter Skywalk. Der besteht aus einer Panzerglasplatte, die begehbar ist.












    Der Affe hat die Tüte in meiner Anwesenheit aus dem offenen Rucksack von polnischen Touristen geklaut. Die darin befindliche Bierdose konnte er nicht öffnen.



    Fortsetzung folgt...


    jürgen

  • danke Johannes für die Info. Ich dachte mir schon, daß es sich hier um eine Art von Fasan handelt.


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    Solche Ringe finden sich an vielen Stellen der beiden Zufahrtswege auf den Berg.


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    Die Ringe befinden sich meist gegenüber oder schräg gegenüber.


    Gesetzt der Fall, der Feind hätte an der Küste landen können, dann wäre ihm der Zugang nach oben versperrt geblieben, weil quer über die beiden Wege schwere Ketten gespannt waren. Macht sich der Feind an diesen Hindernissen zu schaffen, dann sind die Gegner ein leichtes Ziel für die Kanoniere oben am Berg, die in geschützten Stellungen nach unten feuern können.


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    Die Verteidiger haben zuvor dafür gesorgt, dass die Sperren dort angebracht sind, wo freies Schussfeld herrscht.


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    Der Feind kam übrigens meist aus Spanien oder Frankreich. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg war unseren Landsleuten das Risiko einer Eroberung von Gibraltar zu groß.




    jürgen

  • ...und weiter gehts mit der Wanderung oben auf dem Felsen.



    Jede Menge Berberaffen.











    Ich gehe weiter zum Skywalk. Der kostet keinen extra Eintritt.





    Der weit entfernte Küstenabschnitt rechts vom Felsen gehört zur spanischen Provinz Andalusien. Irgendwo da sind die Nobelorte Estepona und Marbella.





    Die Taxifahrer wissen natürlich was ihre Gäste sehen wollen. Mit ein paar Knabbereien lockt man fast jeden Affen ans Autofenster und animiert ihn zum langsamen Mitfahren.



    Weit draußen liegt ein Megatanker auf Reede und wird betankt. Wie auch die Costa Magica nutzt dieser Reeder die niedrigen Preise für Schweröl und Diesel in Gibraltar. Als wir seinerzeit mit dem Mietwagen vor Ort waren, haben wir es nicht anders gemacht. Nur sind wir bei den paar Litern nicht reich geworden. ^^







    Die schmale Straße auf den Berg ist nur in einer Richtung zu befahren. Fußgänger müssen oft ausweichen. Allerdings fahren die Sammeltaxen entsprechend langsam.



    Ein großartiges Gefühl überkommt mich als überzeugten Royalisten als ich am selben Platz stehe wie mehr als ein halbes Jahrhundert zuvor Königin Elisabeth II. ;)





    Ja wen haben wir denn da?



    In Europa habe ich auch noch nie einen Gecko gesehen.









    Auch dieser verrostete Zaun diente einstmals Verteidigungszwecken. Auf der anderen Seite des Felsens war der eher nicht nötig. Da gibts fast nur steile Felswände.





    Direkt neben der Straße wurde der Boden durch Beton versiegelt. So hat man eine Wasserauffangfläche gewonnen. Das Wasser floß in große Zisternen. Trinkwasser war bis in die jüngste Zeit immer Mangel auf Gibraltar.



    Gut zwei Stunden nach Beginn meiner Höhenwanderung komme ich wieder runter in die Stadt. Bebaut wird praktisch jeder Fleck - und sei er noch so steil. Das führt zu abenteuerlichen Konstruktionen. Folglich sind natürlich auch Wohnimmobilien extrem teuer.











    Auch oberhalb dieser Säulen befindet sich ein Haus.



    Ist erst mal der Felsen abgetragen und mit Stahlbeton armiert, ist schon eine große Summe investiert bevor überhaupt mit dem Bau des Hauses begonnen werden kann. Wie praktisch ist es da, daß hunderttausende von Firmen nichts anderes als einen Briefkasten und jemanden benötigen, der die eingehende Post weiterleitet. Einen "steueroptimierten Firmensitz" nennt man das heutzutage. Für Otto Normalverdiener wie mich lohnt sich das wohl nicht.



    Mein Bericht entdet noch nicht ganz weil auf dem Weg zum Schiff der kleine botanische Garten von Gibraltar liegt. Den mußte ich mir natürlich auch noch ansehen.


    jürgen

  • Endlich wieder unten in der Stadt mit etwas mehr Schatten als am überwiegend sonnigen Westhang.


    Gleich nach den ersten Häusern liegt der Botanische Garten von Gibraltar am Weg. So bot es sich an, daß ich diesem (Eintritt frei) auch einen Besuch abgestattet habe.




    Fragt mich nur nicht nach den Namen aller hier versammelter Pflanzen.













    Auch der Botanische Garten ist in den Hang hineingebaut.







    Die drei Türme sind das Wappen der Kolonie. Um eine solche handelt es sich bei Gibraltar auch heute noch.








    Das ist Giuseppe Coldi, der Ende des 19. Jahrhunderts den Garten geschaffen hat. Eine gute Idee wie ich meine. Gab es dort doch über Jahrhunderte hinweg immer nur Krieg.






    Sicherlich wundert sich mancher, wieso kaum Menschen im Botanischen Garten zu sehen sind. Das ist einfach zu erklären. Viele Besucher kommen als Tagesgast mit dem Kreuzfahrtschiff oder dem Bus und manche sogar mit dem Pkw, wobei das Parken ein Problem ist.


    Gibraltar ist deren Ziel zum Einkaufen. Ganz oben auf der Liste stehen Alkohol, Tabak, Uhren, Elektronik und Textilien. Die Schiffseigner kommen zum Tanken hierher. Da bleibt gerade mal Zeit, "schnell" rauf auf den Affenfelsen zu schweben oder fahren, ein paar Bilder zu knipsen und schon ist der Tourist wieder weg. Damit dient der Botanische Garten, zumal er nicht am direkten Weg in die Läden der Innenstadt liegt, vor allem den Einheimischen zur Erholung.




    Nicht weit entfernt vom Botanischen Garten stehen solche Mietskasernen. Da bot es sich an, mir anzuschauen, wie denn Otto Normalverbraucher in der Kronkolonie so lebt. Schließlich gibt es dort nicht nur die "Schönen und Reichen" sondern auch Menschen, die als Verkäufer in den vielen Geschäften oder als Hausmeister oder Handwerker tätig sind. Die können sich wohl die Luxus-Wohnungen oder Häuser am Meer oder am Hang kaum leisten.



    Der Hauseingang ist offen. Also rein in die gute Stube.



    Nicht schlecht, wie ich meine. Optisch ansprechender gestaltet sind diese Häuser jedenfalls schon im Vergleich zu mancher deutschen Mietskaserne.



    Das war er auch schon, mein schweißtreibender Spaziergang ganz hinauf auf den Felsen und wieder zurück. Danach habe ich mir ein kühles Bier gegönnt und konnte somit nicht allzu erschöpft zurück zum Schiff gehen. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, nicht mit dem Minibus oder der Seilbahn nach oben zu fahren. Zu Fuß gehts langsamer, gesünder und man sieht viel mehr als durch eine Glasscheibe. :)


    jürgen

  • Hallo Jürgen.


    Wieder ein schöner bebilderter Bericht von Dir, danke.:)

    Auch die Hintergrundinfos finde ich sehr interessant, wie dort so ein Wohnblock von innen aussieht. Hat so ein bisschen den Charme der frühen 70er.


    Viele Grüsse, Daniel.

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