Der Eichkogel bei Mödling

Es gibt 28 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Johannes56.

  • Was da alles so wächst! Unglaublich!

    Aber ob ich das sehen und beachten würde wenn ich da vorbei laufe bezweifle ich?


    Du kennst Dich sicher auch im Tiereich aus, Johannes.

    Hat der Diptam Besuch von einer Raupe die einmal ein Schwalbenschwanz werden will?


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    fragt waldi :174:

    Und immer neugierig bleiben!

  • Sommerwurzen - Orobanchen und Phelipanchen


    Heuer war ein ungewöhnlich warmer Mai und auch der Juni war sehr warm und trocken. Mitte Juni ist der Eichkogel heuer bereits in spätsommerlichem Gewande:






    Das Echte Labkraut - Galium verum mit seiner gelben Blüte beherrscht das Szenario:




    Der Acker-Wachtelweizen - Melampyrum arvense - zählt zu den stark gefährdeten Pflanzen und blüht heuer auch nicht so üppig wie in vergangenen Jahren:




    Die Sommerwurzen habe ich heuer nahezu versäumt oder sie zeigten sich spärlich oder gar nicht.


    In der Nomenklatur hat sich in den letzten Jahrzehnten einiges geändert, so wurden die Phelipanchen ausgegliedert und im Deutschen Sprachgebrauch unterscheidet man Sommerwurzen (Orobanchen) von den Blausommerwurzen oder Blauwürgern (Phelipanchen). Jeder der einzelnen Arten hat ihren eigenen, charakteristischen Duft.


    Der Bestand der äußerst seltenen Phelipanche caesia, dem Blaugrau-Blauwürger, früher Weißwollige Sommerwurz wurde durch Grabungsarbeiten 1974 und 1999 stark zurückgedrängt. Ich hatte 2013 einige Exemplare von ihnen gefunden. Sie schmarotzen auf dem Pontischen Wermut - Artemisia pontica:










    Hier noch eine kleine Auswahl verschiedener Orobanchen:









    Sind es nicht wunderschöne Pflanzen?


    Ich habe Ihnen diese Zeilen gewidmet:


    Orobanche

    Ein griechischer Pflanzenname, der angeblich von orobos = Kichererbse und agchein = Kehle zusammenschnüren, würgen kommt. Für die Kulturpflanze Kichererbse waren die Orobanchen gefürchtete Schädlinge. Man könnte aber den Namen auch aus dem Italienischen ableiten, wo Oro = Gold und Banche = Banken heißt, also etwas Wertvolles bedeutet.

    „Schmarotzer“ sagen die, die sie nicht kennen

    “Würger“ nennen sie andere
    und blicken doch nur neidvoll
    auf ihren goldenen Schatz
    den er ihr tagtäglich schenkt.

    Doch in Wirklichkeit

    sind beide
    untrennbar miteinander verbunden.
    Sie gehören nicht nur zusammen,
    sie nehmen voneinander
    und sie geben
    einander.
    Er gibt ihr
    die Kraft
    die er von seiner Göttin,
    der Sonne
    bekommt
    und sie gibt ihm
    nicht nur ihre unsägliche Schönheit:

    Es ist nicht das Gold

    das ihn in ihren Bann zieht,
    Verehrer,
    die vor ihr niederknien,
    können es riechen:
    sie schenkt ihm
    den Duft
    ihrer gemeinsamen Liebe.

    stirbt sie
    stirbt auch er-
    stirbt er
    stirbt auch sie.


    Johannes

  • Wieder muss ich dran denken , dass man mehr sieht, wenn man etwas weiß!

    Ein Botaniker wie Du sieht einfach mehr!


    Vermutlich hätte ich diese Blüten nicht als Orchideen erkannt - nicht die Farben, nicht die Formen- aber der Duft scheint es zu sein, der sie zu etwas Besonderem macht.

    Offensichtlich müssen die Orobanche zu dieser Jahreszeit nicht mehr mit leuchtenden Farben auf sich aufmerksam machen wie viele Orchideen im Frühjahr .( Ich denke v.a. an jetzt an die vielen Arten des Knabenkrauts)


    Alle die Du zeigst , habe ich noch nie gesehen.

    Ich kenne nur die unscheinbare Nestwurz.

    https://www.schoener-reisen.at…ta/media/66/oNestwurz.jpg

    Auch ein Schmarotzer? Ich weiß es nicht.


    Es hat mir Freude bereitet , Dich auf Deinem Sommerspaziergang auf dem Eichkogel zu begleiten, wieder so viel Interessantes zu erfahren und Deine nachdenklichen Zeilen zu lesen,


    Ich bin gespannt, wie es auf dem Eichkogel weitergeht!


    Wer "nascht" denn da?


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    Liebe Grüße,

    Elke

  • Liebe Elke,


    Die Orobanchen sind keine Orchideen, sie gehören zu einer eigenen Familie, eben den Orobanchaceae, den Sommerwurzgewächsen. Es sind ganz spezialisierte Schmarotzer, die von ihren besonderen Wirtspflanzen abhängig sind.


    Die von dir erwähnte Nestwurz hingegen gehört zur Familie der Orchideen und ist ebenfalls ein Vollschmarotzer. Bei ihr ist es aber etwas komplizierter, denn sie schmarotzt auf dem Wurzelgeflecht von Pilzen und diese ernähren sich wieder von Bäumen, also beziehen die Nestwurzen ihre benötigten Stoffe indirekt aus Bäumen, wie der Buche. Auch die Nestwurz hat einen charakteistischen Duft, nämlich nach Honig.


    Der Duft der Nestwurzen und der Sommerwurzen zieht verschiedenste Tiere an, die dann die tausenden Samen verbreiten. Bei den Sommerwurzen benötigen die Samen, die sehr lange lebensfähig und keimfähig bleiben wieder direkten Kontakt mit den Wurzeln der Wirtspflanze. Offensichtlich wurde der Hirschkäfer auch vom Duft betört...


    Johannes

  • Nachtrag Spätsommer / Herbst


    Heuer war es derart heiß und trocken, dass die Blüte am Eichkogel zu dieser Jahreszeit nahezu ausblieb. Deshalb greife ich auf zwei typische Pflanzen aus meiner Fotodokumentation der Jahre 2006 und 2008 zu.


    Ende Juli / Anfang August tauchte in diesen Jahren die zarte Blüte des Gelb-Lauchs, Allium flavum den Eichkogel in bezauberndes Gelb, welches aber rasch verblühte.








    Danach wetteiferte die Goldschopf-Steppenaster, Galatella linosyris mit ihrem noch kräftigeren Gelb um die Gunst ihrer Bewunderer.





    Beide Pflanzen sind Charakterpflanzen des Eichkogels, die am Ende des Sommers noch einmal einen grandiosen Auftritt in Gelb hatten. Allerdings war die Blüte nach 2008 nie mehr so ausgeprägt wie in den Jahren davor.


    Ich hoffe, dass sich die Vegetation in den nächsten Jahr nochmals von der ausgeprägten und langen Trockenheit des heurigen Jahres erholt. Ansonsten sind diese Bilder bereits Geschichte.


    Johannes

  • Ich warte schon eine ganze Weile gespannt auf Sommerbilder vom Eichkogel, jenem ganz besonderen Landstrich, den Du uns hier vorstellst.

    Zum Glück hast Du in Deinem privaten Archiv noch solch schöne Bilder . Es wäre traurig, wenn der gelbe Lauch und die gelbe Steppenaster vom Eichkogel ganz verschwinden würden.

    Du befürchtest, dass die Vegetion sich evtl. verändert, typische Pflanzen "verschwinden"?

    Klimabedingt?


    Hast Du auch schon Pflanzen entdeckt, die bisher am Eichkogel nicht zu sehen waren?


    Liebe Grüße,

    Elke

  • Liebe Elke!


    Neue Pflanzen habe ich noch nicht gefunden, aber es sind in den Jahren, die ich es beobachte schon welche verschwunden, manche offensichtlich ganz, wie die Weißwollige Sommerwurz, andere tauchen mitunter wieder auf. Jedenfalls ist die Üppigkeit der Blüte im Sommer stark zurückgegangen. Der Eichkogel bekommt mehr und mehr einen Steppencharakter.


    Am Eichkogel spielt auch eine Rolle, dass er nicht mehr beweidet wird und sich dadurch gewisse Gräser und Kleinsträucher dominant durchsetzen.


    Dem Weißdorn scheint es nach wie vor zu gefallen.




    Die Herbstzeitlosen sind heuer auch sehr früh dran.




    Johannes

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