Cay Rademacher, Der Schieber

Es gibt 2 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Grizzly.

  • Manchmal lese ich gerne Krimis.
    Und ich folge auch Empfehlungen von Freunden .


    Wie in diesem Fall:
    Cay Rademacher,
    Der Schieber


    Der Krimi hat mich gefesselt.


    Lag es daran, dass ich mir die Schauplätze vorstellen konnte?


    Erst im Januar bin ich mit einer kompetenten Stadtführerin ( Danke , hadedeha :wink:) an einem grauen Wintertag in Hamburg am Hafen entlangspaziert, ich war unten im Elbtunnel , wir sind an der Fischhalle vorbeigegangen , immer nahe an der Elbe bis zum Museumshafen Oevelgoenne,
    stets mit Blick hinüber zu den riesigen Kränen der Werft, dann zurück und hinauf zum Bismarckdenkmal, und hinüber zum Michel.


    An vielen dieser Plätze spielt dieser Krimi.


    Hier etwas über den Inhalt des Romans:
    https://www.literaturschock.de…riller/11382-der-schieber
    https://www.dumont-buchverlag.…macher_Der_Schieber/11402


    Ein Krimi, der 1947 in der zerstörten Stadt spielt und bei dem es dem Autor gelingt, den Leser die schwierige Situation und den Kampf ums Überleben in der zerstörten Stadt hautnah miterleben zu lassen.


    Ich konnte viele Wege mitverfolgen und mir vorstellen.
    Der Krimi hat mich nicht losgelassen.


    Ich bin zwar auch noch zwischen Ruinen zur Schule gegangen, aber die Härte des Überlebens, wie sie in dem Buch ( sicher realitätsnah) beschrieben wird, habe ich nicht erlebt.


    Fazit des Kritikers ( Quelle s.o.) " Eine unbedingte Empfehlung an alle Krimileser, die authentische Atmosphäre und historische Fakten schätzen!"


    Das Buch gibt es als E Book. ( Ich habe kaum mehr Platz für Bücher und kauf mir deshalb die meisten nur noch als E Books oder leihe sie aus. Für Urlaubsreisen, Wartezimmer, usw nur noch E-books in der "Handtasche")


    Gruß,
    Elke

  • Liebe Elke,
    an Kriegsruinen aus meiner bayrischen Kindheit erinnere ich mich nicht. In Weilheim, wo wir Anfang 1953 (ich war 2 3/4) wegzogen nicht, und in Parsberg/Opf. wo ich bis 1966 lebte, auch nicht. Die bayrische Provinz ist wohl einigermaßen glimpflich davongekommen, und bis ich 1960 ins m.W. arg zerstörte Neumarkt kam, waren die meisten Trümmer so weggeräumt, dass man als Kind evtl. noch vorhandene Ruinen nicht als solche wahrnahm.


    Was ich noch in Erinnerung habe, waren die Flüchtlinge, zu denen auch meine Mutter und meine Stiefmutter gehörten, sowie die allermeisten Mitglieder der evangelischen Gemeinde (mein Vater war der Ortspfarrer). Das führte zwischen uns Kindern zu Sprachproblemen, da die Katholiken (meist Einheimische) das selbst für Andersbayrische nicht immer einfach zu verstehende Oberpfälzisch sprachen, im Gegensatz zu dem Umgangshochdeutsch der Flüchtlinge. Meine damals dreijährige Schwester hat das nach ihrem ersten gescheiterten Versuch, mit dem Nachbarsbuben zu spielen präzis in Worte gefasst:
    "Den Hansi versteh ich nicht, der ist katholisch."


    Ansonsten erklärte uns als Drittklässlern eine offensichtlich schwer kriegstraumatisierte Lehrerin (die die Bombardierung von Regensburg miterlebt hatte) den Unterschied zwischen Spreng-, Brand- und Phosphorbomben (letztere konnte man nicht mit Wasser löschen).


    Kriegsfolgen erlebte ich u.a. in der Form von Barackensiedlungen und Manövern der US-Armee - der Truppenübungsplatz Hohenfels war in unmittelbarer Nähe, und das Vorbeifahren von Panzern am Schulhaus war für uns Schüler eine willkommene Abwechslung im langweiligen Schulbetrieb, denn deren Lärm machte eine Fortführung des Unterrichts unmöglich. Selbst mit Gewaltandrohung brachte uns die Lehrerin kaum von den Fenstern weg.


    Ansonsten waren die Straßen natürlich voll von kriegsverletzten Männern - Arm ab, Bein ab, Gehen am Stock, blind, Gesicht entstellt. Auch mein Vater hatte 14 Granatsplitter abbekommen und die rechte Hand gelähmt, damals war er knapp 20 gewesen. Als ich das erfuhr, war ich ca. 6 und überlegte mir dann: Wenn ich 20 bin, muss ich auch in den Krieg, und wenn ich wiederkomme (dass ich wiederkomme, war für mich klar) fehlte mir irgedwas. Überlegte schon mal, was ich am ehesten entbehren könnte, und "wählte die Möglichkeit, am Stock gehen zu müssen. Denn die Gehstörung wäre mit Autofahren zu kompensieren, und mit dem Stock hätte ich immer etwas zum Zuhauen, d.h. wär nicht mehr wehrlos.



    Was das Buch betrifft:
    Den ersten Roman des Autors "Trümmermörder" hab ich bereits mit Begeisterung (soweit man bei diesem Thema begeistert sein kann) gelesen. Da ich zu E-Books noch kein Verhältnis hab, bin ich heut in unseren Buchladen gegangen und hab mir die Taschenbuchausgabe des "Schiebers" gekauft.

  • Und es gibt schon einen 3. Band des Autors - Der Fälscher - über seinen Hamburger Protagonisten, dieses Mal aus 1948, kurz vor der vieles verändernden Währungsreform:

    Zitat

    Hamburg: Bei einem Routineeinsatz wird Oberinspektor Frank Stave niedergeschossen. Er kommt davon, aber wechselt von der Mordkommission zum Chefamt S, das den Schwarzmarkt bekämpft. Dort wird Stave gleich mit einem rätselhaften Fall konfrontiert: Trümmerfrauen haben in den Ruinen eines Kontorhauses Kunstwerke aus der Weimarer Zeit gefunden gleich neben einer Leiche, deren Identität der Kollege von der Mordkommission offenbar gar nicht aufklären will. Kurz darauf vertraut ihm Lieutenant MacDonald ein weiteres Problem an: Auf dem Schwarzmarkt sind rätselhafte Geldscheine aufgetaucht, deren Existenz die geheimen Pläne der Alliierten stört. Der Oberinspektor entdeckt bald seltsame Parallelen zwischen den beiden Fällen. Als der Tag X gekommen ist die Einführung einer neuen Währung, über die schon seit Wochen in der Stadt gemunkelt wird, scheint Stave kurz vor der Lösung zu stehen. Doch die Wahrheit ist gefährlich, und nicht nur für ihn allein.


    https://www.histo-couch.de/cay-rademacher-der-faelscher.html

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