Düsseldorf - Rückkehr nach über 30 Jahren

Es gibt 8 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Grizzly.

  • Anlässlich einer Fortbildung hatte ich nach Jahrzehnten Düsselabstinenz wieder einmal die Gelegenheit, die nordrheinwestfälische Landeshauptstadt zu besuchen. 1969 - 72 habe ich hier gelebt und eine Krankenpflegeausbildung absolviert.


    Dass Düsseldorf am Rhein liegt, ist bekannt. Dass dort auch ein 4o km langes Flüsschen namens Düssel in den Strom mündet, verrät im wesentlichen nur der Name des "Dorfes". Wobei es vier Mündungsarme der Düssel gibt (eben erst gelernt), die nördliche und südliche Düssel sowie der Kittel- und der Brückenbach. Im Stadtbereich verlaufen die Düssel-Arme meistens unterirdisch, auch am Schlossplatz ist die dort einmündende nördliche Düssel verrohrt und für den Touristen oder Flaneur nicht sichtbar.



    Der Schlossturm ist das einzige, was von dem mehrmals abgebrannten Schloss nach dem letzten Brand 1872 übrig geblieben ist. Heute ist ein Museum drin, ausserdem soll dort (wie in diversen anderen Schlössern) eine Weisse Frau herumspuken, die von ihrer damals üblichen Tracht eigentlich schwarz sein müsste - die am 3. September 1597 in diesem Turm ermordet aufgefundene Markgräfin Jakobe von Baden, Ehefrau des Markgrafen Johann Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg.


    Heut spuken nicht gerade leise Scharen vorwiegend jüngerer Jahrgänge auf der benachbarten Rheinpromenade herum, nach mehr oder weniger ausgiebiger Druckbetankung in den Kneipenstraßen der Altstadt. Auf dem gegenüber liegenden Oberkasseler Ufer ist es etwas ruhiger.




    (wird fortgesetzt)

  • Vielen Dank , liebe Grizzly,


    schon mal für den verheißungsvollen Anfang des Hintergrund Berichtes.


    Ehrlich bekenne ich mich, dass ich von der Düssel nichts wusste.


    Bin neugierig, was da noch kommt.


    Ganz lieben Gruß
    Helmut

    Wer nichts weiß, muss alles glauben.
    Marie von Ebner-Eschenbach

  • Ich kenne da auch nur die Fortuna und den Campino.


    Da bin ich schon auf die Fortsetzung deines Berichtes gespannt.


    Danke für den 1. Teil.

  • Dankschön für die Vorschusslorbeeren.
    Aber es wird noch ein bissl dauern, weil ich die anderen Bilder noch nicht bearbeitet hab (die hier waren vom Handy, das ging schnell).

  • Hallo Grizzly,


    bin gespannt auf die Fortsetzung der Geschichte ....


    da ich mich in Düsseldorf nicht auskenne und mir auch die Düssel nichts sagt ....


  • ... da ich mich in Düsseldorf nicht auskenne und mir auch die Düssel nichts sagt


    Also mit der Düssel als solcher hatte ich damals nicht viel zu tun, zumal sie an vielen Stellen verorhrt ist. Mehr zu diesem Flüsschen: https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCssel
    Leider könnt Ihr von mir auch keinen größeren Stadtrundgang erwarten, da ich die meiste Zeit zwecks Fortbildung, Schlaf oder Frühstück in einem Hotel verbracht habe. Davon hab ich auch keine Bilder, denn diese Glas- und Betonansammlung könnte irgendwo stehen, nicht nur in Düsseldorf-Niederkassel, sondern auch in Frankfurt, Paris oder Tokio (in den letzten beiden Städten war ich zwar noch nicht, aber ich stell's mir so vor).


    Lediglich an den beiden Abenden war ich ein bissl unterwegs, ohne viel wiederzuerkennen - ich war seit ca. 35 Jahren nicht mehr hier, und besonders hat mich natürlich meine alte Wirkungsstätte interessiert, an die es mich, einen Hofer Abiturienten mit einem Fahrrad und zwei Koffern, am 30. Juni 1969 verschlagen hatte, bis dahin noch ohne jede Großstadterfahrung, ohne eigenes Geld, ohne Ausbildung, ohne Führerschein und auch ohne Freundin. All das sollte in den nächsten drei Jahren gaaanz anders werden ...


    Im Reiseführer steht die Düsseldorfer Uniklinik natürlich nicht, aber mich zog es jetzt an meinem Anreiseabend trotzdem magisch dorthin, wollte ich doch wissen, was noch steht, und was nicht mehr wiederzuerkennen ist.
    Meine erste Düsseldorfer Bude war noch ein Doppelzimmer im Pflegerheim (männliches und weibliches Pflegepersonal, zumal in der Ausbildung, war damals streng getrennt) und auch nicht sturmfrei. Wobei mein Mitbewohner noch weniger als ich an einer männlichen Zweisamkeit interessiert und entsprechend selten da war, so hatte ich wenigstens meine Ruhe, auch wenn ich keinen Besuch mitbringen durfte.


    Da wo das Heim stand, ist jetzt ein Parkplatz,



    dahinter die chirurgische Klinik, deren Tore und Aufzüge so geräumig waren, dass ein Stationsarzt einmal mit seinem Porsche reinfuhr, sein Vehikel in den Aufzug setzte und dann im 7. Stock auf dem Flur vor seiner Station eine Runde drehte.


    Zurück zu meiner Wohnstatt. Im Sommer 1970 bekam ich nämlich ausserhalb des Klinikgeländes ein eigenes Zimmer -
    das erste knappe 3x3, das zweite dann schon 3x5 Meter groß, in einer klinikeigenen Baracke (Witzelstraße 146), die den schönen Namen Ponderosa trug, wohl wegen der Schwingtüren am Eingang, die an einen Western-Saloon erinnerten.


    Die meisten meiner Mitbewohner waren marokkanische Klinikarbeiter, was im Winter regelmäßig zu nächtlichen Ruhestörungen durch die Klinikaufsicht führte, weil die Herrschaften bei Schneeeinbruch um 5 Uhr morgens in die Baracke rumpelten und die armen Marokkaner weckten: "Schneeräumen ! 6 Uhr Dienstbeginn !" Ich gehörte, neben einigen Kollegen, zwar nicht zum Schneekommando, aber an Schlaf war bei dem Krach dann nicht mehr zu denken.


    1971/72 freundete ich mich mit einer Schülerclique an, die in meiner Bude einige Feste organisierte, was in den elterlichen Wohnungen so nur schwer zu machen gewesen wäre. Dafür räumten sie vor dem jeweiligen Fest regelmäßig bei mir auf, so hatte jeder was davon.


    Die Ponderosa ist längst abgerissen, dafür gibt's jetzt diesen Parkplatz samt Firmengebäude dahinter.



  • Das letzte Bild oben zeigt auf der rechten Seite ein Haus (Witzelstr. 150), das zu meiner Zeit Wohnungen für Klinikangehörige enthielt. Das sehen wir hier unten wieder, auch auf der rechten Seite, jetzt ist es aber eingezäunt und gehört wohl zu einer Firma, dahinter war die Ponderosa (jetzt Parkplatz). Daneben gab's damals noch eine gemütliche Liegewiese - die ist jetzt asphaltiert.



    Die Witzelstraße konnte man damals noch zu Fuß überqueren, die Straßenbahnschienen auch; jetzt ist das alles eingezäunt, und an der Straßenbahn endhaltestelle Christophstraße/Stoffelner Kapellchen hat man einen Übergang gebaut - auf dem ich jetzt stehe (oberes Bild).



    Das Klinikgelände ist eingezäunt, und das Türchen gegenüber der Ponderosa war oft zu. Aussenrum war, z.B. wenn man in der Chirurgie arbeitete, ein ordentlicher Umweg, und unsereins war ja noch sportlich und de Stacheldraht auf dem Metallgitterzaun da, wo man drübersteigen wollte, schon so heruntergedrückt, dass man sich nicht mehr verletzen konnte - auch das geht heut nicht mehr :traurigdenkend:


    Im Januar 1972 bekam ich ein Auto - einen VW-Käfer Baujahr 1965, unten grün, oben weiss, für 250 DM.
    Sah so ähnlich aus wie dieses mexikanische Taxi, das Grün war etwas dunkler: https://www.google.de/imgres?i…&ndsp=18&ved=0CIgCEK0DMDk


    Anfangs sprang er kalt nicht an Ich schob ihn also aus der Hofeinfahrt, hängte mir schon mal das Schleppseil um den Hals und versuchte ein Auto auf der Witzelstraße zu stoppen (heut ging das nicht mehr, da Schnellstraße).



    Nach weniger als einer halben Stunde erbarmte sich jemand, schleppte mich an, und dann lief er, auch bei erneutem Start. Vier Wochen später brachte mich jemand auf die Idee die Zündkerzen auszuwechseln und half mir dabei. Seitdem lief das gute Stück, auch ohne Anschleppen.

  • hallo Grizzly,


    vielen Dank für deinen Ausflug in deine persönliche Geschichte zu Düsseldorf. Auch ich kam alle paar Jahre mal in die Stadt und habe deshalb von meinem letzten Besuch ebenfalls eine persönliche Geschichte. Meine Erinnerungen von meinem letzten Besuch vor zwei Jahren im Hochsommer besteht zum einen in einem riesiges Bankgebäude, welches unendlich verschachtelt war und deren dortige Angestellte fleissig umherwirbelten und die Angst um ihren Job hatten. Nun gibt es diese Bank mit ehemals 6000 Mitarbeitern nicht mehr. Zum anderen war da noch eine piekfeine Privatbank an erster Adresse in der Stadt, deren Mitarbeiter, mit denen ich im Rahmen meiner "Firma" zu tun hatte, dem typischen Klischee der arroganten Schnösel entsprachen.


    Am frühen Abend, völlig durchgeschwitzt machten wir uns dann auf den Weg zum nächsten Badesee. Ja, so einen gibt es tatsächlich in der Stadt. Nach dieser äußeren Erfrischung konnten wir uns anschließend in der Altstadt bzw. am Rheinufer, da war vielleicht was los, innerlich erfrischen. Allerdings schaut da anhand des horrenden Bierpreises der sparsame Allgäuer auch entsprechend sparsam. ich werde nie mehr über den Bierpreis beim Oktoberfest schimpfen. :wink:


    soweit meine letzten Erfahrungen zu Düsseldorf.


    grüsse


    Jürgen

  • Mit Banken hatte ich während meiner Düsseldorfer Zeit nicht viel zu tun, wenn man von den Dauerdebatten in de (inzwischen abgerissenen) Filiale der Stadtsparkasse Düsseldorf an der Moorenstraße wgen meines permantent überzogenen Kontos absieht. An letzterem waren in der Tat die Altstadt-Bierpreise nicht unbeteiligt.


    Nochmal dieses Panoramabild, weil's die Übersicht erleichtert:
    Links der Klinikzaun, in der Mitte die Straßenbahn, rechts davon die Witzelstraße. Am Ende des Bildes, aber noch vor dem Kirchturm, geht's nach links zum Haupteingang der Unikliniken ind der Moorenstraße (auch eine Straßenbahnhaltestelle).



    Die Moorenstraße ist nicht politisch inkorrekt nach den Bewohnern Afrikas benannt, sondern nach dem einheimischen Augenarzt Albert Clemens Maria Hubert Mooren. Ihre linke Seite, wenn man von der Witzelstr. kommt, ist ausschliesslich Uniklinik, hier der Haupteingang.



    Früher konnte man da mit dem Auto reinfahren - wenn der Pförtner gut drauf war, sogar Schrottkäferfahrer wie ich. Mein grün-weisses Vehikel hielt nur ein halbes Jahr, dann drückte die Kompression auf die Ölwanne, und ich wechselte zusammen mit einem Kollegen von der Krankenpflegeschule unter tatkräftiger Unterstützung des Schrottplatzbesitzers den Motor aus - aber eine Woche später verabschiedete sich das Getriebe, und dann war erstmal Schluss mit der Autofahrerherrlichkeit.


    Von der Mooren- geht die Naegelestraße ab, ebenfalls nach einem Arzt benannt, nämlich Franz Karl Joseph Naegele (1778-1851), nachdem die gleichnamige Regel benannt ist, mit der man den Geburtstermin ausrechnen kann, oder, wenn der schon stattgefunden hat, zurückrechnen, wann der Mensch entstanden ist (was wir in unserer Krankenpflegeschulklasse mit wachsender Begeisterung gemacht haben).



    Dahinter befindet sich der Eingang zu einem besonderen Objekt männlich-jungmedizinischer Begierde, nämlich das Schwesternschülerinnenwohnheim des DRK.



    Ein Wohnheim scheint es immer noch zu sein, wer drin wohnt und nach welchen Regeln, weiss ich nicht. Damals war es zu Beginn meiner Ausbildung für unsereins ganz gesperrt (Ausbildungsschwesternstandardspruch im Anfängerinnenblock: "Krankenpflegeschüler, meine Damen, befinen sich unter Ihrem Niveau"). Was verboten ist, macht natürlich grad scharf, und bis 1971 war die Festung zwar nicht geschleift, aber sie wackelte - wir durften uns immerhin bis 20 Uhr im Heimwohnzimmer zusammen mit unseren Mitschülerinnen aufhalten.
    Nachspiel:
    Drei Jahre nach Ende meiner Ausbildung kam ich auf Besuch in Düsseldorf mit einer Krankenschwesternschülerin zusammen - die Beziehung hielt nicht allzu lang, aber der Nachtschlüsselzwang (den die Schülerinnen für Ausgänge nach 23 Uhr brauchten und den meine angehende Freundlin nicht hatte, was für eine lange gemeinsame Nacht sorgte ...) hatte doch noch etwas Gutes geleistet, wenngleich nicht im Sinn der Urheberinnen dieser Regel.

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