Nach Tutanchamun folgte zunächst Eje. Echnaton war Tutanchamuns Vater. Zu diesen Dingen kommen wir noch.
Im Land der Pharaonen
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Tag 2 – Das islamische Viertel (12.10.2024, 2. Tageshälfte)
Gleich zu Beginn des Viertels fand ich ein recht einladendes Restaurant an der Seite. Man hatte hier auch Lammkeule. Sowas gefällt mir besonders. Doch ich stürzte mich in die Marktgassen. Bunte Kleidung, Fußballtrikots, Koffer, Messingbehälter, Teller, Figuren von Pharaonen, Musikinstrumente, Marionetten – alles neben alten Holzwänden mit teilweise fantastischer, orientalischer Verzierung. Und ich kaufte auch gleich etwas, eine Büste der Nofretete für eine Bekannte von mir und eine Kanope für mich. Während das Herz des zu mumifizierenden Pharaos stets im Körper verblieb, denn hier vermutete man den Sitz des Wesens und der Intelligenz, wurden die restlichen Organe separat vom Körper in so genannten Kanopen, kleinen Krügen mit Deckeln, neben dem Sarkophag belassen.
Restaurant zu Beginn des Khan el-Khalili
Durch den Souk
Hinein in das Gewirr
Die üblichen SouvenirsManche Gassen führen durch sehenswerte Stadttore, andere wiederum sind überdacht. Es gibt überall etwas zu sehen. Bilder auf Papyrus, Ketten, Teppiche, Taschen, Vasen – und überall ein Gewimmel von Menschen, die sich in arabischer Sprache etwas zurufen. Mir gefällt das. Ein solches Ambiente erwartet man schließlich. Auch ein Papyrusbild fand den Weg in meinen Rucksack. Die alten Gebäude sind teilweise der Wahnsinn – alle natürlich im sandfarbenen Wüstenstil. Die schmale Gasse Sikket el-Badestan ist eine Besondere, an ihrem Ende findet man Gold- und Silberschmuck. Zahlreiche, uralte Brunnen-Türme, so genannte Sabil-Kuttab’s, stehen an den Seiten der Gassen. Hier der Souq der Kupferschmiede, dort die Parfümhändler. Dann stand ich im alten Gewürzmarkt. Ich liebe die Gerüche und Farben orientalischer Gewürze.
Durch ein altes Tor
Mosaik im ägyptischen Stil
Weiteres Tor
Alte Holzverzierungen
In den AltstadtgassenEs ging vorbei am ehemaligen Sklawenmarkt, und nach einer knappen Stunde stand ich wieder vor dem Restaurant mit den Lammkeulen. Das musste ein Zeichen der alten Götter sein. Und ja, ich konnte jetzt auch durchaus eine Pause gebrauchen. Wer will an Ihnen zweifeln? Ich nahm also Platz. Ich bestellte einen Hibiskus-Tee, in Ägypten eine ganz tolle und geschmacksintensive Erfrischung, ein ägyptisches, alkoholfreies Bier und bekam neben meiner Lammkeule etwas Salat, Fladenbrot und eine Schale mit einem Koshari-ähnlichen Gericht. Das beliebteste Mittagessen Ägyptens besteht meist aus Reis, Linsen, Zwiebeln, Knoblauch, Kichererbsen, etwas Nudeln und Tomatensoße. Ich konnte es jedoch nicht identifizieren, doch es schmeckte gut. Ich saß gemütlich unter einem Sonnenschirm am Rande der Gasse, genoss die Atmosphäre und ließ es mir schmecken.
Sabil-Kuttab von Khusraw-Pasha
Lebendiges Treiben
Gewürze
Mehr Gewürze
MittagessenSchließlich winkte ich und setzte meinen Weg fort. Ich bog in die Sharia el-Muizz, die aus dem Mittelalter stammende Hauptstraße. „Sharia“ heißen hier fast alle Straßen, woraus ich schließe, dass es so etwas wie „Straße“ heißen muss. Ein weiteres, unglaublich künstlerisch-verziertes Gebäude, an dem ich vorbeikam, war die Moschee und Sabil-Kuttab von al-Shaykh Ali al-Mutahbar. Das Gefühl, hier in dieser ägyptischen Altstadt mit all ihren kulturellen Einflüssen und Geräuschen, unterwegs zu sein, war überwältigend. Ich schwitzte. Wir hatten immerhin 33°.
Moschee und Sabil-Kuttab von Scheich Ali al-MutahbarNun kam ich zum großen Qualawun-Komplex im Bereich Bain el-Qasreen, was so viel wie „zwischen den Palästen“ bedeutet. Der Grabkomplex al-Mansur Qalawuns gilt als herausragendes Werk mittelalterlicher Kunst und wurde 1284 erbaut. Auch hier hatte ich bereits online ein Ticket gekauft. Der Komplex besteht aus einem Mausoleum, einer Madrasa (eine Schule nach islamischen Grundsätzen) und einem Hospital. Die alte Schule befindet sich gleich links hinter dem Eingang. Das Mausoleum ist der beeindruckendste Teil. Der Hauptsaal ist reich mit bemaltem Holz, Marmor, Stuck und Marmormosaiken dekoriert und besitzt hohe Pfeiler und eine große Kuppel. Dahinter kommt das Hospital mit einem offenen Hof und Brunnen. In den hinteren Bereichen gibt es außerhalb der Mauern noch einiges zu entdecken. Über gewisse Treppen und Aufgänge lässt sich das Dach neben der Kuppel des Mausoleums besteigen. Auch zwei junge, verschleierte Damen kamen auf das Dach, zögerten manchmal, eine nächst höhere Ebene zu besteigen, aber als ich es tat, taten sie es mir nach. Wir lachten gemeinsam. Vom Dach aus konnte man in den Turm der benachbarten Madrasa von el-Nasir Mohammed schauen. Die Tür stand offen, doch meine Kräfte ließen nach. Ich muss nicht überall hinauf.
Eingang zum Qualawun-Komplex
Bereich des ehemaligen Hospitals
Im Mausoleum
Durch das Gemäuer
Streifzug durchs Mausoleum
Deckenverzierungen
An einer Seitenwand
Im Bereich der Madrasa von el-Nasir Mohammed
Säulen und Bögen
Wand mit Ornamenten
Turm einer Madrasa
Blick über die Dächer
Mosaik
DurchblickWeiter ging es durch die alte Hauptstraße nach Norden. Hier steht ein weiterer Brunnenturm mitten auf der Straße, der Sabil-Kuttab von Ab del-Rahman Katkhuda. Durch ihn wird die Straße in zwei Straßen geteilt. Er wurde 1744 erbaut. Ein Sabil war eine Einrichtung, die durstigen Menschen, die vorbeikamen, kostenloses, frisches Wasser anbot. Er sollte gut sichtbar sein. Kuttabs waren primitive Arten von Grundschulen, die Kindern das Lesen und Schreiben beibrachten. Ich betrat den Turm. Der Eingang führt zu einem kleinen Korridor mit drei Türen. Die erste Tür führt zum ehemaligen Wasserspeichertank; die zweite Tür führt zu einem Raum mit Öffnungen, aus denen die Menschen trinken konnten. Ich wurde gleich freundlich durch die dritte Tür auf die Treppe in das 2. Stockwerk geleitet, in dem sich die Schule befand. Es besteht aus fünf marmorierten Säulen mit bemaltem Dach. Tür, Fenster und Schränke sind hölzern und haben ein wunderschönes künstlerisches Design. Sie sind geschnitzt und bemalt. Das Fenster auf die Straße stand offen, so dass ich direkt oberhalb des bunten Treibens auf der Straße war. Es gab einige Teppiche und bemalte Teller, die zum Verkauf standen.
Madrasa und Mausoleum von Sultan al-Salih Nagm al-Din Ayyub
Auf der Sharia el-Muizz weiter nach Norden
Gemälde an einer Hauswand
Alter Torbogen
Der Sabil-Kuttab von Ab del-Rahman Katkhuda teilt die Straße
Im BrunnenturmNun lief ich zurück zur Al Azhar – Moschee, wo ich am frühen Nachmittag direkt gegenüber am Khan el-Khalili – Basar aus dem Auto ausgestiegen war. Die Moschee mit 5 Minaretten aus dem Jahre 971 ist die Zweit-Älteste in Kairo. Sie wurde in der islamischen Welt lange als führende Institution für das Studium von sunnitischer Theologie und der Scharia, dem islamischen Recht, angesehen. Schon vor dem Eingang standen Unmengen ausgezogener Schuhe. Also zog ich auch meine wieder aus und trug sie mit umher. Der 48 x 34 Meter große Innenhof ist mit Marmor gepflastert. Rundherum führt ein Säulenumgang, der zu den Seiten zu einzelnen Gebetshallen führt. Hier ist Teppich ausgelegt. Viele Gläubige saßen auf den Teppichen, beteten oder lasen.
Auf dem Rückweg
Eingang der Al Azhar-MoscheeIch umrundete den imposanten Innenhof und machte hin und wieder ein Foto. Hierzu stellte ich die ausgezogenen Schuhe neben mich auf den Teppich. Doch da hatte ich nicht mitgedacht. Was dachte ich wohl, warum man die Schuhe auszieht? Sofort wurde ich von einem Gläubigen darauf hingewiesen, dass das nicht in Ordnung ist. Ich stellte sie in ein hölzernes Regal. Daraufhin kam ich kurz mit einem Ägypter ins Gespräch. Er schien geehrt und auch besonders interessiert, weil ich aus Deutschland komme und erklärte mir, dass er regelmäßig hier sei. Gern hätte ich noch länger mit ihm gesprochen, aber ich hatte mich nur kurz umgedreht, da war er verschwunden. Ich konnte ihn nirgendwo mehr entdecken.
Im Innern
Rund um den Innenhof befinden sich die Gebetsbereiche
Auf dem HofFür den Abend hatte ich mir den Besuch einer kulturellen Veranstaltung der besonderen Art vorgenommen. Im Komplex des Sultans al-Ghuri, einem Doppelgebäude aus der Zeit der Herrschaft der Marmeluken, bestehend aus der Madrasa von Sultan al-Ghuri und dem al-Ghuri-Mausoleum, findet jeden Samstag in einem nach oben offenen Innenhof um 18:30 Uhr ein Tanz der El-Tanoura – Derwische statt. Dies wird manchmal auch als Sufi – Wirbeltanz bezeichnet. Es ist eine Tanzart, die ihre Wurzeln in Ägypten hat und mit dem Sufi-Erbe des Islam verbunden ist. Tänzer eines wenig bekannten islamischen Ordens, die Sufi-Derwische, tanzen zu ägyptischer Volksmusik, drehen sich im Kreis, und die langen Röcke und Turbane kreisen in der Luft. Das sollte ganz fantastisch sein. Die Vorstellung kostet nur um die 100 Ägyptische Pfund, also ca. 2 €, doch muss man rechtzeitig vor Ort sein, da es schnell ausverkauft ist.
Als ich vor dem Gebäude stand, war es noch viel zu früh, also hatte ich noch Zeit. Ich lief hinüber zur Wikala von al-Ghuri. Ein Wikala ist eine ehemalige Karawanserei, ein Gebäude, in dem Kaufleute und ihre Waren untergebracht waren und das als Zentrum für Handel, Lagerung, Transaktionen und andere kommerzielle Aktivitäten diente. Die Karawanserei verfügt über einen großen Innenhof und ist ein beeindruckendes Beispiel der aufwändigen Architektur im frühen 16. Jahrhundert. Leider hatte sie bereits geschlossen, da wir schon nach 17 Uhr hatten.
Von einem Einheimischen wurde ich auf eine weitere Marktgasse hingewiesen, die sich in der Straße Al Motaz Ldin Allah befindet, direkt neben dem Komplex al-Ghuri. Diese sei jedoch nicht so touristisch wie der Khan el-Khalili – Basar, sondern ursprünglicher und eher für die Einheimischen. Ich hatte ja noch Zeit, also schaute ich mir das an. Der Eingang in die Gasse ist mit einem hohen Holzdach überbaut, was recht beeindruckend aussieht. Ein Einheimischer musste von Umherstehenden zurückgehalten werden. Er schaute grimmig und schwang die Fäuste in Richtung eines Tuk-Tuk-Fahrers, der ihn wohl fast über den Haufen gefahren hatte. Ich hatte mich sowieso schon gewundert, wie das in den Gassen so reibungslos funktionieren kann, wo sich die Fußgänger dicht an dicht bewegen, aber auch immer wieder Tuk-Tuks recht rücksichtslos durchbrettern. Eine solche Auseinandersetzung war hier sicher keine Seltenheit. Die Straße entpuppte sich als weitere schöne Marktgasse, der ich in den Süden bis hinter das große Bab Zuweila folgte, ein faszinierendes Stadttor aus dem 11. Jahrhundert. Durch die auf die beiden Tortürme gestellten Minarette wirkt es majestäisch. Hinter dem Tor nahm ich Platz, trank an einem Getränkestand 2 Becher frisch gepressten Orangensaft und beobachtete das Treiben.
Eingang in die Al Motaz Ldin Allah
Die Tuk-Tuks quetschen sich durch die Gasse
Kartoffeln und Früchte
Am Bab Zuweila
Die Fortführung der Marktgasse nach Süden
Bab Zuweila von weiter hinten
Gurkenverkauf am StraßenrandUm 18:15 Uhr war ich zurück am Mausoleum al-Ghuri, und die Schlange am Eingang zur Tanzveranstaltung war schon sehr lang. Ob ich noch hineinkommen würde? Ich schaffte es tatsächlich und bekam sogar noch einen recht guten Sitzplatz in der Mitte. Doch es dauerte und dauerte. Der Saal füllte sich immer mehr. Um 19:30 Uhr erklang Musik. Die Veranstaltung sollte 90 Minuten dauern, und ich entschloss mich, der Aufführung 40 Minuten lang beizuwohnen. Ansonsten würde es einfach zu spät, denn ich musste ja auch noch mit einem Taxi zurück nach Gizeh fahren. Und so erlebte ich an meinem ersten Abend ein wunderbares Beispiel ägyptischer Kultur.
Die Vorführung beginntDer Tanz war hervorragend. Am Anfang noch recht verhalten, als zu rhythmischer Musik von Trommeln, Qerqabats (Gefäßklappern aus Eisen), Flöten und Schalmeien mit hin und wieder einsetzendem Gesang vereinzelte Tanzschritte ausgeführt wurden, wurde mit zunehmender Zeit der Tanz immer exzessiver, die Drehungen immer schneller. Am Ende drehten sich die langen Röcke der orientalischen Tänzer in der Luft; man hatte das Gefühl, die Röcke stehen in der Luft, und vergaß´, dass dies nur das Ergebnis der schnellen Drehungen ist. Es steigerte sich immer mehr und mehr, doch nach 40 Minuten – als die Zuschauer immer strenger dazu aufgefordert wurden, keine Fotos zu machen – machte ich wie geplant meinen Platz frei und suchte mir draußen am Straßenrand ein Taxi.
Die Drehungen beginnen
Die Vorführung nimmt Fahrt auf
Ein schönes ErlebnisEs stellte sich heraus, dass der Taxifahrer so gut wie gar kein Englisch verstand. Aber so ist das. Zuerst wird die Frage, ob Englisch verstanden wird, vom Fahrer eifrig bejaht, klar, man will ja schließlich Geld verdienen. Man steigt also ein. Doch sitzt man darin, wird man mit der harten Realität konfrontiert. So kam es dazu, dass ich mein Handy mit aktiviertem Google Maps neben dem Lenkrad hielt und dem Fahrer auf diese Art und Weise zu verstehen gab, wohin ich wollte und wann er wohin abzubiegen hatte. Immer wieder animierte ich ihn, auch auf mein Handy zu schauen, um der Navigation folgen zu können. Zuerst hatte ich mir Sorgen gemacht, doch funktionierte das ganz gut. Er folgte meine Anweisungen, ganz so, wie ich es mir vorstellte. Unweit meiner Unterkunft in Gizeh befindet sich ein kleiner Laden namens „Drinkies“, der Alkohol verkauft, was eine Seltenheit hier ist. Hier kaufte ich etwas Bier und Wein. Dies war ein unglaublich intensiver Tag, der nun auf meinem Balkon endet. Mit Blick auf die Pyramiden von Gizeh drinke ich ein Stella Artois. Allein das sind bereits unbeschreibliche Momente, die ich sicher nie vergessen werde.
Am Drinkies-Shop
Abendlicher Blick vom Balkon
Sound- & Lightshow an den Pyramiden -
Hallo Heiko,
Du zeigst uns allen ein nicht nur mir unbekanntes Kairo. Die seit Jahrzehnten angebotenen Nil-Kreuzfahrten haben ja alle nicht Kairo zum Ziel. Wer in Kairo ist schaut meistens die Pyramiden an und dann noch das nun völlig neue ägyptische Museum und das war’s dann. Es ist schön wie du in die Mischung von historischen Bauten und Basaren eintauchst. Was den Tanz der Derwische anbelangt nehme ich an, dass du dich vorab sehr lange intensiv auf diese Reise vorbereitet hast. So eine Aufführung entgeht wohl den meisten Touristen.
So lernt man natürlich ein Land ganz anders kennen als in den geführten Touristengruppen wie sie wohl von der überwiegenden Mehrheit der Besucher in Ägypten gewählt wird. Es ist ja auch nicht ganz einfach sich alleine ohne Sprachkenntnisse nur mit Google Maps in so einer Mega Stadt zu bewegen.
Ich bin gespannt wie es weitergeht.
Grüße
Jürgen
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Tag 3 – Auf dem Gizeh-Plateau (13.10.2024, 1. Tageshälfte)
Jeder Morgen führte mich zunächst auf meine Dachterrasse. Man muss den Tag einfach mit dieser sagenhaften Aussicht beginnen. Und das, was ich von dort sah, würde ich mir heute aus der Nähe anschauen. Ich hatte hohe Erwartungen. Um 06:30 Uhr band ich mir zum Schutz für den Kopf meinen blauen Schal um, cremte mich mit Sonnenmilch ein, schulterte meinen Rucksack und verließ das Haus. Heute würde ich keinen Fahrer benötigen. Direkt gegenüber meiner Unterkunft befindet sich ein kleiner, einheimischer Shop. Er hat bis spät in die Abendstunden geöffnet; so konnte ich mich am Vorabend noch mit Limonade und Mineralwasser eindecken. Ein Teil davon fand den Weg in meinen Rucksack, so dass ich gut versorgt war. Wer Limonade mag, findet in Ägypten einige Sorten, die es bei uns in Deutschland nicht gibt, wie zum Beispiel von Mirinda die Sorte „Grüner Apfel“ oder von Schweppes die Sorte „Granatapfel“ mit rotem Fruchtfleisch. Ich mag sowas. All das gibt es zu günstigen Preisen, so dass z. B. eine große 1,5 Liter-Flasche solcher Sorten noch nicht einmal 1 € kostet. Pfand gibt es nicht. In den Tiefen meines großen Rucksacks blieb das alles schön kühl.
Blick von der Dachterrasse - hier würde ich heute hingehenIn nordwestlicher Richtung lief ich durch die sandigen Gassen Gizehs, vorbei an Hausruinen und Schutt, maroden Hauswänden und Unrat. Die Straßenhunde wühlten in der Nähe im Geröll der ehemaligen Häuser. Die meisten Einheimischen schienen noch zu schlafen. Ich wählte den kürzesten Weg. Langsam lugte die Sonne zwischen den Gebäuden Gizehs hervor. Am westlichen Ende des Orts gelangt man schließlich an eine hohe Mauer mit einem Gitterzaun darauf. An dieser ging es entlang, immer weiter Richtung Nordwesten. Zwischen den Schutthaufen waren Pferde angeleint, und unweit davon stand eine Kutsche. Hinter der Mauer erhebt sich das Plateau von Gizeh. Die Pyramiden kann man von hier noch nicht sehen. Doch da lugte die Spitze der Cheops-Pyramide hervor.
Los geht's
Dann bog ich in diese Gasse ein
Hier wohnt tatsächlich jemand
Die Sonne geht auf
An der Mauer entlang
Pferde und KutscheEin paar Frühaufsteher, die bereits vor ihren Häuser zu tun hatten, winkten mir zu. Dann kam ich durch eine Passage, die fast vollends mit Müll zugeschüttet war. Am Rand war ein Durchgang. Schließlich gelangte ich an ein Postamt. Dahinter liegt die geteerte Straße zum nördlichen Eingang des Gizeh-Plateaus. Diesen musste ich nutzen, da ich mir einen Kairo-Pass für 100 € holen wollte, mit dem man zu fast allen Sehenswürdigkeiten Kairos und Umgebung Zugang hat. Den gibt es nur am nördlichen Eingang.
Vor dem EingangDann kam ich an. Die Geldautomaten hier waren außer Betrieb. Man kann den Kairo-Pass nur bar in Euro oder Dollar zahlen, und man muss es passend haben. Außerdem akzeptiert man nur einwandfreie Banknoten. Einen meiner beiden dafür abgezählten 50 €-Scheine wollten sie nicht. Egal, ich hatte noch einen Anderen. Der sah neuer aus. Den nahmen sie. Zusätzlich benötigt man seinen Reisepass, eine Kopie davon und ein Passbild. Die Herren wunderten sich, wie gut ich informiert war. Ich hatte ja sogar eine Schutzhülle für den Kairo-Pass dabei, den ich kurz darauf in die Hände gedrückt bekam.
Also auf in das Gelände. Hinter dem Eingang erhebt sich gleich die große Cheops-Pyramide, und ich lief schnurstracks darauf zu. Das riesige Grabmal des Pharaos mit dem altägyptischen Namen Chufu, der in der 4. Dynastie ca. von 2.620 – 2.580 v. Chr. regierte, war ursprünglich 146 Meter hoch. In späterer Zeit verwendete man die Steine an der Spitze für andere Bauvorhaben, so dass sie heute mit einer Höhe von 138 m noch immer die größte Pyramide ist. Es ist ein merkwürdiges Gefühl, hier zu sein und sie vor Dir aufragen zu sehen. Rechts dahinter sah ich die Chephren-Pyramide, deren Spitze auch heute noch mit dem glattpolierten, ehemals weißen Kalkstein verkleidet ist. Doch eins nach dem Andern.
Ist das ein Gruß des Sonnengottes?Neben der Cheops-Pyramide stieg gerade die Sonne an den Himmel. Extra für mich! Nach etlichen Fotos begab ich mich zum heutigen Eingang. Er liegt an der Nordseite der Pyramide und wurde von Grabräubern etwa 15 Meter unterhalb des ursprünglichen Eingangs gegraben, um große Blockiersteine zu umgehen. Ein paar der stufenartig angeordneten Außensteine muss man erklimmen, und schon geht es hinein. Anfangs geht es durch einen niedrigen, ebenen Gang, man steigt dann ein paar Treppenstufen hinauf, und dann beginnt der schräge, steile und anfangs schmale Schacht in der Pyramide hinauf, der aufsteigende Korridor. Circa alle 30 cm sind schmale Holzlatten am Boden angebracht, damit man Halt findet.
Herrlich!
Unter dem Eingang zur Pyramide
Die Kamele warten auf einen Ritt mit einem Touristen
Angeleinte Fortbewegungsmittel
An den Königinnenpyramiden
Ehemalige Bootsgrube
Hier befand sich die Sonnenbarke des Cheops
So, jetzt gehe ich hinein!
Es geht hinauf
Durch den ebenen Gang
Weiter geht's
Nun geht es hinauf in den aufsteigenden Korridor
Der aufsteigende KorridorNach 37 Metern des gebückten Gangs beginnt die Große Galerie. In diesem, nun sehr hohen, aber noch genauso schrägen Schacht kann man wieder aufrecht gehen, und der Aufgang verläuft zunächst zu beiden Seiten eines tiefen, horizontalen Gangs in der Mitte, der zu einer gesperrten Königinnenkammer führt. Die Große Galerie besitzt ein Kraggewölbe, das heißt, die Seitenwände nähern sich mit zunehmender Höhe immer weiter an, bis der Schacht an der Decke so schmal ist, dass er durch die waagerechten Deckensteine überbrückt werden konnte. Nach 46 m endet die Große Galerie und mündet in den nun ebenen, nur 1,05 m hohen, aber zum Glück auch nur 7 m langen Korridor zur Grabkammer. Hier muss man auf allen Vieren krabbeln oder sich sehr tief bücken.
In der Großen Galerie
Blick zurück
Dann verläuft der Weg nur noch in der Mitte
Auch hier ein Blick zurückIch stand in der Grabkammer von König Cheops. Der Granitsarkophag befindet sich vor der hinteren Wand. Am Ziel angelangt, muss man natürlich etwas verweilen. Ein paar Damen lehnten mit ausgestreckten Armen an der Seitenwand, um den Moment in gebührender Form zu würdigen und in sich aufzunehmen. Einen kurzen Moment tat ich es ihnen gleich, bevor ich einen Blick in den Sarkophag warf. Ein Einheimischer im Innern verlangt für seine „Dienste“ natürlich etwas Bakschisch. Hier gibt man einfach 20 Pfund. Dann ging es wieder hinab. Außen angelangt, setzte ich mich auf die unteren Pyramidensteine und nahm einen Schluck aus der Flasche.
In der Grabkammer
Leer, das Ding
Vor dem Sarkophag
Wieder hinaus, vorbei am fleißigen Einheimischen
Am Ausgang
Blick in Richtung KairoIch lief nach Westen um die Pyramide herum. Neben den Resten von Cheops Totentempel, von dem nicht mehr viel zu sehen ist, befindet sich hier eine ehemalige Bootsgrube. Hier fand man 1954 die Sonnenbarke des Cheops. Mittlerweile hat man sie jedoch ins Museum gebracht. Sonnenbarken wurden im Alten Ägypten neben den Gräbern der Pharaonen vergraben. Sie sollten dazu dienen, die verstorbenen Herrscher ins Jenseits zu bringen. Rund um die Pyramide warteten viele Einheimische mit ihren Kamelen, um den Touristen einen Ritt auf den Tieren anzubieten. Ich brauchte sowas jedoch nicht, da ich bereits in Marokko auf einem Kamel geritten war. Das reichte mir. Ich stapfte durch den Sand. Hier stehen die drei Königinnenpyramiden der Königinnen Hetepheres I., Meritetis I. und Henutsen, doch von ihnen ist – zumindest oberirdisch – nicht mehr viel übrig. Daneben schließt sich der Ostfriedhof an. Unter Anderem befinden sich hier Gräber der Meresanch III., von Seschemnefer IV. und andere Mastabas. Eine Mastaba ist im Prinzip die Urform einer Pyramide. Bevor man Pyramiden baute, bestattete man Tote in so genannten Mastabas, rechteckige, flache Grabbauten. Später begann man dann, diese Mastabas aufeinander zu stellen und erfand dadurch wahrscheinlich die Pyramiden. Ich folgte einem Schild zu dem Grab von Meresanch III., doch konnte es nicht finden.
Hinten steht die Chephren-Pyramide
Um die Pyramide herum
So ein Foto kostet natürlich etwasEs war heiß geworden. Immer wieder holte ich eine Flasche mit den noch immer kühlen Getränken aus meinem Rucksack. Mein Schal hatte sich geöffnet. Ich fragte einen der Kamelbesitzer, ob er ihn mir neu binden könnte. Die Ägypter können das einfach besser. Dafür bekam er einen Obolus. Von hier konnte ich den Kopf der Sphinx, des großen Wachhunds der Pyramiden, im Tal sehen. Ein besonderer Moment. Dann ließ ich mich, entgegen meinem ursprünglichen Willen, doch bequatschen und nahm für kurze Zeit die Dienste eines Guides – die man im Normalfall nicht braucht – in Anspruch. Doch erst durch ihn erfuhr ich, dass man auch in die Pyramide von Königin Hetepheres I. konnte. Das hatte ich übersehen. Zusätzlich versprach er, mir das Grab der Meresanch III. zu zeigen, welches ich nicht gefunden hatte. Na, dann mal los.
Der Kopf der Sphinx
Da haben sich welche überreden lassen
Zwischen den Mastabas
Reger Verkehr
Warum anstrengen, wenn man auch liegen kann?Hetepheres I. war wahrscheinlich die Gemahlin des Pharaos Snofru und Mutter des Cheops. Bei meinen Reisevorbereitungen hatte ich ihren Namen im Geiste immer „Heteferes“ ausgesprochen. Wie der Guide mir erklärte, spricht man die Silben getrennt voneinander aus und den zweiten Teil mit einem p, also sagt man: „Hete-Peres“. Ich hätte gar nicht gedacht, dass eine der Königinnenpyramiden wirklich noch begehbar ist, da sie, wie gesagt, oberirdisch heutzutage eher Schutthalden ähneln. Doch zu meinem Erstaunen war im Innern wirklich noch alles intakt. Hier ging es hinter dem Eingang sogleich schräg nach unten. Der Abstiegsschacht war enger als der in der Großen Pyramide. Es kam eine kleine Plattform, auf der man sich aufgerichtet kurz ausruhen kann, dann folgt der nächste Schacht in die Tiefe. Wieder eine Plattform, dann noch tiefer. In einer Tiefe von 27 m mündet der Schacht in den 1,92 m hohen Eingang zur Grabkammer, der mittels einer Metallleiter erreicht wird. In der ansonsten leeren Kammer befinden sich einige alte Graffiti an den Wänden. Die Pyramide ist insgesamt aufgrund der kleineren Größe natürlich schneller zu begehen, doch wegen der Enge der Schächte ist es dennoch anstrengend.
Eingang in die Pyramide der Hetepheres I.
Plattform zwischen den Abstiegsschächten
Weiter hinab und Blick zurück
Metalleiter in die Grabkammer
In der Grabkammer von Königin Hetepheres I.Dann liefen wir hinab zum Grab von Meresanch III., und hier staunte ich nicht schlecht. Anders als in den Pyramiden, finden sich in diesem Grab fantastische Wandmalereien mit Szenen aus dem Leben der Verstorbenen, Hieroglyphen und sehenswerte Wandreliefs. So etwas hatte ich bis jetzt noch nicht gesehen, und es bedeutete mir viel, das zum ersten Mal mit eigenen Augen betrachten zu können. Obwohl man nicht fotografieren sollte, gelang mir eine Handvoll Aufnahmen.
Mein Guide schreitet voran
Am Grab von Meresanch III.
Reliefs im Grabesinnern
Reliefs und StatuenDas geschriebene Wort oder die gemalte Figur hatten im Alten Ägypten eine große Bedeutung. Wenn der Zeichner die richtigen, magischen Formeln dazu sprach, erwachte das Gemalte zum Leben. Dieser Glaube ging sogar so weit, dass Figuren oder Körper, die nicht zum Leben erwachen sollten, verstümmelt gemalt werden mussten. Manche der Malereien im Inneren der Gräber waren Anleitungen für den Verstorbenen. Die Seele musste imstande sein, den Verstorbenen wiederzuerkennen, weswegen es auch von großer Wichtigkeit war, ihn zu mumifizieren. War dann die Seele in ihn zurückgekehrt, konnte er anhand der Anweisungen an den Wänden den Weg in das Jenseits finden. Manchmal malte man Augen auf die Außenseite vieler Sarkophage, damit der Verstorbene herausschauen konnte.
Die teils noch farbigen Reliefs zeigen Szenen aus dem alltäglichen Leben
Ruderer mit Barken
An den StatuenMeresanch III. war eine Enkelin von Pharao Cheops. Sie war mit ihrem Onkel, König Chephren, verheiratet. Solche Verwandtenehen waren im Alten Ägypten völlig normal, denn selbstverständlich wollte man das königliche Blut nicht durch außerfamiliäre Ehen verwässern. Die Nachteile solcher Ehen kannte man noch nicht. Meinem Guide habe ich ca. 400 Pfund gegeben, was ca. 7,50 € ausmacht, aber die hatte er sich sicher verdient.
Ich folgte der Teerstraße um die Cheopspyramide herum
Das Foto kostete mich nichtsMittlerweile hatten wir 9 Uhr, also noch immer früh am Morgen. Nun wollte ich mir gern den Westfriedhof anschauen, der wie der Name schon sagt, westlich der Großen Pyramide liegt. Da es dort jedoch keinen Zugang gibt, lief ich zunächst auf der geteerten Straße in Richtung der Chephren-Pyramide, um dann kurz vor deren Erreichen nach Westen abzubiegen und einen kleinen Hügel in Richtung Norden zu überqueren. Ich war mir nicht sicher, ob man das durfte und wollte es einfach versuchen. Nun war ich unten zwischen den verschiedenen Grabanlagen und lief im Sand an ihnen vorbei. Von der Straße neben der Cheops-Pyramide aus konnte man mich hier nicht sehen. Da ich keinerlei Beschriftung fand, lief ich weiter. Dann sah mich ein Aufpasser vom Straßenrand aus und rief: „Hey, where do you go? It is not allowed!“ So ein Mist. Da hatte ich mich entdecken lassen. Er ließ mich jedoch nicht von dort aus auf die Straße zurück. Ich musste auf dem Hügel bis ganz nach oben gegenüber der Cheops-Pyramide weiterlaufen und durfte erst dann hinunter zur Straße, was bedeutete, dass ich nun ein zweites Mal von der Cheops-Pyramide auf der geteerten Straße zur Chephren-Pyramide laufen musste. Egal, ich war ja selbst schuld.
An der Chephren-Pyramide
Der Westfriedhof
Zwischen den Gräbern des Westfriedhofs
Auf Erkundungstour
Noch einmal vorbei an der Cheops-PyramideEine der Pyramiden ist leider stets zur Restauration für die Besucher geschlossen. Dies traf leider auf die Chephren-Pyramide zu. Der Pharao mit dem altägyptischen Namen Chaefre war einer der Söhne von Cheops. Von weitem wirkt die Pyramide größer als die Cheops-Pyramide, was jedoch an dem steileren Neigungswinkel und dem etwas höheren Untergrund liegt. Wahrscheinlich war das auch so beabsichtigt. Tatsächlich war die Pyramide in alter Zeit 143 Meter hoch und misst heute noch 136, also 2 Meter weniger als die seines Vaters. Am Fuße des Bauwerks legte ich eine kurze Pause ein.
Verschlossener Eingang zur Chephren-Pyramide -
Tag 3 – Auf dem Gizeh-Plateau (13.10.2024, 2. Tageshälfte)
Nun wandte ich mich der dritten Pyramide zu, dem Grabmal von Pharao Mykerinos mit dem altägyptischen Namen Menkaure, neben dessen Bauwerk sich ebenfalls 3 Königinnenpyramiden befinden. Gern hätte ich jedoch auch einen Aussichtspunkt im Südwesten besucht, von dem aus man alle Pyramiden nebeneinander sieht. Man nennt ihn „9 pyramids“, doch waren das hin und zurück über 3 Kilometer, und das wollte ich meinen Füßen nicht mehr zumuten. Ich ließ mich von einem Kutschfahrer überreden, mich dort hinzubringen. Sein Pferd hörte auf den Namen „Rambo“. Die Fahrt hatte sich gelohnt. Der Blick vom Aussichtspunkt ist fantastisch. Auch der Kutschfahrer erhielt ca. 300 Pfund.
Die Mykerinos-Pyramide
Mein Kutschfahrer
Auf der Kutschfahrt
Spielereien
Ein anderes Pferdetaxi
"9 pyramids"Vor der Mykerinos-Pyramide befand sich ein Markt, auf dem der übliche Krims-Krams verkauft wurde, doch ich lief weiter vor den Eingang der Pyramide. Auch hier ließ ich mir meinen Schal neu binden. Ich machte den Fehler, mir noch einen weiteren Schal, Tücher, eine Art Befestigungskranz und kleineren Krempel in die Hand drücken zu lassen, die mir der betreffende Herr angeblich schenken wollte. Und dann forderte er Geld. Als ich ihm nicht so viel geben wollte, wie er sich vorstellte, forderte er einen Teil der Sachen zurück. Das meiste davon brauchte ich sowieso nicht, und doch hat er mehr bekommen, als er verdiente. Man muss hier wirklich aufpassen. Ich wandte mich dem Eingang zu.
Zurück an den Pyramiden
Vor der Mykerinos-PyramideMykerinos herrschte etwa von 2530 bis 2510 v. Chr., und es wird angenommen, dass er ein Sohn von Chephren war. Die einzige bekannte Gemahlin des Mykerinos war Chamerernebti II., in deren Grab ihre Mutter gleichen Namens erwähnt wird, Chamerernebti I., was bedeutet, dass Mykerinos demzufolge mit seiner Schwester verheiratet war. War die Pyramide ursprünglich 65 Meter hoch, so misst sie heutzutage noch 62. Sie ist die kleinste der drei großen Pyramiden, aber zu ihrer Zeit war sie die schönste. Einst war sie mit rosa Granit aus Assuan verkleidet. Sie hat ein riesiges Loch in ihrer Nordseite über dem heutigen Eingang, das im 12. Jahrhundert vom Sohn Saladins in der Hoffnung gebohrt wurde, im Inneren des Gebäudes einen Schatz zu finden.
Eine hölzerne Treppe führt zum Eingang. Sodann ging es einen schrägen, tiefen Schacht nach unten, den man selbstverständlich wieder in gebückter Haltung hinabsteigen muss. Nach einer gewissen Zeit änderte ich meine Technik. Da es sowieso einfacher ist, diese Schächte rückwärts hinabzusteigen, ging ich dazu über, nicht nur mit den Füßen auf die angebrachten Bretter zu steigen, sondern auch die Hände auf diese zu setzen, so dass ich praktisch auf allen Vieren hinabstieg. Dadurch ist es wesentlich einfacher, diese gebückte Haltung auf Dauer beizubehalten. Der Allerjüngste bin ja auch ich nicht mehr. Nach 32 Metern mündet der Schacht in eine Art Vorraum. Von hier führt der Stollen wiederum horizontal in das Zentrum des Bauwerks, die Vorkammer. Über einen Zugang im Fußboden der Vorkammer führt eine kurze Passage in die tiefer gelegene eigentliche Grabkammer.
Der Eingang
Hinab
Immer tiefer, 32 m lang
Horizontaler Zugang zur Vorkammer
Verschlossene Kammer
Weiter hinab
Die Grabkammer - kein Sarkophag mehr daNun war ich im Innern von 3 Pyramiden. Das machte mich glücklich. Ich wanderte um die Pyramide herum. Bei den drei Königinnenpyramiden ist man sich nicht ganz sicher, für wen sie gebaut wurden. Eine von ihnen war vielleicht für die Königin Chamerernebti II. bestimmt. In der Grabkammer einer Anderen wurde die Mumie einer jungen Frau gefunden, deren Name nicht bekannt ist. Wie üblich, befindet sich östlich der Pyramide vorgelagert, der aus Kalksteinquadern erbaute Totentempel. Das ist auch bei den beiden anderen Pyramiden so. Und etwas tiefer im Tal liegt dann der jeweilige Taltempel. Dazwischen befindet sich üblicherweise der einige Hundert Meter lange Aufweg. Den Taltempel ließ ich unten liegen und marschierte zurück nach Norden zum Aufweg von Chephren. Diesen wanderte ich hinab in Richtung des Taltempels von Chephren. Ich passierte noch einige Kamele mitsamt Reitern und ließ den Hügel hinter mir.
Die Königinnenpyramiden neben der Mykerinos-Pyramide
Hinter der Mykerinos-Pyramide
Die Reste des Totentempels
Dies ist der Aufweg zwischen Taltempel und Pyramide von Pharao ChephrenLinks neben mir lag die Sphinx, jedoch hinter einer Mauer; bis auf den Kopf, der früher einmal farbig war und einen Pharaonenbart besaß, und einen kleinen Teil des Oberkörpers konnte ich noch nichts sehen. Der Zugang liegt unten nach Gizeh hin beim Taltempel des Chephren, neben dem ich meinen Weg fortsetzte. Auch hier ist eine Art Markt mit Ständen. An einem der Stände entdeckte ich Postkarten. Ich brauchte ja welche, um sie den Freunden daheim zu senden, also suchte ich mir 5 aus. Der Verkäufer hieß Ashraf, ein Ägypter in den Fünfzigern mit grauem Bart. Er war nett. Ach schau an, er hatte sogar Magnete. Mein Freund Marco in Deutschland hat den kompletten Kühlschrank voll mit Postkarten und Magneten. Das wäre ein tolles Mitbringsel, also suchte ich noch einen schönen Magneten mit den Pyramiden und einem Kamel im Vordergrund aus. Ich zahlte.
Am Taltempel des Chephren
Der Kopf der SphinxMeine Füße qualmten, meine Beine brauchten eine Pause. Ob Ashraf das sah? Keine Ahnung. Er bot mir an, mich zu setzen und rief seine Tochter, die mir einen Tee bringen sollte. Er wolle dafür nichts haben. Ashraf betonte, dass es ihn beleidigen würde, wenn ich ihm dafür noch was gäbe. Huch, eine solche Gastfreundschaft habe ich hier nicht erwartet. Bislang war ich fast ausschließlich andere Leute gewohnt. Unfassbar nett. Wir nahmen in seinem Zelt Platz. Plötzlich waren wir in einer Unterhaltung vertieft. Wir quatschten über vieles, Gott und die Welt. Natürlich ist Ashraf gläubig. Er ist der Meinung, dass man von Allah alles bekäme, was man zum Leben braucht. Deswegen sei es unanständig, nach mehr zu gieren. Wir redeten über das Leben in Ägypten und die Regierung, die Ashraf nicht mochte. Das dürfe er doch gar nicht sagen, merkte ich an. Ja, aber mir könne er das ja ruhig anvertrauen, das würde er spüren, sagte er. Ich erklärte, dass ich mit Religion grundsätzlich nicht viel anzufangen weiß, ich mich jedoch für den alten ägyptischen Glauben fasziniere. Ashraf rief wieder seine Tochter. Sie solle noch einen Tee für mich bringen. Ich konnte nicht ablehnen. Ashraf war so nett, und ich brauchte die Pause. So saß ich mindestens eine halbe Stunde mit ihm zusammen. Wenn ich wieder einmal in der Nähe sei und Hilfe brauchte, solle ich zu ihm kommen. Unglaublich, dieser Ashraf.
AshrafDann setze ich meinen Weg fort. Ich besuchte den Taltempel von Chephren. Der Weg hinein führte durch hohe, eckige Säulen. Okay, aber nicht besonders sehenswert. Doch wo ging es denn nun zur Sphinx? Nirgendwo war ein Eingang. Ich lief zur anderen Seite. Hier war der Zugang gesperrt. Schließlich fragte ich einen Einheimischen. Er hatte mich schon vorher gesehen, sagte er. Der Zugang war im Taltempel. Oh, das hatte ich gar nicht wahrgenommen. Also wieder hinein in den Taltempel des Chephren. Und hinten, an einer Seite, war wirklich noch ein Durchgang. Da hatte ich wohl gepennt.
Im Taltempel des Chephren
Hhm, hier vorn ist geschlossen.
Zurück durch Chephrens TempelDann stand ich vor ihr. Welch Anblick. Man fragt sich heute noch, wen sie darstellen sollte, ist jedoch im Allgemeinen der Ansicht, dass sie wohl das Antlitz des Chephren trug. Die zum Bau verwendeten Steine haben das gleiche Alter wie Chephrens Pyramide, außerdem steht sie perfekt davor, um einfach als eine Art Wachhund zu fungieren. Irgendwann einmal wurde der Bart abgeschlagen, um ihre Macht zu brechen. Direkt zu ihr kann man nicht gehen. Das ist Archäologen vorbehalten, aber man geht auf einem Weg direkt neben ihr an ihr entlang. Sowieso hat man festgestellt, dass direkt unter der Sphinx in alten Zeiten ein Hafen war. So konnte man die Steine zum Bau der Pyramiden, die zumeist aus dem Steinbruch Gebel el-Silsila in der Nähe von Assuan kamen, perfekt hierhin verschiffen. Und genau auf diese Art und Weise ist der schlaue Ägypter damals oft vorgegangen. Dort, wo man etwas bauen wollte, hat man einfach einen Kanal gegraben, damit das Wasser des Nils dorthin reichte und man ihn, zumindest während der Nilschwemme im Sommer, mit den schweren Booten befahren konnte. Gar nicht dumm, der alte Ägypter. Die Sphinx so betrachten zu können, war fantastisch. Der Körper eines Löwen, aber das Gesicht des Pharaos. Der Löwe wurde allgemein zur Darstellung der Kriegsgöttin Sachmet verwendet. Dies sollte wohl die Stärke des Pharaos dokumentieren. Die Sphinx ist nicht hier aufgebaut worden, sie wurde aus dem bereits vorhandenen Stein herausgemeißelt. Lediglich der Unterkörper ist aus einzelnen Steinen gemauert. Ich ging an ihr entlang, betrachtete sie von hinten.
Da ist das Ding!
Die Sphinx in voller Größe
Mal etwas näher betrachten
Heiko und die Sphinx
Das HinterteilIch hatte eine geführte Tour im Grand Egyptian Museum (GEM) um 16:00 Uhr gebucht. Normalerweise gedachte ich, dorthin zu laufen, aber in Anbetracht der Umstände war mir das nun zu weit. Sowieso befürchtete ich, genau zur falschen Zeit am richtigen Ort zu sein. Das GEM wurde nun bereits seit vielen, vielen Jahren gebaut und die Eröffnung immer wieder verschoben. Es ist als Riesenattraktion gedacht, die den Pyramiden das Wasser reichen kann, damit Ägypten wieder mehr Touristen anziehen kann. Alle Schätze – oder jedenfalls die Meisten – sollen hier vereint werden. Der Blick aus dem Museum heraus geht genau zu den Pyramiden. Nun sind wahrscheinlich die meisten wichtigen Artefakte aus dem alten Ägyptischen Museum bereits ausgeräumt. Aber im Grand Egyptian Museum sind sie noch nicht zu sehen, da bislang nur ein kleiner Teil für die Touristen zugänglich ist. Ein Dilemma. Bislang ist eben nur diese geführte Tour zu buchen, die lediglich einen kleinen Teil des neuen Museums beinhaltet. Aber ich wollte es sehen. Für umgerechnet 20 € wollte ich an der Tour teilnehmen und einfach sehen, was bereits zu sehen ist.
Ich lief einen kleinen Teil des Weges und nahm dann ein Taxi. So kam ich etwas früher an als gedacht, und obwohl ich um 16:00 Uhr die geführte Tour gebucht hatte, durfte ich bereits um 15:00 Uhr an der stündlich stattfindenden Führung teilnehmen. Wenn man die Sicherheitsschleusen passiert hat, gelangt man wieder auf einen großen offenen Hof mit Palmen, ein wenig Schatten spendenden Zeltdachteilen und schließlich dem Hängenden Obelisken vor dem Eingang. Das Museumsinnere ist modern gestaltet. Unsere Gruppe bestand aus ca. 40 Personen. Wir bekamen eine Art Audio Guide, durch den man der Stimme unserer Führerin lauschen konnte, auch wenn man weit entfernt war. Zunächst betraten wir die Große Halle. Sie wird von einer großen, 3.200 Jahre alten Statue von Ramses II. dominiert. Sie ist 11 Meter hoch und wurde im ehemaligen Memphis (heute Mit Rahina), der ersten Hauptstadt des Alten Ägyptens, gefunden.
Am Great Egyptian Museum (GEM)
Im Innern
Das Museum
Kolossalstatue Ramses II.
Mit königlichen Kartuschen verzierte Wände
Königliche StatuenWir bekamen erklärt, warum sämtliche Statuen immer den linken Fuß vorn haben. Auf der linken Seite sitzt das Herz. Für die alten Ägypter war das Herz der Sitz der Emotionen, aber auch der Intelligenz und des Willens. Indem der König mit dem linken Fuß nach vorne schritt, zertrat er symbolisch das Böse – damit das Herz weitergehen konnte. Dann stiegen wir die Große Treppengalerie hinauf. Unser weiblicher Guide bezog uns oft mit ein, indem verschiedenen Fragen gestellt wurden. Wer es wusste, konnte die Hand heben. Auf der Treppe stehen über 60 bemerkenswerte Artefakte, wie z. B. eine Vielzahl großer, beeindruckender Statuen von Göttern oder Königen in sitzender und stehender Position, Portale, Stelen, Sphingen, eine Obeliskenspitze von Königin Hatschepsut, Sarkophage und Säulen. Die Führung dauerte eine knappe Stunde, und wenn das auch recht beeindruckend war, ist es doch schade, wie wenig man als Tourist bislang betrachten kann. Für den Weg zur Unterkunft nahm ich wieder ein Taxi.
Große Treppengalerie
Sitzstatuen
Portal mit Säulen
Weiteres Portal
Sphinx mit dem Kopf von Amenemhat III.
Spitze eines Obelisken von Königin Hatschepsut
Sphinx der Könige Ramses II. und Merenptah
Durchaus beeindruckend
Statue des Gottes Ptah, König Ramses II. und Königin Sachmet - man sieht also, er ist mit ihnen auf Augenhöhe
Ramses II. mit Göttin
Sieges-Stele von König Merenptah
Nochmal Ramses II. mit Göttin
Schrift auf einer Stele
Sarkophag von Königin Meresanch III.
Sarkophag in Körperform
Sarkophag von Thutmosis I.
Blick zu den Pyramiden
Obelisk von König Merenptah
Blick von der Großen Galerie
Amenophis III.Für das Abendessen hatte ich mir das einheimische Restaurant Pyramids unweit der Unterkunft ausgesucht. Ich begab mich in das Getümmel von Kutschen, einzelnen Reitern, anderen Fahrzeugen und Fußgängern, beantwortete unzählige Fragen, ob ich Hilfe bräuchte oder ein Taxi, mit „nein“, widerstand einigen Versuchen, mich in verschiedene Läden zu lotsen und setzte mich an einen freien Tisch im Restaurant. Ich hatte mir ein Gericht aus Suppe, Kebap, Köfte, Hähnchen, Reis, Salat und Brot ausgesucht. Das schmeckte sehr gut. Dazu wird in Ägypten oft eine Tahini serviert. Ich hielt es zunächst für eine Art Erdnussbutter, da es so ähnlich schmeckt, aber es handelt sich um eine Paste aus fein gemahlenen Sesamkörnern. Das Ganze kostete umgerechnet mit Getränk noch nicht einmal 10 €. Der Tag klingt nun auf meinem Balkon aus. Mit einem Glas Wein folge ich den Lichtstrahlen der Sound- & Lightshow, die hier allabendlich stattfindet. Die Pyramiden werden erleuchtet und hin und wieder auch von den sich bewegenden Lichtstrahlen erfasst. Ein Ticket kostet um die 20 €, aber von meinem Balkon aus kann ich es mir kostenlos anschauen. Eben habe ich festgestellt, dass ich von hier vom Balkon aus sogar den Kopf der Sphinx sehen kann. Das habe ich vorher gar nicht bemerkt. Was für ein toller Tag!
Auf dem Weg zum Restaurant
Suppe
Abendessen
Sound- & Lightshow vom Balkon aus -
Ganz große Klasse, Heiko! So habe ich die Sehenswürdigkeiten von Kairo noch nicht gesehen. Insbesondere die Details vom Inneren der Pyramide sind uns unbekannt. Man sieht vielleicht noch diese Bauwerke genauso wie die Sphinx von außen und noch dazu aus weiter Entfernung. Dann gibt es noch Detail Aufnahmen von Millionen Touristen, wie sie auf den unteren Stufen der Pyramiden herum kraxeln. Dass es jedoch so beschwerlich ist bis zur Grabkammer vorzustoßen wusste ich auch nicht. Diese Art der Besichtigung ist also nicht für jeden Touristen geeignet.
Dazu deine detaillierte Kenntnis der altägyptischen Geschichte. Respekt! Und natürlich wäre es kein Bericht von Heiko wenn Heiko nicht in das Leben der Ägyter eintauchen würde und uns Details schildert. Die Bakschisch Mentalität ist anscheinend doch nur zu 99 % und nicht zu 100 % in Ägypten verbreitet.
Dazu deine Bilder vom neuen ägyptischem Museum. Toll haben die das gemacht. Was schätzt du eigentlich wie groß der Teil der gesamten Museumsanlage ist, die du bei deinem Besuch besichtigen konntest? Was wird den Touristen dort künftig noch erwarten? Vermutlich auch eine Art Schatzkammer mit all dem Gold und Geschmeide und den wertvollen Funden aus diversen Gräbern. Allen voran natürlich die Funde aus dem Grab von Tut Anch Amun. Vor Jahrzehnten habe ich in München eine Sonderausstellung besucht, wo alle diese Funde im Maßstab eins zu eins nachgebaut wurden. Diese Sonderausstellung ging dann um die Welt. Das hat mich damals schon sehr beeindruckt.
Was ist eigentlich an dem Gerücht dran, dass Napoleons Truppen vor gut 200 Jahren ihre Kanonen auf die Sphinx gerichtet haben um Zielübungen zu veranstalten? Angeblich sei dabei ja die Nase das Hauptziel gewesen.
Grüße
Jürgen
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Dass die Nase durch Napoleons Soldaten abgefallen ist, ist natürlich Humbug. Wie in meinem Bericht erwähnt, wurde sie wohl abgeschlagen, um die Macht der Sphinx zu schwächen. Das dürfte bereits relativ kurze Zeit nach Chephrens Herrschaft passiert sein. Es ist im Alten Ägypten oft vorgekommen, dass politische oder religiöse Gegner nach dem Ende der Herrschaft des Pharaos Bauwerke verunstaltet haben.
Das Great Egyptian Museum wurde nun am 01.11.2025 endlich vollständig eröffnet, nachdem dies schon viele Jahre zuvor geschehen sollte, aber in Ägypten ist man nicht so schnell mit der Umsetzung. Mittlerweile sollte sich der Großteil aller auszustellenden Artefakte im GEM befinden und auch die Ausstellung von Tutanchamun, die sich 2024 noch im Alten Ägyptischen Museum befand. Als ich dort war, war nur ein ganz kleiner Teil bereits für die Öffentlichkeit zu sehen, vielleicht höchstens 15 %. Meines Wissens nach war der Eintritt zu diesem Zeitpunkt nur mit Buchung dieser Guided Tour möglich. Aber auch das Alte Ägyptische Museum wird ja weiterhin genutzt.
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Mittlerweile sollte sich der Großteil aller auszustellenden Artefakte im GEM befinden und auch die Ausstellung von Tutanchamun, die sich 2024 noch im Alten Ägyptischen Museum befand.
Lieber Heiko! Danke für deine ausführlichen Berichte. Obwohl mich Ägypten bislang als Reiseziel nicht interessiert hat, würde ich mir gerne dieses Museum ansehen. Allerdings bin ich zum Thema Ägypten ziemlich uninformiert und müsste mich davor erst einlesen. Du bist hier ja augenscheinlich bestens informiert und vorbereitet die Reise angetreten. Planst du noch einen weiteren Besuch in diesem Museum? Da braucht es ja viel Zeit.
Nachdem das Gute aber auch so nah liegt, plane ich erst einmal Epheos. Nicht in der Türkei, da war ich schon, sondern in Wien, da gibt es ein bedeutendes Ephesos Museum, welches ich noch nie besichtigt habe.
Johannrs
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Oh, ob ich noch einmal nach Kairo - oder gehört es zu Gizeh? - komme, und in die Lage komme, mir dieses Great Egyptian Museum anzuschauen, halte ich eigentlich eher für unwahrscheinlich. Nun, da alle großen Artefakte in ihm vereint sind, wäre es das sicher wert, aber alle großen sind es auch nicht, da - wie gesagt - das alte Museum ja auch weiterhin betrieben wird. Die Büste von Nofretete z.B. ist in Berlin. Auch in Paris ist sicher noch Einiges ausgestellt. Am Ende ist es meist so, dass ich mich nach etwas Neuem sehne, und da ich in Ägypten nun eigentlich - Du wirst sehen - sehr vieles, von dem, was wirklich wichtig ist, gesehen habe, wird es eher nicht dazu kommen.
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Tag 4 – Erlebnisse südlich von Kairo (14.10.2024, 1. Tageshälfte)
Nachdem ich heute Morgen auf meiner Dachterrasse einigen kleinen Tragkoptern beim Fliegen über den Pyramiden zugeschaut hatte, bin ich raus. Es dauerte nicht lang, und Sayed fuhr mit seinem Suzuki vor. Er war mein Fahrer für heute. Und schnell erwies er sich als sehr nett. Wir fuhren an einem noch von den alten Ägyptern angelegtem Nebenlauf des Nils nach Süden. In Kairo ist der Verkehr natürlich das reinste Chaos. Jeder zweite Fahrer ist ständig am Hupen. Das machen sie einfach, um auf sich aufmerksam zu machen, wenn sie Deinen Fahrweg beschneiden. Fahrbahnmarkierungen kennen diese Straßen sowieso nicht. In Kairo gibt es auch keine Schilder. Ständig wird hupend die Spur gewechselt. Auf der großen Stadtautobahn, die auch über den Nil führt, gibt es ca. 5 – 6 Spuren, wenn es denn Spuren gäbe. Sagen wir besser, die Fahrzeuge fahren in 5 – 6 Schlangen hintereinander her. Jeder fährt dort hinein, wo er meint, am Schnellsten voranzukommen. Auch von links kommende Fahrzeuge drängeln sich manchmal einfach vor. Dazwischen Pferdekarren und kleine Tuk-Tuks. Einfach chaotisch. Ich habe einen Jungen beobachtet, der sich bei einer sich bietenden Gelegenheit einfach hinten an einen LKW gehängt hat, um so ein Stück des Weges mitzufahren. Das scheint hier nichts Besonderes zu sein.
Tragkopter über den Pyramiden von Gizeh
Sayed fährt vor
SayedAm Nebenarm des Nils wurde es ruhiger. Kleine Mädchen trugen Wasserkanister auf dem Kopf, Kamele ächzten unter der Last der Palmblätterbündel auf ihren Rücken, und einige Fischer waren bereits in ihren Booten am Angeln. Sayed konnte nur wenig Englisch, aber das war uns nicht sehr hinderlich. Wir nutzten einfach den Google-Translator. Er sprach etwas auf Arabisch und ich bekam es dann auf Deutsch zu hören oder andersrum. Mit der Zeit entstand trotz der Umstände eine immer angeregtere Unterhaltung, und Sayed hatte ständig das Handy in der Hand.
Zuerst fuhren wir nach Saqqara. Das ist eine Nekropole ungefähr 15 – 20 Kilometer südlich von Kairo. Ich zeigte meinen Cairo-Pass, und man gab sich zufrieden. Lediglich unsere Parkgebühren in Höhe von 20 EGP musste ich mittels Kreditkarte zahlen. Sowieso können viele Eintrittsgelder, wenn man denn keinen Cairo-Pass hat, nur mittels Kreditkarte gezahlt werden und nicht in bar. Wir parkten zunächst am Imhotep-Museum. Imhotep war unter vielen anderen Titeln, die er innehatte, auch der Architekt von König Djoser, dessen Pyramide wir gleich besuchen würden. Das Museum ist sehenswerter, als ich gedacht hätte, finden sich hier doch viele sehenswerte Artefakte, die durchaus einige Blicke wert sind. Viele Statuetten oder Schrifttafeln, aber auch tolle Zeichnungen auf Fels und vielerlei Erklärungen sind hier vorzufinden.
Eingang
Katzenmumie
Mumie mit Kartonage (Gipsmasken aus mehreren Papyruslagen)
Relief
Imhoteps Sarg
Blaue Fliesen aus der Stufenpyramide von König Djoser
Akhethotep, Aufseher und Priester der Sachmet, Altes Königreich
Mumie von Pharao Merenre I. (ca. 2.300 v. Chr.)
Kopf in Nahaufnahme
Unbekannte Kartonage
Kanopen aus AlabasterIch stieg zu Sayed ins Auto, und wir fuhren weiter. Ich wunderte mich, denn die grüne Vegetation mit Palmen und üppigem Grün endete abrupt und ging von einem Meter auf den nächsten in Wüste über. Dass die Grenze derart markant sei, hätte ich nicht gedacht. Wo war eigentlich meine Sonnenbrille? Sie war weg. Oh Mann, dann fiel es mir ein. Auf dem Parkplatz vor dem Imhotep-Museum hatte ich sie aufs Autodach gelegt und dann vergessen, als wir losfuhren. Der arme Sayed musste umdrehen und zurück zum Parkplatz, denn da musste die Brille ja schließlich irgendwo vom Dach gefallen sein. Ich lief den Parkplatz hoch und runter, schaute überall, doch von einer Sonnenbrille war weit und breit nichts zu sehen. Gut, dann isses eben so. Shit happens.
Auf der Fahrt zur Stufenpyramide von König Djoser
Da vorn ist sieDann fuhren wir zur Stufenpyramide von König Djoser. Hierbei handelt es sich um die älteste aller ägyptischen Pyramiden. Sayed wartete brav im Auto, bis ich denn wiederkommen würde. König Djoser, oder besser gesagt Imhotep, war der Erste, der damit begann, die rechteckigen Mastaba-Gräber aufeinanderzusetzen, natürlich mit steigender Höhe immer weiter verjüngt. Die Höhe maß ursprünglich etwa 60 Meter. Die Grundfläche ist nicht exakt quadratisch, sondern misst 123 Meter an der Ost-West-Seite und 107 Meter an der Nord-Süd-Seite. Ursprünglich war sie als klassische Mastaba geplant, dann aber, Stufe um Stufe nach oben und außen erweitert, bis die Form der Stufenpyramide geboren war.
Ich freute mich, denn das war für mich ein wichtiges Ziel. Durch einen Tempel mit hohen Säulen gelangt man auf das Gelände. Natürlich hatte ich schon viel darüber im Vorfeld in Erfahrung gebracht, doch ist es natürlich etwas Besonderes, selbst hier zu sein. Es gibt zwei Eingänge. Der Einzige für den Besucher frei gegebene Eingang führt relativ eben bis hin zur Grabkammer. Hier schaut man am Ende von oben auf den Sarkophag hinab. Ein weiterer, nicht zugänglicher Eingang führt auf der anderen Seite unten in die Grabkammer hinein.
Die Stufenpyramide
Durch den Tempel
Einheimischer im Tempel
An der Stufenpyramide
Eingang in die Pyramide
Ebener Gang zur Grabkammer
Am Ende des Gangs schaut man auf den riesigen Sarkophag hinab
Neben der Stufenpyramide
Der geschlossene Nordeingang - von hier kommt man direkt zum SarkophagDer gesamte Komplex umfasst natürlich noch vieles mehr, wie zum Beispiel das Südgrab, doch verzichtete ich hierauf, da die sehenswertesten Gänge ebenfalls nicht freigegeben sind. Von zwei Ägyptern mit ihrem Kamel machte ich noch zwei Fotos, natürlich nicht ganz unentgeltlich. Das Nächste, was ich zu besuchen gedachte, war die Pyramide des Unas, die direkt dahinter liegt. Von oben ist sie heutzutage nur noch ein Schutthaufen, doch ist das Innere genauso begehbar, wie in anderen Pyramiden. Das ließ ich mir natürlich nicht nehmen, und nachdem ich bei einem Händler ein eiskaltes Getränk kaufte, wir hatten auch heute wieder 33°, stieg ich in den engen Schacht hinab. Aber hier war es verhältnismäßig einfach. Man musste sich jetzt nicht sooo tief bücken, um im Schacht hinabzusteigen. Am Ende gelangt man in die durchaus etwas verzierte Grabkammer, in der sich zahlreiche Schriften an den Wänden befinden und eine mit Sternen verzierte Decke, um dem Toten den Aufstieg in das Himmelreich zu erleichtern. Diese ist eine der wenigen Pyramiden, in der die Wände bzw. Decke auf diese Art und Weise verziert sind. Ansonsten ist dies lediglich späteren Gräbern wie z.B. im Tal der Könige vorbehalten und für die frühen Pyramiden eigentlich eher eine unübliche Sache.
Einheimische vor der Stufenpyramide
Unas-Pyramide
In die Pyramide
Durch den Schacht hinab
Wand mit Hieroglyphen
Durchgang zur Grabkammer
In der Grabkammer
Mit Sternen verzierte Decke - ursprünglich wohl blau
Blick in den Sarkophag
Ausgang aus der Grabkammer
Texte an der Wand der GrabkammerIch ging hinüber zu einem weiteren Bereich, den man New Kingdom Metropolis nennt und für den ein Extra-Ticket notwendig ist, wenn man keinen Kairo-Pass sein Eigen nennt. Für mich war’s ja egal. Ein Einheimischer wartete jedoch hier und schloss bei Bedarf die einzelnen Gräber auf. Zuerst interessierte mich das Grab des Haremhab, welches jedoch wahrscheinlich nicht für ihn selbst zur Bestattung genutzt wurde, sondern eher für seine erste Frau. Haremhab war bereits während der Herrschaft Tutanchamuns Oberbefehlshaber des Heeres und bekleidete zahlreiche andere Ämter. In diesen Positionen führte er faktisch zusammen mit Eje II. die Geschicke Ägyptens für den heranwachsenden Tutanchamun, bevor er nach dessen frühem Tod und einer vierjährigen Herrschaft Ejes selbst zum Pharao wurde. Nun baute er für sich ein völlig neues Grab im Tal der Könige, das seiner nunmehrigen Position als König entsprach und mit allen erforderlichen Gängen, Kammern, religiösen Texten und Grabbeigaben versehen war, wie es im antiken Ägypten für einen Gottkönig angemessen war.
Auf dem Weg hinüber zum New Kingdom MetropolisDer Grabkomplex hier in Saqqara besteht aus einem Vorhof, einem großen Eingangspylon (ein Pylon ist eine Toranlage mit Türmen), offenen Höfen, Magazinen und Kultkapellen. In ihm stehen eine Vielzahl von Säulen und vereinzelte Stelen. Die Wände sind teilweise mit Reliefs mit Darstellungen aus seinem Leben und Hieroglyphen verziert. Die Farbe ist hier leider kaum noch erhalten, aber dafür sind die in den Stein getriebenen Reliefs noch gut zu erkennen.
Das Grab des Haremhab wird aufgeschlossen
Vorhof im Grab des Haremhab
Säule im Grab des Haremhab
Beeindruckende Stele
Erste Frau des Haremhab
An der Seite eines Durchgangs
Viele Reliefs sind recht gut erhalten
Eine Gruppe von sitzenden Ausländern
Da bekommt jemand einen Kinnhaken
Relief mit StreitwagenEinen kurzen Blick warf ich in das Grab von Maya, der zur Herrschaftszeit von Tutanchamun und Haremhab Schatzhausvorsteher war und zusätzlich Restaurierungsarbeiten im Tal der Könige durchführte. Die beiden Seiten vor dem Eingang beeindruckten mich, die hinter Holztüren verborgen waren, die der einheimische Junge extra aufschließen musste. Eine nicht mehr gut erhaltene Doppelstatue zeigt Maya gemeinsam mit seiner Frau Merit.
An den Eingangsseiten
Ob das seine Frau war?
Doppelstatue von Maya und seiner Frau Merit
Früher sah die Statue mal so ausIch kam zurück zu Sayed, der im Auto ein wenig gedöst hatte. Nachdem ich ihn gefragt hatte, wie alt er ist, stellten wir unter unser beider Erstaunen fest, dass Sayed nur einen Monat nach mir geboren ist. Das fand er sehr lustig. Ständig sprachen wir unter Grinsen in sein Handy, um uns zu unterhalten, und ich erfuhr so Einiges. Die einzigen Regeln, die man im Straßenverkehr kennen würde, wären Geschwindigkeitsbeschränkungen. Hier könne man hohe Strafen zahlen, wenn man Pech hat, aber dies kann niemals so weit führen, dass man seinen Führerschein verliert. Sayed erzählte mir von seiner Familie, seiner Frau und den zwei Kindern. Früher war er Buchhalter, sagte er. Seine Frau habe studiert, wäre aber ausschließlich daheim bei den Kindern.
Die Nekropole von Saqqara ist riesig, und um alles zu sehen, benötigt man sicher einen ganzen Tag. Man muss Prioritäten setzen. Wir fuhren etwa einen halben Kilometer nach Norden. Hier befinden sich die Pyramide von Teti und einige Gräber von Beamten. Auch die Pyramide von Teti ist oberirdisch stark zerstört, das Innere jedoch sehenswert. Ursprünglich war sie 52 m hoch. Auch hier stieg ich hinab. Der Weg führt 17 m weit schräg nach unten. Er mündet zunächst in eine kleine Gangkammer und verläuft dann etwa 25 m horizontal weiter. Durch eine Vorkammer kommt man dann in die Sargkammer. Der Eingang ist mit Hieroglyphen übersät; die Decke weist ebenfalls noch Sterne an der Decke auf, wie die Pyramide des Unas, aber nicht ganz so schön.
Pyramide des Pharaos Teti
Es geht hinab
Der horizontale Gang
Eingang zur Vorkammer
Eingang zur Grabkammer
Grabkammer mit Sarkophag
Blick zur DeckeIn der Nähe besuchte ich eines der Beamtengräber, die Mastaba des Mereruka. Dieses Grab sollte mich sprachlos machen. Es besteht aus sage und schreibe 32 Räumen und ist damit die gemäß der Anzahl der Räume aufwändigste bekannte Mastaba in Ägypten. Und die Farben der Wandreliefs waren teils sehr gut erhalten. Staunend stand ich vor der einen oder anderen Wand und betrachtete eine besonders große Vielfalt an dargestellten Szenen. Dieses Grab muss man gesehen haben. Mereruka muss wichtig gewesen sein, denkt man sich. Tatsächlich war er ein Wesir unter Pharao Teti. Es handelt sich hierbei um den ersten und obersten Beamten, der nach dem Pharao der zweite Mann im Staat war. Also wirklich wichtig.
Eingang zum Grab des Mereruka
Männer bei der Arbeit
Lotosblüten waren wegen dem Duft sehr beliebt
Bei einem Fest wird das Essen gebrachtUm sich hier alle Szenen aus dem Leben des Verstorbenen genau anzuschauen, braucht man sicher eine Stunde. Diese dargestellten Szenen sind für mich sehr interessant. Um alles zu verstehen, was man sieht, was die gezeigten Personen genau tun und warum sie dies tun, muss man tiefer in die Materie eintauchen, was sich sicher lohnt. Manche der Personen bringen Rinderbeine, andere tragen Geflügel, gebratene Schweine, Brot und Krüge. Vielleicht organisieren sie eine große Feier zu Ehren des Pharaos. Auf anderen Darstellungen sieht man Krieger, die mit Speeren Nilpferde bekämpfen. Andere bändigen Stiere. Fischer holen ihren Fang ein. Der Pharao riecht an einer Lotusblüte. Viele Ruderer steuern eine Barke. Manche der dargestellten Männer schneiden Getreide mit Sensen in den Gefilden der Binsen. So stellte man sich das Himmelreich vor. Diese und ähnliche Dinge sind immer wieder zu sehen. Das Grab besitzt auch eine Scheintür. Diese angedeuteten Türen konnten nicht von Lebenden durchschritten werden, sondern dienten lediglich dem Verstorbenen beim Verlassen seines Grabes. Auch eine Statue des Mereruka bekommt man zu Gesicht.
Männer bändigen einen Stier
Eine Suppe wird gebracht
Scheintür im Grab des Mereruka
Statue des Mereruka in einer Nische
Hier sind die Farben recht gut erhalten
Das Gefilde der BinsenIch bat Sayed, noch ein Stück weiter zu fahren. Ich wollte ein Stück nach Westen, um die ebenfalls sehenswerte Mastaba des Ti zu sehen. Sandwege führen hinaus in die Wüste. Sayed sagte, das könne er nicht fahren. Ich stieg aus. Nach einer Weile kam ich wieder. Das hatte keinen Sinn. Zu weit. Also stieg ich wieder ein, und wir fuhren nach Dahschur. Mittlerweile hatten wir Mittag. Wir hatten uns ständig was zu erzählen. Ich erfuhr Dinge über das Leben in Ägypten und erzählte ihm aus Deutschland. Sein Handy war ständig im Einsatz. Ich stellte Fragen, er erklärte. Es fühlt sich merkwürdig an, sich derart mit einem arabisch sprechenden Menschen zu unterhalten, dass man auf Deutsch spricht, wovon er ja nicht die geringste Ahnung hat, und das Gegenüber plappert auf Arabisch mit gestenreichen Bewegungen, was für einen lediglich Kauderwelsch ergibt, und die Übersetzungsfunktion erledigt den Rest. Aber sehr lustig. Die Straße war so schlecht, dass Sayed freiwillig daneben fuhr. Andere machten das genauso, also dachte ich mir, dass es wohl Sinn machen würde.
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