D 1873 Bayern > Oberbayern > Millihäusl DÜNZELBACH

  • hallo Rätselfreunde,


    heute habe ich mal ein Rätsel aus meiner Heimat für euch. Nein, den Standort möchte ich gar nicht wissen. Den sage ich euch nach der Auflösung. Ich will von euch den genauen Zweck dieses Häuschens wissen.


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    Viel Spaß wünscht


    jürgen

  • War das nicht eine Milchsammelstelle wo die Bauern früher ihre Milchkannen abgegeben haben?...

    hallo Waldi,


    wir "Landeier" kennen so was natürlich noch. Du liegst natürlich richtig! Ich habe hier ein sogenanntes Millihäusl, wie man im regionalen Dialekt zu dieser Milchsammelstelle sagt, abgelichtet. In Dünzelbach im Landkreis Fürstenfeldbruch steht das Einzige, welches ich persönlich noch kenne.


    Dazu ist folgendes zu sagen. Größere Dörfer hatten in unserer Region jeweils eine "Käskuch", also eine Molkerei, die meist genossenschaftlich organisiert war. Dorthin brachten die Bauern die Milch in Kannen aus Alu oder Edelstahl. Dort wurde die Milch gekühlt und auch verarbeitet zu Käse, Quark oder Butter.


    Wo die Käskuch weiter entfernt war und doch ein paar Kleinbauern mit wenigen Milchkühen existierten, gab es diese Millihäusl. Auch hier gab man die Milch in Kannen ab. Eine Kühlanlage fehlt hier jedoch. Ein oder zwei mal am Tage wurde dann die Milch usprünglich mit einem meist von einem Pferd gezogenen Wagen, dann von einem Traktor mit Anhänger und erst später mit einem Lkw abgeholt und zur nächsten Käskuch gebracht.


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    Die Rampe erleichtete das Abladen der gefüllten Milchkannen. Schräg gehalten konnten sie dann in den gekachtelten Raum verbracht werden. Gekachelt ist der Raum deshalb, weil immer wieder Milch verschüttet wurde und sich der Boden so leichter reinigen ließ.


    Übrigens war am Anfang des 20. Jahrhunderts das Panschen von Milch noch weit verbreitet. Was das ist erklärt uns Wikipedia:


    "Auch Milch wurde früher von den Vermarktern durch das Hinzufügen von Wasser „gestreckt“.[1] Als Gegenmaßnahme untersuchten Lebensmittelkontrolleure die Dichte der Milch mit Hilfe einer Tauchspindel (Aräometer), worauf die Verkäufer auf die Beimengung von Stärke zur verwässerten Milch auswichen, um die Dichte der Flüssigkeit wieder zu erhöhen. Dem traten die Lebensmittelkontrolleure wiederum entgegen, indem sie eine Iodprobe zum Stärkenachweis durchführten."

    grüsse


    jürgen

  • Das hätte ich "Landei" auch gewusst ! ;)

    War das Milchhäusle in unserem Dorf doch Treffpunk für uns Grundschulkinder wo wir uns nachmittags trafen und allerhand ausheckten,,,,

    Erinnerungen werden wach !


    Die Bauern im Dorf hatten nur wenig Milchkühe , sie betrieben vor allem Ackerbau. Und so war es normal, dass Milch in Kannen zum Milchäusle gebracht wurde und dort von einem dreirädrigen Kleintranporter , einem "Tempo" mit Pritsche, abgeholt wurde.



    Gruß,

    Elke

  • ELMA

    Hat den Titel des Themas von „Heimaträtsel - wer kann mir den Zweck dieses Häuschens erklären?“ zu „D 1873 Bayern > Oberbayern > Millihäusl DÜNZELBACH“ geändert.
  • So ist das halt mit den "alten" Landeiern, Jürgen.

    In meinem Geburtsort stand auch so ein Millihäusl.

    Nur hieß es in reinstem Hochdeutsch "Milchstelle". Es war aber eines der wenigen Wörter in Schriftdeutsch die in dem Ort gesprochen wurden.

    Amüsiert hat mich wenns doch einer probiert hat! :D

    Das klang dann ähnlich wie die Sache mit dem Kumpel im Biergarten.


    Ich bin oft noch mit der kleinen Milchkanne zum Bauern geschickt worden um Milch zu holen.

    Zu dieser Direktvermarktung sollten wir wieder zurück, meine ich.

    Ich vergesse nie wie der Hofhund immer aus der Hütte geschossen kam und kläffend auf mich zurannte.

    Die Kette schleuderte jedesmal sein Hinterteil in meine Richtung wenn sie stramm wurde.


    Liebe Grüße von waldi :174:

    Und immer neugierig bleiben!

  • hallo "Landei Waldi",


    ich kann mich noch daran erinnern, wie ich als Kind Ende der 60er Jahre herum immer in die untere Käskuch in Marktoberdorf mit meiner Milchkanne geschickt wurde. Die war zuerst aus Alu und mit der Zeit ziemlich verbeult. Später war die dann aus Plastik. Beide fassten 2 Liter.


    In der Käskuch wurde eine Handpumpe auf der Milchkanne fixiert und jedes Ziehen am Hebel förderte einen halben Liter Milch in meine Kanne. Gelegentlich kauften wir auch Butter und offenen Emmentaler dort. Supermärkte gab es zumindest bei uns noch nicht.


    Erst später, als meine Eltern Anfang der 70er Jahre ein Haus am Ortsrand gebaut hatten, fuhr ich mit dem Radl zum Aussiedlungsbauern um immer noch mit der Milchkanne dort die Milch zu holen. Im Winter ging es bei Schnee zu Fuß dorthin. Dabei kam es vor, daß ich zwei mal Milch holen mußte, weil ich schon mal auf der schlecht geräumten Straße hingefallen bin. Das war dann ein Theater. ;(


    In den 90er Jahren hat dann EHEC die Abholung von Milch beim Bauern in Kaufering wohin wir zwischenzeitlich als junge Familie gezogen sind beendet. Damals holte ich immer noch mit einer Milchkanne alle paar Tage Frischmilch vom Bauern. Entweder hängte man die Kanne direkt unter den Einlaufstutzen in den Edelstahlbehälter wo die Milch von der Melkmaschine kommend hineinfloß oder man schöpfte mittels einer Kelle Milch aus dem Behälter. Das war natürlich aus hygienischer Sicht suboptimal. Abgekocht wurde die Milch bis dato nie zuhause.


    Heute kommt Milch aus der Tüte und teilweise vom anderen Ende Deutschlands oder gar aus Austria.


    Bei deinem link zum Biergarten habe ich eigentlich diesen Sketch erwartet. Aber Hubert Aiwanger live ist natürlich auch ein guter Humorist. ;)


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    grüsse


    jürgen

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