Mit der "Juno" von Göteborg nach Stockholm

  • Kurz vor Söderköping freut sich ein alter Herr über die abgestoßenen Holzfender, die er mit seinem Rasenmähertraktor abtransportieren darf, als Brennholz. So weit ich weiss, werden sie immer am gleichen Platz abgeworfen, für den selben Nutzer.



  • Unser Stadtrundgang in Söderköping muss wegen Verspätung ausfallen. Trotzdem haben wir eine Weile Aufenthalt, weil Wasser gefasst und neue Holzfender herbeigeschleppt werden müssen. Und ich beschliesse, von Stockholm aus nochmal eine Tagestour dorthin zu machen, dazu später.



  • Beim Verlassen von Söderköping wird es schon dunkel - kein Wunder, das Ausflugs- und Restaurantschiff "Lindön" haben wir um 23:47 passiert.




  • 15.7.2019, letzte Nacht auf der Juno

    Lang nach Mitternacht nahe der Schleuse von Mem hab ich mich mit meiner eingeschränkt nachtbildtauglichen Kamera versucht, vor Antritt eines vierstündigen Schlafs. Wer Wert auf eine ausgiebige, bequeme und ungestörte Nachtruhe legt, sollte sich eine andere Urlaubsreise aussuchen.


    00:59


    01:55


  • Mittlerweile am Frühstücksbüfett gestärkt, fahren wir im Södertälje-Kanal unter der Eisenbahnbrücke am Bahnhof Södertälje-Syd durch, die ich bisher immer oben auf meinen Stockholm-Fahrten mit dem X2000 überquert hab.




    In der Norderstedter Realzeit ist es jetzt 9:04, Zeit zum Duschen und Frühstücken.

    Bis später !

  • Fertig geduscht und gefrühstückt.


    Eben war's noch lauschig - dann durchfahren wir das Industriegebiet von Södertälje. Medikamente von Astra-Zeneca waren viele Hausarzt-Jahre lang für mich sowas ähnliches wie täglich Brot - jetzt weiss ich endlich, wo die herkommen (soweit die Produktion nicht nach Indien ausgelagert ist).




  • Wir kommen nach Björkö, unserem letzten Landausflug. Dort lag vom achten bis zehnten Jahrhunder n.Chr. die Wikinger-Handelsniederlassung Birka. Wobei, wie unser traditionell gewandeter Führer erklärt, man nicht sagen konnte, dass hier die Wikinger wohnten. Wikinger waren einfach Skandinavier, die unterwegs waren und mal mit, mal ohne Gewalt Handel betrieben. Wurden sie sesshaft, wie hier in Birka, waren sie keine Wikinger mehr und mussten sich gegebenenfalls sogar gegen Wikinger-Raubzüge zur Wehr setzen - jedenfalls kann man das aus einem Runenstein schliessen, der einem Mann gewidmet ist, der den Ort gegen Wikinger verteidigt hat.



  • Birka war über 200 Jahre der Hauptort in Schweden, wobei das damals noch nicht Schweden hiess. Man hatte hier eine gute Aussicht auf die Schiffe, die in den Mälaren einfuhren, und konnte einigermaßen rechtzeitig entscheiden, ob die Ankömmlinge mit freundlichen Gesten oder mit Waffengewalt zu begrüßen waren. Meist wohl eher friedlich. Es wurde Handel mit allem möglichen betrieben - wie aus Münzfunden zu schliessen, sogar mit Waren aus dem oströmischen und arabischen Raum. Es gab eine Siedlung, einen König und eine Zeitlang auch Missionare aus Deutschland wie Ansgar, der hier mit bescheidenem Erfolg missionieren konnte und immerhin auch wieder heil nach Bremen zurückkehren - das war nicht allen Missionaren vergönnt. Das Kreuz, das auf dem höchsten Punkt von Birka steht, ist viel späteren Datums.

    Kurz vor der Jahrtausendwende verschwand die Siedlung Birka, keiner weiss warum. Jedenfalls wurden dort keine nach 970 geprägten Münzen gefunden, keine Ruinen, nur Gräber, davon weit über 2000. Wobei ein Großteil der dort gefundenen Leichenreste auf einen friedlichen Tod schliessen lässt.




  • Es gibt nur einen Anlegeplatz, deshalb muss die Juno eine Ehrenrunde drehen. Ansonsten kündigt ein Donnergrollen das nahende Gewitter an - bisher hatten wir ausschliesslich Sonnenschein, die ganze Reise. Zeit, zurück ins Dorf zu gehen.



  • Nahe der Anlegestelle gibt es ein Freilichtmuseum, man darf auch in die Hütten hineingehen. Wobei mich das Innere an unsere Hüttendörfer in Wyhl , Gorleben oder an der Frankfurter Startbahn West erinnert.




  • Die Juno muss noch anlegen, mittlerweile in strömenden Regen, so lang müssen wir warten. Da kommt das Wikinger-Wirtshaus wie gerufen. Und da Met immerhin 11.5 % hat, komme ich mit leichter Schlagseite an Bord zurück.



  • Eigentlich hätte ich mich hinlegen und in der Horizontalen meine Promille abbauen wollen, aber dazu ist keine Zeit. Packen und vor allem Küche und Maschinenraum besichtigen, ist jetzt angesagt.




  • Im Maschinenraum verbreiten die beiden 600PS-Volvo-Motoren brütende Hitze - es empfiehlt sich, vor dem Betreten alle entbehrliche Oberbekleidung abzulegen. Sonst friert man, wenn man wieder draussen ist.



  • In unmittelbarer Nähe des Rathauses legen wir an. In strömendem Regen verabschiedet sich die gesamte Crew, nunmehr wetterfest gekleidet, von jedem/r einzelnen Passagier und hilft uns beim Ausladen des Gepäcks, das heisst, sie übernehmen die schweren Stücke.



  • Dann geht alles ganz schnell. Aufgrund des Dauerregens gibt's keine langen Abschiede, sondern die Mitreisenden verschwinden paar- oder gruppenweise in den aufgefahrenen Großraumtaxis. Der einzige Single flüchtet sich in die überdachte Aussenanlage eines nahe gelegenen Eiscafes. Dort bekommt man Kaffee mit påtårund eine Decke in den Landesfarben.




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