Es gibt 38 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Bruce.

  • 1. Pleiten, Pech und Pannen als Touristenattraktion


    Es gab für mich in Stone Town, das meistens Zanzibar City genannt wird, zwei herausragende Aufenthaltsorte. Das eine ist das Africa House, von dessen Terrasse man den besten Blick auf den Sonnnenuntergang hat (rechtzeitig kommen !) und das Livingstone House, ein direkt am Strand gelegenes Restaurant und einstiges Quartier des Missionars und Afrikaforschers, von dem es seinen Namen hat.


    Bemerkenswert dort die Toiletten-Wartezone: Einer Sitzbank mit Kissen, darueber dreht ein Ventilator - tak-tak-tak, wie ein alter Traktor.


    Direkt neben dem Restaurant haben 2 Autofähren angelegt, die nach Daressalaam fahren. Die Straße davor ist geteert, nur die letzten Meter Zufahrt zur Fähre nicht - so laeuft das Beladen der Faehren unter der Ueberschrift "Pleiten, Pech und Pannen". Die Restaurantgäste, die, wie ich, die Füße im Sand und die Bier- oder Wasserflasche auf dem Tisch haben, lassen sich dieses Schauspiel, das sich fast jeden Nachmittag wiederholt, nicht entgehen.


    Es fängt damit an, dass ein ausgedienter japanischer Schulbus vor der Rampe im Sand stecken bleibt und die Auffahrt blockiert - nichts geht mehr.



    Große Diskussionen, Versuche, die eingegrabenen Räder freizuschaufeln, die Touris vom Livingstone House (nicht nur ich) zücken ihre Kameras, und auch die Erdnuss- und T-Shirt-Verkaeufer versuchen ihr Glück.
    Als naechstes versucht sich ein LKW auf die Nachbarfähre zu draengeln. Nicht nur, dass er den Bus dabei rammt - Folge: Seitenscheibe rechts hinten kaputt und eine kraeftige Beule- auch er bleibt in dem aufgewühlten Sand stecken.




    Eine Weile geht gar nichts mehr.
    Irgendwann zieht ein anderer LKW seinen Kollegen und dann den Bus rückwärts wieder raus. Mit neuem Anlauf klappts dann doch noch - grosser Applaus der in eine Dieselwolke gehüllten Anwesenden.



    Danach geht es Schlag auf Schlag.
    Wie eine Gazelle hüpft ein Nissan Micra auf die Ladeflaeche,



    gefolgt von drei größeren Limousinen japanischer Herkunft,
    vermutlich Neuwagen, die zum Verkauf nach Daressalaam gebracht werden sollen.
    Am Ende der Rampe müssen sie abrupt stoppen, um ihre rangierenden Kollegen nicht zu rammen.


    Danach kehrt erstmal Ruhe ein, die Hafenarbeiter und Touristen ziehen sich zurück, die T-Shirt- und CD-Verkäufer versuchen woanders ihr Glück, und nur der Erdnussverkäufer zieht einsam am Strand weiter seine Runden.

  • Herrlich beobachtet- köstlich erzählt!
    Eine andere Lebenswelt, in der ich zwar nicht leben möchte, für die ich aber Sympathie empfinde.
    Und

    Zitat

    die Füße im Sand und die Bier- oder Wasserflasche auf dem Tisch


    ... so lässt es sich aushalten!


    Danke, Grizzly!


    Gruß,
    Elke

  • Die Füße im Sand und ein Bierchen am Tisch - ja das ist es.


    Dann noch dieses interessante Schauspiel , was will man mehr.


    Schöner Bericht den du sehr witzig geschrieben hast , Danke.

    Liebe Grüße :auto3:Dieter


    Es geht nicht darum , dem Leben mehr Tage zu geben ,

    sondern den Tagen mehr Leben.

    Cicely Saunders


    Und deshalb bleibt bitte gesund.

  • Solche "Sozialstudien" betreiben wir auch immer gerne! Wir grinsen immer noch nach deinem Bericht!


    Irmgard und Klaus

    Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das Leben will.
    (Albert Schweitzer)

  • Hallo Grizzly,


    das ist ja besser als jeder Sundowner! Habe mich köstlich amüsiert mit dieser kleinen Geschichte. Ich hoffe wir bekommen noch ein paar mehr Anekdoten und Bilder von Sansibar zu sehen.
    Ist diese kleine Insel wirklich eine Reise wert?
    Wann warst Du dort?

    Viele Grüße
    Bernd
    _______________________
    Wenn Du auf Reisen gehst um etwas anderes zu sehen, dann beklage Dich nicht wenn alles anders ist.
    www.Bernds-Reiseziele.de

  • Dankschön für die Blümli.
    Ich hatte zu viel am Hals, deshalb geht's erst jetzt weiter.
    Ausserdem waren die anderen Bilder nur in meinem Forum als Anhang, ich musste sie erst umarbeiten.
    Aber jetzt isses soweit.


    ACHTUNG - BITTE ANSCHNALLEN, ES GEHT LOS ...



    23 Jul 2007 05:09 pm (Bilder später eingefügt, Text ist direkt von der Insel)


    Seit heut frueh bin ich hier auf Sansibar.




    Der Flug war stressig, konnte die Nacht, die wir im Flieger waren, kaum schlafen, weil alles so eng war, dass man sich nicht ruehren konnte. Der Vogel ist aber problemlos runtergekommen, sowohl in Mombasa als auch hier in Sansibar. Auf dem Rueckflug wird's etwas stressarmer, weil der Flug tagsueber geht, und der Zwischenstop in Mombasa entfaellt.





    Ich hab hier ein Internetcafe aufgetan fuer 500 Tansania-Shilling (TSH) pro halbe Stunde: 1 Euro sind 1700 TSh, 1 Dollar 1250. Allerdings sind die Compis stoeranfaellig, und sie (vermutlich die Lueftungen) rattern wie alte Naehmaschinchen.


    Wir sind heut ein bissl in der angrenzenden Sansibar-Altstadt, die sehr pittoresk ist, herumgetappt - hat grossen Spass gemacht.




    So, bevor mich hier die Technik rausschmeisst (Internetcafe), mach ich mal Schluss.



    25 Jul 2007 10:15 pm


    Die Stone Town ist die Altstadt von Zanzibar City, und Z.City wieder die Hauptstadt von Z., mit ca. 500.000 Einwohner, das ist etwa die Haelfte aller Einwohner der Insel. Wobei es sonst fast nur Doerfer und Kleinstaedte mit max. 20.000 Einwohnern gibt (und das ist schon selten).


    Auf dieses Daladala=Sammeltaxi oder -bus passt noch einiges drauf.


    (Spiegeleffekte, da durch die Windschutzscheibe eines Taxis photographiert)


    Halteplätze und Linienführung ist vorgegeben, die Abfahrt variabel - das Daladala fährt erst,
    wenn es wirklich voll ist, und das kann dauern.


    Das Bett in meinem Hotelzimmer sieht tatsaechlich aus wie ein Himmelbett, weil das Moskitonetz wie ein Vorhang drumrum gespannt ist. Die Einsteighoehe liegt bei ca,. 1 Meter - fuer kleine Leute also etwas schwierig, rein bzw. raus zu kommen. Sollte dann nachts das Telefon klingeln - ist einmal passiert, das war F. meine Reisegefaehrtin, die sich in der Uhr verschaut hat, und sie glaubte, ich haette wie sie das Fruehstueck verschlafen, dabei war's nachts um 3 - so brauch ich ein bissl, bis ich mich aus dem Bett herausgewickelt hab und zum Telefon gelaufen bin, das nicht am Bett steht.


    Die Naechte sind trotz duenner Decke recht schweisstreibend, wenngleich nicht so schwuel, wie ich das von meinem ersten Aufenthalt 1980 aus Daressalaam in Erinnerung habe. Die Moskitos verhalten sich vergleichsweise friedlich - vielleicht ist das Autan dran schuld.


    Abends um kurz nach 6 wird's schlagartig dunkel - ist es jetzt also schon.
    Zum Abendessen waren wir gestern in einem Restaurant, wo wir einen wunderschoenen Sonnenuntergang beobachten konnten - die Beleuchtung danach war recht funzelig, so dass wir unser Essen kaum sahen; gut geschmeckt hat's trotzdem.






    Morgens ab 4 wird's etwas lauter, wobei die Geraeusche noch ertraeglich sind - ich bin zwar in einer Grossstadt, aber das erste Geraeusch am Tag ist, wie koennte es anders sein in Afrika, ein Kikeriki, was von einem anscheinend etwas stimmbandgeschaedigten Artgenossen erwidert wird. Womoeglich ist das ja kikeriki auf suaheli.



    In Stone Town sind, aehnlich wie in Venedig, Tenno, Porec, Trogir oder Split (die mit mir oder ohne mich schon da waren, wissen es) die Gassen oft so eng, dass man eben mit ausgestreckten Armen beide Hauswaende erreicht. Was da, wo ein Auto irgendwie noch durchpasst, die Fahrer nicht hindert, laut hupend durchzufahren, von Motorrollern, Mopeds (Piki-Piki) oder abenteuerlich beladenen Fahrraedern ganz zu schweigen. Also ein riesiges Gewuehle, und dauernd versucht jemand, den derzeit relativ zahlreichen Touristen, die an ihrer Hautfabre sofort zu erkennen sind, irgendwas zu verkaufen - eine gute Uebung, no oder auch mal hapana - asante=nein danke sagen zu ueben.


    Heut haben wir eine lange Safari gemacht (Suaheli safari = Reise), haben Delfine beobachtet, haben im Indischen Ozean gebadet (ich bin etwas zu schnell aus dem Boot ausgestiegen und kopfueber reingefallen), dann noch eine laengere gefuehrte Wanderung durch ein Stueck Regenwald - ich bin weit voller an Eindruecken, als ich jetzt schreiben koennte. Zumal ich jetzt Hunger hab.


    Kwa heri



    Stone Town, Gizenga Road, Postamt, 26 Jul 2007 03:37 pm


    Dieser Compi bringt mich zur Weissglut, eben ist mein Beitrag abgestuerzt und in knapp 10 min flieg ich raus ...


    Gestern haben wir in einer gemuetlichen Kneipe (mehr Afrikaner als Touristen) einen Musiker und unseren heutigen Stadtfuehrer kennengelernt. F., meiner Begleiterin, fiel ein Uraltschlager ein ("Mustafa oh Mustafa") und der Saenger kannte den Test, auf Arabisch ... Es war sehr lustig.


    Einer der Leute am Tisch, Fischer-Ali (um die verschiedenen Alis auseinanderzuhalten) fuehrte uns heut durch die Stadt. Er konnte zwar nicht viel erklaeren, aber er kannte wenigstens an den wichtigsten Plaetzen jemand, der erklaeren konnte, und er fuehrte uns sicher wieder aus dem Labyrinth heraus, in dem es keine Strassennamen gibt.



    Beklemmend der ehemalige Sklavenmarkt, auf dem bis 1873 Menschen verkauft



    und zuvor in grauenvoller Enge in Kellerloechern zusammengepfercht waren,
    in denen man kaum stehen kann ...


    Die Gefangenen konnten sich nur auf der oberen Fläche aufhalten, durch die untere flossen Fäkalien,
    die regelmäßig hinausgespült wurden.



    Nach dem -offiziellen- Ende der Sklaverei wurde auf dem Gelaende des Sklavenmarktes eine anglikanische Kirche gebaut, wg. David Livingstone, der sich besonders aktiv gegen die Sklaverei in Ostafrika eingesetzt hat.


    So, mal zwischenspeichern, wg. Risiko Absturz ...


    Sorry, ich flieg gleich raus.
    Dieser Compi hat mich das letzte Mal gesehen ...


    Kwa heri.



    Irgendwo in Stone Town, 26 Jul 2007 04:04 pm


    Neues Lokal, anderer Compi, der geht bissl besser.


    Gestern hatte ich mein erstes richtiges Bad im Indischen Ozean, d.h. ich war 1980 schon mal drin, aber bei Ebbe, und das Wasser ging trotz laengeren Watens auf steinigem Grund damals nur bis uebers Knie.


    Diesmal haben sie uns mit einem Boot rausgefahren, zum Schwimmen und zum Delphine beobachten, die hier voellig zutraulich sind und gern in die Naehe von Booten kommen. Mein Schwimmversuch verlief allerdings etwas hektisch, da ich beim Aussteigen aus dem Boot das Gleichgewicht verlor und abstuerzte - seither ist mein rechter Ringfinger etwas geschwollen, aber sonst hab ich mir zum Glueck nix getan, und bewegen kann ich ihn auch noch.






    So hab ich nur eine kleine Runde im Wasser gedreht und mich dann weder reinziehen lassen.




    Die beiden jungen Maenner, die das Boot fuehrten, haben sich kaputtgelacht. Sie sprachen in etwa so viel Englisch wie ich Suaheli - ich sagte dann, ich sei schon etwas aelter (Mimi ni mzee = ich bin ein alter Herr) und "sport no much". Mzee sana = sehr alter Herr, setzten sie noch einen drauf.


    Hab vom Boot aus den Delphinen beim Springen zugesehen, war sehr eindrucksvoll. Dabei stand im Reisefuehrer, dass die Delphine mittags gar nicht unterwegs sind - die haben wohl den Reisefuehrer nicht gelesen, zum Glueck.


    Auf dem Rueckweg hat Ahmet, der Chauffeur, noch in einem Dorf gehalten, zwecks Photos. F. hat eine Digicam, so kann sie den Photographierten gleich das Ergebnis zeigen.



    Die Kinder, die sie aufgenommen hat, haben gekreischt vor Vergnuegen - am meisten, als sie das Haus ihrer Grossmutter wiedererkannten.


  • Wow Grizzly ,


    ein sehr umfangreicher Bericht mit sehr interessanten Themen und dazugehörigen Aufnahmen.


    Denn kleinen Unfall haben die Delfine ,, so hoffe ich ,, wieder wett gemacht , denn einer meiner größten Träume ist - mit Delfinen zu schwimmen.


    Danke für deine Arbeit.

    Liebe Grüße :auto3:Dieter


    Es geht nicht darum , dem Leben mehr Tage zu geben ,

    sondern den Tagen mehr Leben.

    Cicely Saunders


    Und deshalb bleibt bitte gesund.

  • Schon der Name "Sansibar" klingt für mich geheimisvoll fremd und macht mich neugierig.


    Dein Bericht und die Bilder verstärken dieses Gefühl !
    Kwa heri !
    ( ich denke doch , dass das "Bis bald" oder "Auf Wiedersehen" heißt
    )


    Du hast sicher noch viel Interessantes erlebt - ich freu mich auf die Fortsetzung!


    Gruß,
    Elke

  • Dankschön für die Bleamerln und sorry, dass ich so lang nicht da war, man hat ja noch ein, neuhochdeutsch ausgedrückt, real life, in meinem Fall sogar ein berufstätiges. Und ein eigenes Forum, Ehefrau, Freunde usw.
    Aber ein bissl was geht noch, aus Sansibar, Text immer noch original von dort.



    Stone Town 28 Jul 2007 02:40 pm


    So langsam heilt mein laedierter Ringfinger ab, jedenfalls passt mein Ehering, den ich vorruebergehend an der Linken geparkt hab, wieder drauf. Aktuell sind wir auf Quartiersuche, wobei die Strandhotels recht teuer sind, und wir es vorziehen wuerden, in unserem jetzigen Domizil, dem Dhow Palace Hotel, zu bleiben.





    Gestern frueh hab ich das gesagt, und seitdem pruefen sie die Moeglichkeit - jedes Mal wenn ich auf einen verantwortlichen treffe, wird mir erklaert, dass man das prueft und mir dann Bescheid geben wuerde ... Nun ja, in Afrika geht manches etwas langsamer, pole pole, wie man hier sagt.


    Das hab ich heut auch beim Geldumtauschen gemerkt. In der Bank standen die leute vor 5 Schaltern an, etwa 10 Leute pro Schalter. Am ersten waren etwas weniger, da stand auch foreign dran, d.h. auslaendisch, und die Schlange war kuerzer als die anderen. Hurra, dachte ich, das ist meine.


    Als ich dann dran kam, sagte die tief verschleierte (Gesicht war frei) Angestellte nur: Upstairs - Treppe hoch !


    Ich also upstairs, dort war ein Buero, eiskalt - Klimaanlage auf Hochtouren, 2 Angestellte drin, ein Mann mit Sportmuetze und eine Frau mit Kopftuch, davor ein Wartebereich mit einem Mzungu (=Weisser, vermutlich auch Tourist). Kein mensch kuemmert sich um mich. Ich ruf Hodi ! + Darf ich reinkommen ? und man winkt mich hinein.
    Ich leg 2 Hunderdollarreiseschecks und meinen Pass hin, der Mann sagt, dafuer gibts aber nur Shilling, ich sag OK. Die Frau laesst mich Namen, Adresse und Passnr. hinten auf beide Schecks schreiben.

    Zitat

    An dieser Stelle eine Bitte an alle zukuenftigen Eltern:
    Bitte denkt an Eure spaeter vielleicht mal Reiseschecks-einloesen Wollende geplanten und ungeplanten Kinder und gebt ihnen nur EINEN Vornamen und nicht deren 3 oder 4 ! Die muessen naemlich alle Vornamen, die im Pass stehen, auf jeden Scheck schreiben ...


    Anschliessend malt sie ein Formular mit mehreren Durchschlaegen voll, laesst mich die Reiseschecks vorn und hinten nochmal unterschreiben, das Formular auch vorn und hinten, tackert das Ganze zusammen und geht mit mir wieder runter. Gibt das Buendel an dem Schalter ab, an dem ich grad vergeblich angestanden bin und weist mich an, hier wieder zu warten.


    Es geht dann ganz schnell, vielleicht 5 Minuten. Von hinten kommt ein Mann mit einem dicken Buendel Scheinen, gibt es seiner vermummten Kollegin, die winkt mir zu und gibt mir etwas über 250.500 Tansania-Shilling, 25 Zehntausender - das ist der groesste Scheinen den die grad haben, inzwischen ca. 6 € wert - und einen niedlichen gruenen [url=https://www.google.de/imgres?imgurl=https://worldmoneymax.com/banknotes/Tanzania-500-Shilling-TZS-2011-Africa-AF-403.jpg&imgrefurl=https://worldmoneymax.com/%3F/item-403/&usg=__cmSpJ2jl_7RS9b5LK2XhWYX3jSs=&h=837&w=875&sz=379&hl=de&start=43&zoom=1&tbnid=6EGDVoilLo_MPM:&tbnh=170&tbnw=188&ei=O0b3TpqhMZTZ8QPmzcDLBg&prev=/search%3Fq%3Dtanzania%2Bshilling%26hl%3Dde%26sa%3DX%26gbv%3D2%26biw%3D1024%26bih%3D570%26tbm%3Disch&itbs=1&iact=rc&dur=875&sig=113860272854432499810&page=5&ndsp=8&ved=1t:429,r:2,s:43&tx=98&ty=87]Fuenfhunderter[/url], dazu ein paar Münzen. Nachzuzählen traue ich mir in der brechend vollen Schalterhalle nicht.


    Der Fussweg ins Hotel dauert keine 5 Minuten - ich war anderthalb Stunden weg, und meine Begleiterin ueberlegte schon, wo sie mich suchen lassen sollte.



    Irgendwann Ende Juli 2009:


    Auf dieser Dachladefläche wär noch eine Menge Platz, d.h. wir haben wesentlich vollere gesehen.


    Deshalb sind wir bei unseren Fahrten nach ausserhalb Stone Towns auf Taxis angewiesen, und im Interesse unserer Sicherheit beherzigen wir den Rat der Hotelangestelten, nur von ihnen gerufene zu nehmen. Damit sind wir bisher immer gut gefahren.


    Gestern haben wir eine Bootstour nach Prison Island gemacht.
    Die Insel heisst so, weil dort vor gut 100 Jahren ein Knast gebaut wurde, den man dann allerdings im Wesentlichen als Quarantaenekrankenhaus benutzt hat. Heut kann man auf der Insel Riesenschildkroeten einer Art besichtigen, die es sonst nirgens mehr gibt (die aelteste ist 170 Jahre alt), und es gibt ein Hotel. Uebernachtet wird dort allerdings kaum, bei angeblich 300 Dollar pro Nacht.



    So beschraenken wir uns auf Pizza im dazugehoerigen Restaurant. "Welcome to prison", werden wir begruesst ...



    Ansonsten ist ausgiebig Zeit zum Baden, bis die Flut den Liegeplatz immer weiter verkleinert, und ich meinen Schattenplatz raeumen muss. Um zur Rückfahrt ins Boot zu kommen, muss man die Hosenbeine hochkrempeln, trotzdem bleibt kaum eine Hose trocken.


    Allmählich wird die Skyline von Stone Town wieder größer.



    Es folgt das Pleiten-Pech-und Pannen-Programm am Strand des Livingstone House, das Ihr schon kennt.

  • Haha, wunderbar, echte Fernreisen Erlebnisse.
    Danke Grizzly,


    mir hat natürlich neben dem wunderbaren Bericht in Wort und Bild aus gegebenen Anlass deine Geldumtauschgeschichte im fernen Sansibar sehr gut gefallen. Und was sage ich,


    ich habe es in 50 Minunten geschafft. Aber nicht in der Insel an der Ostküste von Afrika, nein, relativ betrachtet ganz in der Nähe,
    am Aspromonte in Bova, also Südkalabrien. hihi


    Folgendes hat sich wahrheitsgemäß so zugetragen:


    Hatte damals 1997 noch 3 übrige 100,-DM Scheine in der Tasche. Also auf zum Einlösen in einer Bank in Bova.
    Die Frau stand einstweilen mit dem Wohnmobil in einer nahe gelegenen Parkbucht bei wohltemperierten sagenhaften
    40 ° im Schatten. (nachts um 24 Uhr noch 30° und da tanzten die Italiener, puhhh).


    (Übrigens war um den später aufgesuchten Campingplatz ein 3 m hoher Zaun, der mit einem Tor zum Strand abschließbar war. Nachts patroullierten Security`s mit Colt im Halfter)


    Also in Kürze:
    Bank betreten durch Sicherheitsschleuse, am Schalter Begehren vorgetragen, 2 sog. Beamte hinzugezogen, schließlich übernahm einer die "Arbeit". Holte aus einem Nebenzimmer ein Formular, füllte es gewissenhaft aus ( dass er meine Schuhgröße nicht auch noch nachfragte verwunderte mich dann doch) drehte es hin und her, um es schließlich seinem Chef vorzulegen.


    Mit gut durchbluteten Kopf kam er außer sich zurück und wies mich an, ihm zu folgen.
    Also auf in ein Nebenzimmer. Dort nahm mich ein weiterer Diensthabender in Empfang, ließ meinen Vers aufsagen, man hatte ihn angeblich nicht informiert.


    Wohl an , so ist es geschehen. Darauf wieder ein Formular, das ebenfalls gewissenhaft auszufüllen war.
    Also auch zusätzlich jeder 100.- DM Schein , dessen Nummern einzeln übertragen wurden.


    Geschafft, dachte ich. Nun, mit angestrengt dienstlichem Gesicht (war ja selbst Beamter, also ein deja vu)
    wurde er nach mehrmaligen zarten devoten Klopfen an der Tür zu seinem Chef wiederum vorgelassen.


    Murmeln, Unterschrift und Stempel klopfen folgten und durch erfolgreiches Erlebnis seinerseits betrat er mit gewichtigem Gesichtsausdruck mein offensichtliches Untertanen Zimmer.


    Mit der den Italienern typischen wichtigen, aber knappen Handbewegung mich zu entfernen und der Aufforderung zur Kasse zu schreiten um einzuzahlen und mit den Quittungsmarken wieder vorzusprechen wurde die Amtshandlung vorläufig beendet.


    Nach mühseliger Wartezeit an der Kasse, gelang es dem Kassierer schließlich meine 3 Scheine unter Vorlage des amtlichen Papiers anzunehmen und den Eingang durch wie Briefmarken aussehende Quittungsbelege zu bestätigen.


    Danach war es nur noch Routine, die Zahlung beim "Bankbeamten" im Nebenzimmer vorzulegen. Es folgte eine Signatur
    der Richtigkeit , wieder mit Bestätigung durch seinen Chef und ich durfte diesmal vorzugsweise an der Kasse die entsprechende Summe der Lire in Empfang nehmen.


    Nach einigen scharfen Blicken in der Sicherheitsschleuse konnte ich schließlich hinaus in die heiße Mittagssonne schreiten, wohl wissend welch Staats tragende Handlung ich gerade hinter mir hatte.
    So was vergisst man nie mehr.


    Lieben Gruß
    Helmut

    Wer nichts weiß, muss alles glauben.
    Marie von Ebner-Eschenbach

  • Grizzly, Dein Bericht könnte das Regiebuch für einen Film sein!!
    Ich weiß nur nicht genau, wo..... ich hab da im Moment die Welt von Tom Sawyer und Huckleberry Finn im Kopf...Szenen aus einem anderen Jahrhundert...Faszinierend ( vor allem auch, wie Du die Eindrücke an den Leser und Bildbetrachter vermittelst :wink:)


    Aber verrat mir doch mal: Was hat Dich /Euch dazu gebracht, 2007 nach Sansibar zu fahren?
    In eine Region , in der die Unterschiede kaum größer sein können.
    Und die Mentalität der Menschen ist für uns Europäer unbegreiflich ( aber man ist Gast und hat sich an die Gepflogenheiten zu halten - s. Bank)
    Köstlich zu lesen - und spannend zu erleben!


    DANKE und Kwa heri, Grizzly!


    Gruß,
    Elke

  • @ Elke:
    Ich war 1980 schon mal in Tansania, als Student, von damals existieren leider kaum Bilder. Und eine Studienfreundin, mit der ich 2002 in Kuba war, wollte da auch mal hin, traute sich aber allein nicht. Jetzt muss ich sagen, dass man - ausser mit High-Budget - in Tansania nicht sehr sicher reist, v.a. was die Garantie betrifft, dass ein Bus, oder einer der wenigen Züge, auch wirklich fährt und vor allem ob er an dem Tag fährt, an dem man fahren will. Da kann es in 2-3 Wochen Urlaub schon mal knapp werden.
    Sansibar - da wusste ich, dass das interessant ist, auch war ich da noch nicht gewesen. Und ich dachte, die Insel ist überschaubar, zur Not fährt man mit dem Taxi (was wir dann auch ausschliesslich gemacht haben).
    Dazu kommt, dass das soziale Gefälle zwar krass ist, aber nicht ganz so schlimm wie auf dem Festland.


    @ Wallbergler:
    Ähnliche Stories könnte ich vom Reisescheck-Eintauschen auf Sizilien in den 70ern erzählen.




    So, noch ein bissl was zur Stone Town.


    Wir wohnten am Rand derselben, an der etwas breiteren Gizenga Street - was den Nachteil hat, dass sich der ganze Verkehr hier durchquaelt, und sich hier der "Touristenstrich" aufhaelt. Also jetzt nicht im Sinn von Rotlichtviertel, sondern man wird einfach alle Naslang angequatscht, ob man Taxi fahren oder Erdnuesse, T-Shirts oder CDs kaufen will. Irgendwann verteilt man nur noch links und rechts ein paar freundliche "Jambo" und stratzt dahin durch, wo man hin will.




    Vor allem weiter drin ist vieles furchtbar zerhaut bzw. liegt zum Teil in Truemmern. Dazwischen gut, meist im Auftrag auslaendischen Investoren, restaurierte Haeuser.



    Manche Sansibaris befuerchten den Ausverkauf von Stone Town an reiche Auslaender. Aber auf die eigene Regierung sind viele noch saurer, weil sie die Devisen aus dem Tourismus einstreicht und nur zu einem kleineren Teil auf Zanzibar zurueckinvestiert.
    Die letzten beiden Wahlen, obwohl formal "demokratisch" verlaufen, gelten als manipuliert.


    Die "Plaetze", auf denen manchmal oeffentliche TV-Geraete stehen, sind klein, oft nicht mal 10m im Quadrat. Mohamed, unser letzter, sehr gut informierter Stadtfuehrerm erzaehlte, dass meistens Fussballspiele uebertragen werden. Nicht die aus Zanzibar oder dem Festland, wo oft keine Uebertragungsmoeglichkeiten bestehen, sondern Europacupspiele oder solche der Ersten englischen Liga. Viele Zanzibari sind grosse Fans englischer Vereine, und die Athmosphaere soll bei solchen Uebertragungen soll denen in englischen Stadien aehneln ...


    Beruehmt sind ja die Tueren in Stone Town, die oft reich verziert sind mit Schnitzereien. An vielen findet man schwere eiserne Spitzen, meist in Zwiebelform, so als wenn damit Angreifer von aussen abgewehrt werden sollen. Auf die Frage, wozu das gut sei, meinte Mohamed: Gegen die Elefanten ...



    Natuerlich gibts in Stone Town keine solchen (vielleicht deshalb nicht ?).


    Nein, kein Scheiss:
    Die ersten Tueren dieser Art kamen aus Indien. Und dort gibts durchaus Elefanten, die mal gern eine Tuer einrammeln, wenn man ihnen nicht etwas Wirksames entgegensetzt.



    Zitat

    Viele Sansibari sind grosse Fans englischer Vereine


    Vereinzelt trifft man auch Fans deutscher Vereine, diese betreffen, soweit ich feststellen konnte, ausschliesslich Bayern München. Mit ein paar Mützen o.ä. dieses Clubs hätte man einigen Leuten eine große Freude bereiten und sich selbst evtl. manche Türen öffnen können ...
    Auf dem (für unsere Augen winzigen) zentralen Platz von Stone Town gibts regelmäßig Public Viewing, und zwar Fussballspiele der ersten englischen Liga. Dann, wurde uns erzählt, sitzen die Leute (vermutlich nur Männer), angetan mit den entsprechenden Vereinsutensilien, da und feuern "ihre" Mannschaft an. Leider hab ich so ein Spektakel nicht miterlebt.
    Die eigenen Stadien sind vergleichsweise winzig und es gibt v.a. keine Übertragungsmöglichkeit.



    Am Rand der Stone Town, unweit von Strand und Hafen, liegt der ehemalige Sultanspalast, den man Beit el Jaib oder Haus der Wunder nennt. Es hatte nämlich fließend Wasser, Strom und einen Fahrstuhl. Heute ist es ein Museum, in dem man allerdings nicht fotografieren darf - nur vom Balkan des 2. Stocks aus. Von dort hat man einen beeindruckenden Blick auf die Stadt.


    So dürften große Teile des Stone-Town-Normalbevölkerung leben ...



    Dieser Turm ist von der Anglikanischen Kirche, die auf dem vormaligen Sklavenmarkt-Platz gebaut wurde,


    und diese beiden von der Katholischen Kirche. Im Vordergrund Teile des Forts.


    Im Fort finden heute Freiluftkonzerte statt, ausserdem beherbergt es ein Reisebüro (z.B. für Tagestouren) und diverse Läden.


    Vor der Küste kreuzen Dhaus, das sind die traditionellen Segelboote, mit denen die Leute früher bis nach Jemen und nach Indien gesegelt sind, und die man heute mieten kann. Mit Bootsführer natürlich.


    Das Palastmuseum (rechts) beherbergt heute das Nationalmuseum von Zanzibar.


    Das weisse Haus in der Bildmitte mit der Aufschrift Benki ya watu wa Zanzibar Ltd. war früher das Haus von Prinzessin Salme, die als Emily Ruete 1924 in Hamburg gestorben ist. Heute ist dort die Volksbank.

  • Hallo Grizzly,


    auch wieder so ein wertvoller Bericht, der uns Normalurlauber die Welt von der anderen Seite zeigt. Passend dazu deine ausführlichen und nicht nur durch die rosa Brille betrachteten Kommentare. Ja, so sieht die Welt in vielen Ecken aus, ohne Hochglanzfotos und Aufnahmen von 5 Sterne Hotels während der "Traumschiffreisen".


    Unersetztlich solche Einblicke .


    Herzlichen Dank
    Helmut

    Wer nichts weiß, muss alles glauben.
    Marie von Ebner-Eschenbach

  • @ Wallbergler:
    Man kann auch in Tansania Luxustourismus betreiben bzw. sich nur in seinem "Reservat" aufhalten, aber dann kriegt man von Land und den Leuten nix mit. Einige solcher "Reservate" haben wir uns angeschaut, weil man sonst schlecht ans Wasser kommt.



    Nungwi ist ein Fischerdorf an der Nordspitze der Insel. Dort stoßen zwei Welten aufeinander, die der Fischer und Bootsbauer auf der einen und die der (Luxus)Touristen auf der anderen. Das läuft nicht immer reibungslos ab. Wir waren nur einige Stunden da und hatten ausser einem optischen Eindruck und dem Umstand, dass man pro Foto meistens 1 Dollar abdrücken muss, keine Probleme.
    Anstatt einzeln für Fotos zu löhnen, kann man auch Muscheln kaufen,
    dann ist der Preis für Bilder von Muscheln, Verkäufer/innen und Bootsbauern inclusive.







    Das sieht aus, als käme gleich ein Gewitter, aber es kommt keins.



    Wie der Verfasser dieser HP in einer Stunde von Stone Town nach Nungwi gekommen ist, weiss ich nicht - mit Straßenkontrollen incl. Stadtverlassgenehmigung des Taxifahrers (jeweils 1000 TSch) waren es bestimmt zwei.


    Hinter der Mauer stehen riesige Baobabs. Sie sehen abgestorben aus,
    aber das täuscht, sagt mir zumindestens meine Begleiterin = Biologielehrerin.


    Im Dorf gibt es nur Sandpisten, während in den Touristenghettos alles geteert und gepflastert ist.



    (Mnarani Beach Cottages, Link siehe oben).


    Das ist das Fischerdorf vom Strand aus (bei Ebbe aufgenommen, bei Flut müsste ich wahrscheinlich schwimmen)


    ... und das das Touristendorf (d.h. eines derselben, noch nicht mal das teuerste).



    Wer ins Wasser will, sollte die Ebbe/Flut-Zeiten im Blick haben.


    Bei Ebbe läuft man ewig weit raus und wird dann vom Wasser womöglich noch weiter rausgezogen ...


    Wobei der Sand so fest ist, dass man darauf :radfahren1: könnte.


    Was sich die Fischer zunutze machen und in den Wasserlöchern, die die Ebbe zurücklässt, einiges an Meeresgetier finden.


    Vor Ort wartet dann schon der Fischaufkäufer in einer Korallenhöhle, in der er eine Waage aufgehängt hat. bevor der Fisch den Besitzer wechselt, sackt der Fischer, wenn er Glück hat, noch einen Touristendollar ein dafür, dass ein Strandspaziergänger seinen Fang photographieren darf.



    Bei Flut hauen einen die Wellen gegen die Korallenriffe.




  • Irgendwie kann ich das mit dem 1 Dollar pro Bild verstehen....
    aber das zeigt doch umso mehr, wie groß die Distanz zwischen Touristen ( ich will sie nicht "Gäste" nennen) und den Einheimischen ist.
    Für mich ist das kein Zeichen von Habgier, sondern eher von Stolz ( wie sollten sie sich denn sonst "wehren" -ich würde mich auch nicht so ohne weiteres von Fremden fotografieren lassen)
    Aber das kann man ja nicht nur in Tansania beobachten.( Ich habe es in Nepal, in Indien, in Peru auch ähnlich erlebt)
    Je mehr ich reise, desto zurückhaltender werde ich beim Fotografieren von fremden Menschen. Früher habe ich mir da weniger Gedanken gemacht- aber jetzt frage ich eigentlich immer um Erlaubnis , wenn eine Person das Wichtigste auf meinen Bild ist ( ich weiß, dadurch entgehen mir oft spontane Schnappschüsse...)


    Du hast diese zwei Seiten eines Landes mit den Kontrastbildern von den Touristenresorts und den Bilder von "draußen" eindrucksvoll dokumentiert.
    Und Du wärst nicht Grizzly, wenn Du nur in solchen Anlagen geblieben wärst und Dich nicht auch "draußen" umgesehen hättest.


    Danke auch für diese Präsentation.


    Es sind traumhafte Landschaften, aber Du schreibst:

    Zitat

    Jetzt muss ich sagen, dass man - ausser mit High-Budget - in Tansania nicht sehr sicher reist, v.a. was die Garantie betrifft, dass ein Bus, oder einer der wenigen Züge, auch wirklich fährt und vor allem ob er an dem Tag fährt, an dem man fahren will


    Bezieht sich das "sicher Reisen" nur auf die Verkehrsmittel, oder auch auf die Sicherheit für Leib und Leben eines Individualtouristen?


    Gruß,
    Elke

  • Ich finde das auch OK mit dem Dollar pro Bild - wer Muscheln kauft, darf ja auch "umsonst".
    Sorry dass ich hier nur so sporadisch auftauche, das reale Leben, mein eigenes Forum und noch einiges andere fordert mich.


    Nachtrag zum 4.8.07


    Wir sind nochmal in die verwinkelten Gassen Stone Towns eingetaucht, um Andenken zu kaufen. Ich habe bereits ein Ölbild mit Tansania-Krankenhausszenen erstanden (einzeln handgemalt, aber in Serie hergestellt) sowie ein sansibarisches Motorrad-Nummernschild (ZNZ 28362), während F. noch nach Masken sucht.


    Dazu betreten wir einen Antiquitätenladen, in dem man aufpassen muss, dass man beim ungeschickten Anfassen eines Gegenstands nicht den Inhalt eines ganzen Regals herunterreisst.



    Jede Menge Masken aus ganz Ostafrika und darüber hinaus (so genau weiss das keiner), Blechschilder, Stoffe, Blechspielzeug,



    Holzfiguren (Tim aus "Tim und Struppi" taucht einige Male auf), Hocker, Kleidungsstücke, Musik-CDs, Puppen - man hätte wohl einen halben Tag zwischen den Regalen herumsuchen können.


    Besonders fallen uns mehrere Figur auf, die einen Menschen mit weit offenem Mund und Augen darstellen, das Gesicht schmerzverzerrt - das wundert auch nicht, denn ihre Körper sind über und über mit Nägeln gespickt, so dass sie Igeln ähnlicher sehen als Menschen.



    Wir fragen, was das bedeuten soll; die Verkäuferin holt einen jungen Inder, der wohl einer der Besitzer ist. Der erklärt uns, dass das ein Nagelmann sei, mit dem der örtliche Medizinmann auf magische Weise Dorfkonflikte u.ä. löse; er habe das in einem Dorf am Victoria-See selbst einmal erlebt.



    Einem befreundeten Geschäftsmann, mit dem er dort unterwegs war, seien in einem Dorf 25.000 Dollar gestohlen worden. Die Polizei konnte nicht viel machen, und irgendjemand habe sie an den Medizinmann verwiesen. Der habe sich die Sache angehört, einen Nagel geholt und diesen dem Nagelmann in die Brust geschlagen, in der schon viele andere Nägel steckten.



    Keine zwei Stunden später sei ein Mann zum Medizinmann gekommen, mit Schmerzen in der Brust und aus dem Mund blutend. Ergestand sofort, das Geld gestohlen zu haben und bat um Vergebung. Nachdem der Dieb die Beteiligten zum Versteck des Geldes geführt hatte, habe der Medizinmann den Zauber gelöst und den Mann, dessen Beschwerden allmählich abklangen, der Polizei übergeben.



    Den Nagelmann haben wir dann doch nicht gekauft - zum einen wär der ein bissl teuer gekommen, und zum andern muss ich nicht unbedingt unkontrollierte afrikanische Magie in der Wohnung herumstehen haben, auch wenn uns der Händler versicherte, dass in der Figur jetzt keine magischen Kräfte mehr wohnten.
    Man weiss ja nie ...

  • Wiederum sehr interessant was du uns da zeigst ,


    auch ich könnte niemals Urlaub in einer Anlage machen , ich möchte das Land und seine Leute kennenlernen - wenn ich schon mal da bin.


    Wie z.b. mein Sohn , er war mit seiner Frau in Ägypten und hatte bei 300 Aufnahmen nicht eine Pyramide aufgenommen , das sind eben Anlagenurlauber.

    Liebe Grüße :auto3:Dieter


    Es geht nicht darum , dem Leben mehr Tage zu geben ,

    sondern den Tagen mehr Leben.

    Cicely Saunders


    Und deshalb bleibt bitte gesund.

  • Wie wohl das deutsche Polizeispielzeugauto nach Stone Town kam???


    Seltsam - und ich kann mich einer gewissen Gänsehaut nicht entziehen, wenn ich Geschichten höre und lese wie die des Nagelmanns.
    Wie siehst Du das, Grizzly? Sind wir aufgeklärten Europäer einfach nicht mehr empfänglich für Dinge, die nicht erklärbar sind oder ist das alles afrikanischer Hokuspokus???
    Eine andere Welt- andere Maßstäbe, andere Vorstellungen ... es ist wieder einmal sehr interessant, was Du uns hier zeigst.
    Danke, Grizzly.


    Gruß,
    Elke

  • Danke dir Grizzly,


    für die viele Arbeit ,die du dir mit dem Einstellen der wieder mal außergewöhnlichen Motive gemacht hast.
    Diese fremde Welt, aus "normaler Sichtweise" ist und bleibt einfach hochinteressant.


    Lieben Gruß
    Helmut

    Wer nichts weiß, muss alles glauben.
    Marie von Ebner-Eschenbach

  • Danke für die Dankes.


    @ Elke:

    Zitat

    Seltsam - und ich kann mich einer gewissen Gänsehaut nicht entziehen, wenn ich Geschichten höre und lese wie die des Nagelmanns. Wie siehst Du das, Grizzly? Sind wir aufgeklärten Europäer einfach nicht mehr empfänglich für Dinge, die nicht erklärbar sind oder ist das alles afrikanischer Hokuspokus???


    Ich muss sagen, dass ich dieser und anderer Magie durchaus nicht gleichgültig gegenüber stehe. Ich hab zwar keine Ahnung, wie das wirkt oder ob überhaupt, aber ich kann mir zumindestens vorstellen, dass es funktionieren kann, weshalb ich mir so einen Kopf auch nicht in die Wohnung stellen möchte.



    5.8.07 - letzter Tag auf Sansibar


    Es gibt jetzt leider (fast) keine Bilder mehr.


    Wenn man das Dhow-Palace-Hotel, einem burgähnlichen Bau mit mehreren Innenhöfen, verlässt, so haben wir das bisher immer in Richtung rechts gemacht, weil dort, auf der Gizenga-Street, alle bedeutsamen Restaurants und Läden liegen, und es dort auch zum Meer geht - das ist, wenn man langsam läuft (und mit vielen Straßenverkäufern herumdebattieren muss), keine 10 Minuten entfernt.


    Heut gehen wir das erste Mal nach links.
    Dort stehen keine Taxifahrer, keine Verkäufer, keine bewaffneten Wächter, es herrscht sonntägliche Ruhe (im Gegensatz zur anderen Richtung). Nach wenigen Metern stehen wir vor einem heruntergekommenen Gebäude, an dem bei uns vermutlich ein großes Schild mit der Aufschrift "Wegen Renovierung vorübergehend geschlossen" stehen würde. Das große Schild ist auch da, jedoch ist dort zu lesen, dass hier eine skuli ya sekondari d.h. eine weiterführende Schule steht. Da ist F., die an einer solchen Schule unterrichtet, natürlich Feuer und Flamme und steht schon auf dem Schulhof, während ich noch zögere (darf man das hier ?).


    Da ruft ein Mann von dem rund um den Bau laufenden Balkon herunter:
    "Karibuni - welcome, have a look to our school !"
    Da gibt's natürlich kein Halten mehr.
    Der Mann begrüßt uns, er ist Englischlehrer an dieser Schule und redet wie ein Maschinengewehr. Er erklärt, dass die Schule ganz früher eine Sklavenstation war, in deren Keller Menschen zum Zweck des Weiterverkaufs gefangen gehalten wurden, zeigt uns auch die finsteren Kellerlöcher, in denen die Armen zusammengepfercht waren.
    Danach habe das Gebäude erst eine Missionsschule und dann eine Schule für Inder aus Goa beherbergt - zu Zeiten der britischen Besatzung bzw. der Sultan-Marionettenregierung seien alle "Rassen" (Araber, Inder, Afrikaner und die wenigen Europäer) getrennt unterrichtet worden, das habe sich erst nach der Revolution 1964 geändert.


    Er zeigt uns einige Klassenräume, die entweder ganz leer oder mit Bänken vollgestopft sind. Drei Schüler sollen in einer Bank sitzen, drei Bänke stehen neben- und ca. sieben hintereinander, das macht über 60 Schüler pro Klasse - dass man diese Masse kaum vernünftig unterrichten kann, zumal der Lärm von der Straße und aus anderen Klassenzimmern mangels Fensterscheiben ungehindert hereinkommt, ist nachvollziehbar.


    Jetzt weiss ich auch, woher die Kindersprechchöre kamen, die ich im Hotel gehört habe - der Lehrer spricht etwas vor, und die Schüler sprechen es, ggf. wiederholt, im Chor nach, bis sie es auswendig im Kopf haben, oder der Lehrer hofft, dass dem so ist. So funktionierte der Unterricht schon zu Prinzessin Salme's Schulzeit Mitte des 19. Jahrhunderts - nur, dass die Klassen da nicht so voll waren.


    Im Büro des Lehrers steht ein großer Tisch, auf dem fliegen zerfledderte Bücher und Broschüren herum - Spenden aus Großbritannien, wie in den Büchern zu lesen ist. Inhaltlich haben sie mit der afrikanischen Wirklichkeit nicht viel zu tun, u.a. finden wir dort Grimm's und Andersen's Märchen, wie die Bremer Stadtmusikanten u.a. - ich wusste gar nicht, dass die in England Unterrichtsmaterial sind.


    Der Bretterfussboden ist zum Teil instabil, an einer Stelle sind lose Bretter über ein Loch gelegt, durch das, wenn ich unseren Führer richtig verstanden habe, ein übergewichtiger Kollege durchgebrochen ist. Entsprechend morsch sieht die Deckenverkleidung aus, lediglich kleinere Bereiche sind kürzlich renoviert worden.


    Wir bekommen einen Verschlag gezeigt, in dem Kleidung und Decken herumliegen. Dort würden Schüler übernachten, insbesondere dann, wenn sie sich gemeinsam auf die Prüfung vorbereiteten. Einige Schüler sind auch jetzt da - obwohl sonntags keine Schule ist. Diese folgen uns, nachdem sich der Lehrer verabschiedet hat, es werden immer mehr, und sie glauben F. zunächst nicht, dass sie Lehrerin ist. Sie fragen sie aus, über den Aufbau der Zelle, die globale Erwärmung, Erdbeben und den Sauren Regen ... Irgendwann sind sie zufrieden, es gibt noch ein Gruppenfoto, und dann sind wir entlassen.



    Ein Stück weiter wird die Straße breiter. Rechts liegt hinter einer weissen Mauer ein Prachtbau mit Zanzibar-Flagge obendrauf, ein bewaffneter Soldat am Eingangstor winkt uns heran und erklärt uns, dass hier Fotografieren verboten sei. Hier wohnt nämlich Regionalpräsident Karume, der Sohn des ersten Präsidenten und kurz nach der Revolution ermordeten Revolutionsführers - dessen Dienstwagen im Nationalmuseum steht, mit dem kürzesten Autokennzeichen, das ich je gesehen habe: "R" - für Rais = Chef, dahinter keine Nummer, nicht mal eine 1.



    Dann verstärkt sich der Meeresgeruch und wird schliesslich zu Fischgestank. Am Strand angekommen, sehen wir auch, warum: Dort sind unzählige sardellenähnliche Kleinfische -die Einheimischen nennen sie Dagaa- zum Trocknen ausgelegt, viele liegen auch als Abfall herum und werden von herumlaufenden Hühnern eifrig aufgepickt; jetzt wundert mich auch nicht mehr, warum unser Frühstücksei gelegentlich nach Fisch geschmeckt hat ...

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