Marhaba in Marokko, Teil 1

Es gibt 3 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von wallbergler.

  • Marhaba in Marokko


    Liebe Foris,


    Draußen ist es kalt und weiß, da bietet sich doch als kleine Anregung eine Fahrt durch das Land mit unvergleichlichem Licht an, Marokko .


    Nun ist diese Fahrt ja auch schon einige Jahre her, aber es sind noch viele Erlebnisse von bleibender Erinnerung. Und- anhand einiger Merkpunkte kann ich noch auf Daten zurück greifen. Achtung: Bilder wurden von Dia gescannt, daher manchmal nicht perfekt.


    Ich belasse es wieder dabei, mich ausschließlich auf die Reiseerfahrungen zu beschränken. Historisches, Religiöses und Kulturelles würden den Rahmen sprengen und stehen ja in den Lexika zur Verfügung.
    Aber es ist eine andere Welt, in die wir da eintauchen. Ein Land der Extreme im Maghreb.


    Los ging`s nach einem Flug nach Agadir ( beim Empfang der Koffer im Flughafen hatten wir zur Begrüßung im Land ein Problemchen: Es wurden unsere bunten Spanngurte, gleichzeitig Erkennungszeichen , geklaut. Beschwerden führten ins Leere, wenn uns auch große Anteilnahme eines Offiziers zu teil wurde.) zu einem Sammelplatz in der Nähe des Hotels Sheraton



    Dort wurden wir von einem (sehr bequemen) Bus abgeholt, der uns eine Woche samt unserer Koffer u. a. durch die 4 Königsstädte , (Rabat, Meknes, Fes und Marrakesch , beförderte.


    Als Höhepunkt , nomen est omen, hatten wir auch noch eine Fahrt über den Col duTichka (Pass)2260m hoch im Hohen Atlas vor uns als Ziel.
    Aber auch die Wüste sollten wir kennen lernen.


    Insgesamt versprach dies eine verheißungsvolle Tour, die aber mit einigen Überraschungen gewürzt war.
    Am ersten Tag fuhren wir von Agadir an einigen Souks (Markt nach arabischer Art) vorbei durch Marrakesch (diese Stadt besuchten wir auf der Rückfahrt besonders ausgiebig) nach Casablanca.


    Und lernten gleich mal einen Crashkurs für orientalischen Geschäftssinn kennen.
    Die Reiseführung war geradezu verstörend höflich, entzog sich manchmal bei verschwenderischen Ausführungen aller Beschreibungsversuche.
    Gab aber Sinn, wie wir sehr bald merkten, denn auch die Organisation war darauf abgestimmt.


    Zum einen wurde schon bei jeder Kleinigkeit, die uns gezeigt wurde, darauf hingewiesen, dass hier extra für uns eine Ausnahme gemacht wurde. Man erwartete dafür einen Obolus nach marokkanischen Gepflogenheiten.


    Hinzu kam, dass in jeder Stadt ein – eigener Reiseführer—zustieg. Begründung: Nur so wurde gewährleistet, dass wir fundierte Kenntnisse erfahren durften.
    Darüber waren wir natürlich sehr froh.


    Bei der Abfahrt wurde man dann persönlich bedankt (mit offener Hand).
    Schließlich gipfelte der erwartete Dank für das ausgeprägte arabische Ehrgefühl darin, dass am Abend beim Einchecken ins Hotel ein ausgeklügeltes System vorgeführt wurde:


    Der Reiseführer stellte die Koffer aus dem Bus auf die Straße , Obulus.
    Von dort übernahm der Busfahrer die beschwerliche Organisation ins Foyer des Hotels, Obulus.
    Am Ende der Höflichkeitskette wurde das jeweilige Gepäckstück schließlich von Pagen auf das Zimmer gebracht. Obulus.
    Bei jeder Übernachtung.


    Bei dieser Wertschätzung und um die zuvorkommende Behandlung nicht zu gefährden, war also europäische Herablassung zu unterdrücken und sich den Facetten einer freundlichen Reiseführung zu stellen. Aber erwähnenswert , oder?
    Schließlich wollen wir ja die „arabisch-muslimische Zivilisation und Kultur" kennen lernen, da kann sich Vertrautes schon mal auflösen.



    Gleich nach der Abfahrt von Agadir konnten wir auf einer neu gebauten Straße Richtung Casablanca fahren.



    Nach einiger Zeit gab es neben der Straße ein einmaliges Schauspiel der Kletterkünstler, das wir nur dort erleben durften, Ziegen auf Bäumen



    In der nächsten kleinen Stadt gab es dann 1 PS Gefährte



    Offene Fleischwaren



    Und wir kamen zum ersten offenen Markt. Hier einfach die Bilder bestaunen:







    Danach setzten wir die Fahrt fort, vorbei an typischen Hügelketten



    Um in die mit Abstand größte Stadt von Marokko zu gelangen, Casablanca.


    Gleich mal voraus. Alle kennen den gleichnamigen Kunstfilm, der zu den Filmklassikern gehört und in den cineastischen Olymp erhoben wurde.
    Der Film wurde zwischen dem 25. Mai und dem 3. August 1942 gedreht.
    Nur nicht in Casablanca, keine einzige Szene, sondern in den Burbank-Studios der Warner Bros. in Hollywood.


    Das ist Fakt und wird gerne bis heute verdrängt. Allenfalls in feinen Hotels wird in plüschiger Atmosphäre das Dekor von Ricks`s Cafe Americain nachgestellt.


    Tja, wieder ein Traum vorbei .


    Aber hier gleich mal in der Realität vor dem eigentlichen Ortskern die nicht so oft erwähnte, da Kirche, Kathedrale Sacre-Coeur . (sieht bei schnellem Hinsehen fast wie die Kathedrale von Palma de Mallorca aus.)



    Dann ging es zum Place des Nations Unies



    Vorbei an einem Wasserverkäufer


    Zu einem der großen Boulevards, die von diesem Platz sternförmig wegführen



    Hinaus zum Hafen


    Um schließlich westlich des Hafens bei der Grande Mosquee Hassan II ( war ja damals der König von Marokko) Halt zu machen.



    Diese Moschee wurde 1993 nach 7 jähriger Bauzeit eingeweiht und im Respekt gegenüber Mekka, ist sie die zweitgrößte der Welt.
    Das Minarett ist 200m hoch, das Gebäude selbst ist 200m lang, 100m breit und 60m hoch. Es hat ein gigantisches elektrisches Schiebedach. Es soll 5 Milliarden DH gekosten haben. 1 € sind zur Zeit 11,2 Dirham.
    Respekt.


    Da kann man nur staunen




    Der Eintritt wurde uns Ungläubigen natürlich gleich durch ein ganzes Security Paket, verwehrt.


    Nun denn, auf zum Schlafgemach am 1 . Tag ins Hotel (mit Koffercatwalk, ihr erinnert euch?)





    Tags darauf nach Mautzahlung (ja auch dort)



    kamen wir nach Rabat, der Hauptstadt Marokkos.



    Königspalast





    Hassanturm, das architektonische Wahrzeichen von Rabat



    Mausoleum König Mohameds V mit 44 m hohem quadratischem Hassanturm





    Ein anschließender Spaziergang durch den Irrgarten der Innenstadt (Medina= Altstadt) von Rabat.



    Schließlich endete auch dieser Tag in einem schönen Hotel.



    Anderntags auf in die 3. Königsstadt von Marokko, nämlich Meknes, eine Provinzhauptstadt mit damals rd. 500 000 Einwohnern.
    Gilt aber als eines der sehenswertesten Orte. Hier ein paar Bilder
    Bab el Mansour, das große Tor und zugleich Zugang zur Ville Imperiale (ehem. Residenz von Moulay Isamil.)



    Von den riesigen Anlagen sind aber nur noch Ruinen erhalten.


    Das Mousoleum des Moulay Isamail


    Zwischenmenschliches




    Schafwollbetrieb



    Und im örtlichen Souk



    Freut euch auf den 2. Teil mit einer weiteren sehenswerten Königsstadt und einem Ausflug in die Wüste und die höchst interessante Thodrha -Schlucht.


    euer
    wallbergler

    Wer nichts weiß, muss alles glauben.
    Marie von Ebner-Eschenbach

  • Du nimmst uns mit in eine andere Welt- faszinierend, fremd- luxuriös in gleicher Weise.
    Von der Mentalität der Menschen, denen Ihr begegnet seid, ganz zu schweigen!!
    Du hast sie in treffender Weise beschrieben....und "erduldet" !! Als Europäer fällt einem das sicher schwer, mitzuspielen und nicht erkennen zu lassen, das man die Vorgehensweise, wie man zu Geld kommt , durchschaut!
    Jetzt aber sofort zu Teil 2 !!


    Gruß,
    ELMA

  • Zitat

    Der Reiseführer stellte die Koffer aus dem Bus auf die Straße , Obulus.
    Von dort übernahm der Busfahrer die beschwerliche Organisation ins Foyer des Hotels, Obulus.
    Am Ende der Höflichkeitskette wurde das jeweilige Gepäckstück schließlich von Pagen auf das Zimmer gebracht. Obulus.
    Bei jeder Übernachtung.


    Ist ja im Urlaub durchaus so üblich, mit den Trinkgeldern. Wobei das hier wohl etwas übertrieben sein mag.
    Nur was gibt man den da so her? Ich mein wenn man das andauernd macht, kommt ja ne ganz schöne Summe zusammen.
    Aber die Leute dort sollen ja nicht beleidigt werden, was wohl der Fall ist wenn man nichts oder zuwenig gibt.


    Ganz allgemein, wie verhalten sich die Einheimischen gegenüber den Touristen? Gespielte Höflichkeit oder wirklich.
    Sind wir Touristen eine benötigte Einnahmensquelle?


    Ist Marroko ein eher gemästigtes Land was Rel., Beziehung zum Westen usw. anbelangt?


    Eines ist Marroko sicher, was ich nach dem ersten Teil sagen kann, ein wunderschönes Land mit vielen Sehenswürdigkeiten.


    Sehr schöner Bericht (1. Teil) Helmut, gleich wenn wieder mehr Ruhe habe werde ich die anderen Teile gespannt lesen.

  • Na ja, bei den 30 Leuten im Bus kommt da schon was zusammen, so ist es nicht, auch wenn man bei jeder Dienstleistung, wenn auch nur als Anerkennung 5-10 Dirham gibt.


    Grundsätzlich ist natürlich die Gastfreundschaft differenziert zu sehen. Wir kennen ja das alle, im privaten Bereich haben die Einheimischen in diesen südl. Ländern
    eine nahezu überbordende Gastfreundlichkeit, wobei es oft ein Fehler wäre, Geld anzubieten.
    Im touristischen Bereich ist das ein bisschen anders, aber auch zu berücksichtigen, dass diejenigen, die an der "Krippe" stehen, oft auch ihre Verwandten damit unterstützen(müssen).


    Fakt ist, als Grundvoraussetzung anzuerkennen, dass eben gerade in südlichen Breiten eine gewisses entspanntes Verhältnis zum Gewinnstreben vorhanden ist.


    Bezüglich deiner Fragestellung nach politischer u. religiöser Ausrichtung kann von mir aus ein Beschreibungsversuch nur brüchig sein.
    Der Islam ist dort schlicht und einfach Staatsreligion, aber es haben sich unterhalb des offiziellen Islam auch noch kleinere verschiedene Formen der Volksfrömmigkeit erhalten. Minderheiten sind z.B. Christen u. Juden.


    Staatsrechtlich ist Marokko eine konstitutionelle Monarchie. Offiziell garantiert die Verfassung alle bürgerlichen Freiheitsrechte, die Verwaltung weist einen föderalen Aufbau aus. Und wie aus Funk und Fernsehen bekannt, gilt offiziell Marokko als verlässlicher Partner der westlichen Bündnisse.


    Lieben Gruß
    Helmut

    Wer nichts weiß, muss alles glauben.
    Marie von Ebner-Eschenbach

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