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Im Land der Pharaonen

  • Heiko705
  • 8. Dezember 2025 um 20:50
  • Heiko705
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    • 15. Januar 2026 um 22:07
    • #41

    Tag 11 – An der Grenze zum Sudan (21.10.2024)

    Mit 40 Minuten Verspätung wurde ich heute Morgen um 4:50 Uhr abgeholt. Der Ausflug nach Abu Simbel stand auf dem Plan. Im Vorfeld hatte ich mich genauestens informiert, wie ich das umsetze. Die Strecke hinunter in die Wüste zum Sudan ist oder war militärisches Sperrgebiet. Deswegen war dies die letzte Strecke in Ägypten, auf der noch Konvoipflicht bestand, man also ausschließlich in Kolonnen fahren durfte. Vor einigen Jahren wurde dies jedoch aufgehoben, doch muss man offensichtlich, will man die Fahrt selbstständig und allein durchführen, dies zuvor beim Sicherheitsprotektorat in Assuan anmelden, damit man an den Checkpoints Bescheid weiß. Nein, das war mir zu aufwendig, und noch dazu macht die 3-stündige Fahrt ja auch nicht unbedingt Spaß. Also buchte ich einfach einen Ausflug mit einem Bus für 25 €.

    Dem Fahrer, der mich hier auf der anderen Nilseite in Gharb Aswan abholt, sollte ich für den Transfer 10 € in die Hand drücken, weil sich das Dorf doch etwas außerhalb des eigentlich Abholgebiets befindet. Habe ich natürlich auch gemacht. Aus meinem Dorf wurden jedoch auch noch 3 Schweizer aufgelesen. Das machte mich froh, denn dann könnte man uns ja alle gemeinsam zurückbringen. Nach einer Viertelstunde erreichten wir oben die Autobahn, an der bereits ein anderer Bus stand. Hier hielten wir, und ich wurde aufgefordert, in den anderen Bus zu steigen, in dem noch ein einzelner Platz frei war. Nun ja, vielleicht versuchte man eben, alle Sitzplätze in den Bussen so gut wie möglich auszunutzen, was natürlich aber zur Folge hatte, dass ich von den Schweizern getrennt wurde, und nun einen anderen Fahrer in der neuen Gruppe hatte. Schon früh wurde mir klar, dass das mit dem Zurückbringen problematisch werden könnte. Man gab mir zu verstehen, man würde mich in Assuan zu einem Boot bringen und die Überfahrt auf die andere Seite für mich organisieren. Schon gleich war mir klar, dass ich das dann auch noch bezahlen musste, aber warum aufregen? Es war nicht zu ändern.

    Vor mir sitzt der deutschsprachige Reiseführer

    Neben mir saßen nun auch zwei ältere schweizerische Damen, die an einer Nilkreuzfahrt teilnahmen. Vor mir im Bus saß für die beiden ein deutschsprachiger, ägyptischer Reiseführer, der mir die Details meines Rücktransfers erklärte und zwischen mir und dem Fahrer vermittelte. Er versicherte mir, man würde alles organisieren. Mit dem Reiseführer kam ich ins Gespräch und ließ mir die eine oder andere Sache erklären. Er bot mir an, doch mit ihnen zu gehen, wenn wir in Abu Simbel wären. Das fand ich schön und willigte ein. Mit an Bord befanden sich noch zwei Franzosen und ein allein reisender Argentinier. Noch so einer wie ich! Woher die Anderen kamen, kann ich nicht sagen.

    Bei den beiden Damen aus Switzerland war der Ausflug nach Abu Simbel in ihrem Paket mit inbegriffen. Es gibt jedoch auch Nilkreuzfahrten, bei denen man den Abu Simbel – Ausflug einzeln für ca. 120 € dazu buchen muss. Wie man sieht, werden diese dann einfach mit anderen zusammengesetzt, die den Ausflug für einen Bruchteil des Geldes gebucht haben. Mit den Kreuzfahrtgästen wird hier natürlich ordentlich Gewinn erzielt.

    Wir legen hier eine Pause ein

    Die Raststätte

    Nach etwas mehr als der Hälfte der Strecke pausierten wir an einer Raststätte mitten in der Wüste, damit jeder mal auf das WC gehen konnte oder etwas zu trinken kaufen. Auch mit den Damen neben mir entstand eine recht rege Unterhaltung. Manche der Gäste versuchten, während der Fahrt zu schlafen, und auch mir sind zwischendurch durchaus mal die Augen zugefallen. Immer geradeaus bei einem Tempo von 120 km/h.

    Unser Kleinbus

    Vor der Raststäte

    Dann waren wir da. Insgesamt sollten wir eine Aufenthaltszeit von 100 Minuten haben. Der Tempel von Abu Simbel ist einer von vielen, die vor den Fluten des Nils gerettet wurden. Dies war aber wohl die spektakulärste Rettungsaktion von allen. Ursprünglich stand der Tempel 200 Meter von hier entfernt, dort wo sich heute der Nasser-See befindet. Er stand 65 Meter tiefer als zur heutigen Zeit. Am Ab- und Wiederaufbau war die deutsche Firma Hochtief maßgeblich beteiligt. Den eigentlichen Tempel zersägte man vorsichtig in einzelne Stücke. Den gesamten Berg, in den er ja hinein gebaut war, konnte man natürlich nicht versetzen. Den heutigen Tempel überspannt eine riesige Kuppel, was man jedoch nicht sieht. Es wirkt wie ein ganz herkömmlicher Hügel, der jedoch künstlich ist. Hinzu kommt, dass die Erbauer des Staudamms auf die Interessen der Archäologen keine Rücksicht nahmen. Man begann einfach mit dem Bau des Damms, ohne dass der alte Tempel abgebaut war, was zur Folge hatte, dass man die steigenden Fluten unter Zuhilfenahme von Barrieren zurückzuhalten versuchte. Man kann sich kaum vorstellen, was das für ein Mammutprojekt war.

    Am Nasser-See

    Zu den Tempeln

    Ich schloss mich den Schweizern und dem Reiseführer an. Wir kamen um den Hügel herum, und die mächtigen, sitzenden Frontstatuen kamen zum Vorschein. Ein mächtiger Anblick. Die zweite von links fiel zu früheren Zeiten einem Erdbeben zum Opfer. Die Teile der Statue liegen davor. Beim Wiederaufbau entschloss man sich, es so zu belassen, wie es vor dem Abbau gewesen war. Zuerst lauschten wir den Worten des Reiseführers und betraten im Anschluss den Tempel von Ramses II., in dessen erster Halle sich zu beiden Seiten jeweils 4 große Statuen des Ramses befinden, die zu früheren Zeiten gleichzeitig zum Stützen der Decke dienten. Heute nicht mehr.

    Um die Ecke herum

    Der Tempel von Ramses II. in Abu Simbel

    Blick von der Seite

    Man sieht die Horus-Falken vor den Statuen und königliche Kartuschen unter den Füßen

    An der rechten Seite des Eingangs

    In der ersten Halle

    Den nächsten Raum zieren neben den aufwendigen Wandverzierungen quadratische Säulen, auf denen in erster Linie gezeigt wird, wie Ramses II. sich auf Augenhöhe mit allen Göttern befindet. Er saß 66 Jahre auf dem Thron, und irgendwann beschloss er offensichtlich, mehr als nur der Pharao sein zu wollen. Niemand wagte es, ihm zu widersprechen. In dieser Region Nubiens fehlte offenbar noch ein Gott. Diese Position wollte also Ramses II. einnehmen, und ließ deshalb hier den Tempel erbauen. So trägt ein falkenköpfiger Gott auf einem Pfeiler der Pfeilerhalle den Namen von Ramses II., der seine göttliche Legitimation auf Erden hervorheben wollte.

    Auch Ramses II. schlägt in üblicher Pose seine Feinde nieder

    Bittsteller beim König

    Zwei der Statuen in der ersten Halle

    Ein Seitengang

    Die Wände zieren Darstellungen großer Schlachten. Der Gewinnende ist stets Ramses. Auf einer der Darstellungen fährt er mit seinem Streitwagen nach links. Er fährt schnell. Dies ist an den erhobenen Vorderhufen der Pferde zu erkennen. Der Bogen ist gespannt. Ramses zieht in den Krieg. Auf dem nächsten Bild fährt er nach rechts. Langsam. Alle Hufe der Pferde berühren den Boden. Er kehrt siegreich aus dem Krieg zurück.

    Ramses zieht in den Krieg

    Ramses kehrt siegreich nach Hause

    Im hinteren Teil des Tempels befindet sich ein kleiner Raum mit vier Statuen. Hier ereignet sich von Zeit zu Zeit etwas Besonderes. Das „Sonnenwunder“ von Abu Simbel ist ein Phänomen, bei dem das Sonnenlicht im hinteren Teil des Tempels zwei Mal im Jahr (um den 22. Februar und den 22. Oktober) auf drei von vier Statuen fällt und nur die vierte, Ptah, Gott der Unterwelt, im Dunkeln lässt. Das Ereignis dauert etwa 20 Minuten und beleuchtet die Götter Amun-Re, Re-Harachte und den Pharao Ramses II.. Auch dies hatte man beim Wiederaufbau wieder nachzustellen. Durch die nun höhere Position hat sich das Ereignis um einen Tag verschoben. Ursprünglich geschah dies am 21. Februar, was wohl der Krönungstag von Ramses II. war, und am 21. Oktober, was angeblich sein Geburtstag war.

    Obwohl wir einen Tag zu früh dran waren, ist auch hier schon ein wenig zu erkennen, dass Ptah (ganz links) etwas im Dunkeln bleibt

    Durchgänge

    Dann lief ich hinüber zum Nachbartempel. Ramses II. hatte über 40 Frauen, aber nur zwei davon waren seine Hauptfrauen, Isisnofret und Nefertari, und immer wieder wurde angenommen, dass die Letztgenannte die einzige Frau war, die er wirklich liebte. Auf zahlreichen Zeichnungen und Reliefs erkennt man die Beiden in eindeutig zärtlich zugewandten Positionen, was zur damaligen Zeit durchaus unüblich war. Und schließlich ließ er ihr hier neben seinem Tempel in Abu Simbel einen eigenen Tempel bauen, den Tempel der Nefertari. Sie war wohl nicht nur seine geliebte Hauptfrau, sondern auch auf der politischen Bühne von hoher Bedeutung. Nicht anders lässt es sich erklären, dass Nefertari in der gleichen Größe wie der Pharao als Statue an der Tempelfassade dargestellt wurde.

    Tempel der Nefertari

    Die beiden Tempel

    Von der Seite

    Ich gehe hinein

    Der kleine Felsentempel hat eine Höhe von 12 Metern und eine Breite von 28 Metern mit einer Tiefe von 21 Metern. Die schräg nach hinten geneigte Fassade des Tempels ist in 6 hohe Nischen gegliedert, die mit 4 Statuen den König und mit 2 Statuen die königliche Gemahlin Nerfertari in Gestalt der Hathor darstellen. Die Pfeilerhalle im Tempel hat ganz den Charakter eines Hathor-Heiligtums, der dieser Tempel schließlich auch gewidmet ist. Die große Halle ist mit 6 Pfeilern ausgestattet und alle zeigen das Gesicht der Göttin Hathor. Die Reliefs, die das hoheitliche Paar größtenteils mit Göttern zeigen, sind in einem wunderbaren Zustand.

    Die Pfeilerhalle

    Nefertaris Antlitz

    Auch hier befinden sich natürlich viele Reliefs

    Übereste einer Sitzstatue

    Gaben werden überreicht

    Die beliebten Lotosblüten

    Ramses II. verstarb erst mit ca. 90 Jahren. Die meisten seiner Untertanen hatten keinen anderen Pharao erlebt und hielten ihn fast schon für unsterblich. Er wurde älter als viele seiner Söhne. So kam es schließlich, dass erst sein 13. Sohn Merenptah ihm auf den Thron folgen sollte, der bei der Krönung schon über 50 Jahre alt war. Er war der Sohn Ramses‘ zweiter Hauptfrau Isisnofret. Da man nicht mit dessen Krönung gerechnet hatte, war er auch nur wenig auf das Amt vorbereitet. Doch er lernte schnell und konnte sich schließlich als Pharao behaupten. Er regierte immerhin knapp 10 Jahre.

    Abschied vom Nasser-See

    Abu Simbel war für mich etwas ganz Besonderes, unglaublich, dass ich nun selbst hier war. Außerhalb des Tempels traf ich mich wieder mit den beiden Damen aus der Schweiz und unserem Führer. Er zeigte uns einen alten ägyptischen 1-Pfund-Schein, der heute so gut wie nicht mehr im Umlauf ist, und auf dessen Rückseite Abu Simbel abgebildet ist. Ich fragte ihn, ob er ihn mir verkaufen würde. Daraufhin schenkte er ihn mir. Bevor wir uns verabschiedeten, ließ ich ihm selbstverständlich noch ein Trinkgeld zukommen. Er verblieb sogleich in Abu Simbel, da am nächsten Tag das große Sonnenwunder zu beobachten war, was regelmäßig Tausende von Besuchern anlockt. Man kann auch Eintrittskarten für den Sonnenaufgang an einem der beiden großen Tage kaufen, doch steht der Preis in keinster Weise in einem vernünftigen Verhältnis zum Dargebotenen.

    Nach der Umsetzung befanden sich hier zunächst nur die Tempel, heute ist Abu Simbel eine richtige Ortschaft mit Flughafen geworden. Aufgrund fehlender landwirtschaftlicher Flächen lebt die gesamte Bevölkerung heute vom Tourismus. In der Zeit der Könige des Neuen Reiches hatte die Region, in der die Tempel errichtet wurden, vermutlich den Namen Meha. Die beiden Damen wurden zurück zu ihrem Kreuzfahrtschiff gebracht. Letztendlich kam es, wie es kommen musste. Man setzte mich nach der Rückfahrt in Assuan ab, hatte aber bereits mit einem der Bootsbesitzer gesprochen, der mich schließlich wieder zurück auf die andere Nilseite nach Gharb Aswan brachte, wo ich gegen 15 Uhr eintraf.

    Mein Fahrer

    Zur anderen Nilseite zurück

    Die Kamele unter Qubbet el-Hawa

    Unterhalb von Qubbet el-Hawa lagen wieder die Kamele im Sand. Am nächsten Morgen würde ich hinauf steigen. Ich marschierte nach Hause, zog mich um und stieg in den Mietwagen. Ich wollte gern das nubische Dorf Gharb Soheil besuchen. Es liegt ca. 2,5 km oberhalb des Alten Staudamms auf der Westseite des Nils. Zunächst hatte ich es schwer, es zu finden, doch letztendlich wurde ich auf den von Assuan kommenden Autobahnzubringer gelotst. Dies war eine neue Straße, die mein Google Maps noch nicht kannte. Von dieser breiten, bereits autobahnähnlichen Straße fuhr man an einer Stelle, wo noch nicht einmal eine Ausfahrt war, einfach runter in den Sand und gelangte so in das Dorf. Dieses wird auch von manchen Ausflugsschiffen angefahren, und so kann man sich denken, dass es von seiner Ursprünglichkeit einiges eingebüßt hat. Vieles wurde einfach auch für eventuelle Touristen hergerichtet.

    Ich komme nach Gharb Soheil

    Die alten Nubier waren bekannt für ihre Fähigkeiten im Bogenschießen. Die Ägypter nannten das Land "Ta-Seti", was "Land des Bogens" bedeutet. Diese Fähigkeiten im Bogenschießen waren die Schlüsselkomponenten der militärischen Stärke der nubischen Herrscher. Es war üblich, dass Krieger neben ihrer Bogenschießausrüstung begraben wurden. Das Königreich Nubien war für seine reichen Goldvorkommen bekannt, und so kommt es nicht von ungefähr, dass viele der ägyptischen Pharaonen das Gold der Nubier brauchten, vor allem, da Ägypten selbst keine großartigen Vorkommen besaß.

    Unterkunft für Touristen

    Ich parkte und lief zu Fuß weiter. Hier wurde ich zunächst von den Einheimischen ganz schön angestarrt. Manche riefen sogar etwas hinter mir her. Ich folgte der sandigen Straße nach Norden. So langsam kam ich in den belebteren Teil; ich ließ ein Gästehaus hinter mir, dort lag ein Café, dort ein Restaurant. Die Häuser wurden bunter. Nach nubischer Architektur wurde aus Lehmziegeln gebaut, die eine Mischung aus Ton, Wasser, Heu und Sand sind. Alle diese Materialien sind natürlich und kostengünstig, und die Tonstruktur der Ziegel wird auch weniger durch Hitze beeinflusst. Die Häuser haben oftmals eine kuppelförmige Decke, die die Sonnenwärme gleichmäßig im Inneren des Hauses verteilt. Am Flussufer standen viele Kamele und ein paar Kühe. Häuser in roten und gelben Farben, Häuser in grüner Farbe und blaue Häuser, die Häuser wurden zusehends bemalter. Nun begannen Verkaufsstände auf beiden Seiten des Weges. Ich war in der Touristenstraße angelangt. Ich musste stark sein, denn momentan war ich fast der einzige Ausländer hier, und ich hatte nicht vor, etwas zu kaufen. Ich machte hübsche Fotos der Häuser und Waren.

    Wir kommen in den belebteren Teil

    An einer Ruine

    Kamele und Rinder am Ufer

    Die Gebäude werden bunter

    Hier hat man bereits geöffnet

    Verkaufsstand

    Hier wurden Körbe angeboten, dort Figuren, dort Gewürze. Dort gab es Taschen, hier Teppiche und da Oberbekleidung. Afrikanische Masken, Getränke und Decken. Dazwischen lagen bunte und einladende Gästehäuser. Tücher und Schmuck, Ketten und Platzdecken. Von jedem dritten Verkäufer wurde ich angeredet, hier ein Lächeln, dort ein freundliches Kopfschütteln, weiter geradeaus. Im Dorf gibt es viele nubische Frauen, die Henna zeichnen, das sie aus natürlichen Kräutern und Ölen herstellen. Ich lief, bis die Straße am Flussufer endet, gegenüber der Flussinsel Sehelnarti, insgesamt 2,5 km, dann drehte ich um und machte mich auf den Rückmarsch.

    Die Touristenstraße beginnt

    Ob das auch eine Touristenunterkunft ist?

    Zahra House

    Vor einem der Stände

    Das typische Angebot

    Durch die Marktstraße

    Teppiche und Tücher

    Bunte Ecke

    Do you wanna bye something?

    Es sind einladende Restaurants dabei, in die man durchaus einen Fuß setzen könnte. Im Crocodile House hält man kleine Krokodile in Käfigen, doch war ich nicht darin. Das Dorf ist durchaus hübsch und optisch interessant, aber warum es sogar viele der Schiffe anfahren, kann ich nicht verstehen, aber vielleicht hat man ja hier auch Verwandtschaft, von denen man ein paar Münzen zugesteckt bekommt, wenn man viele Gäste bringt. Wer weiß das schon so genau? Alles ist auf den Verkauf der vielfach in Massenproduktion gefertigten Waren ausgelegt. Sowas kennt man ja. Da ich aber kein typischer Tourist von einem der Boote war und auch kein Geld dort gelassen habe, konnte ich die Optik des Dorfs ganz gut genießen.

    Sieht doch einladend aus, oder?

    Durch die Gassen

    Zwei Kamele

    Blaues Wunder

    Bunte Gewürze

    Street Art

    Mehr davon...

    Man kann nicht sagen, dass es nich hübsch wäre

    Weitere Urlauberunterkunft

    Tuktuk vor Hauswand

    Ich kehrte langsam wieder um

    Recht ansehnlich

    Überall nimmt man Touristen auf

    Das Ounati Ka Guest House

    Merkwürdiger Stil

    Als der Nachmittag in den Abend überging, fuhr ich wieder in mein Dorf. Das Essen in meiner Unterkunft war jeden Abend ähnlich, doch war das überhaupt nicht schlimm, denn es schmeckte sehr gut. Es gab Nudelsuppe, Gemüse, ein Reisgericht, Brot, eine Art Geschnetzeltes und Tahini, diese Sesamcreme. Ich telefonierte mit dem Anbieter meines Ausflugs nach Abu Simbel. Man entschuldigte sich, dass ich nicht richtig wieder zurückgebracht worden bin und erstattete mir 5 €, die ich für die Fahrt an das andere Nilufer bezahlen musste. Was soll’s? Ich war zufrieden, denn es war wieder ein wunderbarer Tag mit neuen Erlebnissen geworden.

    Abendessen

    Liebe Grüße

    Heiko

    Heute sind die guten, alten Zeiten, nach denen Du Dich in 10 Jahren sehnst. Genieße sie!!!

  • claus-juergen
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    • 16. Januar 2026 um 17:25
    • #42

    Hallo Heiko,

    von diesem unfertigen Obelisk habe ich auch schon gehört. In dem Zusammenhang ist mir allerdings etwas unklar. Der Obelisk soll aus einer bestimmten Granitsorte gehauen sein. Dieser Rosengranit ist bekanntlich ziemlich hart. Die Kugeln sind aus Dolorit wie du schreibst. Ist dieses Material härter? Wieso hat man da Kugeln genommen? Soviel ich weiß war im alten Ägypten doch sowohl Eisen als auch Bronze bereits verbreitet. Die alten Griechen und Römer haben ja Metallwerkzeuge zur Steinbearbeitung verwendet. Warum haben das die Ägypter nicht gemacht? Als Laie würde ich sagen, dass das doch viel einfacher gewesen wäre. Noch dazu hätte man mit Hammer und Meißel viel präziser den Stein bearbeiten können.

    Dein Ausflug nach Abu Simbel hat sich sicherlich gelohnt. Und doch würde es mich nerven, wenn ich ständig den Eindruck gewinne, dass ich als Tourist übers Ohr gehauen werde. Ägypten ist wohl in erster Linie für geführte Touristengruppen oder für die bekannten all Inklusiv Hotels am Roten Meer attraktiv. Individual Reisende könnten eventuell an der Mentalität der Einheimischen verzweifeln. Vielleicht schreckt diese Mentalität aber auch viele Individualreisende ab.

    Grüße

    Jürgen

  • Heiko705
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    • 16. Januar 2026 um 21:42
    • #43

    Oh, die Frage ist gut. Der Dolorit ist härter als Granit, ja. Nach vielem, was ich gelesen habe, standen den Ägyptern Metallwerkzeuge schon recht früh zur Verfügung, zumindest Kupfer und die Legierung Bronze. Dennoch scheint man parallel dazu auch die Steinwerkzeuge weiter benutzt zu haben. Anscheinend dienten die Metallwerkzeuge nur zur Bearbeitung weicheren Gesteins. Wollte man jedoch harten Stein bearbeiten wie Granit, musste man noch härteren Stein dafür benutzen. Eisenwerkzeuge gab es ja erst später. Ich als Laie kann mir das so auch gut vorstellen. Die Kugelform wurde sicher gewählt, weil so ein Werkzeug gut in der Hand liegt.

    Auf diesen Pauschalreisen sieht man aber leider nicht ganz so viel, immerhin aber wenigstens auch ein paar Dinge, und das ist ja schließlich auch was wert. Aber auch dort sollen die Bediensteten z. B. auf einem Kreuzfahrtschiff auch ständig Bakschisch verlangen, wie ich gehört habe. Na ja, wie ich schon öfter geschrieben habe, man brauch ein etwas dickeres Fell, das darf einem nicht allzu viel ausmachen. Ich bin jedenfalls daran nicht verzweifelt. Viel besser war es in Marokko auch nicht.

    Liebe Grüße

    Heiko

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  • Heiko705
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    • 18. Januar 2026 um 02:26
    • #44

    Tag 12 – Über und inmitten des Nils (22.10.2024, 1. Tageshälfte)

    Schon früh machte ich mich zu Fuß auf. Über den Platz vor dem Haus. Links durch die schmale Gasse. Dann ist man hinten am Haupthaus von Habib und biegt rechts ab. Dann eine Weile geradeaus und schon sieht man hinten den Hügel Qubbet el-Hawa. 6:49 Uhr. Offene Pickups mit bis zu 10 Männern auf den Ladeflächen fahren durch den Sand. Bringen sie die Männer zur Arbeit? Ist das eine Art Bus-Ersatz? Wahrscheinlich ist es so. Schon war ich am Tickethaus. Der Berg ist 130 Meter hoch und auf und an ihm befindet sich eine Felsennekropole mit Felsengräbern alter ägyptischer und nubischer Beamter, die Gräber der Noblen. Die Gräber sind in den Stein geschlagen. Wenn man auf dem Nil mit dem Boot fährt, sieht der Hügel mit den Gräbern fantastisch aus. Bestattungen fanden von der Zeit des Alten Reiches bis in die griechisch-römische Zeit statt. Die Nekropole ist Teil der „Nubischen Denkmäler von Abu Simbel bis Philae“ und gehört seit 1979 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

    50491340yn.jpg Haus in der Nachbarschaft

    50491341yq.jpg Auf dem Weg nach Qubbet el-Hawa

    50491342bz.jpg Morgendliche Transporte per Pick-up

    Ich bekam einen Führer zugeteilt. Der weitestgehend zahnlose Einheimische, der sich mir vorgestern bereits als Führer anbot, war zum Glück weit und breit nicht zu sehen. Mein Führer würde mich oben an den Gräbern erwarten, während ich allein die Treppen zur Nekropole hinaufstieg. Insgesamt sind es über 90 Gräber. Der Eintritt kostet umgerechnet 5 €, wobei der Führer sich natürlich auch noch über etwas Bakschisch freut. Dann war ich oben. Die Sonne ging hinten über Assuan auf und tauchte die Grabanlagen in ein angenehmes, orangenes Morgenlicht. Mein Führer hatte eine Decke und ein Kissen auf einer Mauer im Schatten. Ich schaute über den Fluss, hinüber nach Assuan und zur Flussinsel Elephantine. Der Tag erwachte. Diese morgendliche Atmosphäre war wunderbar. Alles war still hier oben. Mein in eine Dschallabija gekleideter Führer ging voran. Die Felsen und Gräber sind spektakulär. Ich hatte mit ihm besprochen, welche Gräber für mich wichtig sind.

    50491343qg.jpg Hier geht es hinauf

    50491345yu.jpg Oberhalb der Treppe

    50491346ct.jpg Sonnenaufgang über Assuan

    50491347yt.jpg Die Nekropole erwacht in der Morgensonne

    50491348na.jpg Das Lager meines Führers

    50491349ez.jpg Wir laufen entlang des Nils - hier sieht man gut die Flussinsel Elephantine

    50491350gi.jpg Mein Führer geht voran

    50491351ys.jpg Blick hinauf zur Kuppelruine des Scheichs

    50491352vt.jpg Spektakuläre Mauern und Felsen

    50491353ml.jpg Mein Führer wartet auf mich - ich mache wohl zu viele Fotos

    Er schloss das Grab von Sarenput II. (Nr. 31) auf. Dieser war ein Bürgermeister und Priestervorsteher in der damals südlichsten Stadt Ägyptens, in Elephantine. Er amtierte unter Pharao Sesostris II. (ca. 1882 bis um 1872 v. Chr.). Durch eine undekorierte längliche Halle mit Stützpfeilern stieg ich in den Fels. An den Seiten stehen drei lebensgroße mumienförmige Figuren. Die Wände im darauffolgenden Korridor sind mit Alltagsszenen des Verstorbenen verziert. Die Bemalungen mit Hieroglyphen haben noch ihre alte Farbe. Man sieht Sarenput II. gemeinsam mit seinem Sohn. Diese Zeichnung sieht man bereits vom Eingang. Ich denke, das war so beabsichtigt.

    50491354dl.jpg An den Gräbern

    50491355oe.jpg Eingang zum Grab von Sarenput II.

    50491356oz.jpg Gang in das Grab hinein

    50491357ci.jpg Sarenput II. mit seinem Sohn

    50491358uj.jpg Reste einer Figur in Mumienform

    50491359nt.jpg Die Nische, die man schon fast vom Eingang aus sieht

    50491360gg.jpg Blick in die Nische

    Wir gingen weiter am Fels entlang. Sand rieselte von oben herab. Was ich erstaunlich finde, sind zwei kanalartige Schächte, die in gerader Linie bis hinab zum Nil führen und zweifellos dazu dienten, Gegenstände vom Nil hier hinaufzubekommen. Wir kamen zum Doppelgrab von Mechu (Nr. 26) und seinem Sohn Sabni (Nr. 25). Mechu war ein Gaufürst und führte Expeditionen in die Gebiete Nubiens. Während der letzten Expedition nach Wawat wurde er in der Wüste getötet. Sein Sohn Sabni zog mit einer Mannschaft mit 100 Eseln aus, um seinen Vater zu bergen. Von Pharao Pepi II. wurde er für das Bergen des Leichnams seines Vaters reichlich beschenkt. Das Grabinnere sieht düster aus. Mächtige Pfeiler stützen die Decke. Die Reliefs und Wandbemalungen haben hier meist ihre Farbe verloren. Es gibt eine Ausnahme. An der Rückwand des Grabes ist Sabni mit seinen Töchtern beim Vogel- und Fischfang abgebildet. Es ist unbestritten eine der schönsten Wandmalereien auf dem Qubbet el-Hawa. Ich verließ das Grab.

    50491361sf.jpg Überall wurden derartige Gräber in den Fels gehauen

    50491364gv.jpg Wir sind am Grab von Mechu und Sabni angelangt

    50491365am.jpg Die kanalartigen Schächte hinunter zum Nil

    50491366nx.jpg Eingang zum Grab von Mechu und Sabni

    50491367gc.jpg Düstere Katakomben

    50491368jt.jpg Sabni mit seinen Töchtern beim Vogel- und Fischfang

    50491369dd.jpg Geheimnisvoller Eingang

    50491370qz.jpg Vor dieser Wand muss einer der Sarkophage gestanden haben

    50491371iy.jpg Wir gehen weiter

    50491373lz.jpg Blick in einen Gang im Fels

    50491374na.jpg In den Felsengängen

    Dann besuchten wir die koptische Klosterruine St. Georg aus dem 10.-11. Jh., die sich zwischen den Gräbern in den Felsen befindet. Die Reste der runden Kuppeln hatte ich schon von weitem gesehen. Die koptischen Zeichnungen auf den halbrunden Wänden sind noch erkennbar. Wir liefen an etlichen Gräbern mit spektakulären, in den Fels gehauenen Säulen vorbei. Der Ort ist einfach unbeschreiblich. Viele der Außenwände waren bereits mit Reliefs und Hieroglyphen übersät. Die Reliefs sind teilweise sehr gut erhalten. Wohin man schaut, sieht man Säulen, Treppen und Tore.

    50491375lf.jpg Dort liegt die Klosterruine St. Georg

    50491376yb.jpg Die Klosterruine

    50491377ms.jpg Überreste koptischer Zeichnungen

    50491380mg.jpg Tolle Grabanlagen

    Wir kamen zum Grab von Sarenput I. (Nr. 36). Es ist eines der Ältesten aus dem Mittleren Reich. Sarenput I. wurde durch König Sesostris I. als Fürst von Elephantine eingesetzt. Viele der langen Gänge im Grab waren undekoriert. Zumindest sind sie das heute. Manche Zeichnungen sind aber noch zu erkennen. Im Innern befindet sich eine Scheintür. Einige der Wände waren von oben bis unten mit langen Hieroglyphentexten verziert, wovon Teile noch zu sehen sind.

    50491398ll.jpg Vor dem Grab von Sarenput I.

    50491399pm.jpg Reliefs an der Außenwand

    50491400co.jpg Der Eingang

    50491402li.jpg Zu erkennen sind noch Ruderer auf einer Barke

    50491403zi.jpg Scheintür im Grab von Sarenput I.

    50491404hs.jpg Reste der Hieroglyphen

    50491406mc.jpg Unbekannte Ruine auf dem Hügel

    Nun kamen wir unter die Kuppelruine des Sheikh-Grabes des Sidi Ali Bin el-Hawa, die sich ganz oben auf dem Hügel befindet und schon von weitem zu sehen ist. Mein Führer verließ mich, ich bedankte mich und drückte ihm etwas Geld in die Hand. Ich lief allein zur Kuppel und setzte mich. Wir hatten 8:15 Uhr. Nun saß ich ganz allein oben an der Kuppel und schaute über den Nil. Wow! Dies war der schönste Moment des gesamten Urlaubs. Einsame Boote zogen ihre Schlieren in den Wassern des Nils. Von hier oben sieht man alles. Die Sonne war mittlerweile etwas höher gestiegen. Ich schaute hinüber nach Kitchener Island, Elephantine und Assuan. Ganz leise hört man den Verkehr in der Stadt auf der anderen Flussseite. Hier oben entgeht einem nichts. Ein unglaubliches und erhabenes Gefühl stieg in mir auf und machte sich breit. Ich sah nach Süden zum Agha-Khan-Mausoleum, eine mächtige Festung, die jedoch geschlossen ist. Ich sah die südlich von Elephantine liegenden zahlreichen, weiteren Flussinseln. Nach Norden sah ich die vielen Vororte, die bereits auch schon zu Assuan gehören. Ich blieb hier eine ganze Weile sitzen, sicher 20 Minuten. Dann lief ich quer hinab durch den Sand, zurück nach Gharb Aswan. Um kurz nach 9 war ich in meiner Unterkunft und machte mich frisch.

    50491407rp.jpg Hinauf zur Kuppelruine

    50491408dj.jpg Oben angekommen

    50491409wz.jpg Hinter der Ruine

    50491414bn.jpg Blick hinüber zum Mausoleum Agha-Khan

    50491416iz.jpg Der Nil am Morgen

    50491417bo.jpg Blick nach Gharb Aswan, mein Wohnort

    50491430ug.jpg Links Elephantine, rechts Kitchener Island

    50491431up.jpg Allein auf dem Hügel

    50491432or.jpg Segelboot auf dem Nil

    50491433sm.jpg Wieder auf meinem Balkon

    Nun startete ich mit dem Auto. Mein Ziel war das Simeonskloster und das Kloster des Hl. Anba Hadra. Beide befinden sich ebenfalls auf der westlichen Nilseite, ungefähr 650 Meter vom Fluss entfernt über einem Wadi (Trockental) in der Libyschen Wüste. Um 9:30 Uhr traf ich ein. Das Simeonskloster war ein koptisches Kloster und stammt aus dem 6. Jahrhundert. Heute ist es eine prächtige Ruine. Das Gebiet um Assuan wurde als eine der letzten Regionen Ägyptens christianisiert. Dies geschah Ende des 4. Jahrhunderts. Doch erst um 540 n. Chr. schloss der oströmische Kaiser Justinian I. den Isis-Tempel von Philae südlich von Assuan. Das Simeonskloster wurde ab dem Jahr 571 errichtet. Es werden auch Touren mit Kamelen zum Kloster angeboten, doch ich war ja selbständig. Das ehemalige Kloster ist von einer über sechs Meter hohen Ringmauer umgeben und wird von zwei zehn Meter hohen Türmen flankiert. Im Inneren erheben sich die Reste der Klosterbauten. Auch das Kloster ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbes.

    50491452bp.jpg Das Simeonskloster

    Ich parkte und lief hinüber. Ich musste mir den Weg durch einen Kamelkarawane bahnen, die vor dem Eingang rastete. Wahrscheinlich war dies einer dieser Ausflüge, und die Reittiere mussten auf die Touristen warten, die sich im Innern der Ruine befanden. Ich trat durch das Eingangsportal. Das Innere ist imposant, das sah ich gleich. Vorbei an runden Kuppeln ging ich über eine großen Innenhof durch einen Bogengang. In der Ostseite der ehemaligen Basilika traf ich auf Arbeiter, die das Innere des Klosters restaurierten. Sie machten gerade Frühstückspause. Als ich einem der Arbeiter, einem blonden, großen Kerl meines Alters eine Frage stellte, merkten wir, dass wir aus dem gleichen Land stammten, aus Deutschland. Er schien sich zu freuen, dass ich an seiner Arbeit Interesse zeigte und beantwortete jede Frage. Wir hatten 35°, und ich wollte wissen, ob es denn nicht sehr anstrengend sei, bei diesen Temperaturen hier zu arbeiten. Ach, das sei kein Problem, sagte er, manchmal würden sie hier bei 50° arbeiten. 35° empfände man schon fast als kühl, hahaha.

    50491454xh.jpg Kamele vor dem Eingang

    50491455sy.jpg Die wartenden Reittiere

    50491456ev.jpg Der Eingang

    50491457ty.jpg Runde Kapellenkuppeln im Innenhof

    50491458rh.jpg Treppe auf die Mauer

    50491460px.jpg Die Arbeiter bei der Frühstückspause

    50491462ta.jpg Weiter nach oben

    50491466ut.jpg Blick über die Klostermauern

    Ich ließ die Arbeiter allein und setzte meinen Rundgang fort. An manchen der Wände waren Teile alter Fresken und Schriftzeichen erkennbar. Über eine Treppe gelangte ich auf die obere Klosterebene. Im Norden befand sich der Schlaf- und Essbereich der Mönche nebst Küche, im Süden der Arbeitsbereich mit Magazinen und Stallungen. Schließlich kam ich durch das Dormitorium, ein imposanter Zellengang zu den ehemaligen Schlafbereichen. Ich nahm die Klosterzellen mit den Steinbänken in Augenschein. Daneben befindet sich das Refektorium, ehemaliger Speisesaal. Im 10. Jahrhundert wurde das Kloster erneuert und vergrößert, so dass es etwa 300 Mönchen als Wohnort diente, die sich selbst versorgten. Danach fuhr ich hinüber zum Kloster des Hl. Anba Hadra, doch das hatte geschlossen, und so begnügte ich mich mit ein paar Blicken von außen.

    50491470lk.jpg Obere Klosterebene

    50491471fu.jpg Mächtige Mauern

    50491473ap.jpg Im Dormitorium

    50491474ap.jpg Die ehemaligen Schlafbereiche

    50491475hw.jpg Blick in eine andere Kammer

    50491476by.jpg Blick nach draußen

    50491479xj.jpg Kloster des Hl. Anba Hadra

    Liebe Grüße

    Heiko

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    2 Mal editiert, zuletzt von Heiko705 (18. Januar 2026 um 12:08)

  • claus-juergen
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    • 18. Januar 2026 um 16:06
    • #45

    Hallo Heiko,

    erneut zeigst du uns ein Stück altes Ägypten und zwar nicht nur aus der Zeit der Pharaonen die jeden Besucher magisch anzieht. Kaum jemand kommt auf die Idee diese Nekropole zu besuchen. Dabei wurde die über einen sehr langen Zeitraum hinweg genutzt und ist ebenfalls ein Zeugnis aus vorchristlicher Zeit.

    Das Kloster welches du uns vorstellst wird hingegen anscheinend doch von Touristen besucht. Kannst du noch Details nennen in welchem Zeitraum es bewohnt war? War der aufkommende Islam nach dem siebten Jahrhundert dessen Ende? Die Anlage ist ja ziemlich groß und hatte folglich Platz für viele Mönche. Wovon haben die damals gelebt?

    Die Blicke vom Berg über den Nil hätten mir auch gefallen. Da fehlt eigentlich nur noch ein kaltes Bier. ;)

    grüsse

    jürgen

  • Heiko705
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    • 19. Januar 2026 um 15:56
    • #46

    Hallo Jürgen, errichtet wurde es ab 571, wie ich berichtete. Der aufkommende Islam im 7. Jahrhundert bedeutete nicht das Ende, zumindest zunächst nicht. Es war bis zum Beginn des 14. Jahrhunderts bewohnt, doch anscheinend ab und an von Arabern angegriffen worden. Die dabei im 14. Jahrhundert entstandene Zerstörung war wohl dann so groß, dass man es verlassen hat.

    Die Mönche lebten von dem, was sie selbst erwirtschafteten, durch eigenen Anbau in ihren Gärten und Tierhaltung und wohl auch durch Herstellung von Kerzen, Ikonen und Stickereien. Durch die Lage in der Wüste mussten sie sich selbst versorgen. Der eine oder andere Pilger hat vielleicht noch eine kleine Spende dagelassen.

    Liebe Grüße

    Heiko

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  • Heiko705
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    • 20. Januar 2026 um 21:50
    • #47

    Tag 12 – Über und inmitten des Nils (22.10.2024, 2. Tageshälfte)

    Dann ging’s wieder über den Alten Staudamm hinüber nach Assuan, wo ich an der Corniche kostenlos parkte. Für ca. 350 Ägyptische Pfund (um die 6,50 €) ließ ich mich mit einem Boot die kurze Strecke von der Corniche bis nach Elephantine hinüberbringen. Es sind nur wenige Hundert Meter. Der Fahrer gab mir seinen WhatsApp-Kontakt, und wir verabredeten, dass ich ihn anriefe, wenn ich wieder zurück wolle. Ich hatte mich aber übers Ohr hauen lassen. Der Preis war viel zu hoch. Wir legten im Südteil der Insel an, genau neben dem Grabungsareal der antiken Stadt Elephantine. Der Rundgang startet am Assuan-Museum, durch das man auf das Ausgrabungsgelände kommt. Ich zahlte die umgerechnet 6 € Eintritt.

    Überfahrt nach Elephantine

    Wir legen an

    Elephantine misst heute ca. 1,2 Kilometer in der Länge und 400 Meter in der Breite. Die archäologischen Ausgrabungen zeigen jedoch, dass das bebaute Gebiet in der Pharaonenzeit wesentlich kleiner war als die heutige Insel. Ihre heutige Form hat die Insel unter anderem durch die Ablagerungen, die im Laufe der Jahrtausende durch die jährlichen Nilüberschwemmungen entstanden sind. Im Alten Ägypten als Yebu (Elefant) bekannt, befand sich Elephantine auf der Grenze zwischen Ägypten und Nubien. Sie bildete einen natürlichen Schiffspassagepunkt für den Flusshandel; die Insellage machte sie zu einem wichtigen strategischen Verteidigungsplatz im Altertum. Die Insel war aber nicht nur deswegen von großer Bedeutung im Altertum, nein – hier ließen die Pharaonen auch zahlreiche Tempel errichten. Durch ein Nilometer wurden hier die Nilfluthöhen gemessen. Schon früh wohnten hier die Grenzsoldaten mit ihren Familien. Die Insel bedeutete mir sehr viel.

    Nachdem ich das kleine Museum verlassen hatte, versuchte ich mich also auf dem Ausgrabungsgelände zurechtzufinden. Zunächst kam ich an die Überreste dreier Satet-Tempel aus der griechisch-römischen Zeit, aus dem Neuen Reich und aus dem Alten Reich. Der Tempel aus der Zeit des Neuen Reichs (1550 bis 1070 v. Chr.) wurde wieder aufgebaut. Die heute farblosen Reliefs sind nur teilweise erhalten. Doch da man die Zeichnungen kennt, wurden sie auf der glatten Oberfläche daneben weitergezeichnet, um sie zu vervollständigen. Ich halte das für durchaus gelungen. So erkennt man einfach besser das Große und Ganze, ohne Gefahr zu laufen, die neuen Linien für echt zu halten. Es ist wirklich gut umgesetzt.

    Ausgrabungsarbeiten

    Satet-Tempel der 18. Dynastie

    Vervollständigte Zeichnungen

    Säule im Satet-Tempel

    Hier fanden Ausgrabungen statt, und ich sah eine deutsche Archäologin, die gemeinsam mit vielen Helfern direkt neben dem Nilufer bei der Arbeit war. Manche der hier anwesenden Arbeiter unterhielten sich ebenfalls auf Deutsch. Auch ein Satet-Tempel von Sesostris I. wurde wieder neu errichtet. Viele der Mauern der ehemaligen Gebäude der Stadt sind noch erhalten oder wurden rekonstruiert. Hier war ein ehemaliger Hof zum Feiern der Nilflut, dort ein rekonstruierter Tempel des Pharaos Mentuhotep II. und da eine Versorgungsanlage zur Lagerung und Verteilung von Lebensmitteln. Im Heiligtum des Beamten Pepinacht, der Expeditionsleiter und Gouverneur von Elephantine war, findet sich eine Statue in einer Nische.

    Auf dem Ausgrabungsgelände

    An der Wand des Barkensanktuars von Sesostris I.

    Rekonstruktion des Satet-Tempels von Mentuhotep II.

    Eine Treppe führt zu einem Aussichtspunkt. Von dort hat man einen guten Überblick über die gesamte antike Stadt. Auch das Agha-Khan-Mausoleum auf der anderen Nilseite ist von hier aus gut zu sehen. Über einen Chnum-Tempel mit Säulenresten aus der ptolemäischen Zeit gelangte ich zu einem Tor von Amenophis II. mit Blick auf den Nil. Hier sind die alten Reliefs sehr gut erhalten. Der Südteil des alten Wohnviertels auf Elephantine ist von hier gut zu sehen. Es ging vorbei am Friedhof der Heiligen Widder. An einem weiteren Chnum-Tempel befindet sich ein Nilometer. Man sieht noch eine alte Skala zum Messen des Wasserstands. Treppen führen hinab zum Nil mit einer weiteren Skala.

    Treppe zum Aussichtspunkt

    Teil der antiken Stadt Elephantine

    Restaurierte Grundmauern im Wohnbereich

    Blick auf die andere Nilseite zum Mausoleum Agha-Khan

    Überreste des Portals eines Chnum-Tempels

    Überbleibsel einer Säule

    Rosengranit hier aus der Gegend

    Portal von Amenophis II.

    Zurück bei den Ausgrabungsarbeiten - im Vordergrund die deutsche Archäologin

    Blick über den Nil

    Hier geht es zu einem der Nilometer

    Markierungen des Nilometers

    Nun gedachte ich, den Rest der Insel mit seinen beiden nubischen Dörfern Koti und Siou noch näher kennenzulernen. Diese beiden nubischen Dörfer sind unverfälscht und nicht für den Tourismus aufgepeppt. Und so lief ich durch die staubigen Gassen der Insel. Die Nubier mögen es, ihre Häuser mit bunten Farben zu bemalen. Ich kam zum Aziza House, ein kleines, blaues Restaurant. Im Inneren durfte ich mich umschauen und die Gemälde an den Wänden fotografieren. Ich trank einen herrlichen Guave-Saft. Dieses Getränk ist fantastisch und einer der schmackhaftesten Fruchtsäfte, die ich kenne. Schade, dass es bei uns weitestgehend unbekannt ist. Hier saß ein weiterer Gast, ein Italiener, mit dem ich ein paar Worte wechselte. Er war die ganze Zeit nur am Reden und hatte Reis bestellt, einfach nur einen Teller mit trockenem Reis. Für mich unverständlich, wie man darauf Lust haben kann. Als er verschwunden war, war auch er Inhaber froh, der von dem Redeschwall des Gastes endlich befreit war. Nach einem weiteren Guave-Saft – das war unbeschreiblich erfrischend – machte ich mich wieder auf.

    Im nubischen Dorf Koti

    Durch die Gassen Kotis

    Das Aziza House

    Schlafbereich im Aziza House

    Wandbemalung im Aziza House

    Im Aziza House

    Manche der Gassen hier sind sehr heruntergekommen, ursprünglich und unverfälscht eben. Es war ein schönes Gefühl, in den Dörfern zwischen den Palmen umherzuwandern. Ich kam mit einer Engländerin ins Gespräch, die einen Teil des Jahres hier wohnt, sich in die Insel verliebt hat. Sie lud mich zu einer Party am Abend ein. Das war sehr nett, doch war mir bereits klar, dass ich andere Pläne hatte und nicht kommen würde. Dann trat ich in das kleine Museum Animalia, das von einer Nubierin geführt wird. Es liegt genau zwischen beiden Dörfern. Die Nubierin war sehr nett und hatte stets ein Lächeln auf den Lippen. Es gibt nicht wirklich viel zu sehen, außer einigen präparierten Tieren wie Skarabäen, Fische oder Gottesanbeterinnen, einigen Tierattrappen und Fotos, doch es gibt einen herrlichen, überdachten Innenraum zum Setzen, der authentischer nicht sein könnte. Hier nahm ich auf einer Decke Platz und bekam einen Tee. Der Raum ist das Beste am Museum.

    Ursprüngliche Gassen

    Bild an einer Hauswand

    Zwischen den Dörfern

    Das Museum Animalia

    Skarabäen

    Überdachter Innenraum

    Wandgemälde im Animalia

    Teepause

    Ich ging weiter durch die bunten, staubigen Gassen. Ich kam nach Siou und zum Ibiza Guest House. Hier ist eine Bootsanlegestelle. Einige Touristen schienen hier untergebracht zu sein. Nun machte ich mich auf den Rückweg. Der Nachmittag war bereits weit fortgeschritten. Ich dachte gar nicht daran, meinen Fahrer über WhatsApp zu kontaktieren. Ich fühlte mich durch den Preis von 350 Pfund auf dem Hinweg betrogen. Nun würde ich eben ihn ein wenig betrügen und unsere Abmachung nicht einhalten. Mit mir nicht. Für 200 Pfund fuhr ich einfach mit einem anderen Boot wieder über den Nil zurück. Später klingelte einige Male mein Smartphone, doch ich ging nicht dran. Sollte er doch anderen Touristen das Geld aus der Tasche ziehen.

    Siou

    Unterwegs in Siou

    Kleiner Dorfplatz

    Am Ibiza Guest House mit Blick auf die Nekropole Qubbet el-Hawa auf der anderen Nilseite

    Für 18:00 Uhr hatte ich einen Tisch bestellt im Solaih Nubian Restaurant auf der Nilinsel Bigeh mit Abholung per Boot vom El Batnyon – Hafen in Assuan. Die Insel Bigeh liegt unweit von Agilkia, der Insel mit dem Philae-Tempel, und so hat man beim Essen eine herrliche Aussicht auf den angestrahlten Tempel. Das Essen mit diesem Anblick würde ein weiterer Höhepunkt sein. Nun galt es erst einmal, diesen merkwürdigen und auf Karten nicht zu findenden El Batnyon – Hafen zu finden. Auch Google Maps kannte ihn nicht. Aber irgendwie habe ich es geschafft. Der Hafen liegt im Vorort Nagaa Jabal Shishah. Ich parkte am Straßenrand und lief durch die dörfliche Idylle zum Hafen. Als Ausländer ist man hier so auffällig wie ein bunter Hund, und nicht wenige Blicke folgten mir. Ich sollte beim Restaurant anrufen, wenn ich da bin. Dann würde man den Fahrer losschicken, der mich abholen sollte.

    Hier wurde ich abgeholt

    Um 17:00 Uhr wurde ich mit einem kleinen Boot abgeholt. Wir fuhren am Philae-Tempel, den ich ja vorgestern besucht hatte, vorbei und legten auf Bigeh an. Im Restaurant herrschte einen herrliche Atmosphäre. Ich bekam einen Tisch ganz vorn mit atemberaubendem Blick auf Agilkia und den Tempel. Es fand eine Art Geschäftsessen statt, und eine feine Gesellschaft in adretten Anzügen und Abendkleidern trank ihren Aperitif. Da konnte ich nicht mithalten. Egal, T-Shirt und kurze Hose mussten reichen. Ich hatte Tauben, Brot, Molokhia (die spinatähnliche Pflanze), und Kabeet, eine traditionelle, nubische Speise aus Okra-Schoten, Fleisch und Brot, bestellt. Dazu ein Orangensaft. Ich hätte auch ein Bier bestellt, doch gab es hier keinen Alkohol.

    Noch einmal vorbei am Philae-Tempel

    Ankunft auf Bigeh

    Im Restaurant

    Blick vom Restaurant auf den Philae-Tempel

    Abendessen mit Aussicht auf den Philae-Tempel

    Ich darf es vorweg nehmen, es war das schlechteste Essen des Urlaubs, jedoch mit einem unbezahlbaren Ausblick. Das Beste war noch die Molokhia-Speise. Das kannte ich ja auch mittlerweile und hatte es ja schon einmal gegessen. An den beiden Täubchen war kein – ja, eigentlich gar kein – Fleisch dran. Nichts. Sie bestanden nur aus Haut und Knochen und man konnte sie getrost zur Seite legen. Das Kabeet war schwer zu essen. Dieses Gemisch aus nassem Brot und Fleisch war schwer hinunter zu bekommen. Man merkt, dass es eine Speise ist, die ein – wie soll ich sagen, um politisch korrekt zu bleiben? – Volk isst, das nicht über große Mittel verfügt. Man mischte eben zusammen, was vorhanden war. Nein, das war nix. Aber es war eine neue Erfahrung. Auch das ist ja etwas wert. Ich kenne nun Kabeet.

    Die Sonne geht unter

    Mach's gut, Philae-Tempel

    Die Sonne ging über den Vororten Assuans unter, was das ganze Szenario in ein herrliches Abendlicht tauchte. Ich wurde mit dem Boot zurück gebracht. Nun habe ich den Rückweg über den Alten Staudamm gefunden. Zwei Tage zuvor hatte ich das nicht geschafft. Denn das war gar nicht so einfach. Google Maps tat sich schwer mit diesen Straßen und plötzlich befand ich mich auf einem riesigen Umweg über den Neuen Staudamm, der weit im Süden liegt. Doch auf diese Art und Weise hatte ich das auch einmal erlebt. Ich ließ den Abend auf meinem Balkon bei etwas Bier ausklingen. Das war wieder ein unbeschreiblicher Tag mit vielen neuen Erlebnissen.

    Liebe Grüße

    Heiko

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  • claus-juergen
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    • 22. Januar 2026 um 17:34
    • #48

    hallo Heiko,

    du erwähnst und zeigst uns erneut das Agha Khan Mausoleum. Ich kenne den da und auch die Klatschpresse kennt den Herrn. Das ist anscheinend ein Titel für das Oberhaupt einer muslimischen Sekte.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Karim_Aga_Khan_IV.

    Sind seine Vorgänger dort bestattet?

    50502002ap.jpg

    Auf dem Bild erkenne ich eine Fähre wo auch Pkw transportiert werden. Die Insel ist wohl zu klein für Autoverkehr. Gibts in der Nähe keine Brücken?

    Was nützt der tollste Blick aus der Kneipe wenn das Essen nicht passt. Aber auch solche Erfahrungen gehören wie der unverschämte Fährmann zu einem Individualurlaub.

    grüsse

    jürgen

  • Heiko705
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    • 22. Januar 2026 um 18:04
    • #49

    Hallo Jürgen, beim Agha-Khan Mausoleum muss ich leider passen, denn ich habe mich damit überhaupt nicht beschäftigt, da man es nicht besuchen kann. Ich freute mich lediglich manchmal über den Anblick.

    Elephantine ist zu klein für Autos. Es gibt auch keine Straßen dort, habe jedenfalls nichts dergleichen gesehen. Auch eine Brücke existiert nicht.

    Liebe Grüße

    Heiko

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  • Heiko705
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    • 22. Januar 2026 um 21:06
    • #50

    Tag 13 – Von Assuan nach Luxor (23.10.2024, 1. Tageshälfte)

    Das war der letzte Morgen im Habibi Nubian Guest House. Heute sollte es wieder hinauf nach Luxor gehen. Nach dem Duschen stieß ich mir den Zeh am Bett an und schrie. Meine Zimmertür war offen. Plötzlich hörte ich von unten: „Ist alles in Ordnung?“ Nanu, wer sprach denn da auf Deutsch? Ich ging hinunter. Vor mir stand eine nicht unattraktive Dame mit schwarzem, langem Haar. Sie stellte sich als Kathrin vor und bot mir einen Kaffee an. Wir setzten uns an einen Tisch. Kathrin kam ursprünglich aus Thüringen. In einem Ägypten-Urlaub hatte sie sich in Habib, meinen Vermieter, verliebt und war in Ägypten geblieben. Ich konnte es gar nicht glauben. Da hatte sich Habib, dieser Kerl, der eher streng und wortkarg wirkt, doch tatsächlich in eine deutsche Touristin verliebt und war mit ihr etliche Jahre zusammen. Unfassbar.

    Kathrin war toll. Ihr imponierte, dass ich als Tourist hier allein mit einem Mietwagen unterwegs war, denn das ist ja eher ungewöhnlich. Genau wie ich, fährt nämlich auch sie allein mit dem Auto durchs Land. Wir unterhielten uns angeregt über Land und Leute. Das Gespräch hätte ewig weitergehen können. Wir verstanden uns gut. Mittlerweile war sie nicht mehr mit Habib zusammen. Sie bemängelte, dass sich Habib für nichts interessieren würde. Er kenne nichts Anderes außer Assuan und würde, obwohl sie etliche Jahre zusammen waren, nicht ein Wort auf Deutsch können. Sie hatte sich eingeengt gefühlt, denn er behandelte sie, wie eben ein Ägypter seine Frau behandelt. Sie solle daheim am Herd stehen und ansonsten eben nichts tun. Auch nach der Trennung war sie im Land verblieben, da sie sich auch in Ägypten verliebt hatte. Mittlerweile hatte sie sich selbständig gemacht und bot Touren in die Wüste an. Touren zu fernen Oasen wie Siwa ganz im Westen Ägyptens an der libyschen Grenze. Man muss vom Nil 9 Stunden durch die Wüste fahren, um dorthin zu gelangen. Es gebe nämlich Touristen, die sich gerade für so etwas interessieren.

    Wenn man Kathrin zuhörte, wie sie von der Wüste schwärmte, von verschiedenen Arten von Sand und Fels, begann man automatisch die Schönheit dieser kargen Landschaft zu verstehen. Sie verstand es, Begeisterung in einem zu wecken. Ich bewunderte ihre Selbständigkeit und ihren Mut, doch ostdeutsche Frauen seien eben so, wie sie betonte. Sie besaß noch immer ein Haus in Eisenach, und hin und wieder würde sie auch dorthin zurückkommen. Mit Habib schien sie nun ein freundschaftliches Verhältnis zu unterhalten, denn schließlich besuchte sie ihn und hatte ihr eigenes Zimmer unten im Haus. Wir hätten die Unterhaltung nicht so bald beenden müssen, doch musste ich ja auch an mein Vorhaben denken, alsbald nach Norden zu fahren. Habib war aus meiner Sicht dumm, eine solche Frau durch eigene Schuld verloren zu haben. Schließlich verabschiedeten wir uns.

    Mein letztes Frühstück bei Habib

    Sie hatte mein Frühstück zubereitet

    Ein letztes Frühstück, bestehend aus Brot, Spiegelei, Auberginen, Marmelade, Joghurt, Gurkenscheiben, Pommes, Kofta (Hackfleischbratlinge) und Tee. Kamele liefen vorm Haus entlang. Ich hatte mein Hab und Gut schon gepackt und startete. Mein Ziel war zunächst der Kamelmarkt in Daraw. Ein tollkühnes Unterfangen. Daraw liegt abseits jeglicher Touristenströme; Ausländer sind dort eher unbekannt. Ich fuhr eine Stunde lang am Nil entlang nach Norden. Dann traf ich ein. Daraw hat immerhin 60.000 Einwohner und ist unter Einheimischen für seinen Kamelmarkt bekannt. Selbstverständlich hatte ich recherchiert, wann er stattfindet. Ich parkte also in der Nähe, nachdem ich einige Sandstraßen hinter mich gebracht hatte, unweit einiger Palmen und wollte den Rest laufen. Doch wo war es genau? Google Maps zeigte es mir doch an, aber da war nichts. Ich kam nicht weiter.

    Einheimischer mit seinem Kamel vor Habibs Haus in Gharb Aswan

    Da kommt noch einer

    Da war ein Einheimischer, ca. 40 Jahre alt. Den könnte ich doch sicher fragen. Er stand vor einem alten Haus. Ich ging auf ihn zu und fragte. Er verstand kein Wort. Gar nichts. Gut, man kann nicht von jedem verlangen, dass er Englisch kann, denn selbstverständlich bin ja ich hier der Fremde. Sein Sohn stand unweit von uns. Gut, da kann man nichts machen. Ich drehte mich um. Dann muss ich es eben selbst weiter versuchen. Just in diesem Moment hörte ich eine Stimme. „Hello?“ Sie kam von einer Frau in einer Seitengasse. Ah, da schien jemand eventuell weiterhelfen zu können. Ich ging in ihre Richtung. Plötzlich drehte sich der Junge des soeben Angesprochenen um, sprang einen Schritt auf mich zu, griff auf der Straße nach etwas Sand und ging in Kampfstellung. Was war denn hier los? Ich verstand. Ich sollte wohl nicht mit ihr reden. Ich hob beschwichtigend die Hände und versuchte meine Friedfertigkeit auszudrücken. Sein Vater brüllte etwas zu mir im Hintergrund. Das Gesicht des Jungen war zu einer kampflustigen Fratze verzerrt. Er schien zu allem bereit. Weiterhin mit erhobenen Händen zog ich mich zurück. Der Junge schien mich nicht verfolgen zu wollen. Also schaute ich, dass ich verschwand. Auf so etwas hatte ich verständlicherweise keine Lust.

    Später glaubte ich zu verstehen. Denn es gibt doch Muslime, die es nicht mögen, wenn man mit ihrer Frau spricht. Einfach die Frau anzusprechen, hätte wohl ein Tabu gebrochen. Wahrscheinlich war es die Frau des Einheimischen und die Mutter des Jungen. Gut, mit so etwas hatte ich natürlich nicht gerechnet. Wenn da jemand ruft, gehe ich als Europäer natürlich offen auf ihn zu. Nun gut, es war ja nichts passiert. Glück gehabt. Ich versuchte nun, auf einem anderen Weg den Kamelmarkt zu erreichen. Und schließlich fand ich den Platz. Doch er war leer. Heute fand hier wohl nichts statt. Nun ja, ich war um ein Erlebnis reicher.

    Ankunft in Kom Ombo

    Ich stieg in meinen Wagen und fuhr. Mein nächstes Ziel war der Doppeltempel von Kom Ombo, 8 km nördlich von Daraw am Nil. Es ist deshalb ein Doppeltempel, weil die eine Seite des Tempels dem Krokodilgott Sobek gewidmet ist und die andere Seite Haroeris gilt, eine Erscheinungsform des altägyptischen Gottes Horus. Der Tempel von Kom Ombo gilt als wichtige Sehenswürdigkeit, die ich selbstverständlich sehen wollte. Er entstand in der ptolemäischen Epoche Ägyptens 304 bis 31 v. Chr., wurde jedoch nie gänzlich fertig gestellt. Der Tempel ist auch Teil und Anlaufpunkt vieler Nilkreuzfahrten. Durch Naturgewalten wie Hochwasser und Erosion des Mauerwerkes wurde der Tempel schon stark in Mitleidenschaft gezogen. Wie bei vielen anderen monumentalen Bauwerken in Ägypten waren auch große Teile von ihm lange Zeit vom Sand verschüttet. Jacques de Morgan legte sie schließlich im Jahr 1893 frei und restaurierte alles.

    Der Doppeltempel von Kom Ombo

    Teil der ehemaligen Toranlage

    Seitlicher Blick auf den Tempel

    Kapelle der Hathor

    Ich ging durch den Eingang in der Umfassungsmauer. Dahinter befand sich einst ein Hof mit 16 Säulen zu beiden Seiten. Heute sind nur noch die unteren Säulen-Abschnitte zu sehen. Auf den Säulen kann man Darstellungen von Tiberius erkennen, wie er den Göttern Gaben darbringt. Nun stand ich vor dem eigentlichen Tempelgebäude und blickte auf die erste Säulenhalle. Der Anblick machte mächtig Eindruck auf mich. In der südlichen Ecke des Hofs befindet sich eine Hathor-Kapelle. Eine französische Ägyptologin kam gerade heraus und schloss das Tor ab, so dass ich leider nicht mehr hinein konnte. Westlich des Hofs finden sich die Überreste des Geburtshauses (Mammisi), das leider durch Hochwasser zerstört wurde.

    Die Säulenabschnitte auf dem Hof

    Tempel mit Umfassungsmauer

    Also schritt ich in die erste Säulenhalle. Die Reliefs der Wände, die hier größtenteils Reinigungszeremonien zeigen, sind in wunderbarem Zustand. Manchmal finde ich, bei solchen sauberen, tiefen und klaren Reliefs könnte man meinen, sie seien vor ein paar Monaten entstanden und nicht vor ein paar Tausend Jahren. Die Reliefs auf den Säulen zeigen Ehrerbietungsszenen ptolemäischer Pharaonen gegenüber den Göttern. Der weitere Weg ins Innere führte mich zur zweiten Säulenhalle, dem „Saal der Opfergaben“, der ähnliche Reliefs aufweist wie die Halle zuvor. Die Säulen hier sind fast nur noch halb so hoch wie die in der ersten Säulenhalle. Dahinter kommen 3 Vorsäle und schließlich die beiden Heiligtümer der Götter Sobek und Haroeris, von denen jedoch nicht mehr viel übrig ist.

    Blick von der anderen Seite

    Relief links des Eingangs

    Ich gehe hinein

    Wunderbares Relief in der ersten Säulenhalle

    Säule mit Relief des Königs

    Säule mit Relief von Sobek

    Die Götter segnen den Pharao

    Alle in recht gutem Zustand

    Unter den Säulen

    Reinigung und Übertragung der Macht durch Horus und Thot

    Im hinteren Tempelbereich

    Andere Besucher

    Hinter dem Tempel

    Nilometer neben dem Tempel

    Die Erfrischungsgetränke gaben neue Kraft

    Etwa 25 Meter nordwestlich des Tempelkomplexes fand ich ein Nilometer. Dabei handelt es sich in Kom Ombo um einen begehbaren runden Brunnenschacht, in dem man den Pegel des nahen Nils ablesen konnte. Neben dem Tempel befindet sich das Krokodil-Museum. Wegen des Kults um den krokodilköpfigen Gott Sobek waren die Tiere heilig und Mumifizierungen von ihnen nicht selten. Die Ägypter glaubten, dass die Tiere eine Manifestation des Gottes sind, dass er sich also in ihnen zeigt. Sie fürchteten und respektierten die Kraft der Tiere gleichermaßen. Hier konnte ich also etliche von ihnen in Glasvitrinen betrachten und Einiges darüber lesen. Die Krokodile bekamen oftmals sogar Särge mit Grabbeigaben.

    Eingang zum Krokodilmuseum

    Krokodilmumien

    Sobek

    Mumie mit Beigaben

    Einbandagierte Krokodilsmumien

    Stele im Krokodilsmuseum

    Liebe Grüße

    Heiko

    Heute sind die guten, alten Zeiten, nach denen Du Dich in 10 Jahren sehnst. Genieße sie!!!

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