der neue Ostsee und das alte Kraftwerk bei Cottbus

Es gibt 5 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von claus-juergen.

  • Nordöstlich von Cottbus befindet sich ein riesiger Braunkohletagebau. Direkt daneben steht beim gleichnamigen Dorf das Kraftwerk Jänschwalde, wo die Kohle verstromt wird. Ein ganz geringer Teil der Abwärme dient der Wärmeversorgung von Cottbus. Der Rest wird über neun Kühltürme an die Atmosphäre abgegeben. Das Loch mit einem Durchmesser von ca. 6 Kilometer soll im Laufe der nächsten 20 Jahre zum neuen Ostsee geflutet werden. Dazu will man die Spree anzapfen.


    Von einem Aussichtsturm am westlichen Rand des künstlichen Sees kann man die Dimensionen gut erkennen.









    Ganz da hinten steht das Kraftwerk





    Etwas weiter südlich davon hat der bisherige Kraftwerkseigentümer Vattenfall schon in eine modernere Technik der Stromerzeugung investiert. Vor ein paar Monaten wurde dieses Kraftwerk an ein tschechisches Unternehmen verkauft, weil der schwedische Staatskonzern Vattenfall Strom künftig nur noch aus Erneuerbaren Energien erzeugen möchte. Im Vordergrund sehen wir den Seegrund, wenn das große Loch eines Tages mal geflutet ist.









    Bisher wird noch im gesamten Areal das Grundwasser abgepumpt und über Kanäle in die Spree geleitet. Dies ist deshalb erforderlich, weil das Grundwasser insgesamt abgesenkt werden muß um weiterhin die Kohle abzubauen.





    Im märkischen Sand findet man immer wieder große und kleine rundgeschliffene Steine. Diese haben die Gletscher vor Jahrtausenden hier liegen gelassen.





    Der Blick nach Westen in Richtung Cottbus



    Dieser Tagebau ist nur einer von Dutzenden in der Lausitz. Nur wenige werden derzeit noch ausgekohlt. Ob die Verstromung von Braunkohle überhaupt noch eine Zukunft hat, darf bezweifelt werden. Die Entwicklung der CCS-Technologie ist wohl eingestellt. Für den Laien klingt es auch utopisch, das Kohlendioxid aus den Rauchgasen abzuscheiden und im Boden für Jahrtausende zu speichern.


    httpss://de.wikipedia.org/wiki…cheidung_und_-Speicherung


    Wer die technischen Details dieses Braunkohle-Kraftwerks wissen möchte, dem habe ich den link zu Wikipedia. Darin findet man alle technischen Daten bis hin zu den Schadstoffemissionen. Leider konnte ich keine Zahlen über die abgebaggerten Dörfer und die zwangsumgesiedelten Menschen finden.


    httpss://de.wikipedia.org/wiki/Kraftwerk_J%C3%A4nschwalde


    Jürgen

  • Vor ein paar Monaten wurde dieses Kraftwerk an ein tschechisches Unternehmen verkauft, weil der schwedische Staatskonzern Vattenfall Strom künftig nur noch aus Erneuerbaren Energien erzeugen möchte

    Wer bei diesen Bildern noch an der alten Methode zur Verstromung festhält, die hier aufgezeigten Schadstoffemissionen incl.,


    ebenso die Absenkung des Grundwassers usw. , investiert wahrlich nicht mehr in die Zukunft.


    Erschreckend die weitere aufgezeigte Vergewaltigung der Natur, die auch eine künftige weitere Arbeitsplatzsicherung nicht mehr gerechtfertigt.


    Lieben Gruß
    Helmut

    Wer nichts weiß, muss alles glauben.
    Marie von Ebner-Eschenbach

  • Die jahrzehntelangen Sünden lassen sich nicht mehr rückgängig machen.
    Aber es muss möglichst schnell umgedacht werden.


    Immer noch sieht es leider so aus



    Der Traum der Cottbuser…


    die Zukunft?




    An anderen Orten des Braunkohletagebaus ist es auch schon gelungen.
    Im Raum Bitterfeld
    https://www.seen.de/goitzsche/


    Gruß,
    Elke

    Nicht Tatsachen, sondern Meinungen über Tatsachen bestimmen das Zusammenleben.


    Epiktet
    * um 50, † um 138

  • Leider konnte ich keine Zahlen über die abgebaggerten Dörfer und die zwangsumgesiedelten Menschen finden.

    Hier eine Liste der abgebrochenen Orte im Lausitzer Kohlerevier. Ich habe 88 Ortschaften mit rd. 15.000 Einwohnern gezählt, die umgesiedelt wurden. Die Liste von ganz Deutschland mag erschrecken.


    Wir sollten jedoch nicht vergessen, dass die Braunkohle zur Energiegewinnung in Deutschland gebraucht wurde und zum früheren Zeitpunkt alternativlos war. Vor rd. 40 Jahren konnte ich einen laufenden Abbau im Rheinischen Braunkohlerevier begutachten. Es war schon faszinierend, neben einem dieser Schaufelradbagger zu stehen. Auch habe ich verlassene Dörfer und die neuen Ortschaften gesehen. Hinterher war zwar alles neu, aber der Charme des Alten fehlte.


    Lieben Gruß,
    Klaus

    Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das Leben will.
    (Albert Schweitzer)

  • hallo Klaus,


    tatsächlich ändern sich die Einstellungen der Menschen im Laufe der Zeit. Dies gilt auch für solche technischen Meisterleistungen, wie der Braunkohleabbau und die Verstromung.


    Im Jahr 1984 war es mir mit Hilfe des Onkels der damaligen Lebensabschnittsgefährtin vergönnt, im rheinschen Braunkohlerevier über den Zaun zu sehen. Westlich von Köln befand sich ein Schloß welches als Info-Zentrum für die damalige Rheinbraun AG genutzt wurde. Dort fing unsere Privatführung an. Höhepunkte waren die Fahrt mit einem Geländewagen rein in so ein Loch, möglicherweise war es Hambach, und die Inaugenscheinnahme eines Baggers bei der Arbeit. Auf den durften wir zwar nicht hinaufsteigen, hingegen auf einen anderen ein Stück weiter, der gerade ab- oder aufgebaut wurde. Man hat uns sogar gezeigt, wie so ein Bagger von einem Loch zum anderen selbstständig fährt.


    Später ging es noch zu einem Kraftwerk. Dort hat man uns stolz gezeigt, wie die Abwärme zur Erwärmung von Treibhäusern und zur Fischzucht verwandt wurde. Die Tatsache, daß nur ein ganz geringer Teil der Abwärme tatsächlich genutzt wurde, haben wir natürlich nicht erfahren. Ich war jedenfalls schwer beeindruckt und davon überzeugt, daß diese Technik toll, zukunftsträchtig, billig und einfach super wäre. Noch dazu lauerte ja im Osten der böse Russe, der uns alle Rohstoffe vorenthielt oder uns angeblich erpressen wollte. Zu diesem Zeitpunkt glaubte ich auch noch an die angeblich billigste Stromerzeugung für die nächsten Jahrhunderte durch Kernkraft.


    Die gigantische Technik verbunden mit einem großen Werbeaufwand hat damals wohl nicht nur mich überzeugt. Heute sehe ich das ganze völlig anders. Wie bei der Mehrheit der Bevölkerung überwiegt die Skepsis anhand der gewaltigen Umweltschäden und Folgekosten.


    Da kann auch ein eines Tages noch so schöner Ostsee nicht darüber hinwegtäuschen, daß selbst nach Abschaltung des Kraftwerks Jänschwalde ziemlich giftiger Dreck, der bei der Verbrennung übrig war, irgendwo im Boden für eine Ewigkeit lagert und überwacht werden muß.


    grüsse


    jürgen

  • hallo,


    es tut sich was im Osten. Ob tatsächlich neue Braunkohletagebaue in der Lausitz oder in Sachsen erschlossen und damit noch mehr Dörfer platt gemacht werden, steht in den Sternen. Ganz langsam merken anscheinend die Kraftwerksbetreiber, daß es sich langsfristig nicht mehr lohnt, die Kohle zur Verstromung zu nutzen. Der Widerstand der Betroffenen wird größer. Es ist durchaus denkbar, daß nach dem Aus für die Kernkraft der nächste Schritt das Aus der Kohlevetromung sein könnte.


    http://www.faz.net/aktuell/wir…rf-aufgeben-14952524.html


    grüsse


    jürgen

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