Allgäu-Bodensee-Schwarzwald-Reise anno 1936

Es gibt 13 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Helga.

  • Liebe Foris,
    nach einer längeren Zeit des Stillschweigens (Wir waren zugeschüttet mit Ereignissen), melde ich mich wieder zurück.
    Ich hoffe sehr, Ihr habt Nachsicht und nehmt mich (uns) so freundlich wie zuvor, nochmals bei euch auf.
    Die neue Rubrik ist wie gemacht für einen Reisebericht meines Opas, daher schneie ich hierzu gleich mit einem Beitrag herein.


    Allgäu-Bodensee-Schwarzwald-Reise anno 1936


    Im Fundus meiner Mutter habe ich eine kleine Rarität entdeckt. Bei dem für mich bedeutsamen Fundstück handelt es sich um ein altes Fotoalbum.
    Das ist ja eigentlich noch nichts so Besonderes, könnte man meinen. Wäre da nicht, ein mit Schreibmaschine geschriebener Reisebericht in Versform meines Opas aus dem Jahre 1936, dabei gelegen.
    Sofort weckten die lilablassblauen Lettern auf dem speckigen Papier mein Interesse.



    Ich lies die gereimten Worte in Verbindung mit den nicht sehr deutlichen Mini-Bildchen (85 x 55 mm) aus dem Album auf mich wirken und erhielt auf einmal einen -so noch nie gewonnenen- Einblick in die Gedankenwelt meines Opas und durfte einen Bruchteil seines Lebens anno dazumal miterleben.

    Ungeachtet dessen, dass die aufgezeichneten Erlebnisse eine sehr persönliche Note haben und vielleicht eher in den privaten Bereich gehörten, möchte ich Euch gerne auf diese „Zeitreise in die Vergangenheit“ mitnehmen.
    Nun folgt ein ungewöhnlicher und sehr individueller Reisebericht:


    „Erläuternde Verse zu unserer Allgäu-Bodensee-Schwarzwald-Reise 1936


    „Eins – zwei – drei im Sauseschritt
    läuft die Zeit – wir laufen mit.“
    So schrieb es Busch zu einer Zeit
    als ein jeder Weg noch weit;
    selbst wenn man mit dem Zuge fuhr
    war von Tempo keine Spur.


    Indes wie schnell man heute reist
    Euch dies Album hier beweist:


    Am 9. Mai abends um ½ 10 Uhr war der Start –
    zunächst ins südliche Allgäu ging die Fahrt.


    Mit dabei die Erna, meine liebe Frau und Begleiter –
    Trotz später Stund’ wie immer fröhlich und heiter.


    Am Sonntag früh bei Sonnenschein
    trafen wir im schönen Oberstdorf ein.
    Ja, ganz entzückend ist es hier –
    dies zeigt Bild 1 mit Blick vom Quartier.



    Oberstdorf, Blick auf die Himmelschrofen-Alpe


    Nachdem wir uns dezent restauriert,
    wurde sogleich wieder losmarschiert.



    Der Sonntag war zur freien Wahl,
    doch nur „wohin?“ das war die Qual.
    Herr Bode, ein Herr aus der Reisegruppe
    (Name geändert)
    meint: „Heut’ koch ich meine eigne Suppe.“
    Sein ernanntes Ziel das war die schroffe Breitachklamm.
    Wir hießen das für gut und schlossen uns ihm an.


    Auf dem Wege hab ich mich mal umgedreht -
    Bild 3 entstand, wie Ihr jetzt seht.


    An wildem Zauber tut es hier nicht fehlen,
    wie die Motive aus der Klamm erzählen.
    ...


    Das Tosen des Wassers, das hier alles erfüllt,
    bekommt man leider nicht mit aufs Bild.


    Die Klamm im Rücken so gingen wir weiter –
    Die Sonne schien heiß, der Himmel war heiter.
    Herrn Bode, den Botanik sehr interessiert,
    erklärt uns die Flora höchst detailliert.
    All hier gibt es Blumen wohin man nur blickt,
    in Hülle und Fülle, auch wir sind verzückt.


    Frohen Mutes wanderten wir weiter geradeaus,
    in der Absicht zu rasten im „Waldgasthaus“.
    Als wir’s erreicht, hat es uns sehr verdrossen,
    denn wir fanden Türen und Fenster verschlossen.
    Auch der Himmel der bisher gar freundlich lachte,
    eine finstere Miene nun plötzlich machte.



    Es fing an zu regnen -und kein Schirm mit dabei-
    „Gewitter in den Bergen“ war uns nicht einerlei.


    So schnell wie möglich wollten wir nach Riezlern gehen,
    denn in der Ferne konnte man`s schon blitzen sehen.


    Durstig und hungrig, doch sonst heil und ganz,
    landeten wir schließlich im „Walserschanz“.


    Hier setzte alsbald fröhlichste Stimmung ein,
    denn sogleich wirkte der süße Tiroler Wein.


    Auch angesichts des leckeren Kaiserschmarren
    war’s äußerst lohnend, hier länger auszuharren.


    Gegen 4 Uhr ging’s -wir hatten Glück-
    ohne Regen nach Oberstdorf zurück.


    Doch der Himmel war immer noch schwer behangen
    und am Abend -oh je- hat es erneut angefangen
    und hielt auch noch an am nächsten Tag.
    - Für unser Programm ein empfindlicher Schlag.


    Gerade heut passte uns solch Wetter nicht;
    fürs Nebelhorn braucht es Sonne und Sicht.


    Trotzdem stiegen wir in die Seilbahn ein,
    im Glauben bald über den Wolken zu sein.


    Doch überall - wohin ich auch seh -,
    sind Nebelschwaden und Berge von Schnee.
    Ins „Edmund-Probst-Haus“ treten wir ein;
    man meint hier im tiefsten Winter zu sein.



    Edmund Probst Haus auf 1927 m am Nebelhorn


    Gleich im Vorraum zahlreiche Skier stehen
    und im Lokal kann man zünftige Sportler sehen.
    So war denn auch der zweite Tag vollbracht;
    wir schliefen in Oberstdorf die letzte Nacht.


    Am Bodensee, unserem nächsten Ziel
    ist´s immer noch regnerisch und die Luft viel zu kühl.


    Für eine Führung durch Lindau, der alten Inselstadt
    unser Zug dann wieder gehalten hat.


    Dass Petrus abermals eine Dusche gebracht,
    zeigt das Pflaster vorm Rathaus auf Bild acht.



    Altes Rathaus in Lindau


    „Was kann man bei so einem Schlechtwetter machen?“
    - Flugs zog`s uns zur Einkehr ins Strandbad Schachen.
    Doch dort gastieren wohl nur die ganz Reichen,
    man merkte es deutlich, beim Zeche begleichen.


    Wir können auch hier nicht lange verweilen
    und müssen zurück in die Unterkunft eilen,
    denn in der Bürgerhalle ist heut’ Abend was los.
    Dort sitzt man -es ist geräumig und groß-
    auf langen Bänken, in bunten Reih’n
    und das soll furchtbar gemütlich sein.
    Zuweilen solch Ding kein Gleichgewicht hält;
    am Rand einer kippelt sodass alles dann fällt.
    Bei Tanz und Humor -in vollen Zügen-
    tranken wir Bier aus kurios großen Krügen.


    Zur Begrüßung der Bürgermeister sprach:
    „Heut Nacht mit dem zwölften Glockenschlag
    wird besser das Wetter, glaubt mir die Verkündung,
    denn ich habe nach oben die beste Verbindung.“


    Und wirklich – auf unserer Schweizer Fahrt –
    sich alles zum Guten gewendet hat.
    Kaum hatten wir den Hafen im Rücken,
    da ließ sich die Sonne wieder blicken.


    In Romanshorn ging es an Land,
    ein Sonderzug bereit schon stand.
    Der brachte uns schnell durch die halbe Schweiz,
    zur Kantonsstadt Luzern, die von besonderem Reiz.



    Jesuitenkirche Luzern



    Löwendenkmal „der sterbende Löwe“ im Gletschergarten von Luzern



    Luzern Hafen mit „Ausflugsschiff Schiller“ im Hintergrund die Hofkirche St. Leodegar


    Diese drei Bilder wurden hier aufgenommen
    und schließlich der „Dampfer Schiller“ erklommen.
    Auf ihm lernten wir eine Landschaft kennen,
    die mit „Perle der Schweiz“ man könnte benennen.


    An der Tellsplatte legten wir an
    und stiegen die Axenstraße hinan.



    Tellsplatte im Kanton Uri, Gemeinde Sisikon, südl.Teil des Vierwaldstättersees


    Dies Bild hier, zeigt in besonderem Maße
    die wildromantische Schönheit der Straße.



    Die Axenstraße am Berg Axen verbindet die Orte Brunnen und Flüelen


    Sie führt, wie auf dem Nächsten gut zu sehen,
    nach dem herrlich gelegenen Ort Flüelen.



    Hafenort Flüelen am Vierwaldstätter See, links oben die Pfarrkirche auf dem Grundbühl


    Am Ende des Vierwaldstätter-Seen-Rand
    ich noch diese fleißigen Waschfrauen fand.



    Um 5 Uhr nachmittags traten wir dann
    per Bahn die Rückfahrt nach Romanshorn an.
    Auch dieser Fahrt sei Dank gezollt –
    in bunter Reihe vorüber rollt –
    Berg, Tal und See im Sonnenschein –
    All dies wird mir unvergesslich sein.


    Nachdem wir in Lindau den Zoll passiert,
    uns der Weg zum Gasthaus Stift hin führt.



    Lindau mit der Stiftskirche (Postkarten-Ausschnitt)


    Hier wohnen und speisen wir für 3 Tage
    und zwar sehr gut, ganz ohne Frage.
    Dass hier die Küche ist rundum brillant,
    hat auch Herr Bode sofort erkannt;
    denn schon zu Mittag saßen vereint wir darin,
    bei einem Wein und „Felchen a la Müllerin“.


    Am nächsten Morgen die Sonne strahlt hell
    ist die Reisegesellschaft pünktlich zur Stell.



    Lindau Hafen


    Geschmückt liegt die „Deutschland“ zur Ausfahrt bereit,
    doch nur keine Eile, wir haben noch Zeit –
    Und noch bevor die Motore anspringen,
    war dies Bild auf die Platte zu bringen.


    Opa Ernst, Oma Erna, Hr. Theo (Bode)


    Als der Anker gelichtet und in Fahrt wir gekommen,
    ward schnell noch der Hafen aufgenommen.



    Hafenausfahrt Lindau (Kreuzsymbol unkenntlich gemacht)


    Zu den Klängen der Kapelle fuhren wir durchs „Schwäbische Meer“
    und vier ausgelassene Möwen flogen kreischend hinterher.



    Mangturm Lindau


    Romanshorn wird links gelassen – Konstanz ist ja unser Ziel.
    Dort wird unser Schiff verlassen, denn zu sehen gibt es viel.



    Anlegestelle Konstanz



    Promenade im „Konstanzer Trichter“ mit Blick auf die Gründerzeitbauten an der Seestraße

    Die Geschichte kann berichten über Kaiser und Konzil.
    Allerhand gäb’s abzulichten, doch das ist kein Kinderspiel.
    Was meine Tatkraft bremst, mich stets aufs Neue irritiert
    ist, dass der Film oft hängt, nicht flüssig transportiert.


    Das Fischerhaus muss zwingend auf die Platte – und das hat seinen Grund,
    denn es ist doch höchst bedeutsam, dass hier wohnte Sigismund.



    Konstanz „Zum Hohen Haus, Erbaut 1294“ Inschrift: „Hier war in früheren Zeiten der obere Fischmarkt“


    Später ging’s dann auf die Insel Mainau, deren Flora mich betört;
    von der ich auch nicht wusste, dass einem Prinz aus Schweden sie gehört.


    Vor Ort bezahlt man einen Eintritt und kann dafür mit Staunen sehen,
    dass hier, dank mildem Klima selbst Tropenpflanzen prächtig stehen.



    Nach viel zu kurzem Aufenthalt – wie Ihr erblickt auf diesem Bild,
    wurde bereits im hübschen Meersburg unser Kaffeedurst gestillt.



    Dass es paradiesisch schön ist, die Sicht vom Känzele beweist -
    Meersburg sollt man nicht versäumen, wenn zum Bodensee man reist.



    Meersburg Aussichtsterrasse auf dem Känzele


    Sehr beliebt vor allen Dingen ist der auserlesene Wein;
    und so mancher frohe Zecher kehrt’ im „Bären“ hier schon ein.



    Meersburg, Obertor in der Altstadt mit Gasthof zum Bären


    Als zu vorgerückter Stunde, die Fahrt nach Lindau ging zurück,
    hing an der entschwindenden Küste ziemlich lang noch unser Blick.
    Bei der Rückkunft dann in Lindau hat die Ansicht fasziniert,
    denn die gesamte Hafenanlage war gar festlich illuminiert.



    „Morgen früh geht es weiter zum Schwarzwald“ -wieder heißt es Koffer packen-
    „Einen Abschiedsschoppen lasst uns trinken, doch sollt keiner heut versacken!“
    So sprach Reiseleiter Ludwig, der uns fast väterlich betreut.
    Dem wir viel verdanken, weil er keinen Einsatz scheut.


    Tags darauf hatten Einige dann ihre größte Mühe,
    denn der Zug rollte bereits um 6 Uhr in der Frühe.
    Schon nach kurzer Fahrt, hielten wir in Friedrichshafen das erste Mal
    und besuchten das Gelände auf dem Flugplatz Löwental.
    Das „Luftschiff Hindenburg“ sollten wir hier zu sehen bekommen,
    doch leider hatte dasselbe kürzlich in Frankfurt Quartier genommen.
    Dadurch, dass uns dies entgangen, hatten wir sehr reichlich Zeit,
    doch auch die ward totgeschlagen, denn es gab Fluggelegenheit.



    Flugplatz Friedrichshafen-Löwental – Dornier Wasserflugzeug Delphin, Aufschrift (Sütterlin): „Fliegt über den Bodensee“


    Für 6 Mark, da sah man viele, ziemlich lange Schlange stehen,
    die da noch zum Abschied wollten, den Bodensee von oben sehen.


    Auf der Bahnfahrt aufgenommen, aus dem Fenster vom Kupee
    habe ich den viel besuchten, höchst malerischen Titisee.



    Titisee im südl. Schwarzwald


    Im Bahnhof Feldberg-Bärental war Endstation –
    mehrere Postautos erwarteten uns schon.
    Die fuhren uns zum Mittagsschmaus
    zum „Feldbergerhof“, direkt vors Haus.


    Schon bald nach Tisch da brachen wir auf
    und stiegen gemächlich den Berg hinauf.
    An einer Schneewehe da machten wir Halt;
    hier wurde erst einmal Schnee geballt.


    Feldberg im Hochschwarzwald, Gipfelregion


    Vom Feldberg, der ziemlich kahl und glatt,
    man eine beachtlich weite Fernsicht hat.
    Auf dem Gipfel verweilten wir aber nicht sehr lang
    und nahmen lieber ein Sonnenbad am Bergeshang.



    Hier stehen die Kirschbäume in Blüte noch Mitte Mai.
    Auch der Blick auf das Schwarzwaldhaus erfreute uns zwei.



    Bärental, Schwarzwaldhaus mit Hofkapelle zur Schmiede erbaut ca. 1870


    Auf der Fahrt nach Freiburg verging die Zeit im Handumdrehen,
    denn es gab viel Natur und reizende Landschaft zu sehen.
    Besonders das Höllental hat uns sehr entzückt;
    eine wilde Schönheit wie man sie selten erblickt.


    Am nächsten Morgen traten wir am Rotteckplatz an
    und fuhren per Auto zur „Schauinsland“ -Bahn.
    Dann ging es nach oben bei herrlichstem Wetter,
    dort gab’s weder Nebel noch eisige Bretter.



    Wir genossen den Ausblick und schauten gebannt,
    von der Halde zu den Vogesen über das hüglige Land.


    Schauinsland, 1284 m hoher Hausberg von Freiburg



    Berghotel Schauinsland


    Schließlich kehrten wir im Berghotel ein
    und genehmigten uns mal wieder nen Wein.
    Wir prosteten zu, die Stimmung war richtig –
    „Es ist beim Anstoßen überaus wichtig,
    dass man sich schaut tief in die Augen hinein.“
    all so sprach Herr Bode und goss nochmal ein.
    Nunmehr höchst beschwingt, wir darüber lachten,
    wenn’s hieß: „Lasst uns auf die Pupillen achten!“


    Am Mittag in Freiburg ereilt uns ein Schreck,
    mein Stockschirm, mein treuer Gehilfe war weg.
    Wir grübelten nach und kamen zum Schluss,
    dass er im Auto geblieben sein muss.
    Hierdurch war das Mittagsmahl etwas gestört,
    doch als wir später im Zuge gehört,
    dass ein Fahrtteilnehmer ihn hatte gefunden,
    gab es in Breisach wieder fröhliche Stunden.



    Schiffbrücke (vermutlich) zwi. Weil am Rhein und Hüningen (seit 1944 nicht mehr existent)



    Breisach, Münster St. Stephan


    Nachdem wir den Rhein und das Münster gesehen,
    wir zur Abkühlung in die „Post“ hinein gehen.
    Ihr müsst es mir glauben, leider fehlt der Beweis,
    aber in der Sonne war es wirklich 32 Grad heiß.
    So hat alsbald dann auch hier der Rebensaft,
    uns eine urgemütliche Stimmung verschafft.



    Breisach Gutgesellentor


    Zum Bahnhofe später obwohl’s noch sehr warm,
    wankten Erna und Theo dann vergnügt Arm in Arm.


    Am Folgetag waren wir früh schon auf Tour,
    denn wir hatten ein paar wenige Stunden nur,



    Freiburg, Oberlindenbrunnen an der Ecke Salzstraße - Herrenstraße


    die Schönheiten Freiburgs zu erkunden.
    Als beachtlich habe ich dann gefunden:
    das prächtige Stadttheater -Gefällt es Ihnen?-
    und ein Balkon mit ganz schmucken Glyzinen –


    ...
    Stadttheater Freiburg (Nov.1944 Zerstörung durch Luftangriff auf Freiburg)


    Die blühen blau und dufteten stark;
    und nun noch ein Bild vom Trödelmarkt.



    Trotz des Reichtums in Baden, wird hier offeriert,
    was man fast sämtlich bei uns in den Müll expediert.


    Vom Schlossberg aufs Martinstor noch ein letzter Blick,
    denn schon bald geht es per Bahn in die Heimat zurück.



    Freiburg, Blick vom Schlossberg nach Südwesten auf das Martinstor im Hintergrund der Schönberg


    In Donaueschingen noch ein kurzer Trunk,
    dann brausen wir ab mit mächtigem Schwung.



    Bahnhof Donaueschingen


    Die Landschaften wechseln rasch wie der Wind.
    Man denkt an Zuhause und ans wartende Kind,
    das wir nun bald würden wieder sehen.
    Doch ganz glatt sollte die Fahrt nicht vergehen.


    In der Lokomotive, die bis dahin gerannt,
    war offenbar plötzlich was durchgebrannt.
    Sie stöhnte mächtig und dann -oh graus-
    ging der Ärmsten gänzlich die Puste aus.
    Mit einer Ersatzmaschine kamen wir dann
    ganz gehörig verspätet in Erfurt an.


    +++
    Viel Schönes haben wir auf dieser Reise vorgefunden,
    dem zu Folge fühlen wir uns nun mehr verbunden
    mit Städten und Regionen, die vorher mäßig von Interesse
    -nur dünn gesät auch Nützliches in Buch und Presse-.
    Erst jetzt bereist, weiß man um ihren Zusammenhang.
    Nun nicht mehr fremd, sind sie uns von großem Belang.


    Noch immer erfüllt, blicken wir auf 9 erlebnisreiche Tage zurück
    und bekennen dankbar: „Was war das doch rundum für ein Glück!“


    E N D E


    Auch wenn mein Opa (geb.1895) nicht der große Poet war, haben mich seine liebenswerten Schilderungen sehr berührt und an der einen oder anderen Stelle musste ich mehr als schmunzeln.
    Ich war fasziniert, in „seine Welt“ vor 79 Jahren einzutauchen und erstaunt darüber, was für eine weite Rundreise in solch kurzer Zeit meine Großeltern vor dem 2. Weltkrieg unternommen haben. –Höchstwahrscheinlich handelte es sich dabei um eine KdF- (Kraft durch Freude) Reise.


    Mal abgesehen davon, dass für die Beiden ganz offensichtlich die „leiblichen Genüsse“ von großer Bedeutung waren, haben sie „nebenbei“ wirklich viel erlebt und meinem Opa ist es gelungen, einige interessante Stationen in Wort und Bild festzuhalten.


    Sehr spannend war für mich die Entdeckung, dass manche der damaligen Gebäude, z.B. das Stadttheater in Freiburg und das Gutgesellentor in Breisach, heute in einem ganz anderen Zustand vorhanden sind.


    Hier habe ich versucht, mit Google Maps in etwa die Reisewege nachzuvollziehen.


    Ich würde mich freuen, wenn Euch dieser ungewöhnliche, hochbetagte Reisebericht trotz der farbstichigen und teils unscharfen Fotos ein wenig gefallen hat.


    Liebe Grüsse
    Gabi

    „Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon.“
    Aurelius Augustinus (354 - 430)

  • Hallo Gabi


    Was für ein phantastischer Beitrag, ich bin immer noch dabei, ihn ein ums andere Mal zu lesen!


    Mein Klick auf den Danke-Button war somit nur angenähert und wird der Qualität deiner Ausführungen in keinster Weise gerecht!


    Herzlichen Dank für diesen wunderschönen Bericht


    Liebe Grüsse
    Viktor

    [COLOR="#0000CD"]Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben.(Albert Einstein)[/COLOR]

  • Zitat von Opa

    Noch immer erfüllt, blicken wir auf 9 erlebnisreiche Tage zurück
    und bekennen dankbar: „Was war das doch rundum für ein Glück!“


    Und ein Glück für uns, dass du diesen historische Reisebericht hier eingestellt hast.


    Herzlichen Dank,
    Irmgard und Klaus

    Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das Leben will.
    (Albert Schweitzer)

  • Hallo Gabi!


    Danke, dass Du uns auf diese Reise in die Vergangenheit mitgenommen hast.
    Solche herrlichen Aufnahmen aus den 30iger Jahren habe ich noch nie gesehen.
    Was mir auch aufgefallen ist wie fein gekleidet Deine Großeltern damals waren.
    Auch glaube ich, dass sich zur damaligen Zeit nicht viele eine so herrliche
    Reise leisten konnten. Noch dazu die vielen Fotoaufnahmen.
    Habe diesen einmaligen Bericht zweimal angesehen.

    Liebe Grüße

    Josef

  • Hallo Gabi,


    das ist ja ein wunderschöner Reisebericht aus den 30er Jahren. :up:
    Ich bin begeistert. Das hat wirklich Seltenheitswert.


    Eine unserer ersten Urlaubsreisen innerhalb Deutschlands ging auch in die Allgäu-Bodensee-Region. Jedoch war das 1979.
    Sehr interessant zu sehen, wie es damals (1936) aussah.


    Danke für Deine viele Arbeit, dies hier reinzustellen.


    Gruß
    Jofina

    El mundo es un libro, y quienes no viajan leen sólo una página. (Aurelio Agustín)
    Gruß Jofina

  • Es wäre ein Jammer, wenn diese Reiserinnerungen und die Bilder irgendwann für immer verschwunden wären!
    Sie sind Zeitdokument und Einblick in sehr persönliche Erlebnisse gleichermaßen.
    Diese Reise muss ein prägendes , sicher einmaliges Erlebnis gewesen sein.


    Mich beeindruckt besonders die Quintessenz Deines Großvaters, die wohl für alle ( auch heute noch ) Gültigkeit hat, die mit offenen Augen und Neugier auf eine Reise gehen!



    DANKE, Gabi, dass Du diese Reisebeschreibung mit den einmaligen Bildern hier im Forum eingestellt hast und für die Ergänzungen. mit denen Du an vielen Stellen Bilder ergänzt und auch einen Bezug zu Heute hergestellt hast.


    Liebe Grüße,
    Elke

  • Hallo Gabi!


    Heute war es verdammt heiß hier in Ungarn. Wir trauten uns nicht mal in ein Bad!
    Da wirkten Deine Bilder, oder die Deines Großvaters, mit dem Schnee vom Nebelhorn etwas abkühlend.
    Ich habe den Fernseher ignoriert und mich von der Reise deiner Großeltern fesseln lassen.


    Dieses Album ist ein Schatz den Du gut hüten solltest!
    Allein die Bilder des Flugbootes Dornier Delphin III der Luftfahrtsgesellschaft Konstanz haben Seltenheitswert.


    Dein Großvater war nicht nur ein guter Reimer und Photograph sondern auch ein trefflicher Philosoph!
    Das hat Elke schon richtig erkannt.
    Seine "Quintessenz" stimmt nach wie vor!


    Vielen Dank dafür, dass Du uns hast teilhaben lassen!



    Liebe Grüße aus Ungarn von waldi :174:

    Und immer neugierig bleiben!

  • Hallo Gabi ,


    du hast dir hier sehr viel Arbeit gemacht - es hat sich gelohnt.:281:


    Ein wunderschöner Bildbericht der uns in vergangene Zeiten zurückführt und uns die Möglichkeit gibt zu vergleichen - Damals und heute.


    Ich wäre glücklich wenn ich von meinem Opa oder meinen Vorfahren noch so viele Aufnahmen hätte.


    Danke das du uns mit diesem Bericht etwas teilhaben lässt.

    Liebe Grüße :auto3:


    Es geht nicht darum , dem Leben mehr Tage zu geben ,

    sondern den Tagen mehr Leben.

    Cicely Saunders

  • Hut, Spazierstock und Uhrenkette... so kenne ich meinen Großvater auch noch von Bildern.
    Auch die langen Kleider der Frauen waren beim Reisen bestimmt nicht angenehm.
    Eine so große Reise in 9 Tagen war bestimmt nicht nur eine erfreuliche Angelegenheit.


    Danke für diese Reise in die Vergangenheit und bewahre den Schatz deines Großvaters gut auf.

    Lieben Gruß Karin
    Wer der Sonne entgegen wandert lässt den Schatten hinter sich. (Bruno Hans Bürgel)

  • Liebe Gabi,


    ich bin total begeistert von diesem einzigartigen Juwel, dem Reisebericht und die faszinierenden Bilder deines Großvaters.


    Viele der Stationen sind mir auch persönlich bekannt, gerade die am Bodensee, Lindau, Meersburg, die Mainau - und in der Schweiz, den Feldberg natürlich (da gibts noch einen 5-teiligen Reisebericht von mir hier im Forum) und den Titisee und Freiburg, dort gabs ja damals schon die "Bächle" wie man sehen kann...



    Ganz besonders hat mich die Stelle berührt, als Dein Opa schrieb, sie wollten eigentlich den Zeppelin "Hindenburg" besichtigen - ziemlich genau ein Jahr (6.5.1937) nachdem Deine Großeltern in Friedrichshafen weilten, ist die schreckliche Katastrophe passiert und das Luftschiff ging in Flammen auf......



    Vielen Dank Gabi, daß Du uns mit auf diese wunderbare Zeitreise genommen hast - ganz toll!!!!


    liebe Grüße
    Sylvi

    :blume17: Grüssle von tosca


    Nicht woher der Wind weht, sondern wie man die Segel setzt, darauf kommt es an!

  • Hallo ihr Lieben, ich bin total begeistert!


    Euch allen vielen Dank für die freundlichen Worte. Jammerschade, dass meine Großeltern, die schönen Kommentare nicht mehr lesen können.


    Was mir auch aufgefallen ist wie fein gekleidet Deine Großeltern damals waren.


    Ja, aus heutiger Sicht viel zu fein und unbequem. Zu damaliger Zeit sicherlich eine Sache des Anstands.
    „Wie steif und unpraktisch für eine frühsommerliche Reise“, dachte ich mit bedauern. Aber zu der Zeit war der Gesellschaftsanzug (Stresemann) mit Sakko, Weste und Schlips, sowie der Hut wohl auch im Urlaub unverzichtbar. Und die Damen trugen meist lange hochgeschlossene Kleider mit Bubi-Kragen.


    Auch glaube ich, dass sich zur damaligen Zeit nicht viele eine so herrliche
    Reise leisten konnten.


    Ich habe gelesen, dass 9,6% der Deutschen/Jahr in den Jahren 1935 – 1939 an einer KdF-Reise oder Veranstaltung teilgenommen haben. Das heißt, dass doch fast jeder 10. davon profitieren konnte. Es freut mich für meine Großeltern, dass es ihnen vergönnt war dazuzugehören, zumal sie „der Generation mit 2 Weltkriegen“ angehörten.


    Dein Großvater war nicht nur ein guter Reimer und Photograph sondern auch ein trefflicher Philosoph!


    Ich bin mir sicher, Deine Worte hätten meinem Opa sehr geschmeichelt und ihn unbändig gefreut. Danke!



    Auch ich habe mich in dem Fazit wiedererkannt. Erst wenn man selber dort war und Gast in einem Ort/Land sein durfte, bekommt man einen richtigen Bezug dazu.


    du hast dir hier sehr viel Arbeit gemacht - es hat sich gelohnt.


    Das war schon einiges an Arbeit, aber es war auch ein Erlebnis für mich. Ich war sehr erstaunt, was auf den kleinen Bildchen „verborgen“ ist, trotz Punkten und Fusseln. Wie viele Details durch den vergrößernden Scan auf einmal erkennbar waren. Nur so war es mir auch möglich, einige Gebäude besser zuzuordnen.


    Danke für diese Reise in die Vergangenheit und bewahre den Schatz deines Großvaters gut auf.


    Das werde ich! Für mich ist dieser Reisebericht ein ergreifendes und ganz wertvolles Vermächtnis.


    Ganz besonders hat mich die Stelle berührt, als Dein Opa schrieb, sie wollten eigentlich den Zeppelin "Hindenburg" besichtigen - ziemlich genau ein Jahr (6.5.1937) nachdem Deine Großeltern in Friedrichshafen weilten, ist die schreckliche Katastrophe passiert und das Luftschiff ging in Flammen auf......


    Das habe ich auch bei der Recherche gelesen und fand es erschütternd. Dass sie den Zeppelin nur knapp verpasst haben, weil er derzeit schon in Frankfurt weilte, fand ich unter einem Auszug von www.frankfurt.de. bestätigt.
    „Bereits am 14. Mai 1936 erreichte die LZ 129 „Hindenburg“ unter der Leitung ihres prominenten Kapitäns Hugo Eckener nach einer Nordamerikafahrt ihren neuen Heimathafen in Frankfurt.“


    Nochmals besten Dank!


    Liebe Grüsse
    Gabi

    „Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon.“
    Aurelius Augustinus (354 - 430)

  • Komme erst heute dazu, diesen außergewöhnlichen Beitrag von dir zu lesen, liebe Gabi.
    Eigentlich wollte ich kurzfristig noch eine Radlreise frühzeitig beginnen, aber es hat sich gelohnt, sich in diesen Bericht zu vertiefen.


    Zum einen muss ich dir danken, dass du diesen in Gedichtsform vorgetragenen Reisebericht uns zur Verfügung gestellt hast.
    Man muss sich da mal hineindenken, in diese frühere politisch gelenkte Welt, in der selbst die "Freizeit" noch einer bestimmten Ideologie unterstellt wurde.


    Wenn man die gelöste Art der Gedichtsform näher betrachtet, weiß man umso mehr, dass hier die von oben höchstwahrscheinlich beabsichtigten Ideale, deren Hintergrund total verblassen ließen.


    Ich fand die Form der Paar Reime immer schlüssig, ohne verzweifelt nach passenden Worten zu suchen. Das wäre auch bei solch einer langen Reisebeschreibung zur Wochenarbeit geworden.


    Kurz gesagt, einfach Klasse.


    Erstaunt war ich über die bestens gescannten Bilder. Dies und der Bericht zusammen , muss einen Heidenarbeit gewesen sein. Allen Respekt und Dank dafür.


    Noch was: Früher war es natürlich klar, wer auch die Möglichkeiten dazu hatte, bei Reisen sich im besten Kleid und Gewand zu zeigen.
    Das stand sicherlich dem privaten Vergnügen entgegen, sich gelöst von Zwängen , wie heutzutage, bei über 30 °, wie angeklungen, zu reisen. Andererseits kannten sie es nicht anders. Und wenn man die Bilder vom Nebelhorn ansieht, im feinsten Tuch bei Schnee hoch oben, hätte man auch wohl zweckmäßigere Verhüllung genossen.


    Heute ist es manchmal schon zu frei, wie sich manche kleiden, wobei das Wort schon falsch wäre, bei dem Verzug , den manche wählen , z.B. beim Eintritt in Kirchen usw.

    Und dazu: "Ich hoffe sehr, Ihr habt Nachsicht und nehmt mich (uns) so freundlich wie zuvor, nochmals bei euch auf."


    Wie kommst du nur annähernd auf solche Gedanken, liebe Gabi?


    Jeder von uns, hat manchmal durch nicht zu vertretende Umstände einfach schlicht keine Zeit sich ernsthaft einzulocken , denn gerade solche Beiträge wie der hier, bedürfen einer ausreichenden , zeitintensiven Bewertung.
    Das ist in meinen Augen doch selbstverständlich und sicher sind sich hier alle einig.


    Die Reise selbst zeigt einem so richtig den Zeitsprung, der seit damals verging. In vielen Bildern, ich durfte auch, außer dem Schwarzwald, was ich noch nachholen muss (ev. meine lang verschobene Radreise), viele Orte gegenüber den 30 ger Jahren vergleichen.


    Beispiel: Meersburg , wie verbaut der Hintergrund inzwischen da oben bis zum See ist.
    Oder der Vierwaldstättersee, die Schiffsflotte im Vergleich.


    Einfach wunderbar und ich denke, die Unterschiede in der augenblicklichen Wahrnehmung dürften überhaupt keine Rolle spielen, wenn man sie im direkten Verleich genießen könnte.


    Beides ist in der Euphorie des zeitlich gestaffelten Erlebens sicher marginal. Alle Bilder zeichnen friedliche Ruhe ohne Hektik und Touristenmassen auf.
    Wie auch anders.


    Ein unglaubliches Zeitdokument, das du uns hier vorgestellt hast. Allein ,dass es die wirren Zeiten der Geschichte überstanden hat, aber zu recht hier nochmal in den Focus gerückt wird.


    ganz lieben Gruß
    Helmut














    Wer nichts weiß, muss alles glauben.
    Marie von Ebner-Eschenbach

  • Lieber Helmut,


    wirklich beeindruckend, wie Du dich mit dem Bericht meines Opas auseinandergesetzt hast und dafür sogar Deine geplant „frühzeitig beginnende Radlreise“ verschoben -doch hoffentlich nicht aufgehoben- oder gar in der brütenden Mittagshitze angetreten hast.


    Vielen lieben Dank für Deine ausführlichen Kommentare und Einschätzungen denen ich mich fast uneingeschränkt anschließen kann: sei es die Ideologie, die in dem Bericht kaum hervortrat, sind es die damaligen Zwänge der Garderobe oder die unabwendbare auch touristische Bebauungen, die sich in 80 Jahren unweigerlich in attraktiven Lagen vollziehen mussten.

    Danke Dir für die vielen lobenden Worte und die Zeit, die Du dir für die Stellungnahme genommen hast.


    Liebe Grüsse
    Gabi

    „Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon.“
    Aurelius Augustinus (354 - 430)

  • Vielen Dank für diesen wunderbaren Blick in die Vergangenheit!
    Auch wenn du schreibst dein Opa war sicher kein großer Poet, so ist es ihm doch gelungen uns hier in seinen Bann zu ziehen. Dazu seine wunderbaren Aufnahmen - fantastisch!
    Vielen Dank das du dir die Arbeit gemacht hast und uns dieses schöne Album gezeigt hast!

    Viele Grüße
    Helga


    Das Heilmittel für alles ist Salzwasser: Schweiß, Tränen oder das Meer.
    Karen Blixen

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