Vor ein paar Tagen haben wir eine Wanderung von eindreiviertel Stunden durch den Eibenwald von Paterzell gemacht. In diesem Eibenwald sollen mehr als 2000 alte Eiben wachsen, was den Wald zu einem einzigartigen Naturschutzgebiet in Deutschland macht. Der Wald befindet sich nicht weit weg von Wessobrunn und das liegt zwischen Landsberg am Lech und Weilheim.
Ein kleiner Parkplatz mitten im Wald genügt zum abstellen des PKW und dann geht’s schon los zu Fuß. In diesem Wald stehen nicht nur Eiben, sondern auch andere Bäume. Er ist ein naturnaher Mischwald.
Die Eibe ist ein besonderer Baum. Als einziger heimischer Nadelbaum ist die Eibe giftig. Allerdings sind es nicht die roten Beeren, sondern die Eibenzweige und die Nadeln die giftig sind. Rehe vertragen die scheinbar zumindest in einer bestimmten Menge. Hingegen kann schon eine geringe Menge Eibennadeln ein Pferd töten. Darum beseitigten früher Fuhrleute und Hirten die Eibe. Ein Mensch müsste um sich zu vergiften 50-100 Eibenzweige essen. Die Eibe wird mittlerweile in der Medizin als Mittel gegen Krebs genutzt.
Der Eibenwald bei Paterzell steht auf meterdickem Tuffstein. Das ist wohl die Besonderheit, warum sich der Wald hier über Jahrhunderte hinweg erhalten hat. Der Tuffstein selbst wurde seit langer Zeit in der Gegend abgebaut und als Baustoff für Gebäude verwendet. Heute gibt es nur noch einen betriebenen Steinbruch bei Weilheim.
Einzelne Eiben sind in diesem Wald besonders gekennzeichnet. Beispielsweise gibt es drehwüchsige Exemplare.
Dieser Baum ist auf der Länge von mehreren Metern gespalten und trotzdem lebt er noch.
Es gibt einen Rundweg der ist nur gut einen Kilometer lang.
Vor über 400 Jahren nutzte man Eiben systematisch, um aus ihrem Holz Bögen und Armbrüste zu bauen. Wegen ihrer Bedeutung für die Herstellung von Kriegs – und Jagdwaffen waren Eiben schon um 1600 in Oberbayern weitgehend ausgerottet.
Diese Kugeln an den Nadeln sind anscheinend die Fruchtstände der Eiben. Es gibt übrigens männliche und weibliche Pflanzen. Das Holz ist nahezu harzfrei. Weil die Eibe sehr langsam wächst, sind die Jahresringe eng beieinander.
Wir haben von Anfang an nicht nur geplant, diesen einfachen Rundweg zu begehen. Vielmehr wollten wir auch den naheliegenden Zellsee erkunden.
Dazu verlassen wir den Wald und kommen an der Moosmühle vorbei. Hierbei handelt es sich um ein Gestüt. An dieser Hütte kann man sich selbst verpflegen.
Wir nähern uns dem Zellsee von Süden her. Dabei besteht dieses Gewässer eigentlich nicht nur aus einem See, sondern aus einer Vielzahl von Fischteichen, die heute nur noch teilweise genutzt werden.
Am Westufer führt ein begehbarer Damm entlang. Der Großteil der Teiche und des Schilfgürtels sind für Besucher aus Gründen des Naturschutzes gesperrt.
Der Zellsee ist ein künstliches stehendes Gewässer, welches im 15. Jahrhundert von den Mönchen des nahe gelegenen Kloster Wessobrunn angelegt wurde. Fisch war über Jahrhunderte hinweg vor allem in der Fastenzeit ein wichtiges Nahrungsmittel für den Klerus.
Hier kann man es aushalten während man Graugänse, Bläshühner, Enten und Schwäne beobachtet.
Der Weg wird anscheinend gepflegt. Ich könnte mir vorstellen, dass hier am Wochenende nicht so eine Einsamkeit wie wochentags herrscht.
Nicht nur die Haselnuss blüht bereits und sorgt durch die Pollen dafür, dass mir die Augen etwas tränen.
Wir verlassen in den See und kommen zurück in den Wald. Hier ist eine Eibe vor vielen Jahren umgestürzt. Vertikal wachsen aus dem Stamm neue Triebe in die Höhe. Das zeigt, wie robust dieser Baum ist.
Dieser Baumstumpf ist etwa 700 Jahre alt. Im Jahr 1997 hat den Baum irgendjemand aus Unvernunft angezündet. Ärgerlich wie ich meine.
Die Informationen dieses Berichts stammen aus einer Broschüre der bayerischen Staatsforsten, die im Eibenwald ausliegt. Es ist schon seltsam. Seit Jahrzehnten weiß ich von diesem Naturschutzgebiet und seit Jahrzehnten bin ich viele Male hier vorbei gefahren. Nun haben wir endlich Zeit gefunden, uns dieses Kleinod in der Heimat näher anzuschauen. Wie ich meine hat es sich gelohnt.
Jürgen