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  2. Grizzly

Beiträge von Grizzly

  • Das Haus der Geschichte in Wittenberg (2009)

    • Grizzly
    • 14. November 2015 um 11:21

    Der DDR-Bürger oder die DDR-Bürgerin bewegte sich natürlich auch im Freien und begab sich gelegentlich, wie seine westlichen Landsleute, in gastronomische Einrichtungen. Im Gegensatz zu den westlichen Kneipen gab's dort ein aufgehängtes Staatsoberhaupt (oben rechts über der Tür) -


    war das eigentlich Vorschrift ???

    Das Ganze gab's auch für gehobenere Ansprüche -

    die Welt normaler Jugendlicher war das jedoch nicht.

  • Das Haus der Geschichte in Wittenberg (2009)

    • Grizzly
    • 14. November 2015 um 11:21

    Also, in der Kinderkrippe hatten wir aufgehört ...

    Eine süß schmeckende Kinderzahnpasta gab's im Westen auch, m.W. hiess die Blendi,

    und ein Sandmännchen ebenfalls.
    Ob das West-Sandmännchen irgendwann Ballon fahren durfte, weiss ich nicht.
    Das Ost-Sandmännchen darf es hier noch -

    nach einer erfolgreichen Ballonflucht vierer DDR-Bürger 1979 wurde ihm das untersagt,
    wie wir fleissigen Quiz-Gucker inzwischen wissen.

    Der 70er Küchentisch hat immer noch die verborgenen Waschschüsseln,

    für den Milchkochtopf gibt's inzwischen ein Überkochalarmsystem

    und für die Schnellbäcker ein "Backwunder" - als Wessi und Nichtbäcker kann ich nicht beurteilen, ob's funktioniert hätte.

    Die sahen im Westen so ähnlich aus -

    ob wir solche Kombiradiofernsehtruhen hatten, weiss ich nicht - wir daheim jedenfalls nicht.

    Auch die Nierentische gab's grenzübergreifend, und solche Sessel,
    auf die man sich als Zweizentnermann nur ganz vorsichtig setzen durfte, ebenfalls.

    Man hat uns erklärt, wozu die Gerätschaften auf diesem 70er TV-Gerät gut waren, leider hab ich's vergessen.
    Jedenfalls konnten sie heisslaufen und Wohnungsbrände verursachen,

    und dann war nix mehr mit Schlafzimmerromantik.

  • Das Haus der Geschichte in Wittenberg (2009)

    • Grizzly
    • 14. November 2015 um 11:20

    Diese Möglichkeit, einen Topf mit aufzulötenden (?) Fertigflicken wieder dicht zu kriegen, war mir nicht bekannt.

    Wenn's der einzige Topf der Familie war, dann war diese Maßnahme natürlich existenzrettend.

    Das ist ein sogenanntes Flüchtlingszimmer, vollgestopft mit Betten.

    Wittenberg war voll mit Flüchtlingen, wie die meisten Städte, auch bei uns.

    Irgendwann wurde es dann besser - das soll ein Wohnzimmer der 50er darstellen.

    Die Kinder kamen in die Krippe, das war ja weiter verbreitet als im Westen.

    Alle bereit zur Kollektivsitzung !

    Und da muss ich jetzt hin, allerdings nicht zum Mittagsschlaf.

    (Anmerkung:
    Der Originalartikel wurde um 23:10 verfasst).

  • Das Haus der Geschichte in Wittenberg (2009)

    • Grizzly
    • 14. November 2015 um 11:18

    Das Haus der Geschichte in der Wittenberger Schloßstr. 6, also mitten im Zentrum, befasst sich vorwiegend mit DDR- bzw. Nachkriegsgeschichte. Wobei ich beim Anblick der Exponate öfter den Eindruck hab, dass vieles den unseren so unähnlich nicht war. Man kann sowohl allein durchgehen als auch eine Führung mitmachen.

    Als Blickfang im Hof des Hauses sehen wir die häufigsten Motorfortbewegungsmittel der untergegangenen Republik,
    den Trabbi und die Schwalbe.

    Das ist eine Küche aus der 1920er Jahren, da gab's weder BRD noch DDR.

    Und auch der Küchentisch der 30er sah nicht so viel anders aus - ebenfalls mit intergriertem Waschtisch, wie ich ihn aus unserem alten Haus in Pöcking/Oberbayern auch noch kenne. Ein Badezimmer hatten wir damals nicht, bzw. als es eingebaut wurde, war ich schon erwachsen.

    Solche herunterziehbaren Lampen gab's bei uns seit den 50ern auch.

    Das sieht erstmal aus wie ein Stuhl - auf den ich mich mit meinen 112-115 kg erstmal ganz vorsichtig draufsetzen würde ...

    aber ausgeklappt muss man gar nicht mehr sitzen, sondern hat einen besseren Überblick.

    Dieser AEG-Kühlschrank ist kein DDR-Produkt, sondern Westimport oder vor 1945 produziert -
    ganz störungsunanfällig war er auch nach den Worten unseres Museumsführers nicht:
    Auspacken - Einschalten - Geht nicht ...

    wohingegen der Herd, den es in ähnlichen Ausführungen auch bei uns gab (in meiner Familie war er bis 1966 im Einsatz) ganz ohne Elektrizität funktionierte ...

    nur Holz und/oder Kohlen brauchte er.

  • 1509 Bayern > Sperreinrichtung (Trägerstecksperre) am Lech

    • Grizzly
    • 14. November 2015 um 10:50
    Zitat von ELMA


    In Heilbronn bin ich aufgewachsen
    und das war am 11. Januar 1985:
    Niemand wusste vorher so richtig Bescheid, was da in Stadtnähe lagerte.

    "Vor 30Jahren sterben auf der Waldheide drei Soldaten. Mit dem Unfall wird erstmals von offizieller Seite eingeräumt, dass auf der Heilbronner Waldheide die gefürchteten Pershing-2-Raketen stationiert sind."
    https://www.stimme.de/heilbronn/nach…art1925,1734635


    Irgendwann in den 80ern hab ich mal, natürlich in von der Polizei bewachtem Abstand, auf der Waldheide demonstreirt. Wann und weitere Details wiess ich nicht mehr, da waren so viele Demos, Mutlangen, Menschenkette von Stuttagrt nach Neu-Ulm (wozu ich mit 6000 anderen Heidelbergern in Geislingen eingefallen bin) ...

  • Karibikinsel Grenada

    • Grizzly
    • 3. November 2015 um 19:38
    Zitat von claus-juergen


    vielen Dank für deinen Bericht über eine Insel, die ich erst seit der Invasion der USA im Jahr 1983 kenne. Damals konnte ich nicht verstehen, daß Uncle Sam diese Mini-Insel, damals schon ein eigener Staat, besetzen mußte.


    War eine Riesensauerei damals. Mehr dazu:
    https://www.zeit.de/1993/44/reagans-vermaechtnis

  • Lutherstadt Wittenberg

    • Grizzly
    • 31. Oktober 2015 um 10:27

    In Wittenberg haben neben Luther, Melanchthon und Cranach noch andere berühmte Leute gewirkt, gelehrt, In Wittenberg haben neben Luther, Melanchthon und Cranach noch andere berühmte Leute studiert gewirkt, gelehrt. An den Häusern, in denen sie gewohnt oder gewirkt haben, erinnern Tafeln an sie (so wie an Stifel und Böttger, siehe Posting 1.11.). Leider sind dort ausschliesslich Männer verewigt, denn als andernorts die Frauen ihre Studienberechtigung erkämpft hatten, war die Wittenberger Uni schon dicht und nach Halle verlegt.

    Das hier war Dr. Faust, den Goethe verewigt hat -
    um das Andenken des (vermutlich) real existiert habenden Johann Faust nicht zu kränken, hat ihn der Dichter in Heinrich umgetauft („Heinrich, mir graut vor Dir“).


    Bekanntermaßen haben die Preussen nach Beginn ihrer Herrschaft über Wittenberg nicht nur die Uni verlegt, sondern aus der Stadt einen großen Militärstandort gemacht (die Wittenberger hätten lieber die Uni behalten und auf's Militär verzichtet). Einer der dort sein Unwesen Treibenden war ein Leutnant namens Werner von Siemens, der wegen der verbotenen Teilnahme an einem Duell zu Festungshaft verknackt wurde. Sobald wie ihm möglich, verliess er die Armee und gründete das gleichnamige Elektroindustrieunternehmen, das noch heute Schlagzeilen macht -
    wenn auch nicht immer positive.


    Dem Theologen Zinzendorf habe ich eine Notenaufbesserung in meinem schlechtesten Schuljahr zu verdanken,
    deshalb bekommt er hier einen Ehrenplatz.

    Und das kam so:
    In der 10. Klasse Gymnasium war ich grottenschlecht. Keine Lust zu nix, entsprechend sah das Zwischenzeugnis aus.

    Unser Religionslehrer war ein durch und durch gutmütiger Mensch. Schlechtere Noten als 3 gab es bei ihm nicht, und die bekamen nur Leute, die durch keinerlei Unterrichtsaktivitäten aufgefallen waren. Normalerweise wäre ich in diesem Jahr ein Dreierkandidat gewesen, siehe oben.

    Eines Tages kurz vor Schuljahresende saß ich in meiner Bank (ziemlich weit hinten), der Lehrer erzählte vorne etwas, keine Ahnung was - ich war mit dem Abschreiben von Hausaufgaben eines anderen Fachs beschäftigt. Hörte mit einem Ohr, wie er fragte, wann Zinzendorf gelebt hatte.
    Ich hatte diese Daten irgendwo aufgeschnappt, und ich habe ein gutes Zahlengedächtnis.
    1700 bis 1760, brummte ich.
    Der Lehrer wurde hellhörig. Eine konstruktive Äusserung aus dieser Ecke war er nicht gewohnt, noch dazu, wenn derjenige eigentlich mit etwas Fachfremdem beschäftigt war (was ich freimütig zugab, denn bei dem guten Mann war das erlaubt).
    Und so bekam ich allein aufgrund dieses Lichtblicks einen Zweier in Religion.

    P.S.
    Ich hab mir nochmal durch den Kopf gehen lassen, wie ich zu dieser Gedächtnismeisterleistung kommen konnte, und jetzt die mutmaßliche Lösung gefunden:
    Mein Vater war Pfarrer, und ich hatte zwischen 12 und 15 während des Gottesdienstes das asthmatische Harmonium ("Halleluja-Pumpe") zu traktieren. Solang ich nix zu tun hatte, war mir während dieser Prozedur oft grottenlangweilig - es war ja nicht mal was zum Lesen da, und irgendetwas mitzunehmen hätte ich mich nicht getraut.
    Doch, es war was da, nämlich das Gesangbuch. Gut, nicht die interessanteste Lektüre, aber für einen historisch Interessierten boten die Biographien der Liedautoren schon etwas. Und zu diesen gehörte auch Zinzendorf, weshalb er mir (wie einige seiner Kollegen) im Gedächtnis haften blieb.

    - ENDE -

  • Lutherstadt Wittenberg

    • Grizzly
    • 31. Oktober 2015 um 10:26

    Von einer Berliner Freundin bekam ich den Tipp mir die Hundertwasserschule in Wittenberg anzuschauen. Erstmal musste ich mich durchfragen, und viele konnten mir nix dazu sagen. Schliesslich entdeckte ich die Schule auf dem Stadtplan im Bahnhof.

    Also vom Bahnhof in eine gegen losgetappt, in der ich noch nie war, ausserhalb der Altstadt, in der ich nach 4 Tagen inzwischen einigermaßen Bescheid wusste. Auch nochmal ordentlich verfranzt, schliesslich war einer der befragten Passanten entsprechend ortskundig, und nach einem größeren Umweg war ich gerade noch in der Lage, ein paar leidlich erkennbare Dämmerungsbilder zu schiessen. Wer früher als ich kommt und sich vorher anmeldet, bekommt auch eine Führung.

    Zitat

    Haus Hundertwasser des Luther-Melanchthon-Gymnasium wurde 1975 als einfacher Plattenbau vom Typ Erfurt II erbaut und stand seitdem als ein trister Klotz da. Bis sich die Schüler im Kunstunterricht Anfang der 90er Jahre überlegten, wie man diesem traurigen Bild Abhilfe schaffen könnte. Heraus kamen viele Entwürfe, die sich jedoch alle auf eine bestimmte Bauweise ausrichteten, die typische, naturbezogene Art von Friedensreich Hundertwasser (bekannt durch das Hundertwasserhaus in Wien). Ein Brief wurde verfasst und nach Wien geschickt, woraufhin Hundertwasser entschied, sich der Sache anzunehmen.

    Seit dem 29.Mai 1999 steht nun der nach Plänen von Hundertwasser restaurierte Bau in Wittenberg und wird seither von zahlreichen Touristen aus der ganzen Welt bestaunt.
    :link:

    Und jetzt stehe ich in der Dämmerung und staune.

    Um die Schule herum stehen Plattenbaublocks - so ähnlich muss die Schule früher ausgesehen haben.

    Das scheint der Haupteingang der Schule zu sein,

    und hier wächst ein Bäumchen aus dem Fenster.

    Inzwischen wird's richtig dunkel, und ausserdem hab ich Hunger - die Schulkantine hat zu.

  • Lutherstadt Wittenberg

    • Grizzly
    • 31. Oktober 2015 um 10:25

    ir kommen jetzt zu dem Haus, in dem der Mensch mit seiner Familie samt Kostgängern und oft zahltreichen Gästen wohnte, der Wittenberg sozusagen den Vornamen - Lutherstadt Wittenberg - gegeben hat, dem Lutherhaus. Ursprünglich war es ein Augustinerkloster mit Garten vornedran, der Vorbau entstand erst später, so dass das Lutherhaus im Gegensatz z.B. zum Melanchthonhaus hinten im Hof steht.

    Vor dem Haus die eigentliche Herrin des Hauses (auch nach Luthers eigenen Worten),
    seine Ehefrau Katharina von Bora, die's wie meistens eilig hat.

    Heute ist es ein Museum - innendrin ist es recht dunkel, und mit eigenen Bildern kann ich leider nicht dienen.
    Deshalb ein :link:

    Vor dem Lutherhaus steht heute das Predigerseminar, als erster großer Bau,
    wenn man vom Osten (z.B. vom Hauptbahnhof) in die Altstadt kommt.

    Vor der Universitätsgründung bzw. noch zu Luthers Zeiten war das eine breite Hauptstraße,
    erst im 16. Jahrhundert wurde in der Mitte eine Häuserzeile gebaut, so dass man heute
    links die Collegien- und rechts die Mittelstraße hat.

    Ausserhalb der Altstadt stand damals ein Pestkrankenhaus, vor dem regelmäßig Feuer brannten, um die nicht mehr benötigte Kleidung der Pestkranken zu verbrennen. Am 10. Dezember 1520 zog Luther mit einer großen Gruppe Studenten dorthin, um den zuvor erhaltenen Bannandrohungbescheid des Papstes, die sogenannte Bullle, samt den v.a. bei den Studenten verhassten päpstlichen Gesetzbücher zu verbrennen. Einige Tage später wurde dort die sogenannte Luthereiche gepflanzt, die dort bis 1813 stand. Inzwischen steht da wieder ein prächtiger Baum und ein kleinerer daneben - ich hab den Verdacht, dass der schon mal in Reserve dort postiert wurde, falls der große irgendeinem Sturm oder Blitzschlag nicht mehr stand hält.

  • Lutherstadt Wittenberg

    • Grizzly
    • 31. Oktober 2015 um 10:24

    Heute können wir unseren Stadtrundgang fortsetzen, das Wetter ist ja einigermaßen.

    Vom Marktplatz aus machen wir noch einen kleinen Bogen um die Stadtkirche -

    auf den Türmen gab's eine 4 1/2-Zimmerwohnung für den Türmer und seine Familie.
    Der hatte die beste Aussicht über die Stadt und musste Feuer oder herannahende Soldaten melden, ausserdem natürlich die Glocken läuten usw.
    Seit 1921 gab's keinen Türmer mehr, seine Witwe lebte noch bis Mai 1945 allein da oben.

    Um die Stadtkirche herum war früher ein Friedhof, der später vor die Stadt verlegt wurde,
    davon ist noch die Friedhofskapelle übriggeblieben.

    Wir gehen jetzt die Collegienstraße (das ist sozusagen die Hauptstraße) nach Osten,
    die Autos müssten sich durch die parallel leufende Mittelstraße quetschen.

    Hier soll der Doktor Faust, das Vorbild zu Goethes "Faust", gewohnt haben.

    Das alte Universitätsgebäude, in dem zur Blütezeit über 600 Studenten aktiv waren,
    dient heute als Mehrzweckveranstaltungs- und Fortbildungshaus,

    das kleine Haus davor bräuchte ein bissl Farbe und evtl. noch mehr an Zuwendung.

    Östlich der Universität steht das Melachthonhaus, heute Museum.

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