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Wasser für die wasserlose Schwäbische Alb: Das Pumpwerk Teuringshofen

  • nyra
  • 18. Oktober 2016 um 10:25
  • nyra
    Gast
    • 18. Oktober 2016 um 10:25
    • #1

    Die Hochflächen der Schwäbischen Alb gehören zu den regenreichsten Gebieten Deutschlands und zugleich zu den wasserärmsten:
    Alles Wasser verschwindet sofort im Karst und fließt in unterirdischen Höhlen weiter, um irgendwo anders in einer Quelle wieder zum
    Vorschein zu kommen. Die Bewohner der Albdörfer konnten nur das Regenwasser sammeln, das von den Dächern abfloß; außerdem
    hatte jedes Dorf eine "Hüle" oder mehrere. Hülen waren Dorfteiche, die unten durch Lehm abgedichtet waren, so daß das Wasser
    nicht versickern konnte; oft waren es Dolinen mit natürlicher Lehmschicht, aber man hat solche Hülen auch künstlich angelegt.

    Die Qualität des Wassers, das man damit zur Verfügung hatte, kann man sich vorstellen. Typhus und Viehkrankheiten grassierten.
    "Für uns tät's es scho noch, aber 's Vieh saufts nemme" ist ein hierzulande noch heute bekannter Spruch. In regenarmen Zeiten holten
    Bauern, die ein Pferdegespann besaßen, Trinkwasser in Fässern aus dem nächstgelegenen wasserführenden Tal und verkauften
    es an die anderen Dorfbewohner.

    1866 entwarf der Wasserbau-Ingenieur und königlich-württembergische Baurat Karl Ehmann den Plan, Wasser aus den Flußtälern
    auf die Alb hinaufzupumpen. Aber die Albdörfer wollten gar nicht: "Mir häbe des scho immer so g'hett!", und es sei zu teuer, und
    funktionieren würde es sowieso nicht.

    Schließlich war man in drei Dörfern bereit, sich auf die Sache einzulassen. Das erste Pumpwerk wurde in Teuringshofen gebaut (hier)
    und förderte ab 1871 Wasser aus dem Flüßchen Schmiech hinauf zu den Dörfern Justingen, Ingstetten und Hausen.

    Daraufhin wollten nun doch alle Albdörfer mit fließendem Wasser beliefert werden, und die übrigen Werke, die Ehmann geplant hatte,
    wurden innerhalb der nächsten Jahre Jahre gebaut. In den 1920er Jahren bezogen rd. 100.000 Albbewohner ihr Wasser von einem der
    Albwasser-Pumpwerke.

    Das ist das Pumpwerk von Teuringshofen ...


    ... und das Flüßchen, das ihm das Wasser liefert:


    Außen am Pumpwerk:


    Mit "8. Gruppe" ist die Gruppe der Dörfer gemeint, die eine gemeinsame Wasserleitung hatten. Es waren ja von Anfang an eine
    ganze Reihe von Pumpwerken für jeweils mehrere Dörfer geplant, und in diesem Gesamtvorhaben lief Teuringshofen als "8. Gruppe".
    Vorgesehen waren hierfür sechs Dörfer, von denen aber drei nicht zur Beteiligung bereit gewesen waren.


    Am diesjährigen "Tag des offenen Denkmals" habe ich mir das Pumpwerk von innen angeschaut. Im Vorraum hängt noch die Tafel
    mit den "Instructionen für den Maschinen- und Brunnen-Wärter" vom April 1871


    Die Maschinen verstehe ich zwar nicht, aber ich habe sie für euch so gut fotografiert, wie es in der Enge möglich war.


    In dem Raum unterm Dach sind ein paar Geräte und Schriftstücke ausgestellt, die mit dem Werk zu tun haben. Darunter ist auch
    eine Seite aus dem Amtsblatt für den Bezirk Blaubeuren, "Der Blaumann", vom 24. Februar 1871, in der über die "erste technische
    Probe mit dem Albwasserwerk" berichtet wurde.

    Zitat von Der Berichterstatter

    Am 20. d. M. wurde die erste technische Probe mit dem Albwasserwerk der VIII. Gruppe, 1. Abtheilung, glücklich beendigt
    und dadurch den drei Gemeinden Hausen, Ingstetten und Justingen fließendes Wasser in Fülle zugeführt. Der Baumeister
    Herr Baurath Ehmann von Stuttgart selbst war zur Stelle und leitete die Probe. Großer Jubel war in allen Orten, Böllerschüsse
    verkündigten den Freudentag weithin der Nachbarschaft. (...) Mit einemmal ist ihnen klar geworden, was sie nun besitzen und
    seit langer langer Zeit entbehren mußten. Frauen öffnen dem Besucher mit einem gewissen Stolz ihre Küchen, in denen es jetzt
    nur des Drehens eines kleinen Hahnen bedarf, um jeden häuslichen Wasserbedarf sich zu verschaffen. Kinder folgen dem
    Wasserstrahl mit ganz verwunderten Blicken. Aber auch die Bewohner der Stallungen geberden sich als ob sie wüßten, welche
    schwere Noth sie hinter sich haben. Sie kommen ohne alle Scheu an die Tröge und lassen sich den Labetrunk schmecken,
    springen lustig weg und kehren wieder. Kurz, überall ist nur Freude. Das Wasser ist klar und frisch, ohne allen Beigeschmack.

    Alles anzeigen
  • wallbergler
    Gast
    • 18. Oktober 2016 um 17:35
    • #2

    Vielen Dank , liebe Waltraud,

    für den gut recherchierten Hintergrund.

    Man hat zwar auf dem Bild gesehen, dass auch von rechts ein Bach kommt, aber deshalb gleich ein Pumpwerk?

    Andererseits , es waren andere Zeiten.

    Danke nochmal,

    lieben Gruß
    Helmut

  • nyra
    Gast
    • 18. Oktober 2016 um 18:31
    • #3
    Zitat von wallbergler

    ... deshalb gleich ein Pumpwerk?

    Lieber Helmut,

    da ist weit und breit nichts anderes, dem man Wasser hätte entnehmen können. Immerhin ist die Schmiech ein Bach, der das ganze Jahr fließt und brav seine Mündung erreicht, was hier nicht selbstverständlich ist. Denkbar ist aber auch, daß sie vor 150 Jahren mehr Wasser geführt hat. Solche Veränderungen gehen hier schnell. Zum Beispiel kenne ich auf der Alb eine Mühle (jetzt nur noch Museum), deren Gewässer, die Lone, heute nicht mehr der Rede wert ist und dort, wo die Mühle steht, in trockenen Jahren auch mal ganz versiegt ist - aber bis 1928 war sie in Betrieb. Über die Entwicklung der Schmiech finde ich leider keine Informationen.

    Schönen Gruß
    Waltraud

    Einmal editiert, zuletzt von nyra (18. Oktober 2016 um 18:49)

  • Gast001
    Gast
    • 18. Oktober 2016 um 19:03
    • #4

    Danke, Nayra, für diesen interessanten Beitrag - besonders auch für die Zeitdokumente ( sowohl die Zitate als auch die schriftlichen Dokumente)

    Unvorstellbar:

    Zitat von nyra

    "Für uns tät's es scho noch, aber 's Vieh saufts nemme"

    Das mag uns heute etwas verwundern - aber man muss sich nur mal vorstellen, was es bedeuten würde, heute ohne sauberes, trinkbares Wasser zu leben.
    Dann versteht man, welch großartige Leistung die Versorgung der Menschen auf der Schwäbischen Alb mit frischem gesunden Wasser war und ist.

    Es ist für uns einfach selbstverständlich und kaum jemand macht sich Gedanken, welcher Aufwand dahinter steckt, dass wir jederzeit bedenkenlos Wasser aus dem Wasserhahn trinken können.

    Das ist ein Luxus! Wer schon in Ländern war, wo das nicht so ist, der weiß es !

    Viele Grüße,
    Elke

  • nyra
    Gast
    • 18. Oktober 2016 um 19:46
    • #5
    Zitat von ELMA

    Es ist für uns einfach selbstverständlich und kaum jemand macht sich Gedanken, welcher Aufwand dahinter steckt, dass wir jederzeit bedenkenlos Wasser aus dem Wasserhahn trinken können.

    Deshalb hat mir der Zeitungsbericht von 1871 so gefallen: Da kommt noch richtig zum Ausdruck, wie erstaunlich und wundervoll das Wasser aus dem Wasserhahn war.
    Ich hab mir über unser jederzeit verfügbares gesundes Wasser auch nie Gedanken gemacht. Aber hier, wo man in manchen Dörfern noch die Hülen findet (jetzt freilich als hübsch umpflanzte idyllische Dorfteiche), wird man darauf aufmerksam gemacht.

    Gestern begegnete mir ein Zitat, das ich zu diesem Beitrag gerne noch gehabt hätte (aber ich habe es nicht, sondern las es in einem Buch in der Buchhandlung): Es war die Schilderung eines Tübinger Studenten, der Ende des 18. Jahrhunderts mit ein paar Kameraden über die Alb wanderte. Sinngemäß: "Wir baten die Wirtsleute um etwas Wasser, um unseren Wein zu verdünnen, und sie brachten uns eine abscheulich stinkende gelbbraune Brühe. Man hat dort nämlich kein anderes Wasser als das Regenwasser, das von den Strohdächern herabfließt und voller Schmutz und Fäulnis ist."

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