Peru: Von Cuzco zum Titicacasee

Es gibt 8 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von ELMA.

  • Von Cuzco zum Titicacasee


    Nach 12 Tagen abseits von Straßen auf alten Inkapfaden und Maultierwegen vom Hochgebirge bis hinunter in die tropische Region ( siehe Bericht hier )und nachdem wir einen ganzen Tag in Machu Picchu verbracht hatten ( Bericht folgt noch ) , kehrten wir nach Cuzco zurück, um mit dem Zug über das Altiplano zum Titicacasee zu fahren.


    Da wir eine organisierte Reise gebucht hatten, ein deutscher und ein peruanischen Reiseführer sich um alles kümmerten, begaben wir uns mit unserem Gepäck zum Bahnhof in Cuzco, um mit der Andenbahn nach Juliaca zu fahren.


    Unsere Plätze waren reserviert worden, sagte man uns.


    Überraschung: An diesem Tag fuhr die Andenbahn nicht. Warum? Keine Ahnung.


    Es dauerte ca 2 Stunden, dann stand ein Bus für uns da – nicht unbedingt der komfortabelste Überlandbus , aber besser als ein offener LKW, wie ihn die Einheimischen benutzten.


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    Das Gepäck wurde verladen und unsere rund 400km lange Reise begann.


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    Letztlich war es sogar ein Vorteil, dass wir einen Bus hatten: er konnte an interessanten Orten halten und Pause machen, wenn wir es wünschten.


    So konnten wir einen Markt in dem kleinen Andenort Urcos erleben, was mit dem Zug nicht möglich gewesen wäre.
    Gehandelt wurde mit allem, was für den Alltag nötig ist


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    Auch Kokablätter hätte man problemlos kaufen können. Für die Einheimischen ist Koka ein ganz normaler Genussartikel. Es hilft gegen Hunger, Kälte, Müdigkeit, soll auch gegen die Höhenkrankheit helfen.


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    Mit Kalk oder Pflanzenasche zusammen werden die zerkauten Blätter zu kleinen Kugeln geformt und in die Backentasche geschoben, wo sie stundenlang bleiben. Untersuchungen haben gezeigt, dass der Zusatz von Kalk das suchtgefährdende Kokain in einen Stoff umwandelt, dem das Suchtpotenzial fehlt.
    Ich habe es nicht probiert.


    Eine der schönsten Ecken auf dem Markt war der Platz mit den Lamas, festlich geschmückt mit roten Quasten am Ohr.


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    Es war aber nicht ratsam, allzu nahe zu den Tieren zu gehen oder zu versuchen sie anzufassen- ein schnelles „ Pffft“ – und schon hatten sie sich mit Spucken gegen Aufdringlichkeit gewehrt.



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    Eine Runde Chicha- dem fermentierten und selbst gebrauten alkoholischen Getränk aus Mais.


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    Wir stiegen wieder in unseren Bus ein, während es die Einheimischen auf dem offenen LKW weniger bequem hatten.


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    Das war die Bahnlinie, auf der wir eigentlich hätten fahren sollen.


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    Es folgten lange Stunden über eine mit Querrillen und Schlaglöchern versehene, staubige Schotterstraße.


    Das Bodenblech unseres Reisebusses war durchlöchert, so dass wir nach wenigen Stunden über und über mit Staub bedeckt waren.


    Ein Blick unter die Motorhaube zeigte, dass der Deckel des Einfüllstutzens für das Motoröl mit einem alten Lappen zugestopft war, der Kühler musste unterwegs mehrmals aufgefüllt werden – aber der Fahrer schien für jedes Problem eine Lösung zu haben.


    Eine ( nach Plan mit dem Zug eigentlich unvorhergesehene) Pause gab es in Racqui beim Wiracochatempel, einer alten Kultstätte der Inka.
    Sie liegt in rund 3500m Höhe und dürfte früher eine ausgedehnte Siedlung gewesen sein mit Häusern, einem Tempel, Palästen, Speicherräumen und einer Mauer.


    Nur wenig ist davon übriggeblieben.
    Dies waren vermutlich die Mauern des Tempels.


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    Die Landschaft des Altiplano zeigte sich über weite Strecken trocken, braun, nahezu vegetationslos.
    Nicht zu vergessen: es war August, mitten im Winter auf der Südhalbkugel.


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    Nach der Überquerung das 4313m hohen Passes La Raya wurde es dunkel und nach weiteren 5 Stunden gelangten wir sehr spät abends nach Juliaca ( 3835m), nahe am Titicacasee.


    Wir hatten für die knapp 400km 18 Stunden gebraucht.


    Niemand von uns hatte Lust, an diesem Tag noch etwas zu unternehmen.
    Eine Dusche und ein Bett…


    Am nächsten Tag stand ein Ausflug von Puno aus mit dem Motorboot zu den Urus auf dem Titicacasee auf dem Programm.


    Der Titicasee liegt 3810m hoch und ist etwa 15 Mal so groß wie der Bodensee.


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    Die Nachfolger der Uru – Indianer scheinen auch heute noch recht ursprünglich zu leben.
    Auf schwimmenden Schilfinseln haben sie ihre Hütten gebaut, so wie schon seit Jahrhunderten.


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    Ihre Technik, aus Binsen Boote anzufertigen, ist weltberühmt.


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    Sie leben vom Fischfang und natürlich von den Touristen. – Jedes Foto kostete Geld.


    Fische werden in der Sonne getrocknet.


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    Die Frauen fertigen Handarbeiten in leuchtend bunten Farben.


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    Am Nachmittag fuhren wir einige Kilometer weiter nach Sillustani am Umayo – See zu den Chullpas, jenen Begräbnistürmen, die von den Inkas ebenso kunstvoll errichtet wurden wie die Mauern in Cusco, in Pisac usw. Die Kanten der Steine sind haargenau aneinander angepasst. Eine besondere Herausforderung dabei dürfte die Rundung der Türme gewesen sein.


    Erstaunlich bei den ca 12 m hohen Türmen ist, dass die Mauer sich nach oben erweitert – eine statische Meisterleistung.
    Man weiß nicht , wie alt die Türme sind.


    Als die Spanier im 16.Jahrhundert kamen, gab es sie bereits und die Spanier berichteten über die Rituale der Beisetzung der Aymaras, der einheimischen Bevölkerung in dieser Region.


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    Unsere Perureise neigte sich dem Ende zu – wir hatten noch wenige Tage Zeit bis zum Rückflug von Lima nach Frankfurt.


    Dieses Mal klappte es mit dem Zug.


    Von Juliaca fuhren wir hinunter nach Arequipa ( 2300m) Es gab zwar unterwegs eine Fahrtunterbrechung von ca 3 Stunden, weil ein Güterzug auf der Strecke entgleist war- aber der Zug war ( vergleichsweise) komfortabel , die Landschaft abwechslungsreich und wir erreichten nach rund 13 Stunden die Großstadt Areqipa.


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    Über die „weiße“ Stadt Arequipa ein ander Mal.


    ELMA


    P.S.
    Bei den Bildern handelt es sich um gescannte Dias.

  • Wir beneiden dich um deine Erlebnisse, ELMA!


    Anstatt des Zuges hattest du wenigstens einen "Reisebus", in der Hinsicht ist auch für uns nicht nur der Zug abgefahren :lol:. Aber schön ist es, dass du uns an deinen Reisen teilnehmen lässt - wenngleich das Herz doch blutet :sad:.


    Herzliche Grüße von
    Irmgard und Klaus

    Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das Leben will.
    (Albert Schweitzer)

  • Elke herrlicher Bericht.


    Leider werden wir nie in dieses Gebiet kommen, aber so bekommen auch wir eine Vorstellung dieses interessanten Landes.


    LG


    Josef

    Liebe Grüße

    Josef

  • Chapeau, liebe Elke,


    welch verheißungsvoller Einstieg in eine andere, für mich leider nicht mehr zugängige Welt!
    Solche Weltreisen sind einfach unschlagbar. Auch wenn sie gesundheitlich oft nicht mehr möglich sind.
    Allein schon diese sagenhafte Höhe, vergleichbar mit dem letzten Bergrücken auf den Mont Blanc.
    Das muss man sich mal vorstellen. Aber wer wie du am Kilimandscharo und auf dem Ararat war, wusste , dass dies kein Problem darstellt. Hochachtung, kann ich nur sagen.
    Herzlichen Dank für die wunderschöne Bilderreise.
    Vor allem auch auf deine Sicht auf den Machu Picchu bin ich gespannt.
    Natürlich hat man schon ähnliche Reisen im Fernsehen gesehen, aber die Sichtweise aus unserer normalen Betrachtung, also ohne die für Fernsehredakteure oft machbaren Besonderheiten (Nachhilfen) sind so interessant.
    Und wer je dies erlebt hat, man hat schon öfters davon gehört, wundert sich, dass man sich über 5 Minuten Verspätung bei der S-oder U-Bahn aufregt. Lach.
    Solche Berichte ergeben unzählige Vergleichsmöglichkeiten, die uns sehr zufrieden stimmen sollten und sollen.
    Für all diese besonderen Eindrücke nochmal vielen Dank.
    Liebe Grüße
    Helmut

    Wer nichts weiß, muss alles glauben.
    Marie von Ebner-Eschenbach

  • Wer eine Reise macht, kann etwas erzählen.


    Deine Reise war allerdings etwas besonderes und darüber wirst Du ein leben lang berichten können. Der Film der Reise wird dauerhaft für eine erlebnisreiche Tour durch eine für uns weniger vorstellbare Region haften bleiben. Du hast das Leben der Einheimischen schön getroffen und uns dargebracht.
    Von der Bautechnik mit Binsen für Boote und Behausungen hatte ich auch schon gehört und gelesen, aber in Deinem Beitrag bleiben sie dauerhaft sichtbar.


    Es ist sicherlich im ersten Moment lästig wenn die Reisemittel nicht wie angedacht zur Verfügung stehen, aber letztlich war es doch eine Erfahrung mit zusätzlichen Eindrücken, die Du sonst nicht hättest mitnehmen können.


    Danke für Die Mühen Deiner Aufbereitung einer nicht auf digitalen Bildern beruhenden Reise. Super gemacht.

    [COLOR="#0000CD"]Entdecke die Welt, wie einst Captain Cook, Baedeker oder Marco Polo[/COLOR]


    Carpe Diem Annette und Hartmut


    [COLOR="#008080"]Wissen schafft Wissen - jeden Tag entsteht neues Wissen![/COLOR]

  • Danke für Eure anerkennenden Postings!
    Freilich , Helmut, muss man solche Reisen dann machen, wenn gesundheitlich alles zu 150% ok ist - und ich wünsche allen, dass sie so etwas in "jüngeren Jahren" machen können ( Unser ältester Reiseteilnehmer war 62 - also , was heißt schon "jung":wink:


    Mit dem Bericht über Machu Picchu wird es noch ein Weilchen dauern- ich muss erst mein Reisetagebuch ( unterwegs in kaum lesbarer Schrift :wink: geschrieben) nochmals entziffern und mir einzelne Erlebnisse ins Gedächtnis rufen.


    Gruß,
    ELMA


  • Freilich , Helmut, muss man solche Reisen dann machen, wenn gesundheitlich alles zu 150% ok ist - und ich wünsche allen, dass sie so etwas in "jüngeren Jahren" machen können ( Unser ältester Reiseteilnehmer war 62 - also , was heißt schon "jung":wink:

    Hallo Elke,

    ein toller Bericht - auch wenn es den Hinweis gibt, dass er womöglich veraltet ist, weil dessen Erstellung mehr als 1.000 Tag zurück liegt. Es gibt halt Beiträge die sind immer aktuell. Deine zählen oft dazu.


    Ich werde auch schon im 62. sein, wenn wir im Februar Peru besuchen.

    Im Moment beschäftige ich mich in der Vorbereitung der Anden-Rundreise auch mit der grundsätzlichen Frage, ob die Höhe oder besser der schnelle Wechsel der Höhenlage eine Herausforderung für mich sein wird. Und ob ich mich darauf vorbereiten kann.

    Wir starten ja auch in Lima und das liegt am Meer - und landen knapp 1,5 Stunden später in Cuzco - 3.416m, wo wir auch gleich unsere erste Nacht verbringen werden. Wir passieren in dieser Woche Höhen über 4.300 m.


    Wie hast du das erlebt? Und hast du dich in irgendeiner Form darauf vorbereitet? Und vor Ort. Worauf hast du geachtet?

    Vielleicht hat ja auch ein/e andere/r in unserer Community Erfahrungen / Tipps.

    Liebe Grüße

    Michael

  • Michael- auf Höhe kann man sich nicht vorbereiten, außer durch langsames Akklimatisieren vor Ort. ( Vorausgesetzt man ist gesund)

    Mir fielen die ersten Tage in Cuzco schwer. Wir sind schon am 2. Tag nach der Ankunft in Lima hinauf nach Cuzco geflogen.

    Ich erinnere mich an Übelkeit und vor allem an unangenehme Kopfschmerzen, die erst während unserer Wanderung nach ca 5 Tagen langsam vergingen.

    Danach ging es mir immer gut, auch später auf dem La Raya Pass und am Titicacaasee.

    Ich habe viel getrunken ( keinen Alkohol ) und Kopfschmerztabletten genommen ( ich nehme sonst keine Medikamente und da haben Aspirin ausgereicht. Das solltest Du jedoch mit Deinem Arzt abstimmen)

    Ich habe ja schon etliche Erfahrungen mit Höhen (4 Wochen Zanskar mit 10 Pässen zwischen 4000 m und 5050m , später am Ararat mit 5165m.)

    Ich hatte nie ernsthafte gesundheitliche Probleme.

    Aber jeder ist anders.

    Du musst auf jeden Fall damit rechnen, dass Du weniger belastbar bist und vielleicht auch mal eine Pause einlegen musst, wenn andere noch den einen oder anderen Programmpunkt absolvieren.

    ( Einheimische kauen Cocablätter... das soll helfen, wird auch auf Märkten angeboten. Das habe ich nicht probiert)


    Viel Freude bei der Vorbereitung der Reise!


    Liebe Grüße,

    Elke

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