Eggegebirge im südlichen Teutoburger Wald

Es gibt 14 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von vadda.

  • Seit Tagen geht mir dieser “Hit” (oder auch Volkslied genannt) nicht mehr aus dem Kopf:


    Als die Römer frech geworden
    simserim simsim simsim
    Zogen sie nach Deutschlands Norden
    simserim simsim simsim
    vorne mit Trompetenschall
    Terätätätäterä
    ritt der Generalfeldmarschall,
    Terätätätäterä
    Herr Quintilius Varus
    Wau, wau, wau, wau, wau
    Herr Quinqtilius Varus
    Schnäde räng täng, Schnäde räng täng
    Schnäde räng täng, de räng täng täng


    Es lag wohl daran, dass uns unsere Tour heute in den Teutoburger Wald führen würde - auf die Spuren des Cheruskerfürsten Hermann und des römischen Statthalters Quinqtilius Varus, die hier ihre Schlacht führten.


    Wir führten keine Schlacht, sondern versuchten uns heute in Völkerverständigung indem wir den Vielländerpark, genannt Silvatikum in Bad Meinberg am späten Nachmittag bei Einbruch der Dämmerung besuchten.






    Viele Länder auf mehreren Kontinenten haben wir „botanisch besucht“:










    Natürlich durfte dieses „Land“ auch nicht fehlen.











    Es war hier wohl auch ein Scherzbold am Werk, der die Beschilderunge mancher Bäume vertauscht hatte, ein Laubbaum wurde auch schon mal als Schwarzkiefer bezeichnet (grins, das kann selbst ich unterscheiden).






    Morgen werden wir das Volkslied fortsetzten, dann wollen wir durch das Moor zu dem alten Naturdenkmal mit der mystischen Aura wandern, den Externsteinen.


    Fortsetzung aus dem Lipperland folgt,
    Irmgard und Klaus

    Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das Leben will.
    (Albert Schweitzer)

  • Jetzt kann ich dem armen Quinqtilius und seinen Mannen nachempfinden, was sie alles durchmachen mussten.


    Nach knapp 5-stündiger strammer Wanderung über weit mehr als 20 km (ohne Bier und ohne auch nur einmal gesessen zu haben, obwohl ich unterwegs die Malzdarre, die im 18. Und 19. Jh. vom Hornschen Brauamt genutzt wurde, abgelichtet habe) schreibe ich nun den heutigen Tagesbericht.






    In dem Teutoburger Walde,
    Huh! Wie piff der Wind so kalte,
    Raben flogen durch die Luft,
    Und es war ein Moderduft,
    Wie von Blut und Leichen.






    O Quintili, armer Feldherr,
    Dachtest du, daß so die Welt wär'?
    Er geriet in einen Sumpf,
    Verlor zwei Stiefel und einen Strumpf
    Und blieb elend stecken.










    Durch das Moorgebiet erreichten wir den Hermannsweg, der Teil des Europawanderwegs E1 von Schweden bis Italien ist.






    Einige Hinterlassenschaften der Römer haben wir entdeckt (die hatten wohl schon damals Dosenfisch).






    Plötzlich aus des Waldes Dusterine
    Brachen kampfhaft die Cherusker,
    Mit Gott für Fürst und Vaterland
    Stürzten sie sich wutentbrannt
    Auf die Legionen.


    Bei den grauseligen Gestalten hier im Wald kann man sich das sicherlich vorstellen.












    Weh, das ward ein großes Morden,
    Sie schlugen die Kohorten…






    Dabei ist es doch so romantisch hier…










    …wobei, Bergziegen haben es auch am Berg mal schwer…






    …werden dann aber mit einem Blick über das Lipperland belohnt.






    Zwischendurch hatten wir einen Wohnmobilstellplatz entdeckt, nur wenige Kilometer von unserem Ziel, den Externsteinen entfernt. Es war wohl ein Clubtreffen von alleinreisenden Frauen, denn Männer waren nicht zu sehen. Die weit über 30 Wohnmobile schienen auch gut geheizt zu sein, was wir an der
    leichten Bekleidung der Damen erkennen konnten. Irmgard hat mich schnell weitergezogen!?!


    Und dann war sie plötzlich vor uns, diese mittelalterliche, sakrale Stätte inmitten bizarrer Sandsteinfelsen.






    Im Zuge der Gebirgsbildung vor rd. 70 Millionen Jahren wurde der Sandstein senkrecht aufgepresst. Diese monumentale Felsengruppe ist eines der bemerkenswertesten Natur- und Kulturdenkmäler Mitteleuropas und wirft auch heute noch viele Fragen auf.






    Im 14./15. Jh., im späten Mittelalter lebten hier Einsiedler in der Grottenanlage.






    Alter und ursprüngliche Funktion der Anlagen sind bis heute nicht geklärt. War es ein heidnisches Heiligtum aus keltischer oder germanischer Zeit, das in eine christliche Stätte umgewandelt wurde?






    Das Relief der Kreuzabnahme Christi datiert aus dem 12. Jh.






    Ein letzter Blick auf die Externsteine…





    … bevor wir den für mich mühevollen Rückweg zum Womo antraten.








    Geschafft, aber glücklich - das ist unser Zustand. Morgen soll es weitergehen mit Hermann und unseren Römern, denn schließlich gibt es hier ein großes Denkmal zu bestaunen.


    Es grüssen herzlich
    Irmgard und Klaus

    Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das Leben will.
    (Albert Schweitzer)

  • Eigentlich wollte ich die Fortsetzungen Deines Berichtes nicht unterbrechen - aber ich muss es tun:
    Jeder Klick - eine Überraschung!
    Ich bin begeistert von Deinem Bericht (und natürlich auch wieder mal von Deinen treffend ausgewählten Bildern. - Da sag einer, man könne nur bei Sonnenschein schöne Fotos machen! Auf den Blickwinkel kommt es an!!)


    Ich wünsche Euch eine erholsame Nacht im Womo und freue mich schon auf die Fortsetzung!


    Gruß,
    Elke

  • Was soll ich da noch schreiben/sagen.


    Einfach nur Genial.

    Liebe Grüße :auto3:


    Es geht nicht darum , dem Leben mehr Tage zu geben ,

    sondern den Tagen mehr Leben.

    Cicely Saunders


    -"Dieter

  • Als das Morden war zu Ende,
    rieb Fürst Hermann sich die Hände,
    und um seinen Sieg zu weih´n,
    lud er die Cherusker ein
    zu 'nem großen Frühstück.


    Wild gab´s und westfäl´schen Schinken
    Bier, soviel sie wollten trinken
    Auch im Zechen blieb er Held
    Doch auch seine Frau Thusneld
    soff walküremäßig
    (soff als wie ein Hausknecht)


    So zwei weitere Strophen dieses Volksliedes.


    Nachdem ich gestern den kleinen Finger gereicht hatte, nahm Irmgard heute die ganze Hand. Zwei Nächte in Horn-Bad Meinberg reichten für Zigeuner, ein neuer Stellplatz musste gesucht werden. Auf dem Weg hierher nach Bad Salzuflen besuchten wir das Hermannsdenkmal. Parken musste ich auf Bergzieges Anweisung im Tal, um von dort aus per Pedes den Berg zu erklimmen.


    Wieder ging es auf dem mit einem „H“ gekennzeichneten Hermannsweg bergauf (hier am eigenartigen Stamm einer Fichte).





    Zu Pilzen komme ich später noch…





    …das Ziel lag vor uns.





    Und zu Ehren der Geschichten
    tat ein Denkmal man errichten,
    Deutschlands Kraft und Einigkeit
    kündet es jetzt weit und breit:
    "Mögen sie nur kommen!"


    Endlich nach so vielen Mühen
    ist von Bandels Werk gediehen
    Hermann ist jetzt aufgestellt
    zusammen kommt die ganz Welt
    in dem lippschen Reiche.


    Das Hermannsdenkmal, erbaut in den Jahren 1838 - 1875 durch den Ansbacher Ernst von Brandel. Mit einer Gesamthöhe von 53,46 m (das Schwert ist alleine 7 m lang) trohnt das Denkmal weithin sichtbar auf dem Berg.





    Drohend blickt Hermann Richtung Südwesten, dem Römischen Reich und Frankreich.





    Natürlich haben wir den Unterbau des Denkmales auch bestiegen, wo sich ein Blick über das Lipperland ermöglicht (wenn es denn nicht so diesig wäre).





    Ein Blick zum Himmel zeigt aber auch Wolkenlücken.





    Wem ist dieses Lied gelungen?
    Ein Studente hat´s gesungen
    in Westfalen trank er viel
    drum aus Nationalgefühl
    hat er´s angefertigt.


    Auf unserem Rückweg habe ich dann noch diese Pilze entdeckt…








    …wenige Meter weiter noch dieses Prachtexemplar.





    Diese Art Pilze hatten wir noch nie gesehen, kennt die jemand?


    Das soll es jetzt gewesen sein mit unserer Berichterstattung aus dem Teutoburger Wald. Bilder des morgigen Tages, den wir in der Sauna hier in der Therme verbringen, möchte ich euch ersparen.


    Herzliche Grüße aus dem Lipperland,
    Irmgard und Klaus


    PS: unser „ehemalige Ostwestfale Hartmut“ wird hoffentlich noch einiges am Bericht ergänzen können.


    PPS: Das Lied mit allen Strophen findet ihr im Volksliederarchiv

    Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das Leben will.
    (Albert Schweitzer)

  • Klasse Vadda,


    eine Reise für mich ins Unbekannte Fleckchen Natur, unterlegt mit geschichtsträchtigen Motiven
    und passender Lyrik.


    Also dieses Forum birgt ja weiterhin aller Hand Überraschungen. Ein gelungener Bericht nach dem Anderen.
    Ist wohl auch auf das Forumswetter , also die jetzige staade Zeit , in der man sich ausgedehnt damit befassen und genießen kann, zurück zu führen.


    Schon jetzt mal ganz herzlichen Dank für deine aufwändige Berichterstattung.
    Und wie du die Dinge siehst.
    Auch wenn du zwischenzeitlich umkommst vor Durst und malträtiert wirst mit ausgedehnten Wanderwegen, hihi.
    Vielen Dank
    wallbergler

    Wer nichts weiß, muss alles glauben.
    Marie von Ebner-Eschenbach


  • Ist das das Motto für Euren letzen Tag in Sauna und Therme?


    Viel Spaß und gute Erholung nach all den Strapazen!
    Es ist schon bewundernswert, was Ihr aus diesen 3 Tagen alles "gemacht" habt.


    Danke für's "Teilhaben- lassen"


    Spontan erinnert mich der Pilz an einen Bovist- aber ich muss erst mal nachschauen.


    Gruß,
    Elke

  • Spontan erinnert mich der Pilz an einen Bovist- aber ich muss erst mal nachschauen.


    Beiden Pilzen handelt es sich wohl um "Erdsterne". Die ersten Fotos anscheinend der "Halskrausenn-Erdstern" und das letzte Foto der "Gewimperte Erdstern": Erdsterne


    Herzliche Grüße,
    Irmgard und Klaus

    Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das Leben will.
    (Albert Schweitzer)

  • Da hast Du wohl Recht, Klaus.
    Danke für den Link
    Hab so was noch nie gesehen - obwohl der Pilz anscheinend nicht selten vorkommen soll.


    Schön anzuschauen ist er!


    Gruß,
    ELMA

  • Guter Bericht! Ich war selbst auch schon mal dort und deine Erzählungen und Bilder treffen die Gegend wirklich! Mir hat es dort gut gefallen! Besonders genossen hab ich die Tage in der Therme. Das ganze Programm hab ich über https://www.wellnessium.de gebucht, die machen solche Reisen immer sehr schön!

  • Hallo Irmgard und Klaus,


    ich habe euren Bericht mal hervorgeholt. Er hat mir sehr gut gefallen. :1f642:


    Mein Mann und ich unternehmen mittlerweile jedes Jahr einen 3tägigen Ausflug mit weiteren Freunden in die nähere Umgebung. Früher war das nur alle paar Jahre, aber da wir alle in die "Jahre" gekommen und schon zwei verstorben sind, wollen wir das jetzt jedes Jahr machen, so lange wir noch können. :1f609:


    2009 waren wir in Detmold und Umgebung und 2014 auch an den Externsteinen.


    Wenn ich darf, dann möchte ich mich gerne mit ein paar Fotos/Collagen hier anhängen. Ein eigenes Thema möchte ich dafür nicht eröffnen.


    Zum Hermannsdenkmal:




    Zu den Externsteinen:





    Das nur ein paar Impressionen vom Hermannsdenkmal und den Externsteinen.


    Liebe Grüße,
    Angi

  • Heranzoomen um den kleinen Hermännchen zu sehen :roll::roll::fif:

    Liebe Grüße :auto3:


    Es geht nicht darum , dem Leben mehr Tage zu geben ,

    sondern den Tagen mehr Leben.

    Cicely Saunders


    -"Dieter


  • Es scheint , als hättet Ihr Euch bei dem Hermann eine ähnliche Frage gestellt, wie manche es bei den Schotten tun :wink:



    Liebe Grüße,
    Elke

  • Zu den Risiken und Nebenwirkungen eines Besuches des Hermannsdenkmales zählt, dass schwere Fälle von Nackenstarre beim Versuch, die Inschrift auf dem
    Schwert zu entziffern oder einen genaueren Blick unter den Rock von "Herman the German" zu erhaschen, zu erwarten sind.


    Warnenden Gruß,
    Klaus

    Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das Leben will.
    (Albert Schweitzer)

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