Wallis: SIMPLON-PASSSTRASSE > Fahrt auf der Simplon-Route vom Lago Maggiore nach Brig

Es gibt 3 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Hartmut.

  • Während unserer 5-tägigen Busreise Glacier Express & Lago Maggiore mit Leitner-Reisen wechselten wir nach 3 Nächten in Premeno (ca. 700 m ü. M.) oberhalb des Lago Maggiore das Quartier.


    Mit dem Bus stand die Fahrt über einen Pass nach Brig im Wallis an um dort gegen 11:40 Uhr den Glacier Express zu besteigen. Erwartungsvoll packte ich auf Höhe des Lago Maggiore (ca. 195 m ü. M.) bereits meine Kamera aus um bei der Fahrt über den Simplon-Pass Fotomotive einfangen zu können.


    Vom Lago Maggiore ging es erst einmal entlang dem Fluss Fiume Toce durch das Bergtal an Domodóssola vorbei.


    Würde uns auf der Schweizer Seite jenseits des Simplon-Pass auch ein sonniges Wetter erwarten? Für die bevorstehende Zugfahrt konnte es nicht mehr schöner werden.



    Kurz vor einer Tunneleinfahrt bei Crevoladóssola warfen wir einen Blick in Richtung Steinbrüche.


    Nach dieser Tunneldurchfahrt ging die Fahrt im Tal „Val Divedro“ entlang dem Torrente Diveria weiter und wir fuhren an der letzten etwas größeren Ortschaft Varzo im Piemonte vorbei.


    Kurz vor der Grenze zur Schweiz erblickte ich noch dieses geschichtsträchtige Hauswandmotiv in Iselle.


    Iselle ist der italienische Grenzort an der Simplon-Route.

    Im XVII. Jh. transportierte der Briger Kaufmann Kaspar Jodok von Stockalper mit Tragetieren Salz vom Mittelmeer durch das enge Gondotal über den Simplon.
    Außerdem besaß er eine Lizenz zum Betrieb der Goldminen bei Gondo.
    Heutzutage kann man auf dem „kulturhistorischen Stockalperweg / ehemaliger Saumweg“ 35 km von Brig nach Gondo wandern.
    Es gibt auch zwei Museen entlang der Route.
    • Alte Hospiz und Alter Gasthof in Simplon-Dorf


    Napoleon ordnete den Ausbau der Salzroute zu einer befahrbaren Straße für militärisch strategische Zwecke im September 1800 an.
    Als erste Hochgebirgspassstraße entstand die Kaiserstraße in fünfjähriger Bauzeit.
    Seit 1805 wurde die Post über den Simplon transportiert.
    1808 überquerten die ersten Postkutschen den Simplonpass und in Iselle befand sich eine Pferdewechselstation sowie eine Herberge für Reisende.


    Ab 1888 war Iselle auch das Zentrum während des Baus des Eisenbahntunnels durch den Simplon, der mit 19,8 km Länge mal der längste Tunnel der Erde war.
    1906 wurde der Eisenbahntunnel eröffnet.


    Erst in den 70er-80er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde die Straße mit Schutzgalerien und Brücken winterfest ausgebaut.


    Unter anderem steht das Hochmoor auf Passhöhe rund um den Simplon-Hopschusee unter Naturschutz.


    Zwischen Brig und Domodóssola verkehren Postautobusse,

    die 35 Haltestellen bedienen.



    Kleiner Wasserfall auf italienischer Seite zwischen Iselle und Grenzort Gondo


    Nach der Grenze (855 m ü. M.) fuhren wir durch die enge Gondoschlucht aufwärts.



    Auf der Höhe von 1.472 m ü. M. passierten wir den Ort Simplon.



    Und etwas weiter liegt auf 1588 m ü. M. der Ort Simplon-Dorf „Egga“.



    Mit der Zeit näherten wir uns der Passhöhe.


    Als wir das Alte Spital (Hospiz) erblickten, stellten wir fest, dass das Schweizer Militär hier ein Manöver durchführte.



    Kurz danach erreichten wir den Parkplatz auf einer Passhöhe von 2005 m ü. M. und
    bekamen 20 Minuten Pause zum Beine vertreten oder einem WC-Besuch.


    Impressionen auf Passhöhe

    Blick zurück auf die Passstraße von Italien kommend




    Restaurant Monte Leone – benannt nach dem Berg Monte Leone



    Teich hinter dem Restaurant Monte Leone – Blick in Richtung Brig



    Kriegsdenkmal entstanden während dem 2. Weltkrieg – Simplonwächter siehe 0578 Reiserätsel


    Der 8 m hohe Simplonwächter wurde nach Plänen des Architekten Erwin Baumann von Faulensee erbaut.
    Die 11. Gebirgsbrigade errichtete ihn während der Grenzwache im 2. Weltkrieg aus Granitstein.



    Nach der etwas länger dauernden Pause setzten wir unsere Fahrt zum Briger Vorplatzbahnhof fort.



    Schutzgalerien der Simplon-Passstraße




    Die längste Spannbrücke „Ganterbrücke“ der Schweiz überspannt das Tal des Flusses Ganter in 1450 m Höhe.

    Die Seile sind durch die schrägen Betonkanäle geschützt.




    Wir blickten während der Passfahrt gegen 10:35 Uhr erstmals nach Brig hinunter



    und warfen auch mal einen Blick zurück.


    Wir erreichten früh genug Brig (681 m ü. M.)


    In der Bildmitte erkannt man an den drei eckigen Türmen den ehemaligen Palast der Kaufmannsfamilie von Stockalper.
    Heutzutage ist es das Rathaus.


    und hatten noch etwa eine halbe Stunde Zeit bis zur Abfahrt des Glacier Express.

    Bahnhofsgebäude in Brig



    Reiserätsel 0579: Vorplatzbahnhof für den Glacier Express und die matterhorn gotthard bahn



    Nach der anschließenden Zugfahrt mit dem Glacier Express via Chur nach Sankt Moritz erwartete uns eine weitere Passfahrt über den Julierpass.


    Fotos: HMV2009

    [COLOR="#0000CD"]Entdecke die Welt, wie einst Captain Cook, Baedeker oder Marco Polo[/COLOR]


    Carpe Diem Annette und Hartmut


    [COLOR="#008080"]Wissen schafft Wissen - jeden Tag entsteht neues Wissen![/COLOR]

  • Hallo Hartmut,


    dieser Bericht ist eine sehenswerte Ergänzung zum Reiserätsel und meinen Ausführungen über den Simplonpass dazu.


    Wie ich sehe, seid ihr ja fast vom unteren Ende nach Domodossola herauf gefahren, während ich damals von Locarno über das Cento Valli den Ort streifte.
    Die Weiterfahrt nach und über den Pass ruft natürlich wieder herrliche Erinnerungen auf, wobei ich ersehen konnte, dass die Lawinenbebauungen enorm verstärkt wurden.
    Offensichtlich wurde auch die Gondobrücke wieder saniert. Und die schlimme Muhre, die seinerzeit fast den ganzen Ort Gondo ausgelöscht hat, ist mir noch in Erinnerung von Fernsehberichten.
    Man kennt das ja, wenn mal vor Ort war, ist man eben für solche Berichte sensibilisiert.
    Am schönsten war wohl, dass du auch so ein herrliches Wetter hattest, was uns jetzt durch schöne Fotos zu Gute kommt.
    Die gewaltigen Bergriesen weckten seinerzeit in mir die Neugierde nach der Berner Gletscherriesenregion, die ich dann weitgehend später bereisen konnte.
    Danke Hartmut für den Bericht
    Helmut

    Wer nichts weiß, muss alles glauben.
    Marie von Ebner-Eschenbach

  • Dein Bildbericht vermittelt virtuellen Reisegenuss, interessante Informationen, aber sie regen bei mir auch stark die Phantasie an!


    Wenn ich auf Deinen Bilder diese gut ausgebaute Straße in dieser großartigen Landschaft sehe und lese, dass diese Route schon jahrhundertelang begangen wird, so muss ich mir vorstellen, wie das damals wohl war:
    Mit Mauleseln, ohne entsprechende Ausrüstung - eine tagelange Schinderei, immer vielen Gefahren ausgesetzt. Was waren das damals für Menschen?


    Das Bild vom alten Hospiz, das wie eine Trutzburg heute vermutlich nutzlos mitten in der Landschaft steht ( ein schönes Bild, Hartmut :up:), lässt doch noch etwas erahnen, welche Erleichterung die Menschen damals vermutlich empfunden haben, wenn sie nach Schneesturm, Nebel, Anstrengungen dieses mächtige Schutzgebäude vor sich auftauchen sahen.


    Und heute überquert man den Pass im gut geheizten Panorambus so geschwind mal in wenigen Stunden und steigt auf der Passhöhe nur kurz mal aus , um ein paar Dinge zu "erledigen" ;)


    Danke für diesen Beitrag, Hartmut!


    Gruß,
    ELMA

  • Wenn ich auf Deinen Bilder diese gut ausgebaute Straße in dieser großartigen Landschaft sehe und lese, dass diese Route schon jahrhundertelang begangen wird, so muss ich mir vorstellen, wie das damals wohl war:
    Mit Mauleseln, ohne entsprechende Ausrüstung - eine tagelange Schinderei, immer vielen Gefahren ausgesetzt. Was waren das damals für Menschen?


    Das Bild vom alten Hospiz, das wie eine Trutzburg heute vermutlich nutzlos mitten in der Landschaft steht ( ein schönes Bild, Hartmut :up:), lässt doch noch etwas erahnen, welche Erleichterung die Menschen damals vermutlich empfunden haben, wenn sie nach Schneesturm, Nebel, Anstrengungen dieses mächtige Schutzgebäude vor sich auftauchen sahen.


    Ähnliche Gedanken hatte ich auch schon bei der Erstellung dieses Reiseberichts.


    Heutzutage überquert man in gut einer Stunde die Passstraße.
    09:03 Uhr in CREVOLADOSSOLA


    Wir hatten am Pass etwas mehr als 30 Minuten Aufenthalt.


    10:43 Uhr in BRIG


    Früher mit Mauleseln auf der Salzroute bzw. von der Goldminen im Gondotal waren es erschwerliche Routen, die man sich heutzutage in der motorisierten Welt kaum noch vorstellen kann.


    Heutzutage genießt man dabei noch den Ausblick. Früher hatte man beim schweißtreibenden Transport keine Zeit den Ausblick zu genießen.


    Offensichtlich wurde auch die Gondobrücke wieder saniert. Und die schlimme Muhre, die seinerzeit fast den ganzen Ort Gondo ausgelöscht hat, ist mir noch in Erinnerung von Fernsehberichten.


    Es ist schon beeindruckend die Schutzbauwerke der Straßengalerie zu sehen. Aber nur dadurch ist es machbar die Route das ganze Jahr über möglichst gefahrenfrei zu passieren.



    @ ELMA und wallbergler
    Danke für Eure tiefergehende Resonanz

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    Carpe Diem Annette und Hartmut


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