Ich spreche bewußt nicht von einer Wanderung weil eine solche eigentlich auch mit Spaß verbunden ist. Das Steinmandl mit 1909 Meter Höhe östlich von Stanzach im Lechtal gelegen ist wohl nicht umsonst ein Berg den kaum jemand bezwingen will. Genau das war der Grund warum ich mir diesen Berg bereits im Vorjahr als Ziel ausgesucht habe. Vorgestern war es dann so weit, dass ich mit meinem Freund Klaus mein Vorhaben in die Tat umsetzen konnte.
Warum ist dieser Berg nicht sonderlich beliebt? Das liegt zum einen daran, daß man als Nicht-Kletterer nur auf einem kaum markierten Pfad zum Gipfel kommt und exakt den selben Weg auch wieder hinunter laufen muß. Am Weg gibt es nicht einmal eine Quelle oder einen Bach um Wasser nachzufüllen. Nicht zuletzt geht es ständig mit mehr als 30 Prozent Steigung über etwa 700 Höhenmeter nach oben. Einen Ausblick hat man auch erst kurz unterhalb des Gipfels.
Wir sind über das Lechtal bei Stanzach ins Namlostal abgebogen und konnten das Auto nach ein paar Kilometer rechts abstellen. Der alte Wegweiser ist ein Vorgeschmack auf dieses Ende der Welt.
Das sind glaublich die einzigen paar Meter wo es nicht steil nach oben geht. Ansonsten so steil, daß wir immer wieder mal zum Verschnaufen pausieren mußten.
Der Weg ist oft nur schwer zu erkennen. Vor langer Zeit wurden Bäume oder weiter oben Latschen mit roten Punkten markiert die fast verblasst sind.
Das ist das Namlostal. Irgendwo dort unten steht mein Auto.
Der Schweiß rinnt uns nicht nur von der Stirn. Ab und zu legen wir Trinkpausen ein.
Der Wald lichtet sich und so hat man mit der Zeit doch eine bessere Sicht.
Das Lechtal zwischen Stanzach und Forchach.
Noch weiter oben rückt Stanzach ins Blickfeld.
Klaus hat eine schlaue App auf dem Handy die uns nicht nur die Höhenmeter, sondern auch die zurückgelegte Strecke und vieles mehr anzeigt was wir eigentlich gar nicht wissen wollen.
Kurz unterhalb des Gipfel wird es noch etwas schwierig. Teilweise müssen wir auf losem Untergrund auch die Hände zuhilfe nehmen. Nun sind die Stöcke hinderlich.
Nach zweieinviertel Stunden sind wir schließlich am Dollfußkreuz angekommen. Das ist nicht schlecht, stand doch unten ein Zeitansatz von drei Stunden. Das Kreuz wurde das erste mal 1934 unmittelbar nach der Ermordung des Bundeskanzlers Engelbert Dollfuß aufgestellt um an den zu erinnern.
Beim Gipfelbuch befindet sich die Geschichte des Kreuzes welches in der aktuellen Version aus Aluminium bereits das dritte hier oben ist. Die anderen aus Lärchenholz hielten die Stürme nur ein paar Jahrzehnte stand.
Das Kreuz ist mit vier Drahtseilen abgespannt. Anscheinend bläst der Wind dort gelegentlich ziemlich heftig. Die viereckigen Balken sind der Rest eines alten Gipfelkreuzes.
Der Ausblick ist natürlich an so einem Tag toll. Das ist das Hornbachtal. In der Bildmitte erkennt man den Hochvogel. Die Berge gehören zu den Allgäuer Alpen wohingegen die auf der anderen Seite des Lechs zu den Lechtaler Alpen zählen.
Hinter Stanzach ist sehr gut zu sehen wieviel Platz der Lech hat um sich bei Bedarf in die Breite auszudehnen.
Diese Berge um den Elmer Muttekopf sind nichts für uns. Da sollten nur Profis hinaufsteigen.
Selbst der Weg auf das Steinmandl ist nicht als offizieller Wanderweg gekennzeichnet. Wer von hier oben weiter will kann das mit dem entsprechenden Können und der passenden Ausrüstung machen.
Vom südlichen Lechtal sehen wir nur ein kleines Stück.
Nach einer Stunde Rast und einer Brotzeit machen wir uns auf den Rückweg ins Namlostal.
Wir müssen zwar immer noch darauf achten wo wir hintreten, schwitzen jetzt allerdings nicht mehr so stark. Deshalb fällt uns auch so manches Blümlein am Weg auf.
Nach eindreiviertel Stunden sind wir am Ausgangspunkt angekommen. Ins Gipfelbuch haben wir uns natürlich auch eingetragen.
Am Beginn des Weges fand ich bereits beim Aufstieg noch einen Autoschlüssel. Der passte auch am einzigen Pkw der an diesem kleinen Parkplatz abgestellt war. Ich klemmte den Schlüssel unter den Scheibenwischer weil ich nicht wußte, ob wir am Weg dem Fahrzeugeigner begegnen. Tatsächlich trafen wir den Herrn aus Füssen jedoch an und erklärten ihm wo er seinen verlorenen Schlüssel wiederfindet. Zum Dank fand ich dann einen Zettel mit einem 10 Euro Schein an meinem Scheibenwischer und dem Hinweis, daß wir uns dafür zwei Bier gönnen sollten. Eine nette Geste wie sie nicht alltäglich ist.
Und dann fanden wir am Rückweg auch noch dieses verlorene Schild.
Der Spar Laden in Stanzach hatte zwei kalte Bier für uns und ich kannte diese Stelle am Fluß.
Von dort hat man einen Blick auf unser Steinmandl und so konnten wir den Flüssigkeitsverlust gut ausgleichen.
An so einem Traumtag ging es anschließend mit geöffnetem Verdeck im Cabrio durch den Außerfern und das Ostallgäu nachhause.
jürgen