Vor ein paar Tagen sind wir auf das 1410 Meter hohe Renkknie gewandert. Ausgangspunkt war ein Parkplatz vor Sibratsgfäll.
Der Ort ist nur über eine öffentliche Straße von Hittisau im Bregenzer Wald erreichbar.
Ein Parkplatz am Straßenrand im schattigen Wald ist generell von Vorteil. Links geht es durch den Wald auf dem sogenannten Sausteig nach oben.
An diesem Tag hatte es immerhin knapp 30 Grad und so sind wir dankbar für den meist schattigen Weg.
Fast alles ist verboten!
Sibratsgfäll
Erst das letzte Stück müssen wir über eine abgegraste Weide gehen.
Dann haben wir die 500 Höhenmeter überwunden.
Wir bleiben eine Stunde, genießen das gekühlt mitgebrachte Bier, die Brotzeit und die Aussicht. Der Gipfel gehört uns heute ganz alleine.
Balderschwang am Riedbergpass. Wir blicken ins Allgäu.
Die Allgäuer Alpen - dahinter liegt das Kleinwalsertal welches zu Vorarlberg gehört.
Dort unten befindet sich der Rohrmoossattel, ein Pass der für den motorisierten Verkehr gesperrt ist und nach Tiefenbach bei Oberstdorf führt.

Wir gehen nicht auf dem selben Weg zurück sondern weiter in Richtung Hochriesalpe. Die ist nur im Sommer bewirtschaftet.
Mit der Almbäuerin unterhalten wir uns und erfahren dabei, dass in diesem Sommer zehn Milchkühe und ein paar Dutzend Jungrinder hier weiden. Strom gibt es nur von einem einzigen Photovoltaik Modul. Das genügt für die Beleuchtung am Abend. Wenn zwei mal am Tag mit der Melkmaschine gemolken wird stellt der Bauer für eine knappe Stunde das Stromaggregat an. Gekocht wird mit dem Holzofen. Meine Frage wie es sein kann, dass nur zwei Milchkannen für doch zehn Kühe ausreichen wird so erklärt, dass keine Hochleistungskühe auf der Alpe weiden. Und noch dazu erhalten die kein Kraftfutter. Deshalb geben die auch nur einen Bruchteil der Milch wie eine Kuh im Flachland.
Der Bauer fährt mangels einer Kühlanlage die Milch zwei mal täglich zur Molkerei nach Sibratsgfäll wo vor allem Bergkäse daraus produziert wird. Aus meiner Sicht ist das ein enormer Aufwand für das bisschen Milch.
Zwischen den Stallfenstern kann man das einsame PV Modul für die Stromerzeugung sehen.
Es geht auf einem Wirtschaftsweg stetig bergab. Das ist die Bereuters Riesalpe, ebenfalls nur mit Weiderindern bewirtschaftet. Einkehren kann man auch hier nicht.
Keiner da.
Wir erreichen weiter unten die Alpe Hochegg.
Franz, der Wirt staunt etwas über die beiden einsamen Wanderer.
Alpenidylle wie aus dem Bilderbuch. Wir bestellen eine Maß Ruß (eine Halbe Weizenbier und ein halber Liter Zitronenlimo).
Bereits am Schweizer Kreuz auf dem Gurt erkennt der Fachmann, dass der hiesige Dialekt mehr dem Schwyzerdütsch als dem Allgäuer oder Tiroler Dialekt ähnelt.
An zwei Tischen sitzt eine Gruppe Einheimischer, die begleitet von Gitarre und Quetschn (Hohner Akkordeon) Schlager und Volkslieder singt. Wir sollen uns dazu setzen, müssen allerdings mitsingen. Ich bin nicht sonderlich musikalisch und gebe mein Bestes. Meine Gattin trinkt ziemlich schnell aus um weiterzukommen.
Franz ist handwerklich ziemlich geschickt und hat aus Blech und Metall einiges gebaut.
Bei Abwesenheit der Wirtsleute kann man sich am Brunnen gegen Bezahlung selbst bedienen.
Ein Blick in den leeren Stall. Das Vieh ist auf der Weide.
Weiter geht es nun über einen Wiesenpfad und dann auf einem breiten Weg ins Dorf. Der Gitterrost und die herabhängenden Schnüre sollen verhindern, dass die Rinder die eingezäunte Weide verlassen.
Unser avisierter Rundweg hat den Nachteil, dass wir nun in Sibratsgfäll und damit etwa 150 Höhenmeter unter und eine Dreiviertelstunde Gehzeit vom geparkten Auto entfernt sind.
Es hilft alles nichts. Wir müssen nun wieder etwas bergauf gehen.
Die Aussicht entschädigt für die Strapazen. Wir hatten eine nicht ganz leichte fünfstündige Wanderung auf einsamen Wegen in traumhafter Landschaft bei herrlichem Wetter. Was will man mehr?
Jürgen