Alice Hasters, Was sollten weiße Menschen über Rassismus wissen?

  • Am Sonntag hat mir in einer TV-Talkshow eine junge Frau imponiert. Alice Hasters, die Autorin des Buches "WAS WEISSE MENSCHEN NICHT ÜBER RASSISMUS HÖREN WOLLEN ABER WISSEN SOLLTEN" beschreibt, wie ihr Alltag als Schwarze Frau in Deutschland geprägt wird.


    Ihr Buch zeigt auf, dass der Rassismus nicht nur am rechten Rand der Gesellschaft existiert, was weiße Menschen oftmals aber nicht hören wollen. Eine umfangreiche Leseprobe gibt es hier.


    Gruß,

    Klaus

  • Jupp ich habs gesehen :401: und auch mir hat die junge Frau imponiert.

    Liebe Grüße :auto3:Dieter


    Es geht nicht darum , dem Leben mehr Tage zu geben ,

    sondern den Tagen mehr Leben.

    Cicely Saunders


    Und deshalb bleibt bitte gesund.

  • Es geht nicht "nur" um "weiß" und /oder "schwarz"


    Das Problem ist vielschichtig und nicht immer sofort erkennbar.

    KLaus , Du hattest einmal auf das Buch Haymatland von Dunja Hayali hingewiesen

    https://dunjahayali.de/haymatland

    Ich möchte es in diesen Zusammenhang bringen.

    Ich hatte es mir als Hörbuch gekauft und kann es nur empfehlen !


    Manchmal sind es Gewohnheiten die man nicht überdenkt .

    Spontan fallen mir Kinderlieder , Kinderspiele ein.

    Wer kenne nicht den Kanon C A F F E E

    https://de.wikipedia.org/wiki/C-a-f-f-e-e


    oder das alte Zählgedicht

    "Zehn kleine Negerlein....

    https://de.wikipedia.org/wiki/Zehn_kleine_Negerlein

    Oder das beliebte, alte Fangspiel

    "Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann" !



    Es sind nicht nur die Namen "Mohrenköpfe", die inzwischen ja Schaumküsse oder Schokoküsse heißen , die man manchmal einfach so dahinsagt , Obwohl man weit von sich weist, ein Rassist zu sein,


    Wo beginnt "Rassismus"?


    Liebe Grüße,

    Elke

  • Wo beginnt "Rassismus"?


    Im deutschen Fernsehen bekomme ich nun immer öfter mit, dass es schon als rassistisch gilt, wenn man eine Person mit nicht bio-deutschem Aussehen (sorry, ein anderes Wort dafür fällt mir gerade nicht ein) fragt: Wo kommst Du her oder Wo sind Deine Wurzeln?


    Hier in Spanien werde ich vielfach gefragt, Wo kommst Du her?

    Es fragten mich schon Spanier, Briten, Belgier, Mexikanerin, Thailänderin, Inderin, Russin, Polin, Ukrainerin, etc. Daraufhin fragte ich dann auch, wo sie herkämen und es ergab sich vielfach eine nette Unterhaltung. Ich liebe diese Smalltalks. Manchmal habe ich auch zuerst die Frage gestellt: Wo kommst Du her?


    Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass so eine Frage inzwischen in Deutschland schon als rassistisch ausgelegt wird. :/ Nun, hier in Spanien auf keinen Fall. Es zeigt eher Interesse an der Person gegenüber. :)


    Aber auch im Ausland, also Länder, wo wir urlaubsmäßig unterwegs waren, war das kein Rassismus-Thema. In diesem Winter, als wir in den Emiraten viel mit Taxifahrern unterwegs waren, wurden wir gefragt und wir haben auch gefragt, wo man her kommt? So erfuhren wir, dass sie aus den unterschiedlichsten Ländern Asiens herkamen. Und es entwickelte sich eine nette Unterhaltung.


    Als wir mal in einem Pub in Irland waren, wurden wir auch an der Theke von einem Gast gefragt: Wo kommt Ihr her? Als wir dann sagten, wir sind Deutsche, da war dann nur ein Brummen: Mmh! Ich empfand die Frage und die Reaktion nicht als rassistisch. Als wir dann sagten, wir leben aber in Spanien. Da taute der Gast und auch der Wirt auf und es ergab sich ein nettes Gespräch. ;)


    Im Januar d.J. trafen wir in Frankfurt einen netten Inder, der in Australien lebt und in Bahrein arbeitet am Ticket-Automaten der S-Bahn. Besichtigung von Frankfurt am Main">Hier hatte ich darüber geschriebn. Da hatte ich auch gefragt, wo er herkäme. Das fand er überhaupt nicht problematisch, rassistisch schon gar nicht. Im Gegenteil, wir hatten einen sehr unterhaltsamen Tag mit ihm bei der Stadtbesichtigung von Frankfurt. Besichtigung von Frankfurt am Main


    So unterschiedlich sind die Reaktionen auf die Frage: Woher kommst Du? ;)

    El mundo es un libro, y quienes no viajan leen sólo una página. (Aurelio Agustín)
    Gruß Jofina

    Einmal editiert, zuletzt von Jofina ()

  • Im deutschen Fernsehen bekomme ich nun immer öfter mit, dass es schon als rassistisch gilt, wenn man eine Person mit nicht bio-deutschem Aussehen (sorry, ein anderes Wort dafür fällt mir gerade nicht ein) fragt: Wo kommst Du her oder Wo sind Deine Wurzeln?

    Ach weißt du Jofina ,


    es wird soviel berichtet und einige springen eben auf diesen Zug auf.

    Keine Ahnung warum diese ganze Zerstörungswut nun auch auf andere Länder überspringt ,

    Plünderungen , Sachbeschädigungen , zerstörung von alten Statuen , steine auf Polizisten werfen und was weiß ich noch alles ,

    ich persönlich finde das als unterste Schublade und verstehe nicht warum die Politik da zusieht.

    Liebe Grüße :auto3:Dieter


    Es geht nicht darum , dem Leben mehr Tage zu geben ,

    sondern den Tagen mehr Leben.

    Cicely Saunders


    Und deshalb bleibt bitte gesund.

  • bio-deutschem Aussehen

    Auch das :

    ein rassistischer Ausdruck ????

    Ich habe in #3 Beispiele genannt für Bezeichnungen, die man früher bedenkenlos verwenden konnte .

    Als Kinder kauften wir Negerküsse, wir aßen Zigunerschnitzel, wir spielten "Schwarzen Peter" ( das war immer der Verlierer)

    Der Muselmann im Kanon C A F F E E war der , der willenschwach war,

    usw.
    Heute wird man bei ( zugegeben manchmal schnoddrig floppigem , unüberlegtem Benützen ) sofort in die "rassistische"Ecke gestellt !

    Wie ist das mit "der Blondinen " in vielen Witzen?

    Diskriminierend, rassistisch oder lustig?

    Darf man noch von "Zigeunern " sprechen ?

    Ich könnte noch weitermachen!

    Wir ärgern uns uns über die "Gelben Nummern", die unsere Autobahnen Richtung Süden verstopfen, meinen aber weniger die Fahrzeuge.


    Bin ich rassistisch wenn ich solche Bezeichnungen verwende?

    Wir sind heute hellhöriger geworden, sicher auch vorsichtiger. Das ist gut so, aber es kann auch zu ungerechtem Abstempeln von Menschen führen,


    Die Diskussion um die diskriminierende Wirkung von Sprache ist nicht neu.

    Hier ein Beitrag von 2013

    https://www.belltower.news/das…irkung-von-sprache-36166/

    Zitat

    "In Deutschland kann man keine sachliche Diskussion zum Thema Rassismus führen“, sagt Mekonnen Mesghena."*

    *https://de.wikipedia.org/wiki/Mekonnen_Mesghena


    Vor dem Hintergund der Ereignisse in USA hat der Begriff Rassismus in vielen Länder enorme Bedeutung gewonnen.

    Wenn es um die Grundrechte der Menschen , um die Anwendung von Gewalt geht , so ist es an der Zeit, genau hinzuschauen und Veränderungen zu bewirken, Auch in Deutschland. Kein Zweifel !


    Aber mir ging es beim Lesen der Leseprobe von Alice Hasters #1 ähnlich wie Dir, Jofina.

    Vieles kann ich nachvollziehen, kann ich auch verstehen , wenn ich mich in die Lage einer Schwarzen Frau versetze.


    Du, Jofina, nennst Beispiele von Eurem sozialen Zusammenleben als Deutsche in Spanien unter Freunden unterschiedicher Herkunft.

    Wenn schon die Frage nach Herkunft, nach den Wurzeln der Familie als rassistisch interpretiert werden kann, so kann ich da nicht mitziehen.


    Oft steckt bei solchen Fragen doch einfach der Wunsch nach Kontaktaufnahme, echtes Interesse, Neugier dahinter.


    Im deutschen Fernsehen bekomme ich nun immer öfter mit, dass es schon als rassistisch gilt,

    wenn man eine Person mit nicht bio-deutschem Aussehen ...fragt: Wo
    kommst Du her oder Wo sind
    Deine Wurzeln?

    Ich hoffe dass das Thema auch bei uns im Deutschland differenzierter angegangen wird.

    Ohne Gewalt,

    Das Thema ist vielschichtig.


    Gruß,

    Elke

  • So unterschiedlich sind die Reaktionen auf die Frage: Woher kommst Du?

    Du hast natürlich recht, Jofina, jedoch ist auch der Grund für die Frage ein entscheidender Punkt. Eine Zufallsbekanntschaft im Urlaub, ein fremdes Land, da mag man manchmal auch "anders" aussehende Menschen vielleicht so ansprechen können.


    Aber wie geht es dem jungen Deutschen, der in bereits dritter Generation in Deutschland lebt, dessen türkischer Großvater ursprünglich als Gastarbeiter nach Deutschland kam. Er sieht halt nicht aus, wie ein "typischer" Deutscher. Was empfindet der bei dieser Frage, die ihm hier zu oft gestellt wird? Auch das ist Rassismus.


    Was empfindet der Schwarze, der in der DB-Auskunft eines großen Bahnhofes arbeitet, wenn er die Blicke der Weißen sieht, die staunend seine kompetente Antwort in perfektetem Deutsch hören? Wie seine Eltern ist er hier geboren, warum staunen die Menschen? Nur nebenbei: Dass er bei seiner Fahrt zur Arbeit in "schöner" Regelmäßigkeit von der Bundespolizei kontrolliert wird, liegt sicherlich nicht an seinem freundlichen Lächeln, sondern eher an seinem Aussehen.


    Es gibt unendlich viele Beispiele, Rassismus kann man nicht auf die abwertenden Bezeichnungen der Dumpfbacken für "anders" aussehende Menschen reduzieren.


    Um diese Dinge besser verstehen zu können, kann ich nur auf das eingangs erwähnte Buch verweisen, wenngleich man nicht alle Aussagen sein Eigen nennen muss.


    Lieben Gruß,

    Klaus


    PS: Zwischenzeitlich hat Elke noch geschrieben, da hat auch sie viele wichtigen Dinge angesprochen

  • Danke für den Literaturtipp , Klaus. ( Und in der Kategorie Buchtipps sind wir ja )

    Es ist ein lesenswerter Beitrag, der einen Aspekt in dem großen Spektrum Diskriminierung, Vorurteile zeigt.


    Nachtrag von ELMA am 27.7.20

    Dazu der Hinweis auf einen Podcats mit Alice Hasters vom 3.6.20

    https://podcasts.google.com/fe…YwMzYxZDdmYWU4MTIzMzAzMDM

    " Was sollten weiße Menschen über Rassismus wissen?"


    Ich habe den Titel des Threads vom allgemeinen Titel "Rassismus"

    in den auf den Inhalt bezogenen Titel der Buchempfehlung geändert.



    Gruß,

    Elke

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