Grüße aus der Karibik

Es gibt 94 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Jofina.

  • Michael -
    das war ein Musterbeispiel für nicht gelungene Kommunikation.
    Es ist das alte Problem des Zusammenspiels von Inhalts- und Beziehungsebene , die bei der schriftlichen Kommunikation schwierig ist.
    Das fing bei meinem so unbedacht geschriebenen Satz an , Du hast ihn anders aufgenommen als er gemeint war und Jofina fühlte sich sogar verletzt.
    Jetzt ist es , hoffentlich, geklärt, und ( für mich zumindest) - ist es damit gut. :grin:


    Ich hoffe, dass das, was ich jetzt geschrieben habe richtig ankommt ( ich weiß gar nicht welches Smilie ich jetzt verwenden soll, um zu unterstreichen was ich meine- auch das kann missverständlich sein)


    Aber freue mich jetzt auf Jürgens Berichte und Bilder.


    Liebe Grüße,
    Elke

  • Hallo zusammen,


    Nun also, wie angedroht, der Kurzroman.


    Was die Kreuzfahrt an sich anbelangt, hatten wir diesbezüglich bisher überhaupt keine Erfahrung. Also haben wir uns bei Bekannten, die schon wiederholt diese Form von Urlaubsgestaltung genossen haben, aber auch hier im Forum erkundigt. Danke jedenfalls an Michael und Jofina für deren Infos!


    Wie üblich, nimmt man da schon mal viel zu viel Zeug mit auf die Reise. Zwei Badetücher hätte ich mir genauso wie die vielen Pullis, TShirts und Socken sparen können. Dann gibt es da noch das Thema Dresscode. Zumindest auf den Costa Schiffen gibt es den nicht mehr. Also haben wir zum Glück auch die besseren Klamotten zuhause gelassen auch wenn manche Damen in den Restaurants oder im Theater elegant gekleidet sind.


    Als jemand, der zuhause Platz im Haus und auch drumherum hat, der noch dazu in der glücklichen Lage ist, vier eigene Wände an der Adria zu besitzen, ist es uns ehrlich gesagt ein Graus, viel Zeug einzupacken und mitzuschleppen. Nach Kroatien fahre ich im Extremfall nur mit dem Hausschlüssel, dem Pass und etwas Geld. Da ist man schon verwöhnt weil ja in beiden Wohnsitzen alles vorhanden ist.


    So ist es sicher verständlich, dass so ein Schiff eine für uns völlig neue und auch ungewohnte Form des Urlaubs ist. Nun haben wir vier ganze Tage darauf verbracht und uns glaublich recht gut eingelebt. Ich möchte euch meine persönlichen Eindrücke hier schildern ohne Wert auf Objektivität und auch Vollständigkeit zu legen. Wie oben schon von anderen erwähnt, bin ich so frei und sage, was mir oder uns gefällt und was nicht.


    Es soll hier weder eine Positiv- noch eine Negativwerbung für Das Thema Kreuzfahrt an sich sein. Ich kann natürlich auch keine Aussagen zu anderen Reedereien treffen. Meine Eindrücke beziehen sich nur auf die nun 15 Jahre alte Costa Magica, die unter italienischer Flagge fährt.


    Zum Thema meiner Kreuzfahrt vielleicht noch ein paar Anmerkungen. Tatsächlich ist diese 16tägige Kreuzfahrt so spottbillig, dass wir auch aufgrund der Empfehlung von Bekannten, die eine fast gleiche Tour mit dem selben Schiff vor einem Jahr unternommen haben einfach zuschlagen mussten. Die reine 16tägige Tour von Insel zu Insel und über den Grossen Teich bis Europa kostete bei dem französischen Reisebüro ABCroisieres ganze 360€, wobei die Art der Kabine hierbei nicht garantiert war. Glücklicherweise haben wir eine Aussenkabine erwischt.


    Heute habe ich ein Schweizer Ehepaar gesprochen, die jedoch diese Tour über ganze drei Wochen in der Schweiz gebucht haben. Mit Hinflug in die Karibik und Rückreise mit dem Bus von Savona in die Schweiz haben die sage und schreibe 4000€ pro Person bezahlt. Allerdings ist hierbei eine Balkonkabine dabei. Dazu sind die Schweizer ein paar Häfen früher zugestiegen. Der Rest besteht aus fast der selben Leistung wie in unserem Fall. Ich musste oder wollte separat die Fewo auf Martinique, dort den Mietwagen, den Hinflug, die Rückfahrt mit dem Zug zum Heimatbahnhof und das Hotel in Marseille für die Zwischenübernachtung buchen. So kommen wir auf fixe Kosten von ca. 2500€ für zwei Personen und drei Wochen. Hinzu kommen Getränke auf dem Schiff, das Zwangstrinkgeld von etwa 300€ und die persönlichen Ausgaben an Land.


    Das Thema Kreuzfahrt hat mich auch deshalb interessiert, weil ich in einem anderen Reiseforum mit jemandem kontrovers diskutiert habe. Da anscheinend in Pula in Istrien nun ein vierhundert Meter langes Kreuzfahrtterminal geplant ist, war derjenige der Meinung, dass es einen solchen Schmarrn, wie man in Bayern sagt, nicht braucht. Als Begründung hierfür wurde angeführt, dass erstens in Pula nur die Arena zu besichtigen wäre und zweitens die Stadt und Region wirtschaftlich nicht profitieren würden. Deshalb sei das Ganze eine Verschwendung von Steuergeldern zumal ein Kreuzfahrtschiff eine "Umweltsünde" sei.


    Wie von mir vermutet, ist das absoluter Käse. Ich kann heute zwar nur die Eindrücke von vier Landgängen wiedergeben, weis jedoch heute schon, dass sehr wohl eine Menge Geld im Land bleibt. Somit ist das Terminal in Pula sicherlich wirtschaftlich sinnvoll nicht nur für die Stadt, sondern auch für die Region. Das Argument der Umwelt ist genauso Käse, weil tausende Menschen eben nicht mit dem eigenen Pkw verschiedene Ziele anfahren müssen um analog den Stationen des Schiffs Ziele abzuhaken. Hinzu kommt, dass so ein Schiff es auch älteren und Menschen mit Behinderungen komfortabel ermöglicht, die Welt zu erkunden.


    Nun aber wieder zu unserer Kreuzfahrt auf der Costa Magica. Irgendwie ist es hier Klein Italien wobei der berüchtigte italienische Schlendrian auf dem Schiff kaum existiert. Das Personal ist augenscheinlich engagiert und tüchtig. Die Führungskräfte sind meist Italiener. Die sichtbaren Arbeitskräfte im Service stammen meist von den Philippinen oder anderen hinterasiatischen Staaten oder aus Mittelamerika.


    Eben fährt die Costa Magica aus dem Hafen von Bridgetown, der Hauptstadt von Barbados ab. Nebenan liegt ein anderer Kreuzfahrer, die "mein Schiff 3". Das Ding gehört Tui, wurde jedoch wohl aus Kostengründen nach Malta ausgeflaggt wohingegen unser Schiff in Italien registriert ist. Somit bleiben zumindest einige Steuern in Bella Italia wohingegen beim "deutschen Kreuzfahrer" der maltesische Staat profitiert. Von außen macht das Tui Schiff auf mich einen moderneren Eindruck als die Costa Magica, weil viel mehr Balkonkabinen sichtbar sind. Die scheinen jedoch nicht allzu groß zu sein.



    Dienstag, erster Tag der Atlantiküberquerung:


    Von Barbados aus hat das Schiff Kurs auf Teneriffa genommen. Wir fahren nun mit 16 Knoten, also gut 30 km/h in nordöstlicher Richtung und werden am kommenden Montag um 08.00 Uhr in Santa Cruz anlegen. Die Temperatur hat gegenüber der Karibik abgenommen. Statt täglich über 30 Grad haben wir nun nur noch 26 Grad Celsius auf Deck. Der Himmel ist mehr bewölkt als blau. Das ist jedoch ganz im Sinne der meisten Passagiere, laufen hier doch ein paar "Krebse" herum. Uns hat die Sonne bisher bis auf meine Ohren, das Baseballkäppi schützt zwar den Kopf, nicht jedoch die Lauscher, nicht geschadet. Wer so wie wir viel Zeit in der Natur und am Mittelmeer verbringt, der weis um die Gefahren der südlichen Sonne.


    Von nun an kündigt der Lautsprecher täglich um 11 Uhhr mittags an, dass die Borduhren jeweils um eine Stunde vorgestellt werden. So haben wir bei der Ankunft in Europa wieder mitteleuropäische Sommerzeit erreicht. Zudem ertönt danach um 12 Uhr drei mal die Schiffssirene .


    Meiner Meinung nach schlingert das Schiff nun Tag und Nacht. Vielleicht liegt es an der nun vermutlich höheren Geschwindigkeit, vielleicht aber auch am Wellengang auf dem Atlantik. Derzeit haben wir Gegenwind von etwa 50 km/h. Das Schlingern merkt man sogar im Bett.


    Vor zwei Tagen haben wir ein Deutsch sprechendes niederländisches Ehepaar kennengelernt. Harry ist im Ruhestand und war zuvor für einen Ölkonzern mit dem Bau von Raffinerien und Tankern beschäftigt. Weil beide schon mehrere Kreuzfahrten gemacht haben, kennt er sich natürlich gut in marinetechnischen Dingen aus. Er hat uns heute ein paar Ecken des Schiffs gezeigt und erklärt, die einem sonst verborgen bleiben.


    Wer weis denn als Laie, dass es immer noch eine Schiffsglocke ganz vorne am Bug gibt, die täglich und beim Auslaufen von Hand geläutet wird? Überhaupt war es ein Erlebnis, ganz vorne auf Deck 9 fast vom Schiff geweht zu werden. Unvorstellbar, was Fahrtwind und der sowieso vorhandene Gegenwind ausmachen. Ich kenne das Gefühl von der Passhöhe oberhalb von Karlobag in Kroatien. Da haben wir vor Jahren mal eine Bora erlebt, die das zwei Tonnen schwere Auto durchgeschüttelt hat.


    Sicherlich wollt ihr wissen, wie es uns nun nach knapp einer Woche auf dem Pott gefällt. Kurz und knapp - gut!


    Wir haben uns an die Eigenheiten und Gegebenheiten an Bord gewöhnt. Dazu gehört, dass wir abends die einstündige Bordunterhaltung im Theater besuchen und seit zwei Tagen in einem der Restaurants zu Abend essen. Das Mittagessen fällt aus oder besteht für uns nur aus einer Kleinigkeit. Drei mal täglich eine ganze Mahlzeit ist für uns ungewohnt und zu viel. Nur mangelt es mir an Bewegung und wir wollen ja nicht kugelrund nach Hause kommen.


    Im Restaurant hat man einen bestimmten Tisch und eine Essenszeit vorgegeben. Das steht auf der Scheckkarten großen Bordkarte. Auf die werden auch vorab gekaufte Getränke aufgeladen. Die Karte ist beim Verlassen und beim erneuten Boarding dem Sicherheitspersonal vorzuzeigen. Das Personal scannt die Karte. Dabei erscheint auf dem Bildschirm auch ein Foto des Passagiers. Das wurde gleich beim Boarding angefertigt.


    Die Karten weisen verschiedene Designs auf. Es gibt natürlich verschiedene Bonusformen für Vielreisende oder Premium Passagiere.


    Wie am Flughafen auch geht es danach durch eine Sicherheitsschleuse. Auch der Rucksack und das Handy müssen da durch. Eine Passkontrolle haben wir im Übrigen auf keiner der Inseln erlebt obwohl es sich um unterschiedliche Staaten handelte. In der Regel sind in der Nähe der Passagier Terminals auch Dutyfreeshops und sonstige Läden vorhanden.


    In so einem habe ich auf Martinique eine Zwei-Liter Packung weißen Rum für etwa 14€ erstanden. Ich wusste gar nicht, dass der Alkohol in einer Folie, die mit einem Karton ummantelt ist, verkauft wird. Das ist natürlich aus Gewichtsgründen äußert praktisch. Wer zu viel Getränke einkauft, dem werden diese beim Boarding abgenommen und bis zur Ausschiffung zurückgehalten. Wir haben ein paar Dosen Bier und zwei Flaschen Pinacolada für den Aperitiv am Abend mitnehmen können.


    Im Restaurant herrscht ein ganz anderes Klima als an einem der Selbstbedienungsbuffets. Vier bis fünf Gänge kann man aus einer Speisekarte auswählen. Dazu wird man bedient. Auch das Geräuschniveau ist wesentlich geringer als im SB Bereich. Bisher war das Restaurant bei unseren Besuchen weniger als zur Hälfte belegt. Für uns ist es jedenfalls zum Höhepunkt des Tages geworden, dass wir uns am Abend etwas chic machen und dort bedienen lassen. Dazu haben wir ein Getränkepaket, bestehend aus 20 "Preußen Halben" Bier, also jeweils 0,4 Liter vorab für ca. 93€ gekauft. Das ist so üblich, weil Getränkepakete wesentlich billiger sind als der Einzelkauf. Es gibt Wasserpakete (iiiiiih - Wasser ist doch zum Waschen da), Bier, Longdrink und Weinpakete. Das Essen in diesem Restaurant entspricht in etwa dem wie ich es von Hotels auf Ischia oder Abano oder dem Gardasee kenne. Für ein solches Menü würde man überall in den Restaurants in Italien sicherlich 80 bis 100€ für zwei Personen bezahlen. Der Italienkenner weis somit um die Qualität und Auswahl der Speisen. Die Weinkarte enthält mehrere Dutzend Weine aus allen möglichen italienischen Regionen.


    Aufgrund der Tatsache, dass nun jeder Tag eine Stunde weniger hat, sind wir heute relativ spät aufgestanden und nahmen deshalb das Langschläferfrühstück bis 11 Uhr ein. Somit entfiel das Mittagessen.


    Wie auch in den Restaurants in zwei Schichten gegessen wird, finden die abendlichen Shows im Theater, die etwa eine Stunde dauern, auch zwei mal am Abend statt. Leider wiederholt sich anscheinend das Programm alle paar Tage. Das meiste hat uns bisher gefallen, auch wenn ich zuhause nicht unbedingt in Vorstellungen von Akrobatik, Pantomime, Tanzshow oder Gesang eines Tenors gehen würde. Sonstige Kurse oder Veranstaltungen haben wir bisher nicht besucht.


    Morgen wollen wir nach dem Frühstück das Fitnesscenter gemeinsam besuchen. Angesichts der vollen Teller plagt uns das schlechte Gewissen....



    Mittwoch, zweiter Tag der Atlantiküberquerung:


    Der gute Vorsatz, gleich nach dem Frühstück etwas für die Fitness zu tun, fiel ins Wasser. Voller Elan sind wir in Sportkleidung zu Fuß rauf ins elfte Stockwerk gegangen um dann festzustellen, dass nicht nur alle Geräte belegt waren, sondern dass schon Passagiere anstanden um ein freies Marterinstrument zu besetzen. Also wieder umziehen und zum Heck um im dortigen Wellnessbereich den Tag zu verbringen.


    Die Costa Magica hat zwei Wellnessbereiche mit Pools und Whirlpools. Mittschiffs ein mittelgroßer Pool, eine Rutsche über mehrere Etagen und zwei Whirlpools. Es gibt eine Vielzahl von Liegen auf den angrenzenden Terrassen über mehrere Stockwerke verteilt. Dazu eine Bar wo es alle möglichen Getränke zu kaufen gibt. In diesem Teil des Schiffs ist immer was los. Die Musik dröhnt laut aus den Lautsprechern oder es gibt Lifemusik. Dazu sind ständig Animateure unterwegs um mehr oder weniger Freiwillige für diverse Aktivitäten zu finden. Wer mich kennt, dem dürfte klar sein, dass das nicht unbedingt meine Welt ist.


    Somit ist das Heck der Costa Magica zu unserem Aufenthalt tagsüber geworden. Auch hier befindet sich ein Pool, der jedoch zum Schwimmen zu flach und zu klein ist. Daneben gibt es auch hier zwei Whirlpools. Der Pool ist mit Meerwasser, die Whirlpools sind mit Süßwasser gefüllt. Der Vorteil dieser Area ist das gläserne Stahlschiebedach von etwa 25 mal 30 Metern welches geöffnet oder mehr oder weniger geschlossen werden kann. Das hat sich als praktisch erwiesen. Musikbeschallung ist zwar auch hier, jedoch etwas gedämpfter vorhanden.


    Der Gegenwind bläst nun seit drei Tagen konstant mit etwa 50 km/h. Die Wellen sind maximal vier Meter hoch. Hier am hinteren Pooldeck ist man windgeschützt und hat teilweise Schatten. Ein oder zwei Etagen höher ist es zwar ruhiger, weil auch in diesem Teil des Schiffs ständig Musik läuft, wenn auch leiser als weiter vorne. Dafür bläst es heftiger. Eincremen ist somit täglich angesagt auch wenn die Temperatur wieder leicht gesunken ist.


    Das Wetter ist seit vorgestern normales Atlantikwetter, d. h. es regnet mal kurz, dann scheint wieder die Sonne, dann ist der Himmel wieder komplett bewölkt und zehn Minuten später dunkelgrau. Insgesamt gesehen überwiegt das schöne Wetter.


    Absolute Ruhe hat man wohl nur ein oder zwei Decks höher wo sich auch Liegen befinden. Zum Thema Liegen sei nur am Rande erwähnt, dass sich der Volkssport des stundenlangen Reservierens solcher in Verbindung mit Dauerabwesenheit mittlerweile in allen Ländern und scheinbar auch auf Kreuzfahrtschiffen durchgesetzt hat. Dafür gibt es auf dem Schiff nicht das penetrante Dauertelefonieren mit dem Handy. Mangels Internetverbindung sieht man die Urlauber allenfalls mal ein Paar Bilder mit dem Smartphone knipsen. Auch die Raucher haben es schwer auf dem Schiff. Nur auf wenigen offenen Decks darf geraucht werden. Da bläst es einem jedoch den Glimmstängel eh aus der Hand.


    Mich würde nun eigentlich die Technik der Costa Magica interessieren. Tatsächlich gibt es auch eine gut zweistündige Führung für 69€. Bei der wird dem Gast jedoch der Backstage Bereich der Bühne, die Küche und Speisekammer mit Kühlraum, der Mannschaftsbereich und die Wäscherei und zuletzt die Brücke gezeigt. Dazu gehört ein Essen vom Buffet.


    Leider stehen der Maschinenraum oder das Kraftwerk, die Wasseraufbereitung aus Meerwasser, die Müllverbrennungsanlage, die Kläranlage und ähnliche technische Dinge nicht auf dem Programm. Vielleicht ist das ja auch geheim oder es gibt doch etwas zu verbergen oder es ist zu gefährlich, den Gast durch diese Bereiche zu führen.


    Laut Harry wird tatsächlich das Abwasser gereinigt und der Müll getrennt. Biologische Abfälle werden dem Meer übergeben, sonstige Abfälle sortiert in den Häfen entsorgt.


    Soweit ich erkennen kann, ist die 15 Jahre alte Costa Magica weitgehend mit LED und Energiesparleuchten ausgestattet. Dies gilt nicht für die aufwändige Bühnentechnik.


    Auch von Harry habe ich die mir bereits bekannte Problematik der Schweröl Verbrennung erfahren. Wie oben erwähnt, war er Techniker bei einem Ölkonzern. Ein großes Schiff wie auch ein Kreuzfahrtschiff ist genaugenommen diesbezüglich eine Anlage zur Beseitigung von Sondermüll. Dieser Sondermüll besteht aus Schweröl. Das bleibt in jeder Raffinerie nach der Herstellung von Benzin, Diesel, Kerosin und Gas übrig. Schweröl ist giftig und emittiert beim Verbrennnen, dazu muss es auf über 100 Grad erhitzt werden, enorme Mengen an Schwefeldioxid.


    Viele Länder haben zwischenzeitlich verboten, dass im unmittelbaren Bereich der Häfen die Schiffsmotorenbau mit Schweröl betrieben werden dürfen. Deshalb gibt es auch einen Dieseltank an Bord. Diesel kostet eine Menge Geld, Schweröl ist spottbillig. Somit fährt auch die Costa Magica in den Hafen mit Diesel ein und aus und schaltet auf hoher See die Motoren auf Schweröl um. Das Schiff hat glaublich acht gleich starke Motoren, Hersteller Wärtsilä, wovon in der Regel nur zwei dem Antrieb dienen. Die anderen sind das Elektrizitätswerk der schwimmenden Stadt. Da der Antrieb Diesel elektrisch erfolgt, steht immer ausreichend Energie für den Antrieb zur Verfügung. Bei heftigem Gegenwind oder einer Gegenströmung soll ja die Geschwindigkeit einigermaßen gehalten werden um den Zeitplan nicht zu gefährden.


    Über den Bordkanal im Fernseher erhält man online Infos zur Geschwindigkeit, zur Position, zum Wetter und hat Zugriff auf die Bug und Heckkamera. Der Fernseher spielt für die deutschsprachigen Gäste wohl weniger eine Rolle, weil nur die deutsche Welle empfangen wird. Die ist im Übrigen auch in anderen Weltsprachen an Bord zu empfangen. Die anderen etwa 30 Kanäle sind englisch, Italienisch, Französisch oder Spanisch sprachig. Dazu ein paar Costa eigene Werbekanäle, wo die kostenpflichtigen Angebote an Bord und Ausflüge beworben werden.


    Nachträglich noch ein paar Sätze zu Barbados, unserem letzten Ziel auf den Antillen.


    Vom Terminal aus läuft man etwa eineinhalb Kilometer entlang einer vielbefahrenen Hauptstraße, aber auf einem Gehweg meist im Schatten am Meer entlang in die Stadt. Die zählt zum Weltkulturerbe und hat mir recht gut gefallen. Große und kleine Geschäfte sind wie auch die üblichen Märkte und öffentlichen Bauten vorhanden. Nur wer ganz schlecht zu Fuß ist, kann sich einem der am Terminal lauernden Taxifahrer anvertrauen.


    Nach der Besichtigung der Stadt hat man die Gelegenheit in kurzer Distanz an einem wunderschönen feinsandigen Strand im Meer zu schwimmen. Schatten haben wir dort auch gefunden. Somit konnte ich doch den letzten Tag in der Karibik relaxt im und am Meer verbringen. Allerdings sollte man nicht zu weit rausschwimmen, da die Jetski Piloten extrem nahe am Strand unterwegs sind. Gelegentlich fährt zwar auch ein Boot der Küstenwache am Strand entlang. Dann sind jedoch die Hobby Rennfahrer gerade nicht da.


    Auf Barbados bezahlt man mal wieder mit einer anderen Währung. Hier gilt der Barbados Dollar, dessen Wert ungefähr bei einem halben Euro liegt. Deshalb hat es sich für uns als sinnvoll erwiesen, im Supermarkt kalte Getränke per Kreditkarte zu erstehen. Plastikgeld wird in den Geschäften überall akzeptiert. Ansonsten gilt Barbados als eine der teuersten Inseln der kleinen Antillen.


    Auch auf Antigua hat uns der Durst geplagt. Da dort der karibische Doller gültiges Zahlungsmittel ist, die Kneipe jedoch Euro nur zum Mondkurs akzeptiert hat, kam die halbe Bier auf 10€.


    In Fort de France auf Martinique waren wir einen Tag vor Barbados. Weil am Sonntag die Geschäfte geschlossen hatten, war es recht ruhig in der 100.000 Einwohner Stadt. Am Rande der Altstadt fanden wir eine einfache Kneipe, wo Einheimische beim Frühschoppen zusammen saßen. Hier wiederum zahlt man mit Euro, da die Insel zu Frankreich gehört. Damit stimmte auch das Preisniveau für Getränke wieder.


    Überhaupt muss man auf den Inseln tagsüber immer wieder trinken. Die Hitze entzieht wohl dem Körper Flüssigkeit ohne dass man es merkt.


    Das Schiff bewegt sich tatsächlich nun merklich. Selbst nachts spürt man es im Bett, was doch ungewohnt ist. Dazu scheppert und poltert immer etwas. Allerdings gewöhnt man sich daran. Im Prinzip ist wohl ein Costa Schiff wie ein Fiat Pkw. Es bewegt sich zuverlässig von A nach B. Mehr kann man jedoch vermutlich für den Preis auch nicht verlangen. Gewisse Qualitätsmängel am Schiff und Abnutzungserscheinungen sind nicht zu übersehen, auch wenn ständig fleißige Helfer mit dem Übermalen der rostigen Stellen und sonstigen Reparaturen beschäftigt sind.


    Ob höherpreisige Kreuzfahrtschiffe hier komfortabler sind, vermag ich nicht zu sagen. Die Größe der Kabine reicht uns voll aus. Sie dürfte bei 16 bis 18 qm liegen. Unser Zimmersteward Ricardo ist zwar fast unsichtbar, jedoch merkt man, dass er immer in der Nähe ist. Teilweise werden die Handtücher zwei mal am Tag gewechselt. Dies ist gerade deshalb praktisch, weil es an der Möglichkeit fehlt, die nassen Handtücher aufzuhängen.


    Fazit nach dem Zweiten vollen Tag mitten auf dem Atlantik: obwohl weit und breit rein gar nichts auf dem Meer zu sehen ist, ist es immer noch nicht langweilig.



    Dritter Tag der Atlantiküberquerung:


    Elke hat mich vor ein paar Tagen an Kolumbus erinnert. Tatsächlich fühle ich manches analog zu ihm. Ich weis, dass ich trotz des unendlich erscheinenden Ozeans irgendwann ankommen werde. Im Gegensatz zu ihm jedoch ist mir der kommende Montag um 08 Uhr gewiss. Da sollen wir in Santa Cruz de Tenerife anlegen. Angelika denkt heute eher wie ein Mitglied der Mannschaft des Entdeckers. Bei ihr zeigen sich Anzeichen von Lagerkoller. Dies jedoch eher nachts wenn es dunkel ist. Beim Blick aus dem Fenster kann man zwar die Wellen und die Gischt bis etwa 20 Meter Entfernung sehen, weil die Kabinen und die Aufbauten beleuchtet sind. Weiter entfernt ist das Meer jedoch je nach Stand der Wolken oder Mondschein mehr oder weniger dunkel.


    Seit gestern haben wir auch keinen Satellitenempfang mehr, also kein Fernsehen. Selbst die Positionsdaten werden wie auch die Wetterdaten nicht mehr angezeigt. Das Schiff hat mittlerweile mit 18 Knoten an Geschwindigkeit zugelegt.


    Somit läuft am Morgen während wir uns kultivieren Kanal 2 mit den beiden Webcams. Dazu wird Musik nach meinem Geschmack eingespielt. Es wundert mich jedoch, wieso die Reederei hier Rock und Pop der 70er und 80er Jahre spielt, zählen wir mit knapp 60 Lenzen doch eindeutig zum jüngeren Publikum. Kinder sind fast keine an Bord. Die wenigen sind tagsüber meist in den beiden Kindergärten unter Aufsicht beschäftigt. Eine tolle Einrichtung für die jungen Eltern.


    Wie hoch die Belegungsquote des Costa Magica bei dieser Kreuzfahrt ist, kann ich nur annähernd schätzen. Irgendwas zwischen 50 und 80% schätze ich mal. An so einem warmen sonnigen Tag wie heute sind die meisten Liegen auf den Decks belegt. Sicherlich sind manche Gäste auch tagsüber in den Bars oder Restaurants, essen kann man den ganzen Tag, oder bei sonstigen Veranstaltungen. Das einzige, was mir gefallen würde, wäre der Italienischkurs. Der beginnt jedoch täglich zu unchristlicher Zeit um 10 Uhr. Folglich würde ich es mal schaffen, daran teilzunehmen und dann mal wieder nicht. Also lasse ich es gleich bleiben...


    Überhaupt haben wir nun viel Zeit. Es gibt ja eh den ganzen Tag etwas zu essen. Also trödeln wir in der Früh immer und machen uns am späten Vormittag auf zum Frühstück.


    Das Wetter ist immer noch stabil. Noch mal zu Kolumbus. Der wusste auch um den Vorteil des Nordostpassats. Das ist der ständige Gegenwind, der ihm jedoch half, in kurzer Zeit von Europa über den Ozean bis in die Karibik zu segeln. Das hängt mit der Erdrotation und dem unterschiedlichen Luftdruck in Karibik und Äquator zusammen. Nautiker nennen das die Coriolis Kraft. Nach Hause ins alte Europa kam Columbus auch ganz einfach indem er nach Norden navigierte und irgendwo östlich von Florida vom Golfstrom erfasst wurde. Der trieb seine kleine Flotte ohne viel Aufwand zurück in die Heimat. Schließlich sollte ja jeder erfahren, dass er den vermeintlichen Seeweg nach Indien gefunden hat. Daran glaubten er und seine Zeitgenossen sein Leben lang.


    Schon wenige Generationen danach war dieses Zusammenspiel von Nordostpassat und Golfstrom Grundlage für einen Jahrhunderte andauernden Handel. Entlang der Westküste Afrikas segelten die Handelsschiffe um an den Küsten des schwarzen Kontinents bei den lokalen Häuptlingen Sklaven gegen Waren aus den europäischen Manufakturen einzutauschen. Die Sklaven "erbeuteten" die mit Waffen aus europäischer Produktion ausgestatteten Krieger der Häuptlinge im Inneren des dunklen Kontinents. Dann wurden diese zuerst mit den selben Schiffen in die Karibik und später auf den amerikanischen Kontinent zur Arbeit auf den Plantagen und in den Bergwerken verfrachtet. Zurück nach Europa ging es mit Edelmetallen, Gewürzen und exotischen Früchten beladen nach Europa. Eine solche Tour dieses Dreieckshandels dauerte etwa ein Dreiviertel Jahr.


    Scheinbar ist der Seegang nun zu stark, weil das Wasser aus den Schwimmbädern abgelassen wurde. Es schwappte eh regelmäßig durch die Bewegungen des Schiffs aus den Becken. Die sind zusätzlich von einer etwa 30 cm hohen Mauer umgeben, damit nicht die Decks überschwemmt werden.


    Da wir uns bei der Atlantiküberquerung abseits aller Schifffahrtsrouten bewegen, sehen wir auch keine anderen Schiffe auf dem Meer. Erst kurz vor Teneriffa kreuzen wir die Routen, die Europa mit Südamerika verbinden.


    Hingegen sieht man immer wieder mal fliegende Fische von der Reling aus. Diese schlanken, etwa Forellengrossen Fische springen, warum auch immer aus dem Wasser und segeln teilweise zig Meter weit, bis sie wieder ins Wasser eintauchen. Auf beiden Seiten des Rumpfs haben sie etwa 20 cm lange Flossen, die sie ausbreiten können um damit über das Wasser zu gleiten. Der Fisch ist auch ein Speisefisch. Auf dem Fischmarkt von Barbados habe ich mir so einen Fisch genauer ansehen können.


    Segler, die den Ozean überqueren sind dankbar, dass diese Fische oft beim Segeln auf dem Deck liegen bleiben. Damit hüpft der Fisch praktisch gleich in die Pfanne.


    Mir sind beim Blick auf das Meer Gedanken zur Fischerei gekommen. Überall hört man, dass die Weltmeere angeblich überfischt sind. Wieso sehe ich dann keinen einzigen Fischtrawler jetzt am Dritten Seetag auf meiner Reise? Das Meer mit seinem Fischreichtum erscheint mir hier unendlich. Es ist mir unverständlich, wie Nationen um die Früchte des Meeres oder auch deren Bodenschätze streiten können.


    Auch über die Verschmutzung der Ozeane denkt man nach, wenn man lange auf das unendlich erscheinende Meer blickt. Ich kann keinerlei Müll und schon gar keinen Plastikmüll entdecken, der doch inzwischen tausende Quadratkilometer bedecken soll. Von der Costa Magica geht ab und zu mal ein Luftballon oder eine Plastiktüte über Bord. Sonst sieht man außer Wasser rein gar nichts.



    Freitag, der 13.4., vierter Tag der Atlantiküberquerung:


    Nein, ich bin nicht abergläubisch. Es ist alles gut gegangen heute...


    Das tägliche Umstellen der Zeit wirkt sich auf unseren Tagesablauf aus. Heute sind wir erst um elf Uhr wach geworden. Da ertönt schon die Ansage, dass die Uhren auf zwölf Uhr vorgestellt werden. Damit entfällt das Frühstück und es gibt eine Kleinigkeit zu Mittag.


    Dafür ist der Seegang nun etwas schwächer geworden. Die Costa Magica schlingert merklich etwas weniger. Passagiere, die mit dem gleichen Schiff die selbe Passage vor einem Jahr mitgefahren sind haben erwähnt, dass die See damals völlig glatt war.


    Da in den Pools scheinbar nun jeden Abend das Wasser abgelassen wird und diese am frühen Morgen erneut mit Meerwasser aufgefüllt werden, fühle ich als einer von wenigen Schwimmern die täglich etwas niedrigere Wassertemperatur. Wir halten uns nach wie vor im Heck auf wo der Nassbereich meist mit dem Schiebedach fast ganz geschlossen ist. Dadurch spürt man zwar den Wind auf den anderen Decks nicht, dafür ist es fast zu schwül. Die meisten Passagiere liegen eh mehr oder weniger lang in einem der Whirlpools. Ich schwimme täglich im kleinen, nur 1,17 Meter tiefen Pool.


    Das Ablassen des Wassers hat viele Vorteile. Das Wasser braucht zur Entkeimung nicht chemisch behandelt werden. Auch muss der pH Wert nicht überprüft werden. Dazu spart man sich den Strom für die Umwälzpumpe. Wer ein eigenes Schwimmbad besitzt weis, dass dieses ständiger Pflege bedarf. Ich vergleiche unseren Pool immer mit einem Baby. Auch das kann man nie alleine lassen...


    Diejenigen, die sich auf den Sonnendecks aufhalten sind nun entweder braungebrannt oder vom Sonnenbrand gekennzeichnet. Nur wenige liegen mit Kleidung an Deck. Der ständig wehende Wind lässt wohl manche in dem Glauben, die Sonne sei nicht so stark. Dabei steht sie stundenlang fast senkrecht am Himmel.


    Gestern Abend haben wir beim Zappen im Fernseher doch noch zwei deutschsprachige Kanäle entdeckt. In einem werden Spielfilme gezeigt. Der andere ist eine Mischung von Sendungen aus arte und ZDF info. Fernsehen online gibt es nach wie vor nicht, obwohl wir uns ständig im Empfangsbereich von 14 bis 18 Satelliten bewegen. Nun wollt ihr sicherlich wissen, wie ich auf diese Zahl komme. Mein Bekannter Harry hat wohl eine entsprechende App, die die Standorte der Erdtrabanten anzeigt. Diese dienen scheinbar jedoch ausschließlich der Navigation, der Aufzeichnung von Wetterdaten oder militärischen Zwecken. Wer sonst außer ein paar Kreuzfahrtschiffen und Frachtern will hier mitten im Atlantik auch schon Fernsehen und Radio empfangen?


    Mittlerweile befinden wir uns nordwestlich der Kapverden. Mir geht's gut während Angelika zunehmend darunter leidet, dass rund um das Schiff nur Wasser zu sehen ist. Scheinbar wirkt sich eine lange Seereise ohne Landberührung doch unterschiedlich auf den Menschen aus.


    Durch das tägliche Vorrücken des Stundenzeigers werden die Tage immer länger. Da unsere reservierte Tischzeit im Restaurant auf 18.15 Uhr festgelegt ist, erscheint mir dieser Termin langsam zu früh, zumal die Sonne noch hoch am Himmel steht. Vielleicht wechseln wir doch wieder ins SB Restaurant um später essen zu können. Alternativ lässt sich vielleicht ein Termin in der zweiten Schicht finden.


    Gestern Abend haben wir nach der Theatervorstellung, der Tenor sang verschiedene Lieder, noch eine Runde durch die Bars und Discos des Schiffs gedreht. Dort wird Musik teils live verschiedener Stilrichtungen gespielt. Gespielt wird auch im Spielsalon an Bord. Poker und Roulette, aber auch Bingo oder alle Arten von Spielautomaten sind vorhanden. Ich kann mit so einer Art von Freizeitgestaltung rein gar nichts anfangen. Aber manche sind scheinbar zufrieden am Daddelgerät oder Spieltisch. Für die Reederei wird das wohl eine weitere Möglichkeit der Generierung von Umsätzen sein.


    Was die Umsätze an Bord anbelangt, fällt hier übrigens keine Umsatzsteuer an, da sich das Schiff ja außerhalb des Hoheitsgebiets Italiens befindet. Vor diesem Hintergrund erscheinen die Erlöse der Veranstaltungen, Ausflüge und Getränkeverkäufe natürlich noch höher. Damit ist es auch erklärbar, dass die Reisen teilweise für nen Appel und ein Ei verschleudert werden.


    Mittlerweile unterhalten wir uns täglich längere Zeit mit Harry und seiner Frau Joke. Da ich bisher keine Niederländer zu meinem Bekanntenkreis zählte, gefällt es mir besonders, deren Gedanken, Erfahrungen und Einstellungen mit den meinen auszutauschen.


    Deshalb an dieser Stelle einen neuen witzigen Spruch, der die Erfahrungen der Holländer mit den Deutschen widerspiegelt. Bei den Nachbarn gibt es das geflügelte Wort: sperrt die Fahrräder ein - die Deutschen sind im Dorf! Das resultiert aus den Erfahrungen des letzten Weltkrieges als in den letzten Kriegstagen die abziehenden Soldaten der Wehrmacht alles, was nicht Niet und nagelfest war, mitgenommen haben. Da die Niederländer schon damals ein Volk von Radfahrern waren, wurden wohl kurzerhand überwiegend Fahrräder konfisziert, zumal ein solches die Flucht heim ins Reich beschleunigt haben dürfte.


    Solch ein Spruch überdauert wohl Generationen und erinnert mich an die Warnung der Alten hierzulande mit dem Spruch: Sperrt die Hühner in den Stall und nehmt die Wäsche von der Leine - die Zigeuner sind im Dorf!


    Wie klein die Welt ist haben wir auch durch unsere neuen Bekannten erfahren. Kennen die doch wiederum vom gemeinsamen Camping her eine Familie aus meinem Geburtsort Marktoberdorf, die wiederum mit meiner Mutter bekannt ist.


    Auch die heimatliche Wirtschaft wird durch die beiden unterstützt. Harry fährt gerne seinen neuen BMW und hat am Haken einen Wohnwagen von Fendt. Damit sichert er den Wohlstand meiner Heimat. Außerdem sind die beiden analog zu mir überzeugte, aber auch kritische Europäer.



    Samstag, 5. Tag der Atlantiküberquerung:


    Heute morgen, oder sagen wir besser Mittag das gleiche wie gestern. Wieder sind wir erst gegen 11 Uhr aufgewacht. Da war es dann schon gleich wieder 12 Uhr. Dafür klappt das Einschlafen erst nach langem Wachsein. Wir zumindest können uns immer noch nicht daran gewöhnen. Die Tatsache, dass das Bett wackelt und wir demzufolge auch nicht ruhig liegen bleiben verhindert wohl das sofortige Einschlafen. Dabei hat der Wind nachgelassen. Immer noch weht er aus östlicher Richtung mit etwa 30 km/h. Die Geschwindigkeit beträgt unverändert 18 Knoten pro Stunde.


    Mir erscheint es wenig, dass wir erst gut 1900 Seemeilen seit Barbados zurückgelegt haben. Heute morgen haben wir den Wendekreis des Krebses überquert. Dazu hat jeder Passagier ein Zertifikat erhalten. Was es damit genau auf sich hat, muss ich zuhause mal nachlesen.


    Daneben haben wir heute Mittag im Bereich des mittleren Pools, das ist da, wo sich die meisten Passagiere an Deck aufhalten, eine Hochzeit beobachten können. Nach wie vor ist der Kapitän auf einem Schiff außerhalb des nationalen Hoheitsgebietes der Vertreter des Staates unter welcher Flagge das Schiff auf den Weltmeeren unterwegs ist. Demnach darf er auch Trauungen vornehmen.


    Im Pool war ich trotz des komplett belegten Heckbereichs alleine um mich beim Schwimmen aufzulockern. Kein Wunder, ist die Wassertemperatur doch wieder etwas geringer als gestern. Auch die Lufttemperatur beträgt nun nur noch knapp über 20 Grad. Da das Schiebedach jedoch fast ganz geschlossen ist, kann man es hier im windstillen Bereich bei einer etwas höheren Temperatur gut aushalten.


    Wir saßen heute Mittag mit einem italienischen Ehepaar am Tisch. Aufgrund einer Mischung von verschiedenen Sprachen konnten wir uns verhältnismäßig gut unterhalten. Dabei habe ich ein paar Dinge erfahren, die mir durchaus interessant erscheinen.


    Die Costa Magica wurde 2004 von der Werft Fincantieri in Monfalcone gebaut. Diese Werft hat noch zwei andere Standorte und baut daneben Kriegsschiffe und andere Schiffe für die zivile Nutzung. Bei unseren Reisen nach Kroatien kommen wir immer auf der Autobahn an Monfalcone vorbei. Da können wir meist ein solches Kreuzfahrtschiff im Bau sehen. Eigentlich sollte ich doch mal von der Autobahn abfahren und mir diese Werft ansehen zumal wir uns ja gerade auf einem Kreuzfahrer verwöhnen lassen.


    Die neue Generation von Kreuzfahrtschiffen von Costa wird wohl nicht nur anders aussehen, sondern unter ganz anderen Bedingungen hergestellt werden. Künftig soll der Rumpf in Norwegen zusammengeschweißt und erst in Italien als Kreuzfahrtschiff fertiggestellt werden. Das wundert mich nun schon. Norwegen ist mir auch nicht als Schiffbaunation bekannt. Hingegen weis ich, dass der Rumpf von Spezialschiffen heutzutage häufig wegen der niedrigen Löhne und der einfachen Arbeiten in Osteuropa zusammengeschweißt wird. Erst der weitere Ausbau erfolgt dann bei spezialisierten Werften in Westeuropa. Vielleicht habe ich aber auch etwas falsch verstanden.


    Zudem soll die Anzahl und Qualität der Kabinen bei den neuen Costa Schiffen erheblich gesteigert werden. Aber nicht nur die Größe ist künftig das Maß aller Dinge sondern auch die Antriebstechnik. Die Costa Schiffe sollen künftig mittels Flüssiggas GPL angetrieben werden. Das erhöht zwar die Kosten für den Brennstoff, bringt aber wohl einen erheblichen Immagegewinn. Schließlich wollen wir ja alle unsere Umwelt schützen. Ich glaube, das Konzept wird aufgehen. Die Verantwortlichen Manager werden diese Investitionen sicherlich durchgerechnet haben.


    Ein Kreuzfahrtschiff wie die Costa Magica bleibt eh nur 20 bis 30 Jahre bei der Reederei im Dienst. Da das Schiff vor gut einem Jahr auf einer Werft in Marseille generalüberholt wurde, ist das Ende in etwa 10 Jahren abzusehen. Dann wird das Schiff nach Asien verkauft und wird dort wohl in einem armen Land noch lange weiterbetrieben werden.


    Unsere italienischen Tischnachbarn sind wie wohl alle auf dem Schiff außer uns alte Kreuzfahrt Hasen. Am Tisch haben sie sich mit dem Chef für Speisen und Getränke unterhalten. Zitat Angelika: so ein schöner Italiener in seiner chicen Uniform!


    Wir haben dabei erfahren, dass vor zwei Tagen eine Frau wohl an einem Herzinfarkt verstorben ist. Das ist jedoch nichts besonderes bei der Anzahl und dem Alter der Passagiere. Solche Dinge bekommen wir Passagiere gewöhnlich nicht mit.


    Hingegen ist mir erst jetzt bewusst geworden, dass die farbigen Passagiere kaum mehr an Bord zu sehen sind. Tatsächlich nutzen wohl viele Bewohner der Karibikinseln das Kreuzfahrtschiff um von einer Insel zur anderen zu gelangen. Die Costa Magica ist also zumindest auf dieser Passage nicht nur ein reines Kreuzfahrtschiff für europäische Urlauber, sondern auch eine Alternative zum Flugzeug oder zur Fähre.


    Auch habe ich von den Italienern die derzeitige Zahl der Passagiere, also derjenigen, die die Atlantikpassage gebucht haben, erfahren. 2300 Passagiere sind bis Santa Cruz an Bord. In Teneriffa werden erfahrungsgemäß auch schon eine Vielzahl von Bord gehen, aber auch noch einige zusteigen.


    Und noch etwas kommt in Teneriffa auf uns zu. Da wir von der Karibik nach Europa reisen ist mit Kontrollen durch die Spanische Polizei zu rechnen. Anscheinend ist so eine Passage immer noch eine Gelegenheit, illegale Drogen von Mittelamerika nach Europa zu schmuggeln. Von Richard, einem Holländer, der schon 20 Kreuzfahrten mit Costa mitgemacht hat und deshalb auch den Diamant Bonus geniesst, habe ich erfahren, dass er vor ein paar Jahren mitbekommen hat, wie die spanische Polizei mit Hunden Kabinen durchsucht und acht jüngere Passagiere festgenommen hat.


    Weil es nun täglich eine Stunde länger hell ist, haben wir die Essenszeit abends verlegt. Nun sind wir in der zweiten Schicht und damit ab 21 Ihr im Restaurant Smeralda im Heck an der Reihe. Dieser Wechsel klappte problemlos. Das hat u. a. den Vorteil, dass wir bei Helligkeit bzw. Sonnenuntergang essen können und einen Tisch direkt am Fenster mit Blick auf den Ozean haben. Darauf freue ich mit heute besonders.



    Sonntag, 6. Tag der Atlantiküberquerung:


    Heute sind wir etwas "früher" aufgestanden. Wie auch die letzten Tage war es nach 11 Uhr. Allerdings wird die Uhr erst heute Nacht von 02 auf 03 Uhr umgestellt. Zur Orientierung ertönte jedoch auch heute wie immer Mittags um 12 drei mal die Schiffssirene.


    Gestern waren wir aufgrund des Wechsels der Essensschicht vor dem Abendessen im Theater. Die Unterhaltung dort ist für uns eine willkommene Abwechslung im eher eintönigen Tagesablauf. Die vielen Angebote an Bord über Tanzkurse oder sonstige Aktivitäten nehmen wir genausowenig wahr wie die organisierten Ausflüge.


    Irgendwie wiederholt oder ähnelt sich die abendliche Unterhaltung im Theater. Auch ist sie künstlerisch nicht allzu anspruchsvoll. Ich meine, es verdient trotzdem Anerkennung, was Costa hier mit begrenzten Möglichkeiten auf die Beine stellt. Gestern war der italienische Tag. Die Gäste sollten möglichst in den Nationalfarben rot, grün und weis gekleidet sein. Dazu gab es Facepainting in den selben Farben. Das Schiff wurde an vielen Stellen entsprechend dekoriert. Die Varieteveranstaltung im Theater war entsprechend gestaltet. Die Tänzer und Sänger fuhren in einem alten 500er Fiat und einer Vespa auf die Bühne. Dazu viel mehr oder weniger bekannte italienische Musik.


    Das Theater selbst macht schon was her. Es erstreckt sich über drei Decks. Die Bühne ist sehr gut ausgestattet. Sie lässt sich drehen oder ganz und in Teilen heben und senken. Die Musikanlage genügt auch für ein Hardrock Konzert. Dazu eine ausgefeilte Beleuchtungstechnik und sogar Nebelmaschinen und etwas Pyrotechnik ist möglich.


    Die Stars der Truppe sind für uns ein russisches Paar, die allerlei schwierige Akrobatik beherrschen. Dann gibt es noch einen sehr guten italienischen Tenor (Spero Bongiolatti) und eine südamerikanische Sängerin (Sharika Bukhory). Auch das zwölfköpfige Ballet beherrscht eine Menge synchronisierter Tänze.


    Tagsüber haben die Mitglieder dieses Ensembles zumindest zeitweise frei. So trifft man diese auch mitten unter den Gästen und kann sich mit Ihnen unterhalten. Der Pantomime Künstler war in Barbados am selben Strand wie wir beim Baden.


    Gestern Abend waren wir nach dem Essen noch in einer Bar wo zwei junge Paraguayer mit Gitarren gespielt und gesungen haben. Irgendwann war auch der Herr Tenor da und trällerte zwei Songs mit den beiden.


    Die Temperatur beträgt derzeit, wir befinden uns auf der Höhe von Spanisch Sahara, etwas über 20 Grad. Der Wind bläst weiterhin mit etwa 30 Km/h, so dass sich auf dem Sonnendeck manche etwas übergezogen haben.


    Fliegende Fische sieht man schon seit Tagen nicht mehr. An den Gesprächen mit anderen Passagieren merke ich, dass sich wohl alle mehr oder weniger auf Teneriffa freuen. Endlich wieder an Land!


    Noch etwas ist mir an der Costa Magica aufgefallen. Mittschiffs befindet sich ein ein riesiges zylindrisches Ding, von dem man aus der Entfernung annimmt, dass es sich um den Kamin handelt. Dem ist jedoch nicht so. Dieser gelbe Turm mit dem großen schwarzen aufgemalten "C" als Logo der Reederei mit ovalem Durchmesser ist aus der Nähe von einem der oberen Decks gesehen nicht ein Schornstein sondern nur die Verkleidung für ein Dutzend Kamine und Abluftschächte. Vermutlich dienen die meisten als Kamin für einen Motor.


    Die anderen dürften Abluftschächte der aufwändigen Lüftungsanlage sein. Die Kabinen wie auch die anderen Räume sind alle an ein Lüftungssystem angeschlossen. Unser Kabinenfenster lässt sich nicht öffnen. Dazu besteht es aus dickem Sicherheitsglas. Lediglich die Balkonkabinen können durch das Öffnen der Balkontüren direkt mit Frischluft versorgt werden. Aber auch die Küchen, Bars, das Theater und alle anderen Räume müssen ausreichend temperiert und gelüftet werden. Die Abluft wird vermutlich nach oben in einem Kamin ausgeleitet.


    Beim Zappen in der Glotze habe ich mal wieder etwas deutschsprachiges gefunden. ARD und ZDF sind nun Empfangsbereich. Allerdings scheinen die Sendungen aufgezeichnet zu sein. Nachrichten konnten wir seit einer Woche keine empfangen. Die Welt muss sich also ohne unser Zutun weiterdrehen...


    Wir haben vor, auf Teneriffa mit dem Bus oder Taxi nach La Laguna zu fahren und den Tag dort zu verbringen. Die Insel selbst ist mir von bisher vier Reisen her ja nicht gerade unbekannt. La Laguna hingegen, die alte Inselhauptstadt kenne ich weniger.


    Dazu möchte ich baldmöglichst einen Wifi Hotspot finden um euch diese Zeilen zu übermitteln, die Emils zu checken und etwas zu telefonieren.


    Montag Vormittag:


    Sind bei strahlendem Sonnenschein in La Laguna auf Teneriffa. In einer halben Stunde beginnt die deutschsprachige Stadtführung.


    Grüße


    Jürgen


    PS: hoffentlich ist mein Kurzroman nicht zu ausführlich geraten...

  • Ich habe Deinen Reisebericht mit Vergnügen gelesen, Jürgen. :)


    Mein Mann hat inzwischen auf unseren Kreuzfahrt-Touren das gleiche Hobby. Er schreibt auch täglich Reiseberichte. ^^

    El mundo es un libro, y quienes no viajan leen sólo una página.(Aurelio Agustín)
    Gruß Jofina

  • Jetzt habe ich mich doch ( müde nach einer langen Wanderung am Lago Maggiore) an Deinem langen Bericht "festgebissen".
    Interessant, und ich bewundere mal wieder, was Dir so alles aufgefallen ist.
    Danke für diese Fleißarbeit, die uns doch allerhand Einblicke ermöglichte in das war Ihr erlebt habt und das, was Du so immer beobachtet und resümiert hast!


    Jetzt hoffe, dass der letzte Teil Eurer Reise auch noch so positiv verläuft und Angelika sich wieder wohl fühlt.


    Liebe Grüße,
    Elke

  • Hallo Jürgen,


    es war mir ein Vergnügen deinen kurzweiligen Reisebericht zu lesen, musste aber drei Anläufe nehmen, da ich immer wieder gestört wurde.

    Jürgen schrieb:

    Angelika zunehmend darunter leidet, dass rund um das Schiff nur Wasser zu sehen ist.

    Denke mir würde es auch wie deiner Angelika gehen, wenn ich so lange kein Land weit und breit sehen würde.


    Weiterhin noch eine schöne Reise euch Beiden.


    Liebe Grüße
    Steffi

    Ein Lächeln am Morgen ist die Sonne, die uns durch den Tag begleitet :)

  • Bericht über unseren halben Tag auf der Insel des ewigen Frühlings Teneriffa:


    Heute hat fast alles gepasst. Nur am Rande erwähnen möchte ich, dass ich bzw wir nun jede Nacht etwa zwei Stunden wach liegen bis wir endlich einschlafen. Das ist nicht sonderlich angenehm.


    Um 08 Uhr haben wir anscheinend pünktlich in Santa Cruz de Tenerife angelegt. Entsprechende Geräusche haben mich geweckt. Somit gab es nach Tagen mal wieder ein Frühstück. Gegen zehn dann raus aus dem Schiff und die Mole entlanggelaufen bis zum Taxistand. Dort hatten wir ein negatives Erlebnis, welches zum Glücksfall für uns wurde.


    Ein gut deutsch sprechender Taxifahrer sprach mich an, ob wir ein Taxi benötigen und wenn ja, wohin es gehen soll. Ich nannte ihm mein Ziel La Laguna, worauf er die Nase rümpfte und meinte, dass es dort überhaupt nichts zu sehen gäbe. Als ich ihm erklärte, dass die Stadt UNESCO Weltkulturerbe sei, meinte er, dass dies seit dem 17. Jahrhundert vorbei sei. Offensichtlich hat der Herr doofe Touristen ohne irgendwelche Vorkenntnisse gesucht, denen er überteuert eine möglichst weite Fahrt verkaufen wollte.


    Somit haben wir fast nebenan ein Auto gemietet und sind selbst ins gerade mal 15 km entfernte La Laguna gefahren. Der Vermieter hat uns gesagt, dass es vor Ort Führungen auch in deutscher Sprache gibt und gleich im dortigen Touristenbüro angerufen wo ich dann einen Termin in einer Stunde reserviert habe. Als einigermaßen ortskundiger habe ich trotz überfüllter Parkplätze einen zentrumsnahen Parkplatz gefunden. Dann ab in ein Café, nach einer Woche die Emails checken und meinen "Kurzroman" ins Forum einstellen. Tatsächlich sind Emails heutzutage auch für mich wichtig. Eine Kurzantwort in einer Terminsache verfasst und ein halbes Dutzend Anzeigen verlängert und der Urlaub konnte weitergehen.


    Die kostenlose Führung durch eine in Deutschland aufgewachsene Spanierin war sehr gut. Dies auch deshalb, weil wir in Gebäude und Innenhöfe kamen, die wir ansonsten nicht beachtet hätten. Anschließend gingen wir zum örtlichen Markt, der zwar teilweise bereits geschlossen hatte, aber für einen Barriquito Spezial an einer Stehbar genügte es noch.


    Der Barriquito ist ein spezieller Kaffee, der in einem schlanken Glas serviert wird. Zuerst kommt etwas Kondensmilch ins Glas, dann ein Orangenlikör und der Kaffee mit Sahne. Gekrönt wird das Ganze mit etwas Zimt. Sollte ich diese regionale Spezialität etwas falsch oder ungenau beschrieben haben, bitte ich Jofina um Berichtigung. Nach einer Runde durch den Markt noch ein Glas Vino Tinto und wir waren gestärkt für den Stadtrundgang in Eigenregie durch den Parque de La Constitution und ein paar pittoreske Gassen.


    Da uns der Wettergott immer noch bei Laune hielt, dürften die Fotos vorzeigbar sein. Somit habe ich ausreichend Bildmaterial für ein paar Berichte aus der Karibik und La Laguna. Da ich bei meinen kurzen Landgängen immer nur kurze Zeit mit dem IPad einen WLAN Zugang finde, muss dieser genügen um Texte zu übermitteln.


    Nun genießen wir die Sonne ohne den lästigen Wind an Deck und warten auf das Auslaufen der Costa Magica um 17 Uhrvom Deck aus visuell Teneriffa zu verabschieden. Heute Abend soll es im Theater irgend etwas spanisches geben. Das passt zur Gegend. Wir lassen uns überraschen...



    Dienstag, Seetag auf dem Weg von Teneriffa nach Gibraltar:


    Gestern sind wir beide nach langer Zeit mal wieder relativ schnell eingeschlafen. Scheinbar hatten wir ein Schlafdefizit aus der Nacht zuvor, weil wir mit Unterbrechungen bis Mittags geschlafen haben. Irgendwie kann ich mich immer noch nicht daran gewöhnen, dass man im Bett liegend ständig durch die Bewegungen des Schiffs das Gewicht von links nach rechts und wieder zurück verlagert. Seekrank wurden wir beide jedoch bisher nicht.


    Wohl aufgrund der Nähe zu Europa empfängt das Schiff nun auch drei öffentlich rechtliche deutsche Sender im Fernsehen. Als Gartenbesitzer freuen wir uns deshalb als wir erfahren, dass sich Sonne und Regen zuhause abwechseln. Schließlich wurde der Garten ja erst vor drei Jahren angelegt und die Pflanzen sind noch nicht so gut eingewachsen, dass auf das Gießen während Trockenperioden verzichtet werden kann. Unser italienischer Mähroboter "Luigi" dreht seit 14 Tagen seine Runden und so hoffen wir auf einen grünen Garten mit adäquatem Rasen.


    Heute Nachmittag habe ich auch das erste Schiff auf hoher See außer der Costa Magica gesehen. Es handelte sich um einen entgegenkommenden Frachter, der wohl in Richtung Kanaren oder Südamerika unterwegs ist.


    Der Blick von einem der oberen Decks gestern Abend beim Auslaufen aus dem Hafen von Santa Cruz de Tenerife hat schon was für sich. Irgendwann taucht die Spitze des Teide auf, der war frei von Wolken, aber für ein brauchbares Foto einfach zu weit entfernt. Ein Grossteil der Passagiere lässt sich dies wohl nicht entgehen. Überall standen sie an der Reling und blickten auf das kleiner werdende Eiland. Ich persönlich verbinde mit der Stunde, bis wir Teneriffa hinter uns gelassen haben, besondere Erlebnisse der Vergangenheit.


    Vor knapp eineinhalb Jahren bin ich auf einem wunderschönen Pfad von Igueste zum Semaforo gewandert. Natürlich habe ich Teile des Weges und auch Ausgangspunkt und Ziel der damaligen Wanderung, die ich euch ja hier im Forum vorgestellt habe, vom Schiff aus entdeckt. In diesem Teil des Anagagebirges gäbe es noch so manchen Wanderweg, der mir gefallen könnte. Die Nordspitze Teneriffas ist unbesiedelt und nur durch ein paar Wanderwege erschlossen. Vielleicht war es ja nicht das letzte mal, dass ich auf Teneriffa war.


    Noch ein Nachtrag zu Teneriffa. Tatsächlich gab es keinerlei Kontrollen durch die spanische Polizei beim Verlassen des Schiffs. Hingegen mussten wir vor dem Boarding einem uniformierten Beamten unsere Costa Bordkarte vorzeigen.


    Und noch etwas war mir neu. Es gibt nun eine Straßenbahn, die Santa Cruz mit La Laguna verbindet. Die Haltestelle befindet sich in der Nähe des imposanten Theaters und somit etwa eine Dreiviertel Stunde Fußweg vom Kreuzfahrtterminal entfernt. "Again what learned" würde Lothar Matthäus sagen...


    Eine Begebenheit vor ein paar Tagen möchte ich euch noch erzählen. Als wir am Italientag beim Abendessen im Restaurant saßen und eigentlich alle Gäste schon gegessen hatten ertönte aus dem Lautsprecher das bekannte Lied "O Sole mio". Die Kellner, alles Asiaten und Mittelamerikaner hatten Schürzen mit italienischen Sprüchen und den italienischen Nationalfarben umgebunden. Beim zweiten Lied welches zu vernehmen war, handelte es sich um einen Schlager. Das war wohl das Zeichen für das Personal, die Damen unter den Gästen zum Tanz aufzufordern. Somit wurde plötzlich zwischen den Tischen getanzt. Für mich ist das wieder ein Stück Italien auf der Costa Magica. Ob diese Art der Lebensfreude oder Bordunterhaltung auf jedem Schiff denkbar ist, kann ich nicht sagen.


    Auch wurde einer der letzten Abende als Galaabend bezeichnet. Da gab es zwar auch nichts besonderes zu Essen. Insider wie meine neuen niederländischen Bekannten haben sich nicht nur fein, sondern pikfein gemacht. Die Herren mit Fliege, die Damen im Abendkleid. Solche Dinge sind bei uns zuhause vielleicht noch vorhanden, dann aber ins hinterste Eck des Kleiderschranks gewandert.


    Morgen werden wir wohl plangemäß um 12 Uhr mittags in Gibraltar ankommen. Leider soll es bereits um 18 Uhr wieder weiter nach Marseille, unserem Endziel gehen. Obwohl die Zeit etwas knapp bemessen ist, habe ich vor, auf einem Wanderweg den Felsen zu besteigen. Der Weg ist nicht schwierig und gut ausgebaut. Es geht halt gute 300 Meter nach oben. Dafür sollen die Ausblicke auf La Linea, Algeciras und Estepona oder das Hinterland schön sein. Da Petrus mittlerweile mein Verbündeter ist, hoffe ich auf seinen Beitrag zu meinem geplanten Ausflug. Dies, weil ich Gibraltar ja bereits kenne und euch ebenfalls hier im Forum schon gezeigt habe. Mal sehen, ob ich mein Vorhaben verwirklichen kann.


    Die Sonne scheint. Es geht nun ab in die Stadt...


    Grüße


    Jürgen



    Von meinem iPad gesendet

  • Der Barriquito ist ein spezieller Kaffee, der in einem schlanken Glas serviert wird. Zuerst kommt etwas Kondensmilch ins Glas, dann ein Orangenlikör und der Kaffee mit Sahne. Gekrönt wird das Ganze mit etwas Zimt. Sollte ich diese regionale Spezialität etwas falsch oder ungenau beschrieben haben, bitte ich Jofina um Berichtigung.

    In unserer Region auf dem Festland Spaniens ist der Kaffee, mit Alkohol, der Carajillo. Das ist ein Espresso mit Brandy.
    Den Barraquito trinkt man wohl eher auf den Kanaren.



    Und noch etwas war mir neu. Es gibt nun eine Straßenbahn, die Santa Cruz mit La Laguna verbindet. Die Haltestelle befindet sich in der Nähe des imposanten Theaters und somit etwa eine Dreiviertel Stunde Fußweg vom Kreuzfahrtterminal entfernt. "Again what learned" würde Lothar Matthäus sagen...


    Jürgen, hattest Du Dir vorher gar nicht meinen La Laguna-Fotobericht durchgelesen? Da hatte ich von der Straßenbahn berichtet, die von Santa Cruz nach La Laguna fährt und zurück. Billiger und bequemer geht es nicht.


    Ich persönlich finde Santa Cruz übrigens interessanter als La Laguna. Inzwischen war ich in beiden Orten schon zweimal (s. meine Fotoberichte). Aber das ist natürlich Geschmacksache.


    Ich wünsche Euch weiterhin eine schöne Kreuzfahrt. :)


    In Marseille war ich auch schon 2x (während einer Kreuzfahrt). Ich bin aber noch nicht dazu gekommen, einen Fotobericht zu machen. Wir waren angenehm überrascht von dieser Stadt. Wir hatten sie nicht so schön erwartet. Ganz toll fand ich die auf dem Berg befindliche Basilika Notre-Dame de la Garde. Dir macht es sicherlich nichts aus, da hinauf zu kraxeln. ^^ Wir sind mit dem öffentlichen Stadtbus dort hinauf gefahren (er hält am "Alten Hafen"). Die Basilika selbst ist toll und vor allem auch die Aussicht. :thumbup: Von dort blickt man auch auf die Gefängnis-Insel des "Grafen von Monte Christo". ^^

    El mundo es un libro, y quienes no viajan leen sólo una página.(Aurelio Agustín)
    Gruß Jofina

  • hallo zusammen,


    Ich konnte mein Vorhaben einer Wanderung auf den Felsen von Gibraltar verwirklichen. Zum Glück hatte es nur 24 Grad Celsius im Schatten, wenn denn einer vorhanden gewesen wäre. Die Affen und die vielen militärischen Bauten wie auch viel Grünes und buntes und schöne Weitblicke waren mit dabei.


    Alles in allem ein schöner, aber anstrengender Nachmittag.


    Nun aber ab in den Pool...


    Grüße


    Jürgen

  • Seetag zwischen Gibraltar und Marseille:


    Gibraltar war genauso wie ich es mir vorgestellt habe. Die Letzte Kolonie in Europa kenne ich ja von einem früheren Besuch. Bilder davon habe ich euch bereits gezeigt. Die Sonne schien und den ganzen Nachmittag war kaum eine Wolke am Himmel. 24 Grad im Schatten sind eigentlich ok. Nur nicht, wenn man eine Treppe in der prallen Sonne mit ein paar hundert Stufen hinauf auf den Felsen steigt. Ja, auch das ist möglich, wenn auch die meisten Touristen mit der Seilbahn oder Kleinbussen nach oben fahren. Ersteres hat den Nachteil, dass man eine Weile warten muss bis man das Ticket erworben hat und dann erneut, bis man in die Gondel steigen kann.


    Die zweite Möglichkeit ist zwar theoretisch schneller, weil die Fahrer der Kleinbusse, die nach oben fahren direkt neben der Talstation der Seilbahn auf Touristen lauern und die Plätze drei Pfund, wir befinden uns in einer Kolonie Großbritanniens mit der britischen Währung, billiger verkaufen. Allerdings wollen die verständlicherweise auch nur mit vollständig belegten Fahrzeugen nach oben fahren. Im ungünstigsten Fall erwirbt man somit ein Busticket und wartet eine Stunde, bis es losgeht. Gerade für Kreuzfahrttouristen wird somit die Zeit eng weil das Schiff nicht wartet.


    Ich bin gegen 12.30 Uhr vom Schiff losgegangen und war insgesamt zu Fuß bis 17.00 Uhr unterwegs. Eine Dreiviertel Stunde nach dem Start am Terminal habe ich mich von einem Bekannten getrennt. Tatsächlich erreichte er die Bergstation bei Benutzung der Seilbahn mehr als eine halbe Stunde nach mir, obwohl ich zu Fuß nach oben ging. Der Eintritt in den Naturpark Kostet sechs Euro. Auf dem Weg sah ich so manche alte Festung oder viel Natur und hatte immer wieder neue Ausblicke auf das Land unter mir. Mehr als 300 Jahre sind die Briten nun hier, nachdem sie die Spanier mit der Eroberung des strategisch wichtigen Felsens überrumpelt hatten. Bis heute dauert der Streit um Gibraltar an.


    Was aus der offenen Grenze nach dem Wirksamwerden des Brexits wird, steht in den Sternen. Ohne das spanische Hinterland geht eigentlich nichts in Gibraltar. Alleine von Briefkastenfirmen und Geldern dubioser Herkunft kann man nicht leben.


    Oben auf dem Felsen hatte ich dann die Begegnung mit dem "Wahrzeichen Gibraltars", den frei lebenden Berberaffen. Erstaunlich, wie jeder Mensch, der so ein possierliches Tierchen sieht, sofort zu lächeln beginnt. Dabei sollte man nicht zu unbekümmert sein. Grundsätzlich gilt: nichts offen ungesichert mit sich führen, vor allem keine Lebensmittel, nicht zu nahe ran gehen, nicht füttern und nicht streicheln. Ein Biss von einem ausgewachsenen Affen ist nicht nur aufgrund der spitzen und langen Eckzähne äußerst schmerzhaft, sondern auch hochinfektiös.


    Tatsächlich hatte bei meinem Besuch gerade ein Affe einer Frau einen Apfel entwendet und war gerade beim Verspeisen als ich es trotzdem probiert habe, das Tier zu streicheln. Scheinbar war der Affe zufrieden und ließ mich gewähren.


    Danach ging ich über den Skywalk, so etwas kenne ich aus Madeira vom Cabo Girao, und danach gemütlich über die Fahrstrasse zurück in die Stadt. Dort ein Umweg über den Botanischen Garten, unten noch ein kaltes Bier getrunken und zurück aufs Schiff. Dieses wurde mittlerweile aufgetankt, scheinbar sind Diesel und Schweröl hier am Billigsten. Um 18.00 Uhr ging es dann weiter nach Marseille, unserem Endziel. Angelika blieb an Bord und genoss die Ruhe am Pool. Scheinbar waren alle an Land. Kein Wunder, wird doch an allen Ecken billiger Schnaps, Zigaretten, Schmuck, Uhren oder Textilien angeboten. Nur blöd, dass ich das Zeug nicht gebrauchen kann oder nicht schleppen möchte.


    Nun sind wir also auf dem Weg nach Marseille. Das Mittelmeer ist merklich ruhiger als der Atlantik. Vor allem nachts merken wir den Unterschied. Zumindest heute Nachthaben wir etwas besser geschlafen. Auch sieht man nun tagsüber immer wieder mal ein anderes Schiff, sei es ein Fischerboot, ein Tanker, ein Frachter oder ein Segelboot.


    Da sich unser Urlaub der ungewohnten Art dem Ende neigt, wird es Zeit, Bilanz zu ziehen. Diese Bilanz ist durchwachsen, wie ich euch anhand verschiedener persönlicher Eindrücke in den vergangenen Tagen geschildert habe. Vorgefasste Meinungen sind teils bestätigt, teils widerlegt worden. Wir haben eine Menge neues gelernt und sehr viel gesehen. Dies liegt aber sicher auch daran, weil ich von Haus aus neugierig bin. Sicherlich gibt es Urlauber, denen genügen das Essen und die Veranstaltungen an Bord. Auch gibt es welche, denen reicht ein Spaziergang im nächsten Hafen. Dann gibt es diejenigen, die alle organisierten Ausflüge mitmachen.


    Wir können uns durchaus vorstellen, wieder mal eine derartige Reise zu machen, auch wenn unser Problem des ausreichenden und erholsamen Schlafs ungelöst ist. Wer wie wir oft bis Mittag an Bord im Bett bleibt, weil erst in der späten Nacht und am Vormittag am Schlaf zu denken ist, der steht schon mit einem unguten Gefühl auf. Wenn das Schiff im Allgemeinen am Morgen an einem Hafen festmacht, sind eh so viele Geräusche an Bord zu hören, dass an Schlaf nicht mehr zu denken ist. Spätestens am übernächsten Tag ist man dann fertig. Tatsächlich war es jedoch so, dass das Mittelmeer anscheinend wesentlich ruhiger ist als der Atlantik. Dadurch läuft das Schiff ruhiger und somit sind die Vibrationen und Nebengeräusche geringer. Bis auf polternde Partyfreaks weit nach Mitternacht war es ruhig im Bereich unserer Kabine.


    Mir gefiel besonders das langsame Überwinden von verschiedenen Klimazonen wie es bei unserer Atlantiküberquerung der Fall war. Die Karibik und Mitteleuropa im April trennen diesbezüglich einfach Welten. Auch auf dem Rückweg von Thailand nach Europa habe ich wiederholt einen Stopp in Dubai eingelegt um den Wetterschock abzumildern.


    Die Costa Magica ist kulturell ein Stück Italien. Das Personal war erkennbar engagiert, egal ob es sich nun um die sichtbaren oder verdeckt arbeitenden handelte. Das Essen war ok, aber nicht das Luxuriöse, was wir uns vorgestellt haben. Die Abwechslung hielt sich in Grenzen. Selbst Gelatti und Pizza standen nie auf der Speisekarte, wobei man Pizza gegen Aufpreis ordern könnte. Um sich ausgewogen zu ernähren ist jeder eigenverantwortlich gefordert. Allerdings haben wir festgestellt, dass am Essen gespart wird. Die Qualität war ok. Die Auswahl jedoch war nahezu täglich die selbe. Wir beide sind jedoch in keinster Weise wählerisch und können für gut zwei Wochen damit leben.


    Die Tatsache, dass jedes Getränk extra kostet und die Preise hierfür in etwa beim Doppelten von meiner Heimat liegen, befremden zumindest uns als Kreuzfahrtneulinge schon. Alles wird über die Bordkarte abgerechnet. Wer diese nicht regelmäßig an einem der Automaten kontrolliert, der ist schnell bei einer vierzehntägigen Reise für zwei Personen bei hohen Beträgen. Auch finde ich es befremdlich, dass zwar pro Tag und Person die Bordkarte automatisch mit 10€ Service Charge (Zwangstrinkgeld) belastet wird, jedes Getränk jedoch zusätzlich mit einer Gebühr von etwa 15 % belastet wird. Dies auch vor dem Hintergrund, dass keine Umsatzsteuer anfällt.


    Da ich generell jedem intransparenten System misstraue, kann ich auch nicht nachvollziehen, wie diese Trinkgelder von etwa 380.000 € bei unserem Trip verteilt werden. Seit gut einem Jahr gibt es ein Urteil eines deutschen Oberlandesgerichts, wonach diese Trinkgelder in den Endpreis eingerechnet werden müssen. Da der deutsche Markt nun mal wie auch in anderen Bereichen in Europa die Standards setzt, dürfte das Zwangstrinkgeld abgeschafft, dann aber in den Gesamtpreis der Reise eingerechnet sein. Das finde ich ok.


    Wie ich erfahren habe, beginnen die Löhne der unteren Bediensteten, die überwiegend aus Mittelamerika, Indonesien und den Philippinen stammen bei 600€ pro Monat. Dies bei freier Unterkunft und Verpflegung und Waschservice. Inwieweit hier irgendwelche Sozialabgaben anfallen, ist mir nicht bekannt. Hingegen weis ich, dass dieses Personal über "Agenten" vermittelt wird, die sich ihre Arbeit sicherlich auch vergüten lassen, in welcher Form und welcher Höhe auch immer.


    Ähnlich dem Personal auf unter deutscher Flagge fahrenden Schiffen sind die Gehälter des italienischen Personals sicherlich auch steuerlich begünstigt. Es liegt wohl im Interesse des jeweiligen Landes, das vollständige Ausflaggen zu verhindern.


    Erst gestern Abend, als wir mit unseren holländischen Bekannten noch in einer Musikkneipe an Bord zusammensaßen, haben wir einen Einblick in das Nachtleben an Bord gewonnen. Party ist täglich angesagt. Das Motto und die Kostüme wechseln. Die Animateure leisten ganze Arbeit.


    Schön fanden wir die Verabschiedung der Gäste gestern Nachmittag durch den Kapitän im Theater. Ein Klavierspieler musizierte, dazu gab es ein Glas Sekt und einige ältere Gäste tanzten auf der Bühne wobei sie von nobel gekleideten Angestellten zum Tanz aufgefordert wurden. Die "alten Kreuzfahrt Hasen", wobei der Begriff "alt" sich sowohl auf die Erfahrung als auch auf das Alter bezieht waren nobler als auf einer Hochzeit gekleidet. Anscheinend ist diese Veranstaltung eine Tradition auf dem Schiff.


    Das Ausschiffen selbst sollte eigentlich nach mehr als 15 Jahren Betriebszeit bei der Costa Magica eine Routineangelegenheit sein. Tatsächlich widersprechen sich hierbei die Aussagen und Anforderungen an die Passagiere. Erst wird die Ankunft in Marseille für 12 Uhr, dann für 08 Uhr, dann für 11 Uhr avisiert. Das Zimmer soll bis 08 Uhr geräumt sein. Nach der Räumung erhält man die schriftliche Miteilung in den Briefkasten vor der Kabine, dass das Zimmer erst um 10 Uhr geräumt werden muss.


    Das Gepäck ohne Handgepäck wird bis 01 Uhr nachts vor die Kabine gestellt, dort abgeholt und anscheinend im Terminal nach farblich gekennzeichneten Gruppen zur Abholung deponiert. Die aussteigenden Passagiere sollen nun je nach Farbe in einem der an Bord befindlichen Lokale bis teilweise 14.45 Uhr warten bis sie das Schiff verlassen können. Es ist meines Erachtens ein Unding, dass nach dem Anlegen stundenlang auf die Aushändigung des Gepäcks gewartet werden muss. All diejenigen, die in Eigenregie wie wir die Heimreise organisiert haben, wollen doch so schnell wie möglich runter vom Schiff. Auch das ist halt Italien. Das muss man halt akzeptieren. Vielleicht ist es aber auch nur bei Costa so kompliziert denn die an Bord bleibenden Tagesausflügler dürfen fünfzehn Minuten nach dem pünktlichen Anlegen von Bord gehen. Das ist ja auch deshalb wichtig, weil die Reisebusse der Reederei, die diese Passagiere zu den an diesem Tag gebuchten Ausflugszielen pünktlich abfahren müssen.


    Denkbar ist aber auch, dass die Abrechnung der Bordkarte für die vielen Passagiere, für welche die Kreuzfahrt hier in Marseille endet, viele Stunden in Anspruch nimmt. Jedes Getränk und jede Dienstleistung wird ausschließlich über die Bordcard abgerechnet. Offiziell soll dieses Konto um 01 Uhrgeschlossen werden. Zu diesem Zeitpunkt sind jedoch sicherlich noch einige Passagiere in den Bars oder der Spielhalle aktiv. Da niemand gerne nachts arbeitet, wird wohl händisch jeder Passagier am darauffolgenden Morgen abgerechnet. Diejenigen, die nicht über eine Kreditkarte verfügen, müssen die "Schulden an Bord" in bar begleichen. Dazu gibt es auch immer wieder Fehler in der Abrechnung, die am Morgen der Abreise im Briefkasten liegt. Bekannten wurde vor einem Jahr ein nicht stattgefundener Arztbesuch in Rechnung gestellt. Die Bordkasse erlebt somit an diesem Morgen einen kleinen Ansturm.


    Ansagen durch den Lautsprecher, dass bestimmte Passagiere zur Info kommen sollen sind für mich ein Anzeichen dafür, dass diese wohl ihre Rechnung noch nicht beglichen haben. Die mobilen Lesegeräte, mit welchen das Sicherheitspersonal die Passagiere bei jedem Betreten und Verlassen des Schiffs erfasst, geben sicherlich auch Auskunft über eventuelle Schulden.


    Nun hoffe ich auf baldigen Empfang meines Gepäcks und vielleicht auf WLAN Empfang im Terminal. Entsprechend meiner Farbe darf ich erst um 14.30 Uhr von Bord gehen. Das Hotel im Zentrum ist reserviert und so ist die dortige Ankunft eh egal. Mal sehen, wie wir zum Hotel kommen. Dann hoffen wir noch, dass die französischen Eisenbahner morgen nicht streiken. Sonst bleiben wir halt etwas länger in Marseille. "C erst La vie" sagt der Franzose. Das ist aber auch der Preis dafür, dass wir alle Komponenten dieser Reise in Eigenregie und nicht eine Pauschalreise gebucht haben, wobei Streik diese Urlauber genauso trifft.


    Ach ja. Dann gibt es noch was ganz wichtiges. Die Sonne scheint, das Meer ist blau und ruhig und die Anfahrt auf Marseille ist traumhaft. Aus dem Dunst tauchen Inseln auf, Fischerboote sind auf dem Meer und überhaupt liegen wir nun im Halbschatten auf einer Liege auf Deck neun und blicken auf den Kreuzfahrt- und Industriehafen und wir sind im Urlaub...


    Mittlerweile sind wir im Hotel gerade mal 100 Meter vom Bahnhof in Marseille entfernt angekommen. Die Bahn soll morgen angeblich nicht streiken. Also können wir uns in Ruhe etwas die Innenstadt ansehen und auch der schleichenden Austrocknung des Körpers bei der Wärme entgegentreten.


    Jürgen

  • Spannend, spannend.... Dein Roman!
    Und interessant ( zumindest für mich)
    Gute Heimreise!
    Da ich ein "Augenmensch" bin, freue ich mich jetzt natürlich auf Bilder!


    Liebe Grüße,
    Elke

  • Hallo Elke,


    1200 Bilder darf ich ab Sonntag sortieren. Wenn das nicht zeitnah geschieht, kenne ich mich nicht mehr aus. In einer Woche geht's schon wieder nach Kroatien. Dazwischen werden wohl ein paar Dinge zuhause erledigt werden.


    Grüße aus Marseille sendet


    Jorgen

  • Wenn das Schiff im Allgemeinen am Morgen an einem Hafen festmacht, sind eh so viele Geräusche an Bord zu hören, dass an Schlaf nicht mehr zu denken ist.

    Wenn Ihr eine Balkon-Kabine nehmt, ist das Geräusch nicht mehr so schlimm. Je weiter man unten eine Kabine hat und dann auch noch ziemlich weit vorne, desto mehr hört man diesen Krach.

    All diejenigen, die in Eigenregie wie wir die Heimreise organisiert haben, wollen doch so schnell wie möglich runter vom Schiff.

    Das wundert mich nun sehr, dass es bei Eurer Costa-Kreuzfahrt so zuging. Es gibt doch auch viele Individual-Reisende, die ihren individuell gebuchten Flieger oder den Zug erreichen müssen. Diese Handhabung haben wir noch nie erlebt. Wir organisieren die Heimreise meistens selbst.


    Wenn wir z.B. nach unserer AIDA-Kreuzfahrt im Mai wieder in Hamburg ankommen, müssen wir am frühen Vormittag den Zug nach Berlin erreichen. Von Berlin fliegen wir dann am frühen Abend nach Spanien. Das wird keine Probleme ergeben, um vom Schiff zu kommen. Das Gepäck stellen wir in der letzten Nacht auch vor die Kabine und holen die Koffer dann aus der Halle am Hafen nach dem Auschecken wieder ab. Danach geht es direkt zum Taxi, das uns zum Bahnhof bringt.


    Das hatte bei der letzten Kreuzfahrt im Januar 2018 auch geklappt, als wir vormittags von Las Palmas abgeflogen sind (auch ein individuell gebuchter Flug).

    El mundo es un libro, y quienes no viajan leen sólo una página.(Aurelio Agustín)
    Gruß Jofina

  • Elke schrieb:

    Da ich ein "Augenmensch" bin, freue ich mich jetzt natürlich auf Bilder!

    Nicht nur du, freue mich auch.

    Jürgen schrieb:

    1200 Bilder darf ich ab Sonntag sortieren.

    Freuen uns schon auf deine Bilder.

    Jürgen schrieb:

    In einer Woche geht's schon wieder nach Kroatien.

    Kaum in LA zurück und schon wieder unterwegs. Deine Enkelkinder kennen dich ja bald gar nicht mehr :grin:


    Liebe Grüße
    Steffi

    Ein Lächeln am Morgen ist die Sonne, die uns durch den Tag begleitet :)

  • Hallo Steffi,


    Die Enkel waren gestern Abend schon da. Kroatien wird ein Arbeitsurlaub.




    Hallo Jofina,


    Auch mir ist das komplizierte Procedere beim Deboarding von der Costa Magica seltsam vorgekommen. Auf Nachfrage hat mir eine Angestellte von Costa erklärt, dass ein Großteil der Passagiere der Costa Magica aus Frankreich stammt und deshalb in Marseille aussteigt. Bis Savona würden nur wenige überwiegend italienische Gäste mitfahren. Dies ist für mich deshalb nachvollziehbar, weil ich glaublich mehr französische als italienische Passagiere auf dem Schiff festgestellt habe. Um dabei ein Chaos und das Suchen von Gepäck dieser etwa 2000 Passagiere zu vermeiden hat Costa dieses Deboarding in Gruppen mit zeitlichen Abständen an den Häfen eingeführt wo viele ihre Kreuzfahrt beenden.


    Die Passagiere werden in acht farblich gekennzeichnete Gruppen eingeteilt, das Gepäck bekommt entsprechende Anhänger und wird wie auch die Passagiere in Gruppen und zeitlichen Abständen von Bord gebracht. Das leuchtet mir ein. Sicherlich gäbe es ein Chaos, wenn das Gepäck von allen in der Halle aufgereiht steht. So handelt es sich um überschaubare Gruppen und deren Gepäck, welches relativ schnell abgefertigt ist.


    Nun ist ein AIDA Kreuzfahrtschiff ja ein gutes Stück kleiner als ein Costa Kreuzfahrer. Damit dürfte das Ein- und Aussteigen auch viel schneller gehen. Somit muss wohl auch nicht so ein Aufwand wie in unserem Fall betrieben werden. Im Übrigen sind gerade zwei AIDA Schiffe auf der Werft in Marseille neben unserem Kreuzfahrtterminal zu sehen. Anscheinend werden die renoviert und repariert. Kommt ein Kreuzfahrtschiff in die Jahre ist wohl eine Sanierung erforderlich. Das ist bei einem Hotel auch nicht anders.


    Marseille war im Übrigen der einzige Hafen auf unserer Kreuzfahrt wo die Pässe bei der Einreise von der Polizei kontrolliert wurden. In Straßburg stiegen Beamte der Bundespolizei zu und gingen durch die Wagons. Vermutlich waren die auf der Suche nach illegal Einreisenden. Nachdem wir also unsere Koffer dreieinhalb Stunden nach dem Anlegen erhalten haben, ging es zu Fuß etwa einen Kilometer weit bis zur Haltestelle des Shuttlebusses, der uns gratis in die Innenstadt von Marseille brachte. Dort befindet sich nicht nur eine Station der Metro, sondern auch das deutsche Konsulat.


    Wir sind zu Fuß mit den Rollkoffern im Schlepptau bis zu unserem Hotel in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofes Saint Charles gelaufen und konnten so um 08.05 Uhr den TGV bzw ICE über Aix en Provence, Avignon, Lyon, Chalons sur Saône, Besancon, Belfort, Mühlhausen, Straßburg, Karlsruhe, Stuttgart und Augsburg in die Heimat nehmen. Metro fahren ist in Marseille wie auch in Paris für körperlich eingeschränkte und Reisende mit Gepäck recht beschwerlich, weil es kaum Aufzüge gibt. Wehe, wenn eine Rolltreppe ausfällt. Auch uns war es nicht möglich, ohne die Überwindung von Stufen mit Gepäck bis zum Bahnsteig zu gelangen.


    Letztendlich haben wir die Heimreise per Bahn auch überstanden. Die Alternative mit dem Flugzeug wäre auch nicht einfacher gewesen, weil wir in diesem Fall nur bis Frankfurt am Main und dann sinnvollerweise den Rest der Strecke ebenfalls per Bahn überwunden hätten.


    Noch etwas möchte ich im Zusammenhang mit der Kreuzfahrt erwähnen. Wir haben die Tour auf der Costa Magica über das französische Reisebüro ABCroisieres.comgebucht, weil die Buchung der reinen Kreuzfahrt ohne Transfers in Deutschland nicht möglich war. Bei der Bezahlung per Kreditkarte wurden die Daten abgegriffen und ein paar Wochen nach Bezahlung missbräuchlich verwendet. Ich bin vierzehn Tage vor Antritt der Reise telefonisch von meiner Bank informiert worden. Ein Schaden ist nicht entstanden. Rechtzeitig vor Antritt der Reise bekam ich eine neue Kreditkarte, die dazugehörige PIN dann während der Reise.


    Nun sind wir nach langer Zugfahrt zuhause angekommen. Leider ist wie erwartet die Waage am Bad "kaputt" gegangen. Sie zeigt doch tatsächlich etwas mehr an als vor der Reise. Hoffentlich lässt sich das alte Ding noch reparieren...


    Grüße


    Jürgen




    Von meinem iPad gesendet

  • Hallo Jürgen,


    gut, dass Du es erwähnt hast in Deinem Reisebericht mit dem Ausschiffen bei Costa.
    Sollten wir mal individuell mit Costa fahren, dann müssten wir das ggf. vorher abklären, ob wir auch früher von Bord können. Eigentlich steht auf der Bordkarte doch auch nicht drauf, ob Du Individual-Reisender bist, oder? Einfach durchgehen beim Schiffs-Ausgang, die Bordkarte vorzeigen und draußen bist Du und damit ausgecheckt.


    Die Leute, die nicht individuell abreisen, verlassen ja zu unterschiedlichen Zeiten das Schiff, je nachdem wann der mitgebuchte Flieger startet oder der Zug losfährt. Dadurch wird auch vieles entzerrt.


    Wir sind auch schon einige Stunden länger an Bord geblieben, weil unser Zug erst mittags losfuhr. Es war natürlich bequemer an Deck oder in einer Bar zu warten als auf dem Bahnhof oder auf dem Flughafen.


    Mit den Farbbändern für die Koffer, damit man sie in der Halle im Hafengelände wiederfindet, ist eine tolle Sache und das machen Gesellschaften.


    Vielen Dank für Deine Reiseberichte. :thumbsup:

    El mundo es un libro, y quienes no viajan leen sólo una página.(Aurelio Agustín)
    Gruß Jofina

  • hallo zusammen,


    nach zwei Tagen und viel Schlaf sind wir auch mental wieder zuhause angekommen. Die aufgelaufenen Rechnungen sind bezahlt, die wichtigsten Arbeiten in Haus und Garten erledigt, Suzi nach dem Kundendienst bewegt und alle 1288 Bilder auf den PC heruntergeladen. Folglich werde ich demnächst etwas Zeit finden und euch ein paar Bilder zeigen.


    Bilder vom der Costa Magica und dem Drumherum gibt es hier im Strang. Andere Bilder werden in eigene Berichte gefasst.


    Nun haben wir ja noch ein kleines Rätsel offen. Vor zwei Wochen habe ich von Bäumen auf der Insel Martinique erzählt, die mit einem roten Kreis markiert sind. Warum ist das so? Hier mal Bilder von so einem Baum.




    grüsse


    jürgen

  • Bei uns werden Bäume so markiert, die zum Fällen freigegeben sind.
    Vielleicht ist es dort das Gegenteil? Bäume, die besonders geschützt sind?


    Gruß,
    Elke

  • Hallo Elke,


    Nein, gefällt werden soll der Baum nicht. Möglicherweise ist er besonders geschützt. Die rote Farbmarkierung ist jedoch eine Art Warnung.


    Grüße


    Jürgen

    • Gäste Informationen
    Hallo, gefällt dir der Thread, willst du was dazu schreiben,
    dann melde dich bitte an.
    Hast du noch kein Benutzerkonto, dann bitte registriere dich, nach der Freischaltung kannst du
    das Forum fast uneingeschränkt nutzen.