D - 1746 Bayern > Oberbayern > SCHWABSTADL > Lechbrücke > ehemalige Zollbrücke

  • D - 1746 Bayern > Oberbayern > SCHWABSTADL > Lechbrücke > ehemalige Zollbrücke

    hallo Rätselfreunde,

    eigentlich schaut diese Brücke aus wie viele andere, die Flußufer verbinden. Und doch ist diese Brücke etwas Besonderes. Wer kann mir sagen, warum dies so ist?



    grüsse

    jürgen
  • Du hast zwar den Lech genannt.
    Aber entschuldige mein Nachfragen:
    Der kanalisierte Wasserlauf auf dem Bild sieht eher schmal aus . Den Lech stelle ich mir andes vor.
    Führt diese Brücke tatsächlich über den Lech und nicht über den Lechkanal?

    Heimaträsel = zwischen Augsburg und Landsberg ?

    Gruß,
    Elke
  • Als Privatbrücke im Eigentum der Lechbrücken-Baugesellschaft war ab dem Jahr 1893 auch die Erhebung von Zoll, des sogenannten Brückengeldes, gestattet.
    In den letzten Kriegstagen 1945 wurde die eiserne Brücke leider gesprengt und noch im gleichen Jahr wieder durch eine Holzbrücke ersetzt.
    1966 wurde dann die Brücke vom Landkreis Landsberg am Lech übernommen und durch eine Brücke aus Beton ersetzt. Ab da war dann auch die letzte Zollbrücke in Bayern Geschichte.
    Besteht die Besonderheit der Zollbrücke bei Scheuring/Schwabstadl/Lichtenberg (LL14) darin, dass noch nach dem Krieg ein Groschen Brückenzoll verlangt wurde und sie als letzte Zollbrücke galt?


    fragt waldi :174:
    Und immer neugierig bleiben!
  • Hallo Waldi,

    Du hast es natürlich entdeckt. Die Lechbrücke bei Schwabstadl war bis Mitte der Sechziger Jahre in privater Hand und eine Zollbrücke. Näheres morgen.

    Es gibt jedoch noch zwei weitere Besonderheiten dieser Brücke. Die möchte ich auch noch wissen.

    Grüße

    Jürgen
  • hallo zusammen,

    nun habe ich etwas Zeit um ein paar Infos nachzuliefern und auf die beiden Dinge hinzuweisen, die ich auch noch von euch wissen möchte.

    Wie Waldi schon geschrieben hat, stand an dieser Stelle eine Zollbrücke. Der Lechübergang hier an sich ist ziemlich alt. Bis etwa 1568 verkehrte an dieser Stelle ein Floß mit welchem man zum anderen Ufer übersetzen konnte. Dann wurde eine Holzbrücke gebaut und immer wieder mal erneuert bis Ende des 19. Jahrhunderts eine Eisenbrücke errichtet wurde. In allen Fällen war bis Ende der 60er Jahre Zoll zu bezahlen. Am Ende nur noch mit einem symbolischen Betrag.



    Hier findet ihr drei Bilder, wie die Brücke in den 50er und 60er Jahren ausgesehen hat.

    touristik-i.de/BeschreibungLech-Hoehenweg.htm

    Die Brücke, die 1965 bis 1966 hier in Stahlbeton errichtet wurde, war ebenfalls etwas Besonderes. Dies hängt mit der Finanzierung zusammen. Wer hat eine Idee?

    Die heutige Brücke ist ebenfalls etwas Besonderes, weil sie an ein geschichtliches Ereignis in der Region erinnert. Welches könnte dieses sein?

    grüsse

    jürgen

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von claus-juergen ()

  • hallo Elke,

    ja, der Wohlfahrt Fritz war schon ein berüchtigtes Schlitzohr. Allerdings gehts hier bei der gesuchten Brücke nicht um diejenige, die Königsbrunn mit Mering und Merching verbindet sondern um die Zollbrücke zwischen den Orten Klosterlechfeld und Scheuring. Die liegt gute zehn Kilometer südlicher.

    Ich habe den Tipp Finanzierung gegeben. Normalerweise wird so ein Bauwerk von bestimmten staatlichen Stellen finanziert. Dies war hier auch so. Nur war im Fall der Zollbrücke eine staatliche Stelle dabei, die sonst nie für so ein Infrastrukturprojekt zahlt. Um welche handelt es sich und warum hat diese Institution hier ausnahmsweise mal mitgezahlt?

    Das geschichtliche Ereignis kennt ihr im Übrigen alle...

    grüsse

    jürgen
  • Neu

    hallo Waldi,

    nein, du liegst schon richtig. Es sind hier symbolisch König Otto I. und Bischof Ulrich von Augsburg dargestellt. Unter deren Führung siegten die Truppen "Deutschlands" oder des damaligen Ostfrankenreichs soweit man damals überhaupt von Deutschland sprechen konnte, gegen die Hunnen. Man spricht ja auch heute noch von der Schlacht auf dem Lechfeld.

    Neueste Forschungen ergeben bezüglich der Örtlichkeit folgendes Bild:

    Anders als früher, wo man dachte, daß diese Schlacht auf dem Lechfeld, also südlich von Augsburg zwischen den Flüssen Lech und Wertach stattfand, ist man heute der Ansicht, daß diese Schlacht zum einen vermutlich etwa zwei Wochen lang andauerte und des weiteren es keinen genauen Ort gibt, wo diese Schlacht stattgefunden haben sollte. Vermutlich haben einzelne Gruppen von Kriegern rund um Augsburg gegeneinander gekämpft.

    Sicher ist jedenfalls, daß starker andauernder Sommerregen den Lech und wohl auch die Wertach über die Ufer treten ließ und somit das Vorankommen aber auch der Rückzug der ungarischen Reiter erschwert war. Ob tatsächlich auch Dauerregen die Bogenwaffe der Hunnen unbrauchbar gemacht hat, ist denkbar, aber nicht nachweisbar.

    Als diese neue Lechbrücke hier beim Zollhaus vor ein paar Jahrzehnten gebaut wurde, nahm man jedenfalls den Raum nördlich der Brücke als Schlachtfeld an. Deshalb wohl auch das Mosaik.





    de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_auf_dem_Lechfeld

    Damit ist noch die dritte Frage offen. Es geht um die Finanzierung der Brücke. Drei Beteiligte sind hier im Wappen dargestellt. Es fehlt der vierte. Diesen kann man herausfinden, wenn ich euch sage, daß es sich hierbei auch um eine staatliche Stelle handelt und diese "im weitesten Sinne" im Zusammenhang mit der Schlacht auf dem Lechfeld gesehen werden kann. Auch spielt der Zeitraum des Baus der neuen Brücke 1965 und 1966 eine Rolle. Der Standort war damals wichtig, weil die nächste Brücke über den Fluß im Norden erst in Augsburg stand und im Süden in Kaufering.



    Nun hoffe ich, daß die letzte Frage bald gelöst ist.

    grüsse

    jürgen

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von claus-juergen ()

  • Neu

    Nach meinen Nachforschungen sind die drei beteiligten Finanzierer nur Einer!

    Das Wappen ist nämlich das vom Landkreis Landsberg am Lech.

    Das "Haus der Bayerischen Geschichte" schrieb:

    Der Adler stammt aus dem Wappen der Grafen von Dießen-Andechs, die bis 1247 das bedeutendste Geschlecht im Süden und Osten des heutigen Landkreises Landsberg waren. Der Löwe ist das Wappenzeichen der welfischen Herzöge, deren Stammgüter bis Ende des 12. Jahrhunderts im Westen des heutigen Kreises lagen. Die bayerischen Rauten im Schildhaupt erinnern daran, dass die Wittelsbacher im Gebiet zwischen Ammersee und Lech 1247 bzw. 1268 die Besitz- und Rechtsnachfolge der Dießen-Andechser und der Welfen-Staufer antraten und über Jahrhunderte behielten
    Da kann ich bei dem vermeintlichen "Vierten" nur raten. Im Netz findet man ja nix drüber.
    Ich tippe auf das Verteidigungsministerium.


    Liebe Grüße von waldi :174:
    Und immer neugierig bleiben!
  • Neu

    Hallo Waldi,

    wie du aus den folgenden Bildern erkennen kannst, haben der Landkreis Landsberg am Lech, der damals noch existierende Landkreis Schwabmünchen, heute Bestandteil des Landkreises Augsburg und der Freistaat Bayern wie auch woanders üblich die Brücke bezahlt.





    Ausnahmsweise hat auch das Bundesministerium für Verteidigung hier in die Geldbörse gegriffen. Warum?

    Eigentlich ganz einfach. Wenige Jahre vor dem Bau der Brücke wurde die Bundeswehr neu gegründet. In den ersten Jahren wurden deshalb auch neue Standorte geschaffen und alte Wehrmachtskasernen reaktiviert. Wenige Kilometer nördlich der Brücke und westlich des Lechs bestand seit den 30er Jahren der heute noch existierende Fliegerhorst Lagerlechfeld, wenige Kilometer südlich davon und östlich des Lechs der Fliegerhorst Landsberg-Penzing und in Landsberg drei weitere Kasernen. In einer war eine Panzertruppe stationiert.

    Somit war klar, daß die Brücke eine wesentlich höhere Tragkraft als eine normale Brücke über den Lech haben mußte. Dies war der Grund, daß die Militärs bei der zivilen neuen Brücke mitgezahlt haben.

    Ein paar hundert Meter oberhalb der Brücke befindet sich die Lechstaustufe Schwabstadl. Die wurde etwa um die gleiche Zeit erbaut. Auf dem Bild kann man auch heute noch die Sprenglöcher erkennen, die im Verteidigungsfalle wie auch bei allen anderen Lechbrücken und Staustufen gezündet worden wären um Onkel Iwan am schnellen Vorrücken nach Westen aufzuhalten.



    Vielen Dank fürs Mitmachen sagt

    jürgen
  • Neu

    claus-juergen schrieb:

    Ausnahmsweise hat auch das Bundesministerium für Verteidigung hier in die Geldbörse gegriffen.
    Ich hatte inzwischen schon den Verdacht, dass das "geheime Verschlusssache" ist und bleibt.
    Wo hätte man denn diese Info finden können? :blink2: Gibt es da ein einsehbares Dokument?

    Gruß,
    Elke