(5) SANKT NEPOMUK, der Brückenheilige, Teil 5

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      Liebe Elke, nein , im Cafe Eiles kannst du den nicht sehen, da müsstest du in die Küche und dann bei der Türe ins Stiegenhaus. Einfacher ist es, den Eingang in der Lenaugasse zu nehmen und hoffen, dass jemand aufmacht.

      Aber diesen kannst du ganz bequem ansehen:

      Wien 1110, Simmering
      Hauffgasse / Am Kanal

      Hier befindet sich das Johannes-Stöckl, welches Ende des 19. Jahrhunderts errichtet wurde. Damals befand sich an dieser Stelle eine Brücke über den Wiener Neustädter Kanal. Der Nepomuk ist schon etwas älter, er stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.




      Johannes
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      Guten Abend!

      Ich stelle hier nocheinmal ein kleines Bild vom Nepomuk aus dem Beitrag # 177 von der moderenen Nepomukdarstellung am Bahnhof Stadlau ein.



      Der Künstler, Herr Werner Feiersinger hat mir seinen Projekttext zur Verfügung gestellt und die Erlaubnis zum Zitieren erteilt:

      „Projekttext Heiliger Johann von Nepomuk

      Meine Beschäftigung mit diesem Thema findet ihren Ausgangspunkt in der bekannten Nepomuk-Skulptur auf der Karlsbrücke in Prag.
      Es geht mir um die Gestaltung einer zeitgenössischen Arbeit, welche sich konkret auf diese spezifische Skulptur aus dem 17. Jahrhundert bezieht und sie neu interpretiert. Der Legende nach ist der Hl. Nepomuk an jener Stelle in die Moldau gestürzt worden, an der später die Skulptur errichtet wurde.

      Ich möchte die Konturen dieser Skulptur nachzeichnen und in vergrößerter Form als „Skizze“ auf dem Pfeiler des Brückentragwerks der U-Bahn-Station Stadlau anbringen.
      Die aus Rundeisen in der Stärke eines Handlaufs geschmiedete Umrisslinie ist dabei mit einigen Zentimetern Distanz am Pfeiler angebracht. Durch den sich immer verändernden Schatten ergibt sich so eine Verdoppelung der Linie.

      In der historischen Bauskulptur ging es besonders um Gestaltung der Konturen. Die Arbeiten waren oft nicht sehr detailreich gestaltet, weil die Distanz zum Betrachter zumeist sehr groß war. Anders als in der Malerei ist die Kontur also zentrales Gestaltungselement.

      Ausgeführt soll die Arbeit aus geschmiedetem Vollstahl werden, wie man es von Handläufen in alten Gebäuden kennt. Diese Handwerkstechnik erscheint mir sehr geeignet – denn der geschmiedete Rundstahl wird zur Linie und so zu einer übergroßen Zeichnung. Über die handwerkliche Ausführung des Schmiedens variiert die Materialstärke leicht, ähnlich einem Bleistiftstrich bei einer Handskizze. Wichtig ist dabei, dass die Attribute des Nepomuk, wie der Ölzweig und das Kreuz, in der Kontur klar erkennbar bleiben.

      Meine Arbeit lässt verschiedene Ebenen der Interpretation zu: Einerseits gibt es den konkrete Umriss einer der bedeutendsten Nepomuk-Darstellungen der Kunstgeschichte, zum anderen die abstrakte Zeichnung, die vielfältige Bezüge erlaubt. Die Umrisszeichnung grenzt einen Raum ab, ist aber gleichzeitig offen und lädt den Betrachter ein, diesen Raum im metaphorischen Sinn zu vervollständigen. Es geht mir darum, die Betrachter aktiv einzubinden, Assoziationen zu eröffnen, wie z.B. zu Landkartenskizzen, und durch die formale Reduktion eigenen Gedanken Raum zu geben.

      Meine Absicht ist es, durch die lebendige und fließende Umrisslinie sowie durch die Farbe, ein intensives Rot, ein sichtbares Zeichen zu schaffen, ohne dabei aber den Pfeiler zu dominieren. Die plastische Qualität der Säule soll nicht durch ein zusätzlich aufgesetztes, massives Objekt gestört werden.

      Eine wichtige Referenz ist für mich die skizzenhafte Heiligendarstellung von Henri Matisse in seiner Kapelle im französischen Vence. Matisse schuf mit wenigen Handstrichen eine vollkommen einprägsame und intensive Darstellung eines Heiligen.

      Der Schriftzug „NEPOMUK“ soll unterhalb der Skulptur angebracht werden – ein Verweis auf klassische Heiligendarstellungen, wie man sie in vielen Kirchen findet: Die Statuen werden auch über die Beschriftung definiert und lesbar. Das Verhältnis von Objekt und Text erschien mir dabei immer als spannend.

      Die Buchstaben sind plastisch ausgeführt, in Aluminium gegossen und grün beschichtet. Als Schrift habe ich die „Trajan“ ausgewählt, weil mir die Zeitlosigkeit und Schönheit dieses Schrifttyps für diese Aufgabenstellung gefällt.“ (Werner Feiersinger)

      Ich bedanke mich bei dem Künstler und kann ihm zustimmen, dass die Kontur in der historischen Bauskulptur eine wichtige Rolle gespielt hat. Und sie funktioniert auch heute noch, erkennen wir unsere Nepomuks doch schon von Weitem! Es ist diese unverwechselbare Kontur, der Gesamthabitus und der Ort der Präsenz.

      Mit dieser Erklärung von Herrn Freisinger wird der Nepomuk am Bahnhof Stadlau für mich noch plastischer!

      Johannes
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      Zunächst mal herzlichen Dank an den Künstler, Herrn Feiersinger, für die Beschreibung seiner Sichtweise und der Idee hinter seinem Kunstwerk.
      Ich muss mir das heute Abend nochmal genau durchlesen.
      Danke auch Dir, Johannes, dass Du solchen Fragen auf den Grund gehst ! :up:

      Liebe Grüße,
      Elke
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      Wien 1190, Döbling

      Dieser Nepomuk am Pfarrplatz in Heiligenstadt blickt ganz verdutzt. Hat er doch ob den frühlingshaften Temperaturen im Jänner seine Kappe gelüftet und jetzt schneit es ihm glatt auf den Kopf.

      Da heißt es nur geduldig warten, bis der Winterspuk vorüber geht. Für unseren Nepomuk kein Problem, steht er doch hier schon seit dem 18. Jahrhundert und hat so manche Wetterkapriolen miterlebt.





      Johannes
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      Nochmal zur modernen Umrissskulptur des Nepomuk von Werner Feiersinger in #184
      Obwohl der Umriss sehr genau dem der historischen Nepomukskulptur auf der Karlsbrücke in Prag entspricht, denke ich nicht , dass dieser Nepomuk an der Betonsäule leicht erkannt werden kann.

      Wir schauen oft ja auch sehr genau nach den Attributen, bevor wir uns drauf festlegen, dass wir einen Nepomuk gefunden haben.
      Das scheint hier nicht wichtig zu sein.

      Der Künstler lässt viel Spielraum für Offenheit, eigene Gedanken, Assoziationen, wie er selbst schreibt.

      Ich denke nicht, dass es dem Künstler um den Nepomuk als Schutzheiligen geht, nicht um einen religiösen Bezug, um bestimmte Anliegen, wie es bei den Nepomuks der letzten Jahrhunderte eigentlich immer war.

      Welche Beziehung gibt es zwischen dem Standort ( einer Betonsäule am Bahnhof Wien Stadlau ) und dem Heiligen Nepomuk,wie er im Laufe der Jahrhunderte immer symbolhaft interpretiert wurde?

      Johannes hat in #177 drauf hingewiesen, dass es sich hier um eine einst hochwassergefährdete Region handelt.
      Ist das vielleicht der Zusammenhang?

      Ist es verwegen zu fragen , ob dieser Nepomuk "austauschbar" sein könnte, ob der Künstler ebenso die Umrisse z.B eines Christopherus o.a. hätte wählen können?

      Ich könnte mir das durchaus vorstellen.Ich bin keine Kunstfachfrau und Herr Feiersinger wird mir diese eigenen Gedanken sicher zugestehen.

      Dass dieses Kunstwerk ganz ausgezeichnet genau an diesen Standort passt, sieht man vermutlich erst , wenn man bei unterschiedlichen Lichtverhältnis dort war.

      Bei Wikipedia gibt es dieses Bild, bei dem durch den Schatten die Umissfigur und der Schriftzug sehr schön plastisch erscheinen und die Aufmerkamkeit drauf gelenkt wird.
      Quelle
      de.wikipedia.org/wiki/Werner_Feiersinger


      Lizenz und Copyright
      s.
      commons.wikimedia.org/wiki/Fil…adlau_Kunst_Nepomuk_a.jpg
      Bildautor: Gugerell

      Gruß,
      Elke